{"id":24582,"date":"2025-02-03T09:39:53","date_gmt":"2025-02-03T07:39:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=24582"},"modified":"2025-02-03T14:45:47","modified_gmt":"2025-02-03T12:45:47","slug":"warum-nur-10-punkte-die-den-neuen-rechtspopulismus-erklaren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2025\/02\/warum-nur-10-punkte-die-den-neuen-rechtspopulismus-erklaren\/","title":{"rendered":"Warum nur? 10 Punkte, die den neuen Rechtspopulismus erkl\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Ein hervorragender Artikel in der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2025-01\/rechtspopulismus-rechtsruck-wahlen-universitaeten-internet\">ZEIT<\/a> vom 2.2.2025\u00a0 von <a href=\"https:\/\/www.reporter-forum.de\/frageboegen-trick-17\/johannes-boehme\">Johannes B\u00f6hme<\/a> erkl\u00e4rt &#8220;warum die Welt nach rechts r\u00fcckt&#8221;. Zusammengefasst zun\u00e4chst<\/p>\n<p><strong>Historische Parallelen. <\/strong>Soziale und wirtschaftliche Umbr\u00fcche haben in der Geschichte immer wieder Revolten und populistische Bewegungen hervorgebracht. Die Mechanismen sind oft dieselben: Verdr\u00e4ngung, Angst vor sozialem Abstieg und die Suche nach Schuldigen.<\/p>\n<p><strong>Der gesellschaftliche Bildungsgraben. <\/strong>Der massive Anstieg von Hochschulabsolventen hat eine neue Konfliktlinie geschaffen: Gebildete tendieren eher zu progressiven, kosmopolitischen Werten, w\u00e4hrend diejenigen ohne akademischen Abschluss sich wirtschaftlich und gesellschaftlich abgeh\u00e4ngt f\u00fchlen, und den N\u00e4hrboden f\u00fcr rechtspopulistische Str\u00f6mungen bilden,<\/p>\n<p><strong>Die Angst vor sozialem Abstieg. <\/strong>Die Globalisierung, Automatisierung und der Strukturwandel in der Arbeitswelt haben viele traditionelle Arbeitspl\u00e4tze bedroht oder zerst\u00f6rt. Besonders die untere Mittelschicht, die noch viel zu verlieren hat, f\u00fchlt sich existenziell bedroht und wendet sich rechten Parteien zu, die einfache L\u00f6sungen versprechen. Es ist weniger die Unterschicht, die nichts mehr zu verlieren hat.<\/p>\n<p><strong>Soziale Ungleichheit und relativer Statusverlust. <\/strong>Menschen vergleichen sich vor allem mit ihrem unmittelbaren Umfeld. Wenn die Unterschiede zwischen \u201eoben\u201c und \u201eunten\u201c wachsen, entsteht Frustration \u2013 besonders, wenn der Aufstieg\u00a0 immer schwieriger wird. Diese Frustration f\u00fchrt zur Suche nach den Ursachen mit S\u00fcndenb\u00f6cken und der Distanzierung von der Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Die Rolle der sozialen Medien. <\/strong>Rechtspopulistische Parteien konnten durch soziale Netzwerke enorm an Reichweite gewinnen. Es ist der Brandbeschleuniger ohne den der Rechtspopulismus nie die Reichweite und ein &#8220;Wir&#8221;-Gef\u00fchl h\u00e4tte entwicklen k\u00f6nnen. Algorithmen verst\u00e4rken Emp\u00f6rung, \u00c4ngste und Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen.<\/p>\n<p><strong>Migrations\u00e4ngste als politisches Mobilisierungsthema. <\/strong>Migranten werden zum zentralen Feindbild erkl\u00e4rt, um gesellschaftliche \u00c4ngste zu b\u00fcndeln. Menschen, die direkten Kontakt zu Migranten haben, sind dabei weniger anf\u00e4llig f\u00fcr rechte Propaganda sind \u2013 die st\u00e4rkste Ablehnung kommt von denen, die Migration nur aus rechten Medien oder sozialen Netzwerken kennen.<\/p>\n<p><strong>Die Lust an der Zerst\u00f6rung des politischen Establishments. <\/strong>Viele W\u00e4hler rechtspopulistischer Parteien w\u00e4hlen bewusst destruktiv, um das bestehende politische System abzustrafen. Die Hoffnung besteht, dass ein Umbruch ihre eigene gesellschaftliche Position verbessert oder zumindest die Eliten bestraft werden. Dass sie sich dabei selbst viel mehr in das eigene Fleisch schneiden, wird verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>Das Fehlen politischer Repr\u00e4sentation. <\/strong>Die Politik ist zunehmend von Akademikern gepr\u00e4gt, w\u00e4hrend Nicht-Akademiker kaum noch vertreten sind. Das f\u00fchrt zu einem Gef\u00fchl der Ohnmacht und des \u201eNicht-Geh\u00f6rt-Werdens\u201c, das rechtspopulistische Parteien ausnutzen.