{"id":13110,"date":"2019-07-29T19:20:49","date_gmt":"2019-07-29T19:20:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=13110"},"modified":"2020-01-18T16:42:57","modified_gmt":"2020-01-18T16:42:57","slug":"geburt-und-entwicklung-bewusstseinsmodelle-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/07\/geburt-und-entwicklung-bewusstseinsmodelle-i\/","title":{"rendered":"Geburt und Entwicklung (Bewusstseinsmodelle I)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist schon lange her, dass ich Eccles &amp; Popper &#8220;Das Ich und sein Gehirn&#8221; gelesen habe, irgendwann Ende der 70er Jahre?<br \/>\nDen interaktionalen Dualismus fand ich \u00fcberzeugend, auch wenn es daf\u00fcr keinen wirklich nachvollziehbaren Mechanismus gab.<\/p>\n<p>Es gibt somit gute Gr\u00fcnde, das neue Buch von Lagercrantz &#8220;<a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783662582220\">Die Geburt des Bewusstseins<\/a>&#8221; anzusehen. Von den vielen Modellen hat es Lagercrantz vor allem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernard_Baars\">Baars<\/a>&#8216;\u00a0<em>Global Workspace Theory<\/em> angetan<\/p>\n<blockquote><p>6.3. Es gibt verschiedene theoretische Modelle des Bewusstseins. Bernard Baars formulierte die Theorie, dass es im Gehirn einen sogenannten globa- len Arbeitsraum f\u00fcr das Bewusstsein gibt (Global Workspace Theory), und bediente sich dabei der Metapher des Theaters. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass es einen globalen \u201eB\u00fchnenbereich\u201c gibt, in dem eine Art Synthese zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stattfindet. \u201eDerhelle Fleck, den ein Scheinwerfer in einem dunklen Theater auf die B\u00fchne wirft, steht f\u00fcr die Verkn\u00fcpfung verschiedener Sinneseindr\u00fccke zu einem einzigen bewussten Erlebnis\u201c). Alles andere, wie zum Beispiel die Menschen, die im Publikum sitzen oder hinter den Kulissen arbeiten, ist unbewusst. Doch es gibt auch Faktoren wie den Regisseur und das Drehbuch, die \u201eden Inhalt des Bewusstseins formen, indem sie den Schauspielern im Rampenlicht vorgeben, was diese sagen sollen\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie das alles zur j\u00fcdisch-christlichen Anthropologie und dem Leib-Seele Dualismus passt? Ein fiktives Theaterst\u00fcck? Das erinnert zun\u00e4chst mal an Ijob, dem vor allem in der\u00a0Himmelsszene der Satan immer wieder seine Fr\u00f6mmigkeit bezweifelt.<\/p>\n<p>Auch wenn ich Daniel Dennetts biologistischer Sicht wenig abgewinnen \u00a0kann, sein Ausspruch \u00a0dass der &#8220;<em>menschliche Geist so etwas wie eine sequentielle virtuelle Maschine, die \u2013 ineffizient \u2013 auf der parallelen Hardware implementiert ist, die uns die Evolution beschert hat<\/em>\u201c k\u00f6nnte doch eine gute Umschreibung des Leib-Seele-Problems sein. Sie l\u00e4sst sowohl Hirnphysiologen Raum zur Exploration, erlaubt gleichzeitig aber auch den Geisteswissenschaften den Freiheitsraum, um ihre Vorstellungen zu entwickeln.\u00a0Die wichtigste Frage einer <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philosophie_des_Geistes\">Philosophie des Geistes<\/a> bleibt \u00a0allerdings: Wo findet die Verschr\u00e4nkung statt? Bestimmt nicht in der Epiphyse wie Descartes meinte. Aber sie m\u00fcsste doch nachweisbar sein, irgendwo als biologischer oder physikalischer Ort. Ein Ort, der irgendwann in der Entwicklung des Kindes entsteht &#8211; wie bei Lagercrantz beschrieben &#8211; dsyfunktional im Schlaf, kurzfristig st\u00f6rbar durch Hypoxie, l\u00e4ngerfristig gest\u00f6rt bei Narkose, Manie, Depression oder Schizophrenie und irgendwann abgeschaltet im Tod.