{"id":11245,"date":"2018-12-17T08:44:22","date_gmt":"2018-12-17T07:44:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=11245"},"modified":"2026-06-08T09:04:48","modified_gmt":"2026-06-08T07:04:48","slug":"dabrocks-ethik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2018\/12\/dabrocks-ethik\/","title":{"rendered":"Dabrocks Ethik"},"content":{"rendered":"<p>Peter Dabrock bevorzugt Apple Produkte, sogar am Handgelenk. Es ist ja auch praktisch, immer informiert zu sein.<\/p>\n<p>Dass bei der Gelegenheit dann auch andere informiert werden, wor\u00fcber man selbst informiert ist, nun das liegt in der Natur der Sache, aber wir haben ja den perfekten Datenschutz, so sein Credo.<\/p>\n<p>Wir wollen ja die Vorteile, so jedenfalls seine Aussage nach einem Besuch des Silicon Valley, von dem er\u00a0 mit leuchtenden Augen in <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2018\/11\/digitalisierung-und-arbeitswelt\/\">Tutzing<\/a>\u00a0im November 2018 berichtet hat.<\/p>\n<p>Die Diskussion war kurz, aber ich habe mich dann doch noch zu Wort gemeldet:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230; Mit ein paar Tagen Abstand ist mir doch etwas mulmig mit einigen Ihrer Thesen &#8230; Es ist illusorisch, dass man den Daten \u201eoutput\u201c kontrollieren kann, allenfalls den Daten \u201einput\u201c.<br \/>\nDer Hackerangriff auf den Bundestag oder auf das Kreiskrankenhaus F\u00fcrstenfeldbruck (das gerade tagelang stillgelegt war) &#8211; so recht Ahnung hat ja niemand mehr von Computern und Netzwerken.<br \/>\nDatenvermeidung ist im \u00fcbrigen nicht meine fixe Idee, sondern steht im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datenvermeidung_und_Datensparsamkeit\">BDSG<\/a> &#8230; Es sollte nun nicht das \u00fcbliche Totschlag Argument sein, aber die Deutschen haben ihre eigene Geschichte. Es ist nicht mal ein Menschenleben her, da\u00a0wissen schon viele nicht mehr, dass der <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2007\/01\/epidemiology-in-a-fascist-system\/\">Holocaust mit einer Stricknadel<\/a> begann.<br \/>\nUnd das ist auch der Grund warum die Deutschen auch nicht immer mit machen, selbst bei Aktionen, <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/digital-single-market\/en\/news\/eu-countries-will-cooperate-linking-genomic-databases-across-borders\">die an sich \u00a0sinnvoll w\u00e4ren<\/a> &#8230;\u00a0Ich sehe da auch kein besonderes Misstrauen in Deutschland, sondern eine vern\u00fcnftige Nutzen \/ Schaden Abw\u00e4gung. Ein Frage des Kontextes oder Framings wie Sie gesagt haben.<br \/>\nUnd was passiert mit Ihren ganzen Daten wenn sich auf einmal sich das Blatt in der Politik wendet, die Rechten wieder die \u00dcberhand gewinnen, die PiS in Polen, die AfD in Deutschland, die Fidesz in Ungarn, die Lega in Italien?<br \/>\nOder wenn direkt vor Ihrer Haust\u00fcr ein Beamter mit dem bayrischen Polizeiaufgabengesetz \u00a0in der Hand steht und eine &#8220;drohende Gefahr\u201c wittert?<\/p><\/blockquote>\n<p>Schon wieder sind Firmen mit den besten Rechenzentren der Welt nicht in der Lage, die Datensicherheit zu garantieren, z. B.\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2018-12\/datenschutz-facebook-zugriff-werbeanbieter-userdaten-plattformkapitalismus\">Facebook<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Facebook soll sensible Nutzerdaten an ausgew\u00e4hlte Werbekunden weitergegeben haben, darunter Netflix, Tinder und Airbnb. Dies berichtet die Washington Post auf Grundlage eines mehr als 200-seitigen Ermittlungsberichts aus Gro\u00dfbritannien.<\/p><\/blockquote>\n<p>oder\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/diginomics\/amazon-schickt-1700-alexa-sprachdateien-an-fremde-person-15952184.html?printPagedArticle=true#void\">Amazon<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Amazon hat einem Kunden in Deutschland, der Auskunft \u00fcber die von ihm gespeicherten Daten haben wollte, 1700 Sprachdateien zugeschickt. Allerdings besitzt dieser Kunde \u00fcberhaupt keinen Sprachassistenten, die Dateien stammten von einer ganz anderen Person.