Archiv der Kategorie: Philosophy

Der Tanz auf dem Vulkan

Virologie und Epidemiologie sind der Eindämmung der Pandemie verpflichtet (Viren und ihre Ausbreitung kann man wissenschaftlich untersuchen).

Politik in der Demokratie ist der Mehrheitsfindung verpflichtet (mit Viren selbst kann man ja nicht verhandeln).

Juristen bedienen sich der Hermeneutik bestehender Gesetzestexte (auch wenn da eher wenig zu Viren steht).

Der “dance” wurde damit in den westlichen Demokratien zum großen Tanz auf dem Vulkan. Auch wenn die Zahlen langsam sinken, der Abstieg ist nun genauso mühsam und gefährlich wie der Aufstieg.

Quelle: https://www.pngegg.com/de/png-ddgel/download und https://ourworldindata.org/coronavirus/country/germany?country=~DEU

Den für mich unerwarteten zweiten großen Absturz in der Corona Pandemie hat Heribert Prantl vor 2 Tagen im Hangar-7 hingelegt. Bei Artikel 2 GG hat Prantl offensichtlich nur den ersten Halbsatz von (1) gelesen:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Uri Geller in Nature

Alle Nature Artikel in meinem engeren Arbeitsgebiet lagen daneben. Warum es  aber trotzdem als höchste Auszeichnung gilt, einen Artikel dort veröffentlicht zu haben? Wo doch die allermeisten Artikel nicht einmal besonders häufig zitiert werden?
Und das mit Kosten für den deutschen Steuerzahler in Höhe von 9,500€?

Vielleicht sollte man doch mal an einen der legendärsten Artikel in Nature erinnern – die Studie zu Uri Geller (James Randi der den Geller Betrug aufgeklärt hat ist gerade erst verstorben).

The establishment of ESP [extrasensory perception] could conceivable require a paradigm shift (in Kuhn’s sense) of the most fundamental kind and our concepts of mind-brain relationships and cobsciousness would need radical alteration.

Es ist dabei nicht so sehr ein einzelner Artikel (den man natürlich hätte veröffentlichen können) sondern der monatelange Hype, der hier befeuert wurde.

Doch zurück zu den 9,500€ von den kein Reviewer einen Cent sieht. Undark hat eine vernichtende Analyse des Geschäftsmodells

But Springer Nature’s announcement also exposes a deep structural problem in scientific publishing. The proposed author fee, known as an article processing charge, or APC, is several times higher than what other publishers charge; it will likely be out of reach for researchers working outside of the world’s top institutions. Viewed in that light, Springer Nature’s move to open access seems less like a step toward equity and more like a corporation taking advantage of an uneven scientific funding landscape to increase its profits.

 

Wissenschaftsjournalismus in Deutschland

Die Defizite des Wissenschaftsjournalismus in Deutschland sind ja offensichtlich von vielen Kommentaren hier etwa zur NO2 Berichterstattung,
zu den Crispr Cas Zwillingen oder auch zu COVID-19.

Aber gibt es eine mehr systematische Exploration?

Die folgenden Literaturhinweise verdanke ich Carsten Reinmann

Die Qualität der Berichterstattung über Wissenschaft

Zu dem Thema auch

Senja Post (2015) http://doi.org/10.1177/1464884914541067
Summ/Volpers (2016) http://doi.org/10.1177/0963662515583419
Guenther et al. (2019) https://doi.org/10.1080/1461670X.2017.1353432

Völlig unbeirrt hagelt es nun Preise.

Mai Thi Nguyen-Kim ist „medium magazin“ Journalistin des Jahres 2020.

Dazu die Recherchekooperation „Pillenkick“ von Correctiv und ARD-Dopingredaktion: Jonathan Sachse, Arne Steinberg (Correctiv) und Hajo Seppelt, Wigbert Löer, Josef Opfermann, Patricia Corniciuc, Jörg Mebus, Shea Westhoff (ARD).

Und Volker Stollorz, Science Media Center.

Overloading reviewer

There is an interesting paper at bioRxiv on the never ending stream of review requests

… overburdening of reviewers to be caused by (i) an increase in manuscript submissions; (ii) insufficient editorial triage; (iii) a lack of reviewing instructions; (iv) difficulties in recruiting reviewers; (v) inefficiencies in manuscript handling and (vi) a lack of institutionalisation of peer review.

