{"id":13812,"date":"2019-10-24T07:47:17","date_gmt":"2019-10-24T07:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=13812"},"modified":"2019-10-24T09:22:21","modified_gmt":"2019-10-24T09:22:21","slug":"verandert-twitter-die-wissenschaftslandschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/10\/verandert-twitter-die-wissenschaftslandschaft\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4ndert Twitter die Wissenschaftslandschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr Tweets und immer mehr Likes heissen noch lange nicht gute Wissenschaft &#8211; nachhaltiges, reproduzierbares Wissen, Erkenntnisse und Einsichten, die systematisch gesammelt, \u00fcberpr\u00fcft, kategorisiert, erweitert und gelehrt werden.<\/p>\n<p>Bisher war es jedenfalls weitgehend egal, was mit einem Artikel passierte. Wenn eine Zeitschrift einmal einen Artikel gedruckt hatte, dann war er gedruckt. Und ob er positiv oder negativ aufgenommen wurde, das zeigte sich dann \u00fcber die kommende Jahre. Irgendwann wurde die neue Erkenntnis in Reviews aufgenommen, landete in einem Lehrbuch oder in einer Vorlesung, wenn sie allgemein akzeptiert wurde. Oder sie wurde schlicht vergessen.<!--more--><\/p>\n<p>Was bei Twitter stand, <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0179630\">war noch vor 2 Jahren<\/a> ganz nett zu lesen, gossip oft, immer mal ein gute Idee, aber nicht wirklich relevant. Das \u00e4ndert sich langsam, <a href=\"https:\/\/retractionwatch.com\/2019\/10\/23\/science-by-tweet-prompts-expression-of-concern-irking-authors\/\">wie man an dem Fall von Vilari\u00f1o-G\u00fcell sehen kann<\/a>.<\/p>\n<p>Vilari\u00f1o-G\u00fcell ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosgenetics\/article?id=10.1371\/journal.pgen.1008180\">ein Paper bei PLoS Genetics<\/a>, das offensichtlich das relativ rigorose Peer Review \u00fcberstand. Aber dann schreibt ihm die Zeitschrift, dass der Artikel viele Tweets provoziert h\u00e4tte, die \u00fcberwiegend negativ waren &#8211; und zwar von &#8220;Influencern&#8221; der Szene. Selbst die Zahl der Follower wird angegeben: &#8220;MacArthur (32.9k followers)&#8221;. Mac Arthur ist ein supersmarter, proliferativer australischer PhD, der jetzt am Broad Institute arbeitet, sein <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=7-0P6QIAAAAJ&amp;hl=de&amp;oi=ao\">h-index von 64<\/a> kommt prim\u00e4r aus Konsortialpapern wie 1000 Genome.<\/p>\n<p>Nur dummerweise ist der Tweet von <a href=\"https:\/\/www.broadinstitute.org\/bios\/daniel-macarthur-0\">MacArthur<\/a> gel\u00f6scht und er selbst kann sich nicht mehr erinnern, warum er gel\u00f6scht ist und auch nicht mehr, was darin stand. Irgendwie sah er eine Diskrepanz zwischen den gezeigten Daten und der Interpretatation, die jetzt zu einer Warnung bei PLoS Genetics f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Vilari\u00f1o-G\u00fcell wehrt sich dagegen mit einem bisher unver\u00f6ffentlichten Manuskript &#8220;<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/336550210_Science_by_tweet_Unethical_practices_at_PLOS_Genetics\">Science by tweet: Unethical practices at PLOS Genetics<\/a>&#8220;.<\/p>\n<p>Keine Frage, Twitter f\u00f6rdert auch Denunzianten. Die ungehinderte destruktive Kritik Einzelner verbreitet sich rasend schnell und schw\u00e4cht das formale Peer Review. Nicht zuletzt verhindert die Kritik die Replikation der Studie denn wer will schon eine offensichtlich fehlerhafte Studie replizieren?<\/p>\n<p>Warum\u00a0 wohl PLoS Genetics vor dem Druck von Social Media eingeknickt ist? Wenn Trump sein Tweets abfeuert, gehen auch (manche) CEOs und (manche) Regierungschefs in die Knie. Und auch PLoS Genetics muss sich schliesslich finanzieren.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher h\u00e4tte man einen Letter schreiben m\u00fcssen, wenn man Einw\u00e4nde gegen eine Ver\u00f6ffentlichung hatte. Der Letter w\u00e4re auch erst mal peer-reviewed worden. Damit w\u00e4re nicht nur die Geschwindigkeit herausgenommen worden, es w\u00e4re auch erstmal\u00a0 nur Meinung gegen Meinung gestanden. Und irgendwann h\u00e4tte sich eine neue Erkenntnis herausgestellt oder der Konflikt w\u00e4re ad acta gelegt worden.<\/p>\n<p>So aber endet alles in einem h\u00e4sslichen Machtspiel von Twitter, Journal und Autor. Ich jedenfalls will keinen expression of concern an einem Artikel kleben haben.\u00a0 Und der Clou &#8211; nachdem ich den Text geschrieben habe &#8211; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/dgmacarthur\/status\/1186995631232933890\">distanziert sich Mac Arthur auch noch von PLoS Genetics<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p><span class=\"css-901oao css-16my406 r-1qd0xha r-ad9z0x r-bcqeeo r-qvutc0\">Twitter isn&#8217;t a substitute for peer-reviewed publication, but neither is it unfair for the \u00a0<\/span><span class=\"r-18u37iz\"><a class=\"css-4rbku5 css-18t94o4 css-901oao css-16my406 r-1n1174f r-1loqt21 r-1qd0xha r-ad9z0x r-bcqeeo r-qvutc0\" dir=\"ltr\" role=\"link\" href=\"https:\/\/twitter.com\/PLOSGenetics\" data-focusable=\"true\">@PLOSGenetics <\/a><\/span>editorial team to use information on Twitter to guide a formal investigation.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 10.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Tweets und immer mehr Likes heissen noch lange nicht gute Wissenschaft &#8211; nachhaltiges, reproduzierbares Wissen, Erkenntnisse und Einsichten, die systematisch gesammelt, \u00fcberpr\u00fcft, kategorisiert, erweitert und gelehrt werden. 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