{"id":13468,"date":"2019-09-23T16:06:17","date_gmt":"2019-09-23T16:06:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=13468"},"modified":"2024-09-27T07:11:41","modified_gmt":"2024-09-27T05:11:41","slug":"es-gibt-keine-menschenrassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/09\/es-gibt-keine-menschenrassen\/","title":{"rendered":"Es gibt keine Menschenrassen"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt keine Menschenrassen, von Rassen spricht man nur noch im Zusammenhang mit der Tierzucht, wo bestimmte Gruppeneigenschaften gez\u00fcchtet werden.<\/p>\n<p>Trotzdem habe ich Probleme mit der <a href=\"https:\/\/www.uni-jena.de\/unijenamedia\/Universit\u00e4t\/Abteilung+Hochschulkommunikation\/Presse\/Jenaer+Erkl\u00e4rung\/Jenaer_Erklaerung.pdf\">Jenaer Erkl\u00e4rung<\/a>\u00a0(zitiert nach\u00a0<a href=\"https:\/\/hpd.de\/artikel\/es-gibt-keine-menschenrassen-17221\">hpd.de<\/a>) von Johannes Krause<\/p>\n<blockquote><p>Aus genetischer Sicht gebe es im Genom des Menschen &#8220;keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner von Nicht-Afrikanern trennt. Es gibt \u2013 um es explizit zu sagen \u2013 somit nicht nur kein einziges Gen, welches &#8216;rassische&#8217; Unterschiede begr\u00fcndet, sondern noch nicht mal ein einziges Basenpaar&#8221;. \u00c4u\u00dfere Merkmale, an denen Rassisten ihre Abwertung von bestimmten Menschengruppen festmachen, seien oberfl\u00e4chliche und biologisch leicht wandelbare Anpassungen an geographische Gegebenheiten. Bis vor 8000 Jahren seien die Menschen in Europa noch &#8220;stark pigmentiert&#8221; gewesen. Erst durch die Einwanderung von Menschen mit hellerer Hautfarbe aus Anatolien und dem damit einsetzenden Beginn der Landwirtschaft habe sich dies ge\u00e4ndert, da es sich bei einer stark pflanzenbasierten Kost im dunklen Winter Europas als evolution\u00e4rer Vorteil erwies, hellere Haut zu haben und damit gen\u00fcgend Vitamin D produzieren zu k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8220;Die helle Hautfarbe der Menschen im n\u00f6rdlichen Europa ist j\u00fcnger als 5000 Jahre&#8221;, h\u00e4lt die Jenaer Erkl\u00e4rung fest. &#8220;Die Verkn\u00fcpfung von Merkmalen wie der Hautfarbe mit Eigenschaften oder gar angeblich genetisch fixierten Pers\u00f6nlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen, wie sie in der Bl\u00fctezeit des anthropologischen Rassismus verwendet wurden, ist inzwischen eindeutig widerlegt. Diese Argumentation heute noch als angeblich wissenschaftlich zu verwenden, ist falsch und niedertr\u00e4chtig. Es gibt auch keinen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Intelligenz und geographischer Herkunft, aber einen deutlichen mit sozialer Herkunft.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Erkl\u00e4rung hat recht, insofern der Rassebegriff nur noch von Rassisten verwendet wird.<\/p>\n<p>Sie hat auch recht da\u00df es kein einziges Gen gibt, welches ethnische Unterschiede begr\u00fcndet &#8211; allerdings hat das auch niemand behauptet. Dagegen gibt es aber durchaus fixierte ph\u00e4notypische und genetische Unterschiede in geographischen Regionen &#8211; einzelnen Volksgruppen,\u00a0 Populationen oder auch Ethnien.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13469\" aria-describedby=\"caption-attachment-13469\" style=\"width: 376px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Ausbreitung_des_Menschen_nach_Amerika.png\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13469 \" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Ausbreitung_des_Menschen_nach_Amerika.png\" alt=\"\" width=\"376\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Ausbreitung_des_Menschen_nach_Amerika.png 1223w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Ausbreitung_des_Menschen_nach_Amerika-620x215.png 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Ausbreitung_des_Menschen_nach_Amerika-768x266.