What makes it even more worse, that with the limited capacity of pre-publication review also the capacity of post-publication review is dropping…

Want to be a predatory reviewer? Just click on “yes” at the Cureus website (but read up the gossip at researchgate first)

 

Voll daneben

Christoph Lütge ist ja spätestens seit dem BILD Auftritt im Dezember nun auch deutschlandweit bekannt. Die menschenverachtende sozialdarwinistische Aussage “die Alten wären doch sowieso gestorben” steht in direkter Linie seines Credos “dass der Wettbewerb in vielen gesellschaftlichen Bereichen stärker als bisher … Problemlösungsmechanismus eingesetzt werden sollte“.

 

Archiv-Version.

Zum Glück blieb der Kollege gelassen.

Bad apple or bad system?

A new piece in the Journal of Academic Ethics raises the important question if and why the earlier “bad apple” explanation of scientific misconduct has been largely abandoned by referencing to ‘institutional failure’ (bad barrels), and ‘structural crisis (bad system).

Dutch scientists in 2011 explained Diederik Stapel’s grand-scale data fabrication largely in systemic terms, whereas only fifteen years earlier, in the René Diekstra affair (1996) such explanations had been close to absent…

Citation is not Confirmation

this is basically reframing a recent Twitter thread

Excellence depends on citation. Citation depends on  popularity. Popularity depends on fanciness. Fanciness on newsworthiness. Newsworthiness on excellence. Excellence depends on citation …

 

the pretension that some of us are better than others [is not] a good thing

particle physicist Jack Steinberger (1921-2020)

But Steinberger, who fled Nazi Germany for Chicago in 1934, was uninterested in prizes and often reiterated his belief that “the pretension that some of us are better than others [is not] a good thing”.

Give us our daily bias

When working today about COVID-19 mortality, I was falling back to the survivorship bias that is nice illustrated at Wikipedia and which is just another type of selection bias that I explained in my last talk.

During World War II, the statistician Abraham Wald took survivorship bias into his calculations when considering how to minimize bomber losses to enemy fire.The Statistical Research Group (SRG) at Columbia University, which Wald was a part of, examined the damage done to aircraft that had returned from missions and recommended adding armor to the areas that showed the least damage, based on his reasoning. This contradicted the US military’s conclusions that the most-hit areas of the plane needed additional armor.

Eine politische Frage

Die #COVID19 Pandemie wird in der zweiten Welle immer mehr zu einer politischen Frage – vor allem für die Regierenden aber nun auch für die Wähler. CDU/CSU/FDP/Nichtwähler stabilisieren dabei die Inzidenz, Wähler mit ungültiger Stimme und AfD Wähler treiben sie nach oben, SPD und GRÜNE verringern sie.

 

 

Nochmal das selbe Panel, diesmal allerdings nur die westdeutschen Bundesländer; der AfD Effekt schwächt sich hier deutlich ab; die LINKE zusammen mit der SPD wirkt sich positiv aus.

 

 

Ganz anders in den ostdeutschen Bundesländer: Bezirke mit hohem FDP Wähleranteil haben auch hier mehr Infektionen ähnlich wie in Bezirken mit hohem AfD und Nichtwähler-Anteil. Selbst bei der CDU gibt es  einen Anstieg, nur Bezirke mit SPD, GRÜNE und LINKE Anteil haben tendenziell eine niedrigere COVID-19 Inzidenz.

 

 

Das Thema hat wohl Matthias Quent am 6.12. zuerst aufgegriffen (nachdem es in der ersten Welle kaum Anhaltspunkte für solche Effekte gab).

In den vergangenen Tagen gab es in den Medien und in der Politik Thesen darüber, dass Regionen besonders stark von #Corona belastet sind, in denen die #AfD besonders stark ist. Was ist da dran? Wir haben nachgerechnet.

darauf die TAZ am 12.12.

Besonders stark diskutiert wird derzeit eine Kurzauswertung von Forschern am Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena. Deren Direktor Matthias Quent veröffentlichte auf Twitter eine Analyse, die nahelegt, dass es einen Zusammenhang zwischen hohen Coronazahlen und AfD-Anhängerschaft geben könnte.

die FAZ am 15.12.

