{"id":11737,"date":"2019-01-29T23:01:57","date_gmt":"2019-01-29T23:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=11737"},"modified":"2020-01-01T10:34:15","modified_gmt":"2020-01-01T10:34:15","slug":"zur-logik-des-no2-6000-tote-xiii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/01\/zur-logik-des-no2-6000-tote-xiii\/","title":{"rendered":"Zur Logik des NO2 (6000 Tote XIII)"},"content":{"rendered":"<p>Ein sinnfreier Titel. Das sei aber erlaubt in der aktuellen sinnlosen und kontraproduktiven Diskussion.<\/p>\n<p>Herr K\u00f6hler hat auf die widerspr\u00fcchliche Einsch\u00e4tzung des NO<sub>2<\/sub> Effektes im Innenraum und im Aussenraum aufmerksam gemacht.\u00a0Und in der Tat sagt das UBA zum Innenraum (<a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/sites\/default\/files\/medien\/360\/dokumente\/empfehlungen_und_richtwerte_ergebnisprotokoll_der_7._sitzung_am_3.und4_._mai_2018.pdf\">7. Sitzung des Ausschusses f\u00fcr Innenraumrichtwerte (AIR) am 03. und 04. Mai 2018 in Berlin<\/a>)<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr eine Ableitung von Langzeitrichtwerten f\u00fcr NO2 in der Innenraumluft liegen aus Sicht des AIR zurzeit keine hinreichend belastbaren epidemiologischen Ergebnisse f\u00fcr NO2 als Einzelsubstanz vor. Im Unterschied zu den Kurzzeitstudien lie\u00df sich aus den Langzeitstudien angesichts der erheblichen Unsicherheiten bzgl. der Expositionsabsch\u00e4tzung und bzgl. der Einfl\u00fcsse diverser Confounder keine <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Lowest-observed-adverse-effect_level\">LO(A)EC<\/a> ermitteln. Aufgrund der Datenl\u00fccken kam der AIR \u00fcberein, von der Festsetzung von Langzeitrichtwerten f\u00fcr Stickstoffdioxid in der Innenraumluft abzusehen.\u00a0Zur Ableitung eines Kurzzeitrichtwertes II f\u00fcr NO2 in der Innenraumluft geht der AIR von einer LOEC von 0,5 mg NO2\/m3 bei Personen mit leichtem Asthma aus. Relevanter gesundheitlicher Endpunkt bei diesen Personen ist eine erh\u00f6hte Reagibilit\u00e4t und Entz\u00fcndung der Atemwege.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr die permanent hohe Langzeitbelastung im Haushalt z.B. durch Kochen oder Heizung l\u00e4sst sich also kein erh\u00f6htes Risiko beschreiben.<\/p>\n<p>F\u00fcr dieselbe\u00a0permanent hohe Langzeitbelastung im Aussenraum kann man es dann aber doch.<\/p>\n<p>Wo bleibt da die Logik?<\/p>\n<p>Das UBA weiss das im \u00fcbrigen schon (siehe <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Diesel-Debatte-Ist-der-Stickstoffdioxid-Grenzwert-sinnvoll-3781177.html\">heise.de<\/a>, <a href=\"https:\/\/amp.focus.de\/finanzen\/karriere\/berufsleben\/dieselpanik-wegen-grenzwertluege-politik-ignoriert-zweifel-am-grenzwert-40-mikrogramm_id_7378545.html\">focus.de<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/unterschied-zwischen-aussenluft\">umweltbundesamt.de<\/a>), redet aber die Unterschiede klein mit freiwilliger-unfreiwilliger Exposition (Quatsch: wir atmen immer \u00a0unfreiwillig egal ob drinnen oder draussen), besonders empfindlichen Menschen wie Kinder, Schwangere, \u00c4ltere, Asthma (die Konzentration schadet immer egal ob innen oder draussen eingeatmet) oder Kurzzeit vs Langzeitexposition (auch Quatsch, denn im Innenraum verbringt man mehr Zeit als im Aussenraum).<\/p>\n<p>Einige Epidemiologen haben heute ein Papier zu ihrer Verteidigung auf den Weg gebracht \u00a0&#8220;Die Rolle der Luftschadstoffe f\u00fcr die Gesundheit. Eine Expertise im Namen der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Umweltepidemiologie (ISEE) und der European Respiratory Society (ERS)&#8221;, das an den\u00a0Umweltausschuss des Bundestages geschickt wurde.\u00a0Ist die Epidemiologie so wenig souver\u00e4n, dass sie sich nun substantiell verteidigen muss?