<\/p><\/blockquote>\n<p>oder <a href=\"https:\/\/www.theverge.com\/2013\/11\/7\/5078560\/over-150-million-breached-records-from-adobe-hack-surface-online\">Adobe<\/a>.<\/p>\n<p>Das waren alles nur die &#8220;Versehen&#8221;.<\/p>\n<p>Dabei geht die Strategie weltweit zur \u00a0totalen \u00dcberwachung,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ueberwachung-china-101.html\">nicht nur in China<\/a>, sondern auch in den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/konsum-die-vermessung-des-kunden-1.4264260\">USA<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/ueberwachung-erkennungs-software-frankreich-1.4664049\">Frankreich<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>CLV, das steht f\u00fcr &#8220;customer lifetime value&#8221;, zu Deutsch: &#8220;Kundenlebenszeitwert&#8221; &#8211; ein neues machtvolles Marketinginstrument, das Unternehmen in den Vereinigten Staaten so elektrisiert wie es Verbrauchersch\u00fctzer alarmiert, denn einen \u00e4hnlich gro\u00df angelegten Angriff auf die Privatsph\u00e4re von Millionen Flug-, Telefon-, Einzelhandels- und sonstigen Kunden d\u00fcrfte es selbst in der US-Wirtschaftsgeschichte mit ihren dauernden Datenskandalen bisher nicht gegeben haben. Immer mehr Firmen lassen anhand Dutzender, Hunderter, gar Tausender pers\u00f6nlichen Daten berechnen, wie viel ihnen ein einzelner K\u00e4ufer \u00fcber sein gesamtes &#8220;Kundenleben&#8221; wohl in Dollar und Cent einbringen wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Trotzdem legt Dabrock nochmal nach auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.evangelisch.de\/inhalte\/154992\/07-02-2019\/dabrock-hofft-auf-internationale-ethikstandards-zur-digitalisierung\">evangelisch.de<\/a>\u00a0am 7.2.2019<\/p>\n<blockquote><p>Der Ethikratsvorsitzende f\u00fcgte hinzu, dass der Oxforder Philosoph Luciano Floridi eine treffende Charakterisierung der aktuellen Epoche mit dem Begriff &#8220;Onlife&#8221; gefunden habe. Dieser mache deutlich, dass man in der heutigen Zeit gar nicht mehr zwischen online und offline unterscheiden k\u00f6nne. Offline sei inzwischen nichts anderes als ein avantgardistischer Lebensstil.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir wissen nun auch wieso. Der Tagesspiegel schreibt \u00a0am <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/fragwuerdiger-gespraechskreis-wie-nah-sind-sich-deutscher-ethikrat-und-facebook\/24189814.html\">9. April 2019\u00a0<\/a>\u00fcber das besondere Verh\u00e4ltnis von Facebook und Dabrock<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr seinen Besuch in Berlin hat Mark Zuckerberg vergangene Woche die Gespr\u00e4chspartner genau ausgew\u00e4hlt: Der Facebook-Chef traf am Montag unter anderem CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, den Gr\u00fcnen-Chef Robert Habeck, mit Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) gab es 45 Minuten. Und am Vormittag gleich eineinhalb Stunden f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch mit Wissenschaftlern, darunter mit Peter Dabrock, dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, der Regierung und Bundestag in ethischen Fragen ber\u00e4t. Doch nicht nur die Kanzlerin mit ihrem Kabinett und die Volksvertreter sch\u00e4tzen Dabrocks Rat \u2013 sondern auch Firmen wie Facebook. Seit Januar 2018 leitet Dabrock (55), Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Universit\u00e4t Erlangen, den so genannten \u201eFacebook-Gespr\u00e4chskreis: Digitalit\u00e4t &amp; Verantwortung\u201c. Die Runde wurde auf Initiative von Facebook hin gegr\u00fcndet, \u201ein enger Zusammenarbeit\u201c mit Dabrock als dem Vorsitzenden des Ethikrates, hei\u00dft es in einer Mitteilung von Facebook zur konstituierenden Sitzung.