Eine – auf den ersten Blick schlüssige – Vermutung lautet, dass die Zahl der Neuinfektionen in den Regionen besonders hoch ist, in denen viele AfD-Wähler leben. In Sachsen hatte die AfD bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr mit 27,5 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis eingefahren. Und die Partei hat sich, nachdem sie zu Beginn der Pandemie, als sich der Staat noch sehr zurückhaltend zeigte, besonders harte staatliche Eingriffe gefordert hatte, zu einer der schärfsten Gegner von Corona-Beschränkungen entwickelt, seit der Staat diese immer wieder anordnet. Bereits auf den ersten Demonstrationen der sogenannten Querdenker in Stuttgart waren Fahnen und Vertreter der AfD unübersehbar…

der SPIEGEL am 17.12.
Kaum eine Region in Deutschland ist so schlimm von der Pandemie betroffen wie der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Für Covid-Patienten gibt es keine freien Intensivbetten mehr. Ein Ortstermin in Pirna.
die ZEIT am 18.12.
Raj Kollmorgen:  …. Andererseits erstaunt es mich nicht, denn es gibt eine Reihe von Faktoren, welche die Epidemie in unserer Region begünstigen. Ein Faktor sind politische Mentalitäten. Teile der Bevölkerung sind grundsätzlich skeptisch gegenüber den Entscheidungen der Politik, nicht wenige sehen sich sogar im Widerstand und protestieren. Das hat sich in den vergangenen Monaten noch einmal verschärft.

Auf die Idee kann man schon kommen, wenn man die Nähe von AfD und „Querdenkern“ betrachtet. Aber kann es nicht auch sein, dass ein ganz sachlicher Grund dahintersteckt? Einer, der etwas mit den Wanderungsbewegungen der jungen Ostdeutschen zu tun hat? … Die Antwort auf die medial gestellte Frage wäre also eher nicht „die AfD ist schuld“, sondern: Die AfD ist genauso Symptom einer offenkundigen Fehlentwicklung wie die Überalterung und Destrukturierung …

Hier nun ein Regressionsmodell sowie einPCA Plot  (im t-SNE Stil) mit eindeutigem Ergebnis: SPD dominierten Landkreisen ging es am besten in der Pandemie, AfD Landkreisen am schlechtesten. Ob das nun wirklich mit besserem Krisenmanagement zusammenhängt oder nur mit der zufälligen regionalen Koinzidenz ist dabei noch eine offene Frage.
Und hier noch die Principal Component Analyse der 3 Cluster (Anklicken zum Vergrössern)

let’s be honest

Flow Cytometry Basics by Christine Goetz Christopher Hammerbeck Jody Bonnevier, preface

let’s be honest, if you’re just learning something, you don’t know what you don’t know, and it’s hard to ask questions about the things you don’t know

About scientific myths

Natural / The Seductive Myth by Alan Levinovitz, p 18

People
 don’t
 just
 live
 by
 archetypal
 myths—they
 are
 constituted
 by them.
 As 
the 
scholar 
of
 myth 
Bruce 
Lincoln 
has 
argued,
 myth 
is 
ideology 
in narrative
 form.
Want 
to 
know 
what 
someone 
stands 
for? 
Look 
to 
the
 myths that
 shape
 them.
 Group
 identity,
 from
 religion
 to
 politics,
 depends
 on
 an investment
 in
 a
 few
 foundational
 stories,
 which
 serve
 as
 justifications
 of one’s
 preferred
 moral
 and
 social
 order.
 This
 is
 why
 mythically
 justified beliefs
 are
 so
 resistant
 to
 evidence:
 changing
 them
 means
 changing yourself.

This is what I think, when colleagues say, that a paper needs a story.

Sorry for the poor English

From a recent Nature email newletter: There’s more to science than English

The evidence shows that the pressure to write in English is a source of frustration and anxiety for some non-native English speakers, and hinders diversity in science. …. “English-speakers have become the gatekeepers of science, excluding a wide variety of opinions [and] perspectives,” says conservation scientist Tatsuya Amano.

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0238372