Bildjournalismus – gibt es das überhaupt noch?

Photoeditor fragte gestern morgen lakonisch, ob es überhaupt noch so etwas gäbe wie Bildjournalismus:

Today, some of the best photojournalists work more like anthropologists or artists. The most serious ones are taking the long view and spending years on a story, publishing pieces along the way. Sometimes their work is funded by publications, but increasingly it is underwritten by NGOs and foundations, blurring the lines between journalism and advocacy. The model of the globetrotting photojournalist dispatched by New York photo editors to the far corners of the world to witness great moments in history applies only to a handful of working photographers today. 

Wenn heute bei einem Event 500 Kameras auf eine Szene gerichtet sind, dann sind eine Menge technisch guter Bilder dabei.  Das macht einfach die Automatik. Und wie am letzten Wochenende ein dpa Fotograf zu mir sagte “diese Bilder sind schneller auf Facebook, Instagram oder Twitter als Du die Speicherkarte aus Deiner Kamera ziehen kannst”.

Aber bilden diese Bilder wirklich etwas ab?  Oder ist das Bildermachen nicht doch ein komplexer Prozess, für den man am Abend Ruhe und einen großem Bildschirm braucht? Und Erfahrung für Bildaussage und Ästhetik? Und auch mal nachlesen muss, was die schreibende Zunft gesehen hat? Irgendwie werde ich den Verdacht nicht los, dass die meisten Fotografen nicht wissen, was sie da auf ihrer Speicherkarte haben. Und sich nie 3 Tage später ärgern, dass sie offensichtlich eine Schlüsselszene verpasst haben,

Vielleicht wird es – meine Hoffnung –  wie gerade im  Printjournalismus, irgendwann auch im Bildjournalismus mal eine Qualitätsoffensive geben.