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13469\" class=\"wp-caption-text\">M9 ist nach g\u00e4ngiger Forschung der &#8220;out of Africa&#8221; Marker, siehe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ausbreitung_des_Menschen\">Wikipedia <\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Erkl\u00e4rung sagt schliesslich auch, dass Europ\u00e4er n\u00e4her verwandt sind mit Ostafrikanern, als Ostafrikaner mit S\u00fcdafrikanern. Wie ist aber eine solche Aussage m\u00f6glich sein, wenn man keine populationsspezifische Marker daf\u00fcr h\u00e4tte?<\/p>\n<p>F\u00fcr Abstammungstheorien wird oft die Kombination von SNP (Single Point) Marker verwandt. Mit Hilfe etwa der Hauptkomponentenanalyse (PCA) wurde zum Beispiel der urspr\u00fcngliche afrikanische Stammbaum \u00a0im letzten Jahr revidiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_13471\" aria-describedby=\"caption-attachment-13471\" style=\"width: 262px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/ddy161f1-2.png\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13471\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/ddy161f1-2.png\" alt=\"\" width=\"262\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/ddy161f1-2.png 1810w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/ddy161f1-2-620x407.png 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/ddy161f1-2-768x504.png 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/ddy161f1-2-762x500.png 762w\" sizes=\"auto, (max-width: 262px) 100vw, 262px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13471\" class=\"wp-caption-text\">Quelle und Details auf\u00a0<a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/hmg\/article\/27\/R2\/R209\/4993963\">https:\/\/academic.oup.com\/hmg\/article\/27\/R2\/R209\/4993963<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Was also die ethnischen Unterschiede ausmacht? Es sind arbitr\u00e4re biologische und statistische Kennziffern, die oft in unterschiedlichen Ausmass mit soziologischen Kennzeichen korrelieren.<\/p>\n<p>Arbitr\u00e4r deshalb weil genetische <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fixation_index\">Abstandmasse wie F<sub>ST<\/sub><\/a> auch mathematisch kein echtes Distanzmasse sind und von einer Vielzahl von Parametern abh\u00e4ngen (mehr zu <a href=\"http:\/\/FST\">F<sub>ST<\/sub><\/a>). Die Aussage, es g\u00e4be keine fixierten genetische <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC9997643\/\">Unterschiede zwischen Europ\u00e4ern und Afrikaner ist damit auch schlicht falsch.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Extensive set of African ancestry-informative markers (AIMs) to study ancestry and population health. .. \u00a0we generated a final set of 46,737 African ancestry-informative markers (AIMs).<\/p><\/blockquote>\n<p>AIMs sind nicht zuletzt wichtig, da die Unterschiede auch zu unterschiedlichen Krankheiten f\u00fchren, Stichwort \u201eprecision medicine\u201c.<\/p>\n<p>Und das omin\u00f6se Vitamin D? Helle Hautfarbe = bessere Vitamin D Konversion bei Niedrigversorgung im Norden, bekannt auch als <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/12\/is-the-loomis-hypothesis-wrong\/\">Loomis Hypothese<\/a>, ist als evolution\u00e4rer Faktor zwar naheliegend, aber reine Spekulation. Ohne die Literatur zur Pigmentierung der Haut zu rekapitulieren &#8211; der Zweck der Pigmentierung ist <a href=\"https:\/\/www.medicalnewstoday.com\/articles\/skin-cancer-by-race#incidence-rates\">Schutz der Basalzellschicht vor UV Strahlung<\/a> und nicht die Limitierung der Vitamin D Produktion.<\/p>\n<div>\n<blockquote><p>By contrast, deeper skin tones with more melanin filters at least\u00a0<a class=\"content-link css-185ckoq\" href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/pmc\/articles\/PMC5454668\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">twice as much<span class=\"css-16y17d3 icon-hl-trusted-source-after\"><span class=\"sro\">Trusted Source<\/span><\/span><\/a> UV light. Researchers believe this is why skin cancer rates are lower in People of Color. However, a <a class=\"content-link css-185ckoq\" href=\"https:\/\/acsjournals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1002\/cncy.22229\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">2020 article<span class=\"css-16y17d3 icon-hl-trusted-source-after\"><span class=\"sro\">Trusted Source<\/span><\/span><\/a>\u00a0also highlights that a lack of diversity in trials and studies, and a shortage of people of color in the field of dermatology, means that scientists may not accurately understand how common skin cancer is in skin of color.