{"id":21955,"date":"2023-04-01T09:53:18","date_gmt":"2023-04-01T07:53:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=21955"},"modified":"2023-04-01T09:56:38","modified_gmt":"2023-04-01T07:56:38","slug":"die-wissenschaft-denkt-nicht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2023\/04\/die-wissenschaft-denkt-nicht-2\/","title":{"rendered":"Die Wissenschaft denkt nicht"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Heidegger Zitat er\u00f6ffnet Paul Hoyningen-Huene den Aufsatz &#8220;<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-531-93347-4_3\">Irrationalita\u0308t in der Wissenschaftsentwicklung<\/a>&#8220;.<\/p>\n<blockquote><p>Tatsa\u0308chlich wurde die Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaft, die meiste Zeit ihrer Existenz als rational verstanden, sowohl in ihrem eigenen Selbstbild als auch im Fremdbild, etwa durch die Philosophie oder das allgemeine Bewusstsein.\u00a0 &#8230;\u00a0 so wurden bestimmte wissenschaftliche Entwicklungen als steril oder scholastisch angeprangert, Wissenschaft wurde als gefa\u0308hrlich oder einseitig angesehen &#8230;. Kuhn behauptet &#8230; neben der Wichtigkeit von Paradigmen allem Anschein nach auch die Irrationalita\u0308t der Wissenschaftsentwicklung. Bei den entscheidenden Weichenstellungen der Wissenschaftsentwicklung, na\u0308mlich der Auswahl und Akzeptanz einer Theorie aus einer Gruppe von konkurrierenden Theorien durch die jeweilige wissenschaftliche Gemeinschaft, wu\u0308rden durchaus nicht rationale Gru\u0308nde den Ausschlag geben. &#8230; A\u0308hnliche Diagnosen von Irrationalita\u0308t in der Wissenschaftsentwicklung waren auch von dem bekannten (und z.T. beru\u0308chtigten) Philosophen Paul Feyerabend zu ho\u0308ren, der in seinem Buch Against Method von 1975 fu\u0308r die Wissenschaften gar den Slogan ausgab: \u201eAnything goes\u201c. Ein Dutzend Jahre spa\u0308ter schien Feyerabend die Vernunft sogar ganz und gar verabschieden zu wollen, indem er 1987 ein Buch mit dem Titel Farewell to Reason publizierte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der initialen Bestandsaufnahme von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Hoyningen-Huene\">Hoyningen-Huene<\/a> kann ich aus eigener Erfahrung durchaus zustimmen, denn die Auswahl aus den konkurrierenden Ursprungstheorien in meinem Bereich folgte nicht rationalen Gr\u00fcnden sondern mehr der Medienpr\u00e4senz einiger zentraler Figuren, dem &#8220;gesunden Menschenverstand&#8221; einiger Kommission und Kongresspr\u00e4sidien, dem allgemeinen politischen Trend und wohl auch handfesten wirtschaftlichen Interessen.<\/p>\n<p>Aber warum um Himmels willen Feyerabend ber\u00fcchtigt und nicht auch als ber\u00fchmt zu bezeichnen? Es scheint <a href=\"https:\/\/www.information-philosophie.de\/?a=1&amp;t=9072&amp;n=2&amp;y=2&amp;c=99\">der running gag<\/a> bei Hoyningen-Huene zu sein<\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr den Aufkl\u00e4rer Feyerabend ist dieser Versto\u00df unmittelbar auch antihumanit\u00e4r, denn \u201eFortschritt ist immer dadurch erreicht worden, dass man wohlverschanzte und wohlbegr\u00fcndete Lebensformen an unpopul\u00e4ren und grundlosen Werten gemessen hat. So hat sich der Mensch schrittweise von Furcht und von der Tyrannei ungepr\u00fcfter Systeme befreit\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun ja, im Vorwort einer Einf\u00fchrung in die Philosophie Feyerabends seines Doktoranden Eric Oberheim wird Hoyningen-Huene schliesslich auch zitiert mit &#8220;If you join any one philosophical school, you loose ten IQ points&#8221;.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 11.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Heidegger Zitat er\u00f6ffnet Paul Hoyningen-Huene den Aufsatz &#8220;Irrationalita\u0308t in der Wissenschaftsentwicklung&#8220;. 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