{"id":14079,"date":"2019-11-05T09:11:06","date_gmt":"2019-11-05T09:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=14079"},"modified":"2022-08-14T04:48:56","modified_gmt":"2022-08-14T02:48:56","slug":"meinen-glauben-wissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2019\/11\/meinen-glauben-wissen\/","title":{"rendered":"Meinen, Glauben, Wissen"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; war das Thema des Ethikrates in der letzten Woche.<\/p>\n<p>Ich lasse mal das blosse &#8220;Meinen&#8221; hier weg, &#8211; das am wenigsten interessantes Ph\u00e4nomen &#8211; die Vorstufe zu Glauben oder Wissen, ein F\u00fcrwahrhalten, Vermuten, dem aber eine subjektive und objektive hinreichende Begr\u00fcndung fehlt.<!--more--><\/p>\n<p>Der Wahrheitsanspruch des Wissens dagegen ist objektiv begr\u00fcndbar. Nur, was ist schon objektiv wom\u00f6glich ontologisch begr\u00fcndbar? Am besten erscheint mir &#8211; Koh\u00e4renztheorie &#8211; ein widerspruchsfreies Aussagensystem, das dem Wissen zugrunde liegt und das wissenschaftliche und technische Weiterentwicklung erm\u00f6glicht. Meinungen sind dabei am volatilsten und k\u00f6nnen sich am schnellsten \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Unvermeidlich erschient mir neben dem Wissen und Meinen auch eine metaphysische Kategorie von Glaube (und Religion) da unser Wissen begrenzt ist, es aber auch einen Raum f\u00fcr Werte, W\u00fcnsche, aber auch Ahnungen in vielen ungel\u00f6sten Fragen braucht: Warum ist \u00fcberhaupt etwas und nicht nichts?<\/p>\n<p>Man sollte das Meinen, den Glauben, und das Wissen allerdings voneinander trennen, denn Wissen hat v\u00f6llig andere Kosequenzen als das Glauben (Halbwissen und Aberglaube sind dabei v\u00f6llig verzichtbar).<\/p>\n<p>In der Einf\u00fchrung zur Tagung des Ethikrates wird daher<a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/PDF-Dateien\/Veranstaltungen\/ht-23-10-2019-Dabrock.pdf\">\u00a0zurecht Kant zitiert<\/a><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<blockquote><p>Wissenschaftliches Wissen muss sich also gegen Meinung und Glauben absetzen. Das ist die eindru\u0308ckliche Mahnung, die Immanuel Kant, der die Unterscheidung von Meinen, Glauben und Wissen als Modi des Fu\u0308rwahrhaltens in seiner Logik-Vorlesung einfu\u0308hrt, uns mit auf den Weg gibt. Kant sagt nicht, dass man nicht auch Meinen und Glauben du\u0308rfe. Aber diese Modi des Fu\u0308rwahrhaltens sind eben nicht Wissen, wissenschaftliches Wissen, sondern haben ihre je eigenen Felder des Bewahrheitung [&#8230;]<br \/>\nDie erste Gefahr liegt dort vor, wo Meinen und Glauben als Wissen ausgeben wird [&#8230;]<br \/>\nUnd damit bin ich direkt bei der zweiten, der inneren Gefahr [&#8230;] Sie ist dort gegeben, wo Wissenschaft [&#8230;] als dogmatische Sicherheit ausgegeben wird, wo sie einen ideologischen Charakter bekommt [&#8230;]<br \/>\nDritte Differenzierungsnotwendigkeit: Wissenschaft spiegelt sich nicht eins-zu-eins in den politischen Statements von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern&#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Leider helfen alle die Differenzierungen nicht viel weiter &#8211; dass blosse Meinungen noch keine Wissenschaft sind (1.),\u00a0 ist doch leicht zu durchschauen. Auch dass Wissenschaft auf Abwege geraten kann, wenn Wissenschaft absichtlich eigene Ergebnisse ignoriert (2.). Und politische Statements sind alle doch durchaus zu erkennen (3.).