Seminar

Evolutionäre Medizin

TU München, Medizinische Fakultät

Ort: LuTZ, Nigerstr. 3, 1. OG

Zeit: donnerstags 19:00 s.t. – 20:30

Dozent: Prof. Dr. M. Wjst und Gäste

Adressaten: Medizinstudenten/innen ab 8. Semester, PhD Studiengang, Kollegen/innen anderer Fachbereiche

Anmeldung: Email an evomed-subscribe@yahoogroups.de (notwendig für Schein und zur Benachrichtigung bei Terminverschiebungen)

Leistungsanforderung: Übernahme eines Referates, Vor- und Nachbereitung ca. 2 Stunden pro Woche

Seminarapparat: Logindaten am 1. Veranstaltungstag

Slides: Logindaten am 1. Veranstaltungstag

Termine
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0. Einführung und Terminplan
1. Genetische Variablität des Menschen
2. Evolution und Entwicklung der genetischen Variablität
3. Individuelle Lebenszeit und genetische Epidemiologie
4. Diversifizierung und Speziesvergleich
5. Humane Erkrankungen unter evolutionärer Sicht I: Tumorigenese
6. Humane Erkrankungen unter evolutionärer Sicht II: Ernährung und Metabolismus
7. Humane Erkrankungen unter evolutionärer Sicht II: Immunologie und Allergie
8. Genetik der sozialen Organisation
9. Ein Theorie der evolutionären Medizin
10. Biologie, Religion und Public health unter evolutionärer Sicht

Zur Einführung: “Die Steinzeit steckt uns in den Knochen” (Ganten) oder “Stoneagers on the fast lane” (Eaton) – es sieht so aus, als ob die evolutionäre Medizin einiges zu unserem Verständnis zu Gesundheit und Krankheit beitragen könnte. Obwohl es das Thema 2009 auf den SPIEGEL Titel geschafft hat und auch in das WELT Feuilleton, gibt es bisher keine Veranstaltung zur evolutionären Medizin an einer medizinischen Fakultät in Deutschland.

Das steht ganz im Gegensatz zu den USA, wo das Thema an 20 Colleges längst zum Curriculum gehört. Ist der Mensch wirklich so fehlangepasst an die jetzigen Lebensbedingungen oder ist das nur die übliche journalistische Übertreibung? Und wer kann überhaupt diese Frage beantworten?

Die medizinische Anthropologie gibt es bei uns in der Form (zum Glück) nicht mehr. Die Epidemiologie ist vorwiegend mit der Organisation von Studien beschäftigt um theoretische Beiträge zu liefern. Aber auch die Humangenetik als die eigentliche Paradedisziplin scheidet aus, da sie mehr klinische Fragen im Fokus hat, ebenso die genetische Statistik, die ansonsten über fundierte Methoden der Populationsgenetik verfügt. Wir müssen uns also selbst Gedanken machen…

Was ist das überhaupt – evolutionäre Medizin? Mit Gluckman könnte man argumentieren, es sei der Versuch, aufgrund der Menschheitsgeschichte fundamentale Prinzipien von Gesundheit und Krankheit zu beschreiben. Dieses Wissen könnte uns durchaus zu besseren Ärzten machen – wenn wir verstehen würden, worauf unsere Energiebilanz beruht; wenn wir verstehen würden, was das optimale Fortbewegungsmittel für uns ist; wenn wir verstehen würden, worauf wir psychisch angelegt sind. Traditionell lernt man in der Medizin erst einmal Anatomie, dann Physiologie und dann Pathophysiologie um zuguterletzt in der Inneren Medizin oder Chirurgie zu arbeiten.

Ein anderer Ansatz – um es zuzuspitzen – wäre Geschichte, Genetik und Epidemiologie zu studieren – um über Prinzipien der evolutionären Medizin zu einem neuen Public Health Ansatz zu kommen weg von der vielfach beschworenen Medizin des reinen Reparaturbetriebes. Allerdings ist das ein langer Weg, der eben erst beginnt. Wir wissen nur weniges aus unserer Vorgeschichte; einiges kann rekonstruiert werden, aber vieles ist nicht mehr als eine haltlose Spekulation.

Wir werden in diesem Semester eine eigene Rekonstruktion versuchen, anhand von Originalliteratur aber auch den (wenigen) bisherigen Büchern.