{"id":11612,"date":"2019-01-22T07:19:53","date_gmt":"2019-01-22T06:19:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=11612"},"modified":"2021-01-27T08:42:40","modified_gmt":"2021-01-27T08:42:40","slug":"ethik-von-facebook","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/01\/ethik-von-facebook\/","title":{"rendered":"Die Ethik von Facebook"},"content":{"rendered":"<p>Das mangelnde Bewusstsein von Facebook in ethischen Fragen war das immer wiederkehrende Problem von Cambridge Analytics bis zum Filterstream.\u00a0Und nun finanziert Facebook pl\u00f6tzlich ein Ethik-Institut? Niemand redet mehr \u00fcber die Ethik von Facebook sondern dar\u00fcber was Facebook f\u00fcr die Ethik tut?<\/p>\n<p>So viel positive PR f\u00fcr l\u00e4cherliche \u00a06,5 Millionen?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-22-um-06.34.12.png\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-11613\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-22-um-06.34.12.png\" alt=\"\" width=\"261\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-22-um-06.34.12.png 572w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-22-um-06.34.12-319x500.png 319w\" sizes=\"auto, (max-width: 261px) 100vw, 261px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit sollen ethische Regeln in die KI eingebaut werden &#8211; mit Wettbewerb als universelle Probleml\u00f6sung? Ich muss mir nun doch mal das &#8220;<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/279513434_Experimentelle_und_Evolutionare_Ethik_Eine_neue_Synthese_in_der_Moralphilosophie\/download\">Experimental Ethics Lab<\/a>&#8221; \u00a0genauer ansehen, bisher war mir nur &#8220;Ethics of Experimental Labs&#8221; ein Begriff. <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=1&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwiZjJvUhqfgAhWJJlAKHdkVA2cQFjAAegQICRAB&amp;url=https%3A%2F%2Fwww.researchgate.net%2Fpublication%2F279513434_Experimentelle_und_Evolutionare_Ethik_Eine_neue_Synthese_in_der_Moralphilosophie&amp;usg=AOvVaw0aUxKUEMNVthSkPnWscCze\">Details zuhauf ab S. 163<\/a> bei Rusch \/ L\u00fctge \/ Voland<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 167\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<blockquote><p>Seit einigen Jahren engagiert sich ein kleiner Teil des, vornehmlich US-amerikanischen, philosophischen Nachwuchses in der eigenst\u00e4ndigen experimentellen Untersuchung philosophischer Fragestellungen im Bereich von Wahrnehmung, Verhalten und Einstellungen &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Das h\u00f6rt sich irgendwie mehr nach Psychologie Einf\u00fchrungsseminar an. So wird die Kritik daran dann auch gleich mitgeliefert<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 167\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<blockquote><p>Kritiker, insbesondere aus der Tradition der analytischen Philosophie, werfen der Experimentellen Philosophie neben M\u00e4ngeln in experimental-technischen Details vor allem vor, sie k\u00f6nne mit ihrer Methodologie \u00fcberhaupt keinen philosophischen Erkenntnisgewinn erzielen, gehe es doch in der Philosophie eben nicht darum, was und wie Menschen ganz konkret f\u00fchlen, denken, entscheiden oder handeln \u2013 also nicht um die Genese philosophischer \u00dcberzeugungen \u2013 sondern darum, einen konsistenten Begriffsrahmen zu schaffen, in dem sich Mensch und Natur pr\u00e4zise beschreiben lassen &#8230;. Philosophie soll demnach nicht erforschen, was der Fall ist, sondern wie Begriffe und Sprachen angelegt sein k\u00f6nnten, in denen sich dann alle denkm\u00f6glichen Sachverhalte widerspruchsfrei und eindeutig wiedergeben lie\u00dfen.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Aber vielleicht ist genau das ausser Mode gekommen, Sachverhalte widerspruchsfrei aufzukl\u00e4ren? Weil so vieles dubios ist bei der \u00a0Verlagerung der Diskussion \u00fcber die &#8220;Ethik von Facebook&#8221; \u00a0zu \u00a0&#8220;Facebook beeinflusst Ethik&#8221;?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/facebook-foerdert-die-ki-forschung-an-der-tu-muenchen-gastbeitrag-a-1250796.html\">Thomas Beschorner<\/a> sagt, von diesem Deal profitieren beide Partner. Das mag stimmen &#8211; \u00a0sagt aber noch lange nicht, dass die Allgemeinheit davon etwas h\u00e4tte. Beschorner geht dabei\u00a0 weniger von einem Reputationsgewinn aus, sondern glaubt eher an einen direkten Benefit.<\/p>\n<blockquote><p>Wer jetzt &#8220;gekaufte Wissenschaft&#8221; schreit, d\u00fcrfte allerdings falsch liegen. Die TU M\u00fcnchen stellte schnell klar, dass es keine Auflagen seitens Facebook gibt, sondern es darum geht &#8220;unabh\u00e4ngige Forschung zu finanzieren&#8221;&#8230; Und was ist der Vorteil f\u00fcr den Geldgeber? Die von Facebook bereitgestellten Mittel sind keine Spende f\u00fcrs Gemeinwohl, sondern eine Investition ins eigene Gesch\u00e4ft. Es geht weniger um Werbung oder einen Reputationsgewinn f\u00fcr Facebook durch die Kooperation mit der Uni. Der \u00f6konomische Vorteil f\u00fcr Facebook d\u00fcrfte vielmehr in der anvisierten Forschung an dem neuen Institut liegen.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/hochschulfinanzierung-facebook-macht-moral-zum-netten-accessoire-1.4331641\">Carolin Emcke<\/a> sieht hingegen mehr den &#8220;whitewashing&#8221; Effekt<\/p>\n<blockquote><p>Aber mindestens ein Ergebnis steht schon fest, bevor das Institut mit der Forschung begonnen hat: Ethik ist als warenf\u00f6rmiges Accessoire durchsichtiger Image-Kampagnen desavouiert. Das ist ein hoher Preis.