<\/p>\n<p>Eigentlich verfehlt das Papier komplett das Thema , denn es geht nicht um den Sinn epidemiologischer Studien &#8220;an sich&#8221;, sondern <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2018\/03\/die-mar-6000-tote-i\/\">um die 6000 NO<sub>2\u00a0<\/sub>Toten<\/a>. Und bei dieser Studie<\/p>\n<ol>\n<li>gibt es einen klaren Widerspruch zu den Innenraumstudien (der Innenraum selbst bleibt v\u00f6llig unber\u00fccksichtigt)<\/li>\n<li>wird ein isolierter Marker herausgezogen, der nur Teil eines Stoffgemisches ist<\/li>\n<li>ist ein \u00f6kologischer Fehlschluss wahrscheinlich durch diverse Confounder<\/li>\n<li>ergibt sich ein Bias durch selektive Auswertung neuerer Studien<\/li>\n<li>sowie ein Bias durch das\u00a0selektiven Reporting der Ergebnisse<\/li>\n<\/ol>\n<p>was zu einem <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/feinstaub-debatte-auf-stromlinie-16004364.html\">verlorenen Vertrauen in die wissenschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit<\/a> gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Die Argumentation, es gibt keinen sicheren unteren Grenzwert f\u00fcr NO<sub>2<\/sub>, weil ich keinen nachweisen kann &#8211; heisst doch noch lange nicht, dass es ihn nicht gibt. Es gibt allenfalls keine epidemiologische Methode mit der ich ihn erkennen kann &#8211; derselbe Denkfehler wie bei K\u00f6hler, der noch keine Tote durch Feinstaub gesehen hat.<\/p>\n<p>Leider steht dazu \u00fcberhaupt nichts in der &#8220;Expertise&#8221;.\u00a0Es steht darin auch nichts mehr von den 6000 NO<sub>2\u00a0<\/sub>Toten &#8211; sie werden still und heimlich begraben.<\/p>\n<p>Und noch etwas f\u00e4llt auf: Toxikologische Erkenntnisse zu NO<sub>2<\/sub>\u00a0werden als Beweis f\u00fcr die Sch\u00e4dlichkeit des Gases genommen, obwohl es in dem fraglichen Konzentrationsbereich von 40 \u03bcg\/m<sup>3<\/sup> NO<sub>2<\/sub> gerade keine toxikologischen Erkenntnisse gibt.\u00a0Es fehlt die integrative Sicht der Schadstoffe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.euro.who.int\/__data\/assets\/pdf_file\/0013\/301720\/Evidence-future-update-AQGs-mtg-report-Bonn-sept-oct-15.pdf\">was selbst die WHO 2015 bem\u00e4ngelt<\/a><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 18\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<blockquote><p>Few existing studies have considered two or more pollutant models, but experts emphasized that, particularly in the context of long-term exposure, the fact that NO2 may represent other constituents in the mixture of traffic-related air pollutants needs to be addressed when reviewing the evidence.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>sondern nur Einzelaufz\u00e4hlungen. Auch werden die unterschiedlichen Studientypen weiterhin nicht nach Evidenz gewichtet.<\/p>\n<p>&#8220;Wahrscheinlich kausal&#8221; ist in meiner Lesart &#8220;nicht kausal&#8221; und erinnert an den Witz von &#8220;ein bisschen schwanger&#8221;.<\/p>\n<p>Die NO<sub>2<\/sub>\u00a0Hauptquelle im Verkehr\u00a0sind die Dieselfahrzeuge, \u00a0das ist unstrittig. Diesel haben aber den Vorteil eines geringeren Verbrauchs, den Vorteil des geringerem CO<sub>2<\/sub> Ausstosses und den Vorteil geringerer Partikelproduktion. Mit dem Aussperren der Diesel sind sogar h\u00f6here NO<sub>2<\/sub> und Partikelwerte m\u00f6glich,\u00a0wenn Diesel nun gegen hochmotorisiertere Benzinmotoren getauscht werden. Dann w\u00e4re die Aussperrung mehr oder weniger<a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/hamburg\/article215838831\/Was-bringen-die-Dieselfahrverbote-in-Hamburg.html\">\u00a0wirkungslos<\/a>\u00a0bezogen auf die NO<sub>2<\/sub>\u00a0Hintergrundbelastung.<\/p>\n<p>Der NO<sub>2<\/sub> Streit ist also v\u00f6llig sinnlos, besch\u00e4digt die beteiligten Wissenschaftler und die Umwelt obendrein.<\/p>\n<p>Nur die Autoindustrie profitiert davon, denn von deren Betrug redet nun niemand mehr.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 11.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sinnfreier Titel. Das sei aber erlaubt in der aktuellen sinnlosen und kontraproduktiven Diskussion. Herr K\u00f6hler hat auf die widerspr\u00fcchliche Einsch\u00e4tzung des NO2 Effektes im Innenraum und im Aussenraum aufmerksam gemacht.\u00a0Und in der Tat sagt das UBA zum Innenraum (7. 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