<\/p>\n<p><strong>Die Schw\u00e4che der etablierten Parteien. <\/strong>Traditionelle Parteien haben es vers\u00e4umt, die Sorgen und \u00c4ngste der unteren Mittelschicht ernst zu nehmen. Statt konkrete Antworten auf Globalisierung und soziale Unsicherheit zu bieten, setzen sie oft auf symbolische Politik oder moralische Appelle, die viele Menschen nicht erreichen.<\/p>\n<p><strong>Die Notwendigkeit von Reformen. <\/strong>Die einzige nachhaltige L\u00f6sung gegen den wachsenden Rechtspopulismus liegt in weit reichenden Reformen, die soziale Ungleichheit abbauen, wirtschaftliche Sicherheit bieten und den politischen Einfluss breiterer Gesellschaftsschichten wiederherstellen. Eine h\u00f6here politische Teilhabe und vor allem wirtschaftliche Sicherheit k\u00f6nnte die Dynamik bremsen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_24583\" aria-describedby=\"caption-attachment-24583\" style=\"width: 363px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-03-um-07.36.37.jpg\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"key wp-image-24583 \" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-03-um-07.36.37-620x374.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-03-um-07.36.37-620x374.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-03-um-07.36.37-768x464.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Bildschirmfoto-2025-02-03-um-07.36.37.jpg 770w\" sizes=\"auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24583\" class=\"wp-caption-text\">https:\/\/www.ifo.de\/publikationen\/2023\/aufsatz-zeitschrift\/mittelschicht-deutschland<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_24584\" aria-describedby=\"caption-attachment-24584\" style=\"width: 214px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/statistic_id320946_ergebnisse-der-afd-bei-den-letzten-landtagswahlen-bis-2024.png\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-1\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-24584 \" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/statistic_id320946_ergebnisse-der-afd-bei-den-letzten-landtagswahlen-bis-2024-620x666.png\" alt=\"\" width=\"214\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/statistic_id320946_ergebnisse-der-afd-bei-den-letzten-landtagswahlen-bis-2024-620x666.png 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/statistic_id320946_ergebnisse-der-afd-bei-den-letzten-landtagswahlen-bis-2024-466x500.png 466w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/statistic_id320946_ergebnisse-der-afd-bei-den-letzten-landtagswahlen-bis-2024-768x825.png 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/statistic_id320946_ergebnisse-der-afd-bei-den-letzten-landtagswahlen-bis-2024.png 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 214px) 100vw, 214px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24584\" class=\"wp-caption-text\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/320946\/umfrage\/ergebnisse-der-afd-bei-den-landtagswahlen\/<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kommentar<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da\u00df der Rechtsruck kein isoliertes Ph\u00e4nomen ist, sondern aus der\u00a0 allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung folgt, ist offensichtlich. Und es scheint so, da\u00df dies weltweit sehr \u00e4hnliche Prozesse sind. Wenn der Rechtspopulismus in der Tat den Nachschub aus der unteren Mittelschicht\u00a0 und Arbeiterschicht bezieht, dann hat er mit 30% nun fast schon seine maximale Kapazit\u00e4t erreicht. Wierklich gef\u00e4hrlich wird es, wenn die Bewegung nun auch noch auf die weitere\u00a0 Mittelschicht \u00fcbergreift. Mit der Bundestagsabstimmung am letzten Mittwoch bei der die CDU\/CSU zusammen mit der AfD in der Migrationsfrage abstimmte, ist dies nun auch immer wahrscheinlicher (&#8220;<a href=\"https:\/\/www.derwesten.de\/politik\/merz-tagesthemen-afd-ard-id301353382.html\">werden es nach der Wahl wieder machen<\/a>&#8220;).