{"id":15045,"date":"2020-01-07T06:22:55","date_gmt":"2020-01-07T06:22:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=15045"},"modified":"2020-01-07T06:22:55","modified_gmt":"2020-01-07T06:22:55","slug":"performance-paradox-durch-den-perversen-lerneffekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2020\/01\/performance-paradox-durch-den-perversen-lerneffekt\/","title":{"rendered":"Performance Paradox durch den &#8220;perversen Lerneffekt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Das \u201ePerformance Paradox\u201c wird in der Literatur unterschiedlich definiert: <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Performance_paradox\">Zum Einen<\/a> als Ph\u00e4nomen, da\u00df Organisationen die Kontrolle \u00fcber etwas haben, das sie nicht genau kennen. In einem <a href=\"https:\/\/www.leopoldina.org\/fileadmin\/redaktion\/Veranstaltungen\/Symposien\/Leo_Nachhaltigkeit_Folder_E.PDF\">Sammelband der Leopoldina<\/a> hingegen ist das die Tendenz aller Leistungskriterien, mit der Zeit ihre Relevanz zu verlieren. So Margit Osterloh (S.104) zu dem &#8220;perversen Lerneffekt&#8221;, der sich bei dem Impaktfaktor eingestellt hat:<\/p>\n<blockquote><p>Dieser tritt dann auf, wenn man den Fokus auf den Leistungsindikator legt und nicht auf das, was er messen soll: \u201eWhen a measure becomes a target, it ceases to be a good measure.\u201c Menschen sind besonders kreativ, wenn es darum geht, bei Kennzahlen gut abzuschneiden, ohne die tatsa\u0308chlich relevante Leistung zu erho\u0308hen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nachdem ich bei Kollegen schon CVs gesehen habe, die \u00fcber 1.000 eigene Artikel aufz\u00e4hlen (aber keine nennenswerte Preise bekommen haben), dann hat Osterloh recht, wenn ich diese Pseudoleistung mit dem ph\u00e4nomenalen <a href=\"https:\/\/www.hup.harvard.edu\/catalog.php?isbn=9780674307766\">Arthur Kornberg<\/a> vergleiche, von dem ich gerade die Biographie lese und der quantitativ nicht ann\u00e4hernd so viel publiziert hat.<br \/>\nOsterloh kann jedenfalls auch recht gut erkl\u00e4ren, warum der Betrug immer h\u00e4ufiger wird.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn die intrinsische durch eine extrinsische Motivation verdra\u0308ngt worden ist, werden auch noch Manipulationsversuche wahrscheinlicher.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;Gaming the System&#8221;: Ich glaube langsam, das ist der gr\u00f6sste Umbruch in der Wissenschaft in den letzten 50 Jahren. Mit der Vervielfachung der mittel- und unterklassigen Forschung plus <em>Performance Paradox<\/em> ist der Nettoertrag wissenschaftlichen Fortschritts kaum gestiegen, auch wenn das zig-fache Finanzvolumen in die Forschung fliesst.<br \/>\nOsterloh beschreibt Forschung als systemisches &#8220;Marktversagen&#8221;, denn Forschung ist dadurch gekennzeichnet<\/p>\n<blockquote><p>dass sie \u00f6ffentliche G\u00fcter erzeugt, die durch Nichtausschlie\u00dfbarkeit und Nichtrivalit\u00e4t im Konsum charakterisiert sind, weshalb der Markt hier nicht funktioniert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Weil mit der inh\u00e4renten Unsicherheit prim\u00e4rer Forschungsergebnisse niemand weiss, ob es stimmt, was ich gerade schreibe, kann ich mich selbst mit gefakten Ver\u00f6ffentlichungen l\u00e4ngere Zeit am &#8220;Markt&#8221; halten. Ein m\u00f6glicher Nutzen stellt sich sowieso nur sp\u00e4t ein und mit vielen Ko-Autoren ist eine Leistungsmessung fast unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Gibt es Alternativen? Sicher, ab S. 109:<\/p>\n<p>Boykott der Indikatoren.<\/p>\n<p>Und zur\u00fcck zur Gelehrtenrepublik (das ist auch kein Widerspruch zur Bildung f\u00fcr alle).<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 112\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<blockquote><p>Hat man dieses \u201eEintrittsticket\u201c in die \u201eGelehrtenrepublik\u201c aufgrund einer rigorosen Pru\u0308fung erworben, dann kann und sollte weitgehende Autonomie gewa\u0308hrt werden. Dies sollte eine angemessene Grundausstattung einschlie\u00dfen, welche es den Forschenden freistellt, sich am Wettlauf um Drittmittel zu beteiligen oder nicht.<\/p><\/blockquote>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 13.06.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201ePerformance Paradox\u201c wird in der Literatur unterschiedlich definiert: Zum Einen als Ph\u00e4nomen, da\u00df Organisationen die Kontrolle \u00fcber etwas haben, das sie nicht genau kennen. In einem Sammelband der Leopoldina hingegen ist das die Tendenz aller Leistungskriterien, mit der Zeit ihre Relevanz zu verlieren. 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