<\/p>\n<p>So wundert dann auch nicht, dass nach der verungl\u00fcckten Vorrede gleich der erste &#8220;hochkara\u0308tige Referierende&#8221; in v\u00f6llige Untiefen ger\u00e4t (der im \u00fcbrigen gleich zwei Versionen seines Vortrages verteilt: <a href=\"https:\/\/www.ethikrat.org\/fileadmin\/PDF-Dateien\/Veranstaltungen\/ht-23-10-2019-von_Storch.pdf\">im Ethikrat<\/a> und bei den <a href=\"https:\/\/www.salonkolumnisten.com\/auch-religion-ist-wissen\/\">Salon-Kommunisten<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/screen.png\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-14087\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/screen.png\" alt=\"\" width=\"311\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/screen.png 2313w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/screen-620x383.png 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/screen-768x474.png 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/screen-809x500.png 809w\" sizes=\"auto, (max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Tatsa\u0308chlich ist Wissenschaft ein sozialer Prozess, der \u201eWissen\u201c schafft. Wieder zwei Begriffe, die zu diskutieren sind. \u201eSozialer Prozess\u201c deutet darauf hin, dass es Menschen sind mit allgegenwa\u0308rtiger kultureller Konditionierung und mit Interessen. Unter \u201eWissen\u201c verstehen einschla\u0308gige Theoretiker die Fa\u0308higkeit zum Deuten und Handeln, wobei nicht impliziert ist, dass dieses \u201eWissen\u201c \u201erichtig\u201c ist.<br \/>\nReligion ist auch eine Form von Wissen. In der Tat gibt es einen Markt an Wissensanspru\u0308chen, zu dem Wissenschaft eine oder vielleicht mehrere Angebote beisteuert, es aber durchaus nicht gewiss ist, dass diese die Wissenskonkurrenz im o\u0308ffentlichen Raum gewinnen. Zumal die Konkurrenten auch in den sozialen Prozess \u201eWissenschaft\u201c eingespeist werden. Was macht wissenschaftliches Wissen den anderen Wissensformen u\u0308berlegen im Deutungspotential? Dadurch, dass es wissenschaftlich konstruiert wurde. Es ist nicht die Aussage, die dieses Wissen auszeichnet, es ist ihre Genese.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich entsteht Wissenschaft in einem sozialen Prozess, der aber im Endeffekt &#8211; da das Ergebnis objektivierbar ist &#8211; eher uninteressant ist.<br \/>\nVon Storch wertet Wissen zudem ab, als sei Wissen lediglich eine F\u00e4higkeit zum Deuten, irgendein Angebot im Markt der M\u00f6glichkeiten. Und nat\u00fcrlich ist Religion kein Form des Wissen,\u00a0allenfalls etwas verzahnt <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2008\/01\/in-memory-of-peter-lipton\/\">oder immersiv<\/a> verankert, da m\u00fcsste der &#8220;&#8221;hochkara\u0308tige Referierende&#8221; seine &#8220;einschla\u0308gige Theoretiker&#8221; schon dazu auch offen legen.<br \/>\nDie Genese (durch eine anerkannte wissenschaftliche Methode) begr\u00fcndet den Wahrheitsanspruch der wissenschaftliche Aussageund kein irgendwie gearteter sozialer Prozess.<\/p>\n<p>Zur Regeneration nach der verungl\u00fcckten Sitzung des Ethikrat empfehle ich Volker Gerhardt (&#8220;Der Sinn des Sinns&#8221;)-<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/O9oghcz_Q_o\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Oder auch &#8220;Glauben und Wissen&#8221; 2001 von Habermas, seine <a href=\"https:\/\/www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de\/sixcms\/media.php\/1290\/2001_habermas.pdf\">Friedenspreisrede<\/a> ebenfalls aus 2001,\u00a0 besser noch\u00a0 die 2019 Version &#8220;Auch eine Geschichte der Philosophie: Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen Band 2: Vern\u00fcnftige Freiheit. Spuren des Diskurses \u00fcber Glauben und Wissen.&#8221;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 05.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; war das Thema des Ethikrates in der letzten Woche. 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