Seminar

Evolutionäre Medizin

TU München, Medizinische Fakultät

Ort: LuTZ, Nigerstr. 3, 1. OG, online wjst.de/seminar

Dozent: PD Dr. M. Wjst u.a.

Adressaten: Medizinstudenten/innen ab 8. Semester, PhD Studiengang, …, Kollegen/innen anderer Fachbereiche

Anmeldung: Email an evomed-subscribeATyahoogroupsDOTde (zwingend notwendig für Schein)

Leistungsanforderung: Übernahme eines Referates oder Koreferates, Vor- und Nachbereitung ca. 2 Stunden pro Woche

Seminarapparat: Logindaten am 1. Veranstaltungstag

Slides: Logindaten am 1. Veranstaltungstag

Termine erst wieder Wintersemester 2010
(Logo klicken für Outlook Import)

show-ics-events cal=1

Zur Einführung: “Die Steinzeit steckt uns in den Knochen” (Ganten) oder “Stoneagers on the fast lane” (Eaton) – es sieht so aus, als ob die evolutionäre Medizin einiges zu unserem Verständnis zu Gesundheit und Krankheit beitragen könnte. Obwohl es das Thema im letzten Jahr auf den SPIEGEL Titel geschafft hat und  auch in das WELT Feuilleton, so gibt es bisher keine Veranstaltung zur evolutionären Medizin an einer medizinischen Fakultät in Deutschland.

Das steht ganz im Gegensatz zu den USA, wo das Thema an 20 Colleges zum Curriculum gehört. Ist der Mensch wirklich so fehlangepasst an die jetzigen Lebensbedingungen oder ist das nur die übliche journalistische Übertreibung? Und wer kann überhaupt diese Frage beantworten?

Die medizinische Anthropologie gibt es bei uns in der Form (zum Glück) nicht mehr; die Epidemiologie ist vorwiegend mit der Organisation von Studien beschäftigt um theoretische Beiträge zu liefern; die Humangenetik als die eigentliche Paradedisziplin hat mehr klinische Fragen im Fokus; und auch die genetische Statistik, die ansonsten über fundierte Methoden der Populationsgenetik verfügt, hat andere Schwerpunkte. Wir müssen uns also selbst Gedanken machen…

Was ist überhaupt evolutionäre Medizin? Mit Gluckman könnte man argumentieren, das sei der Versuch, aufgrund der Menschheitsgeschichte fundamentale Prinzipien von Gesundheit und Krankheit zu beschreiben. Dieses Wissen könnte uns durchaus zu besseren Ärzten machen – wenn wir verstehen würden, worauf unsere Energiebilanz angelegt ist; wenn wir verstehen würden, was das optimale Fortbewegungsmittel für uns wäre; wenn wir verstehen würden worauf wir psychisch “getrimmt” sind. Traditionell lernt man in der Medizin erst einmal Anatomie, dann Physiologie und dann Pathophysiologie um irgenwann in der Inneren Medizin oder Chirurgie zu arbeiten.

Ein anderer Ansatz – um es zuzuspitzen – wäre Geschichte, Humangenetik und Epidemiologie zu studieren – um über Prinzipien der evolutionären Medizin zu einem neuen Public Health Ansatz zu kommen – weg von einer Medizin des reinen Reparaturbetriebes. Und selbst in der Klinik könnte uns ein fundiertes Verständnis der genetischen und epigenetischen Regulationsmechanismen helfen, neue Therapien zu entwickeln.

Allerdings ist das ein langer Weg, der eben erst beginnt. Wir wissen nur weniges aus unserer Vorgeschichte; einiges kann halbwegs rekonstruiert werden, aber vieles ist nicht mehr als haltlose Spekulation.

Wir werden in diesem Semester eine eigene Rekonstruktion versuchen, möglichst anhand von Originalliteratur aber auch den (wenigen) bisherigen Büchern.