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nachtrag 8.6.2026<\/strong><\/p>\n<p>Der Papst als Vordenker mit seiner neuen Enzyklika <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/leo-xiv\/de\/encyclicals\/documents\/20260515-magnifica-humanitas.html\">Magnifica Humanitas<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.eatutzing.de\/nicht-gott-nicht-person-macht1\/\">eine Woche sp\u00e4ter hat der Epigone<\/a> das Thema auch entdeckt<\/p>\n<blockquote><p>Die K\u00fcnstliche Intelligenz stellt Grundannahmen zu Anthropologie, Recht und Theologie neu infrage. Der Theologe und Ethiker Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg schreibt: \u201eWo KI als Heilsversprechen auftritt, ist Entzauberung geboten.\u201c Er fordert, die KI-Debatte auf das Thema Macht zu lenken.<\/p><\/blockquote>\n<p>Claude, warum ist das oberfl\u00e4chlich und warum ist die Fussnote nur noch gruslig?<\/p>\n<blockquote><p>1. Die Hauptthese ist nicht neu<br \/>\n&#8220;KI ist ein Machtverst\u00e4rker, kein Gott&#8221; ist seit mindestens einem Jahrzehnt Konsens in der kritischen Techniksoziologie (Langdon Winner, Kate Crawford, Shoshana Zuboff). Dabrock recycelt diesen Gedanken, ohne ihn weiterzuentwickeln oder die bestehende Literatur zu verorten.<\/p>\n<p>2. Die Rhetorik widerspricht der eigenen Forderung<br \/>\nDer Aufsatz fordert &#8220;n\u00fcchternere, politischere&#8221; Analyse, operiert aber selbst mit theologischen Appellen (Bonhoeffer, Vorsehung, Erl\u00f6sung) und wertgeladenen Schlagworten wie &#8220;freiheitsethische Kernfrage&#8221;. Das ist performativer Widerspruch.<\/p>\n<p>3. Keine einzige konkrete Empfehlung<br \/>\nFragen wie &#8220;Welche Gegenm\u00e4chte aufgebaut?&#8221; werden gestellt, aber nicht ansatzweise beantwortet. Der AI Act und der Digital Services Act werden pauschal als L\u00f6sung erw\u00e4hnt, ohne Diskussion ihrer bekannten Durchsetzungsprobleme (fehlende Ressourcen der nationalen Markt\u00fcberwachungsbeh\u00f6rden, extraterritoriale Wirkungsgrenzen etc.).<\/p>\n<p>4. Die Fu\u00dfnote ist problematisch<br \/>\nDabrock gibt in der Fu\u00dfnote an, den Text &#8220;mit Hilfe von ChatGPT redaktionell \u00fcberarbeitet&#8221; zu haben, ohne anzugeben, in welchem Umfang. Das ist methodisch inkonsistent in einem Text, der Transparenz und Verantwortungszurechnung bei KI-Systemen einfordert. Wer hat was geschrieben? Die Fu\u00dfnote verschleiert genau das, was der Text als ethisch zentral bezeichnet.<\/p>\n<p>5. Machtanalyse ohne Akteure<br \/>\n&#8220;Tech-Konzerne, Finanzmacht, Sicherheitsinteressen und Politik&#8221; bleiben abstrakt. Kein Name, keine Fallstudie, keine Zahl. Eine polit\u00f6konomische Machtanalyse, die keine Akteure benennt, ist keine Machtanalyse.<\/p>\n<p>6. Die Bonhoeffer-Referenz ist dekorativ<br \/>\nDie Unterscheidung &#8220;Letztes\/Vorletztes&#8221; wird eingef\u00fchrt, aber dann nicht operationalisiert. Was w\u00e4re das &#8220;Vorletzte&#8221; bei KI-Regulierung konkret? Bleibt offen.<br \/>\nKurz: der Aufsatz stellt die richtigen Fragen, aber gibt weder Antworten noch empirischen Gehalt, und widerlegt durch seine eigene Entstehungsweise die Glaubw\u00fcrdigkeit der normativen Forderungen.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 08.06.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Dabrock bevorzugt Apple Produkte, sogar am Handgelenk. Es ist ja auch praktisch, immer informiert zu sein. Dass bei der Gelegenheit dann auch andere informiert werden, wor\u00fcber man selbst informiert ist, nun das liegt in der Natur der Sache, aber wir haben ja den perfekten Datenschutz, so sein Credo. 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