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<p>Die Vitamin D Konversion ist <a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/books\/NBK278935\/\">auch ohne starke Hautpigmentierung selbst limitierend.<\/a> Sie setzt allenfalls fr\u00fcher ein, n\u00e4mlich bei heller Haut \u00a0ca 20 Minuten nach Bestrahlung anstatt nach 40 Minuten bei dunkler Haut. \u00a0Das ist Lehrbuchwissen aus \u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Feldman-Pikes-Vitamin-Biochemistry-Diagnostics\/dp\/0323913865\">Feldman und Pike<\/a>. Nach aktuellem Kenntnisstand stimmt es wohl auch nicht, dass dunkle Hautfarbe die urspr\u00fcngliche Hautfarbe von H. sapiens in Afrika ist und Europ\u00e4er mit heller Hautfarbe Mutanten sind. Ich vermute eher, da\u00df <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/10.1073\/pnas.1801948115\">helle und dunkle Hautfarbe die Extreme<\/a> einer ansonsten mittleren Helligkeit sind\u00a0 (zur Diskussion dieser Hypothese <a href=\"https:\/\/scholar.google.de\/scholar?cites=15466248956374472144&amp;as_sdt=2005&amp;sciodt=0,5&amp;hl=de\">siehe Scholar<\/a>).<\/p>\n<p>Der letzte Stand nach meiner Kenntnis\u00a0 steht in dem Science 2017 Paper von <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.aan8433\">Sarah Tishkoff<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Examining ethnically diverse African genomes, we identify variants in or near SLC24A5, MFSD12, DDB1, TMEM138, OCA2, and HERC2 that are significantly associated with skin pigmentation. &#8230; Functional analyses indicate that MFSD12 encodes a lysosomal protein that affects melanogenesis in zebrafish and mice, and that mutations in melanocyte-specific regulatory regions near DDB1\/TMEM138 correlate with expression of ultraviolet response genes under selection in Eurasians.<\/p><\/blockquote>\n<p>In dieser Liste steht jedenfalls kein einziges Vitamin D Gen, so dass die Jenaer Erkl\u00e4rung auch hier nicht dem Wissenstand entspricht auch wenn sie gut gemeint ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">20.9.2024<\/span><\/p>\n<p>Journalisten werden allerdings auch weiterhin nicht m\u00fcde, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wissen\/genetik-rassen-ueberfremdung-1.4692679\">\u00a0zu dem Thema<\/a> zu fabulieren, leider auch wieder in einem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=FGAyYl3ZICw\">neuen Video.<\/a><\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 03.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt keine Menschenrassen, von Rassen spricht man nur noch im Zusammenhang mit der Tierzucht, wo bestimmte Gruppeneigenschaften gez\u00fcchtet werden. Trotzdem habe ich Probleme mit der Jenaer Erkl\u00e4rung\u00a0(zitiert nach\u00a0hpd.de) von Johannes Krause Aus genetischer Sicht gebe es im Genom des Menschen &#8220;keinen einzigen fixierten Unterschied, der zum Beispiel Afrikaner von Nicht-Afrikanern trennt. Es gibt \u2013 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/09\/es-gibt-keine-menschenrassen\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Es gibt keine Menschenrassen<\/span> <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,20,10],"tags":[4915,3307,4916,4914,3306,1287,809],"class_list":["post-13468","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-genetics-biology","category-note-worthy","category-sunshine-vitamin","tag-johannes-krause","tag-loomis-hypothese","tag-mai-thi","tag-slc24a5","tag-skin-tone","tag-vitamin-d","tag-youtube"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13468"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24100,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13468\/revisions\/24100"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}