<\/p>\n<p>Aber nehmen wir Dennetts Idee auf und schauen wir uns die Implementierung einer <a href=\"https:\/\/www.computerweekly.com\/de\/definition\/Virtuelle-Maschine-Virtual-Machine-VM\">virtuellen Maschine (VM)<\/a> auf einer beliebigen Hardware an<\/p>\n<blockquote><p>Typischerweise k\u00f6nnen Gastbetriebssysteme und Programme nicht erkennen, ob sie auf einer virtuellen Plattform ausgef\u00fchrt werden\u00a0\u2013 solange sie von der virtuellen Maschine unterst\u00fctzt werden. Die Software kann genauso eingesetzt werden, als ob sie auf einer physischen Serverhardware installiert w\u00e4re. Zum Beispiel kann an das Gastbetriebssystem eine physische Festplatte erkennen. Die tats\u00e4chlichen I\/O-Anfragen werden aber durch die Virtualisierungs-Schicht \u00fcbersetzt und in eine Datei umgeleitet, auf die das Host-OS Zugriff hat.Virtuelle Maschinen bieten zahlreiche Vorteile gegen\u00fcber der direkten Installation von Betriebssystemen und Software auf der physischen Hardware. Die Isolation gew\u00e4hrleistet, dass Anwendungen und Dienste, die innerhalb einer VM laufen, das Host-OS oder andere VMs nicht beeintr\u00e4chtigen. Virtuelle Maschinen k\u00f6nnen problemlos verschoben, kopiert und zwischen Host-Servern neu zugeteilt werden, um die Hardware-Ressourcen-Auslastung zu optimieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wo k\u00f6nnte die Virtualisierungsschicht des biologischen\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hypervisor\">Virtual-Machine-Monitors<\/a>\u00a0sein? Wenn dieser software basiert ist, dann er\u00fcbrigt sich die Suche nach den Kontaktpunkten. Allerdings k\u00e4me \u00a0man dar\u00fcber sehr schnell zu Seelenwanderung und anderen parapsychologischen Ph\u00e4nomenen. Wenn das VVM Interface allerdings hardware basiert ist &#8211; dann w\u00e4re ein VVM Konzept des Bewusstseins testbar. Etwa Halothan einatmen und dann mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ultrakurzzeit-Spektroskopie\">Femtosekunden-Spektroskopie<\/a> nachsehen, ob es vielleicht \u00c4hnlichkeiten mit dem einzig bisher biologisch bekannte Verschr\u00e4nkungssystem, dem<a title=\"Photosystem\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Photosystem\">\u00a0<\/a><a title=\"Lichtsammelkomplex\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lichtsammelkomplex\">Lichtsammelkomplex<\/a>, \u00a0gibt. Anatomisch scheint mir aber alles aber noch recht unklar, hier nochmal Lagercrantz, S.93<\/p>\n<blockquote><p>Pennfield und Jackson hatten jedoch bereits angezweifelt, dass sich das Bewusstsein nur im zerebralen Cortex befindet. Sie fanden heraus, dass auch Patienten ohne Cortex zu einem gewissen Grad \u00fcber ein Bewusstsein verf\u00fcgen. Seit einigen Jahren wird diese These von Bj\u00f6rn Merker unterst\u00fctzt, der Kinder mit Hydranenzephalie und Anenzephalie untersuchte.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 15.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist schon lange her, dass ich Eccles &amp; Popper &#8220;Das Ich und sein Gehirn&#8221; gelesen habe, irgendwann Ende der 70er Jahre? Den interaktionalen Dualismus fand ich \u00fcberzeugend, auch wenn es daf\u00fcr keinen wirklich nachvollziehbaren Mechanismus gab. Es gibt somit gute Gr\u00fcnde, das neue Buch von Lagercrantz &#8220;Die Geburt des Bewusstseins&#8221; anzusehen. 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