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Deutsche Hochschulverband hat die Newsletter-Leserinnen und -Leser nun im Februar gefragt, ob sie die Finanzierung eines Instituts f\u00fcr Ethik in der K\u00fcnstlichen Intelligenz an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen durch Facebook f\u00fcr unbedenklich halten. 6,2 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer antworteten mit Ja und 93,8 Prozent mit Nein.<\/p>\n<p>Und jetzt &#8211; 5 Monate sp\u00e4ter &#8211; sehe ich eine kurze Notiz in der SZ.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/screen-3.jpg\" data-rel=\"key-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-12619\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/screen-3.jpg\" alt=\"\" width=\"273\" height=\"476\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/screen-3.jpg 2212w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/screen-3-620x1081.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/screen-3-768x1338.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/screen-3-287x500.jpg 287w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><\/a><\/p>\n<p>6 Experten im Beirat von denen keiner Facebook kritisch sieht?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/gi.de\/meldung\/gi-zentrale-verlaesst-facebook\/\">Ganz anders hingegen die Gesellschaft f\u00fcr Informatik<\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"bodytext\">Der Vorstand der Gesellschaft f\u00fcr Informatik (GI) hat beschlossen, die Pr\u00e4senz der Gesellschaft auf Facebook nach zehn Jahren zum 15. Mai 2019 zu schlie\u00dfen. Grund f\u00fcr die Abkehr ist das Verhalten des Konzerns, das seit Monaten immer wieder f\u00fcr negative Schlagzeilen sorgte. Zunehmend sei f\u00fcr die GI das Gesch\u00e4ftsgebaren von Facebook, aber noch viel mehr der fahrl\u00e4ssige Umgang mit Daten, das Ausspionieren und die vermeintliche oder tats\u00e4chliche Beeinflussung der Nutzerinnen und Nutzer untragbar geworden, hie\u00df es zur Begr\u00fcndung.\u00a0&#8220;Facebook tr\u00e4gt den Datenschutz als Lippenbekenntnis vor sich her, kann ihn aber nicht ernsthaft umsetzen, weil das dem Gesch\u00e4ftsmodell des Konzerns zuwider laufen w\u00fcrde. Hier ist keine Besserung in Sicht, und ein Zuwarten also vergeblich&#8221;, so Alexander von Gernler, Vizepr\u00e4sident der GI. &#8220;Deshalb haben wir uns entschieden, nicht mehr Teil dieses sozialen Netzwerks sein zu wollen. Als Fachgesellschaft von verantwortungsbewussten Informatikerinnen und Informatikern k\u00f6nnen und wollen wir dieses Verhalten durch unsere Mitgliedschaft nicht weiter unterst\u00fctzen.&#8221;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Addendum\u00a014.12.2019<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-technische-universitaet-ethik-institut-finanzierung-unabhaengigkeit-1.4723566\">sueddeutsche.de<\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p class=\" css-0\">Eine schriftliche Vereinbarung zwischen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Facebook\">Facebook<\/a>\u00a0und der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TU) gibt neuen Anlass f\u00fcr Zweifel an der Unabh\u00e4ngigkeit des Instituts f\u00fcr Ethik in der K\u00fcnstlichen Intelligenz. Das Dokument, das der\u00a0<i>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/i>\u00a0vorliegt, tr\u00e4gt die Unterschriften des ehemaligen TU-Pr\u00e4sidenten Wolfgang Herrmann, des Ethik-Institutsleiters Christoph L\u00fctge und des bei Facebook f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz zust\u00e4ndigen Vizepr\u00e4sidenten Jerome Pesenti. Es widerspricht den bisherigen Darstellungen der TU in mehreren wesentlichen\u00a0Punkten.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2019\/ein-geschenk-auf-raten\/\">netzpolitik.org<\/a> und <a href=\"https:\/\/background.tagesspiegel.de\/digitalisierung\/geschenk-mit-haken-facebooks-ethik-institut-an-der-tu-muenchen\">tagesspiegel.de<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Weiter hei\u00dft es in dem Brief ausdr\u00fccklich, dass das neu gegr\u00fcndete Ethikinstitut von Gr\u00fcndungsdirektor Christoph L\u00fctge, dem Inhaber des Stiftungslehrstuhls f\u00fcr Wirtschaftsethik &#8230; gef\u00fchrt werden muss. Eine Abweichung hiervon, beispielsweise die Ernennung eines anderen Institutsleiters, bedarf ausdr\u00fccklich der vorherigen schriftlichen Zustimmung von Facebook &#8230; Die Findung eines Institutsdirektors findet im Wissenschaftsbereich in der Regel durch \u00f6ffentliche Stellenausschreibungen, Bewerbungsverfahren und anschlie\u00dfende Auswahl durch ein unabh\u00e4ngiges Expertengremium statt. Ein solches Verfahren hat jedoch in diesem Fall offenbar nicht stattgefunden.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 13.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das mangelnde Bewusstsein von Facebook in ethischen Fragen war das immer wiederkehrende Problem von Cambridge Analytics bis zum Filterstream.\u00a0Und nun finanziert Facebook pl\u00f6tzlich ein Ethik-Institut? Niemand redet mehr \u00fcber die Ethik von Facebook sondern dar\u00fcber was Facebook f\u00fcr die Ethik tut? 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