<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur historischen Parallele: Auch Franz von Papen glaubte. den <a href=\"http:\/\/Vom ersten Tag seines Regierungsantritts an hatte Papen die von Hindenburg und dessen Beratern, der sogenannten Kamarilla, gew\u00fcnschte \u201erechte\u201c Politik betrieben. Sein \u201eKabinett der nationalen Konzentration\u201c arbeitete ohne parlamentarisches Mandat. Schon am 4. Juni konnte er zusammen mit dem inzwischen Reichswehrminister gewordenen Schleicher den Reichspr\u00e4sidenten davon \u00fcberzeugen, das Parlament aufzul\u00f6sen. Am 12. Juni annullierte er das von Br\u00fcning nur zwei Monate vorher erlassene Verbot der nationalsozialistischen Wehrverb\u00e4nde SS und SA. Auf der Lausanner Konferenz (17. Juni bis 9. Juli) heimste er die von seinem Vorg\u00e4nger erk\u00e4mpfte Begrenzung der deutschen Reparationsschulden ein. Am 31. Juli 1932 wurde ein neuer Reichstag gew\u00e4hlt. Zum ersten Mal wurde dabei die NSDAP st\u00e4rkste Partei. Hitler jedoch lehnte es ab, Vizekanzler in Papens Kabinett zu werden. In v\u00f6lliger Fehleinsch\u00e4tzung der Verh\u00e4ltnisse wollte der Kanzler den \u201eF\u00fchrer\u201c und seine Gefolgschaft durch Einbindung in die Verantwortung z\u00e4hmen. Ihm schwebte eine \u201eDiktatur auf nationaler Grundlage\u201c vor unter \u201eHeranziehung und sinnvoller Eingliederung der nationalen Rechten und der Nationalsozialisten.\u201c Hitler aber wollte die ganze Macht, die er auch ein halbes Jahr sp\u00e4ter bekam.\">Rechtspopulismus kontrollieren zu k\u00f6nnen<\/a>, was nicht einmal ein halbes Jahr gelang. Die NSDAP erzielte bei der <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/izpb\/weimarer-republik-346\/332906\/zerstoerung-der-demokratie-1930-1933\/\">Reichstagswahl 1930<\/a>\u00a0 erstmals 18%. Viele der W\u00e4hler kamen von der DNVP, wobei die NSDAP zudem von der Agrarkrise profitierte und zunehmend das b\u00fcrgerliche Lager anzog. Nicht zuletzt die\u00a0 Weltwirtschaftskrise <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2023\/kw09-kalenderblatt-wahlen33-544990\">trieb viele B\u00fcrger in radikalere politische Bahnen.<\/a> So erreichte die NSDAP bei den Wahlen 1932 dann auch 37,3%, ihr letzte Wahlergebnis vor dem <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/kurz-knapp\/hintergrund-aktuell\/156904\/1933-reichstag-verabschiedet-ermaechtigungsgesetz\/\">Erm\u00e4chtigungsgesetz 1933<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_24597\" aria-describedby=\"caption-attachment-24597\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-24597 size-medium\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/0dd4862d-1e8d-402b-8eaa-705cb1f025b3-620x424.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/0dd4862d-1e8d-402b-8eaa-705cb1f025b3-620x424.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/0dd4862d-1e8d-402b-8eaa-705cb1f025b3-731x500.jpg 731w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/0dd4862d-1e8d-402b-8eaa-705cb1f025b3-768x525.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/0dd4862d-1e8d-402b-8eaa-705cb1f025b3-1536x1051.jpg 1536w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/0dd4862d-1e8d-402b-8eaa-705cb1f025b3.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24597\" class=\"wp-caption-text\">Demonstration Dachau 3.2.2025 \u201eDemokratie braucht Vielfalt\u201c (c) 2025 https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/dachau\/dachau-runder-tisch-gegen-rassismus-dachau-demokratiebuendnis-dachauer-land-demonstration-lux.EZAkCT8uktc12GaPY6yEYW<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 06.06.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein hervorragender Artikel in der ZEIT vom 2.2.2025\u00a0 von Johannes B\u00f6hme erkl\u00e4rt &#8220;warum die Welt nach rechts r\u00fcckt&#8221;. Zusammengefasst zun\u00e4chst Historische Parallelen. Soziale und wirtschaftliche Umbr\u00fcche haben in der Geschichte immer wieder Revolten und populistische Bewegungen hervorgebracht. Die Mechanismen sind oft dieselben: Verdr\u00e4ngung, Angst vor sozialem Abstieg und die Suche nach Schuldigen. 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