{"id":13827,"date":"2019-10-25T09:34:21","date_gmt":"2019-10-25T09:34:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=13827"},"modified":"2019-10-25T09:48:22","modified_gmt":"2019-10-25T09:48:22","slug":"bonus-systeme-in-der-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/10\/bonus-systeme-in-der-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Bonus Systeme in der Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Schon immer gab es Belohnungs- und Bonussysteme in der Wissenschaft &#8211; materielle Anreize (Gehalt, Bonuszahlungen) aber auch immaterielle Zuwendungen (Aufmerksamkeit, Ehrungen). Dabei ist es ja eines der gr\u00f6ssten Privilegien \u00fcberhaupt, mit eigener Vorstellung, Wissenschaft zu betreiben. Warum dann diese Anreize? Und warum einzelne Wissenschaftler besonders herausheben wo vieles nur noch im Team geht? So zu tun, als sei ihre Arbeit mehr wert als die anderer? Selbst wenn sie \u00fcberhaupt nicht (mehr) mehr leisten, allenfalls ihr Institut? Sowohl was Intelligenz als auch was Motivation angeht, spielt sich hier sowieso alles im oberen Drittel der Gau\u00dfverteilung ab, von einigen extremen Outliern abgesehen, die einfach Naturtalente sind.<\/p>\n<p>Robert Merton (1910-2003) hat sich schon 1968 dar\u00fcber Gedanken gemacht &#8220;<a href=\"https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/159\/3810\/56\">The Matthew effect in science: The reward and communication systems of science are considered<\/a>&#8220;.<\/p>\n<p>Der Effekt geht zur\u00fcck auf das Gleichnis der anvertrauten Talente Silbergeld in Mt 25, 29. Drei Angestellte erhalten 5, 2 oder 1 Talent Silber (also bis zu 500.000\u20ac) und vermehren beziehungsweise bewahren das Silber auf, mit der Pointe<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Denn wer hat, dem wird gegeben werden und er wird im \u00dcberfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht ganz klar an dem Gleichnis ist die Interpretation &#8211; ist das Vermehren des Verm\u00f6gens erstrebenswert (h\u00e4ufigste Auslegung) oder ist es doch mehr die (versteckte) Systemkritik an dem raffgierigen Verwalter? Jesus kritisiert ansonsten den Geldbesitz (&#8220;Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt\u201c), somit hat wohl das Gleichnis weniger mit der Geld\u00f6konomie zu tun, es geht wohl mehr um\u00a0 die F\u00e4higkeiten\u00a0 der Menschen (&#8220;Talente&#8221;), die es zu entwickeln gibt.<\/p>\n<p>Man versteht jedenfalls heute unter dem Matth\u00e4us Effekt (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matth%C3%A4us-Effekt\">Wikipedia<\/a>) eine Theorie der kumulativer Vorteile.<\/p>\n<blockquote><p>Wo dieser Effekt auftritt, entstehen aktuelle Erfolge mehr durch fr\u00fchere Erfolge, und weniger durch gegenw\u00e4rtige Leistungen. Ein Grund liegt in den st\u00e4rkeren Aufmerksamkeiten, die Erfolge erzeugen. Dies wiederum er\u00f6ffnet Ressourcen, mit denen weitere Erfolge wahrscheinlicher werden. Kleine Anfangsvorteile einzelner Akteure k\u00f6nnen so zu gro\u00dfen Vorspr\u00fcngen heranwachsen, und eine sehr geringe Anzahl von Akteuren den Hauptteil aller Erfolge auf sich vereinen, w\u00e4hrend die Mehrheit erfolglos bleibt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Interessanterweise ist der <a href=\"http:\/\/www.mpifg.de\/pu\/mpifg_dp\/dp12-8.pdf\">Matth\u00e4useffekt st\u00e4rker bei Frauen<\/a> ausgepr\u00e4gt (was aber bisher nur bei Filmschauspielerinnen und noch nicht bei Wissenschaftlerinnen nachgewiesen wurde).<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu Merton.<\/p>\n<ol>\n<li>Wo man arbeitet, ist wichtig sagt Merton. Renommiertes Haus is besser als Provinz<\/li>\n<li>Fr\u00fche Anerkennung ist wichtig, sp\u00e4tere ist eher irrelevant.<\/li>\n<li>Alles Gl\u00fccksache. Wenn es nur 40 St\u00fchle gibt, ist der 41. schlecht dran.<\/li>\n<li>Schlecht, wenn man lauter gute Kollegen um sich herum hat, dann f\u00e4llt man mit guter Leistung nicht so auf. Widerspricht etwas 1.<\/li>\n<li>Fehler der ersten Art (es wird etwas Dubioses ausgezeichnet) ist selten, aber Fehler zweiter Art (es wird etwas Ph\u00e4nomenales nicht ausgezeichnet) ist h\u00e4ufig.<\/li>\n<li>Es gibt einen Sperrklinkeneffekt des erreichtem Niveaus f\u00fcr das es aber permanente Anstrengung braucht (stimmt wohl nicht immer, siehe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kary_Mullis\">Kary Mullis<\/a>).<\/li>\n<li>An der Spitze ist es dann wieder sehr ruhig. Entgegen der Erwartung kommt nicht mehr viel nach.<\/li>\n<li>Man muss die Anerkennung\u00a0 aktiv suchen, sich um Preise bewerben, wenn man nicht gerade zu den genialen Naturtalenten geh\u00f6rt, ohne &#8220;Faustian aspiration&#8221; geht es nicht.<\/li>\n<li>Wenn diese H\u00fcrde allerdings geschafft ist, dann ist es einfach.<\/li>\n<\/ol>\n<blockquote><p>As we shall see, such recognition can be converted into an instrumental asset as enlarged facilities are made available to the honored scientist for future work.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bleibt die Frage wie wir mit dem Matth\u00e4useffekt umgehen. Merton meint es braucht besondere Anstrengungen, dem entgegen zu wirken. Das meine ich auch.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 10.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon immer gab es Belohnungs- und Bonussysteme in der Wissenschaft &#8211; materielle Anreize (Gehalt, Bonuszahlungen) aber auch immaterielle Zuwendungen (Aufmerksamkeit, Ehrungen). Dabei ist es ja eines der gr\u00f6ssten Privilegien \u00fcberhaupt, mit eigener Vorstellung, Wissenschaft zu betreiben. Warum dann diese Anreize? Und warum einzelne Wissenschaftler besonders herausheben wo vieles nur noch im Team geht? 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