{"id":25019,"date":"2025-04-02T11:48:18","date_gmt":"2025-04-02T09:48:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=25019"},"modified":"2025-04-05T12:18:04","modified_gmt":"2025-04-05T10:18:04","slug":"krankheitscluster-leukamien-asthma-lungenkrebs-als","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2025\/04\/krankheitscluster-leukamien-asthma-lungenkrebs-als\/","title":{"rendered":"Krankheitscluster: Leuk\u00e4mien, Asthma, Lungenkrebs, ALS"},"content":{"rendered":"<p>Die Cluster Epidemiologie ist ein spannendes Teilgebiet der Epidemiologie, das sich mit der Untersuchung von Krankheitsausbr\u00fcchen in geografischen oder sozialen Clustern befasst. Die Ursache einer Krankheit zu finden , die in einer bestimmten Populationen oder Regionen geh\u00e4uft auftritt, ist immer\u00a0 schwierig und selbst wenn man die Ursache gefunden hat, ist sie kaum zu beweisen, da sich eine Re-Exposition\u00a0 verbietet.<\/p>\n<p>Ich werde\u00a0 hier die <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2009\/02\/john-snow-cure-of-cholera-and-foundation-of-epidemiology\/\">Infektionskrankheiten<\/a> einmal ausklammern, ebenso wie Berufskrankheiten oder die Ausbr\u00fcche mit bekannten Ursachen (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atombombenabw%C3%BCrfe_auf_Hiroshima_und_Nagasaki\">Hiroshima<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Katastrophe_von_Bhopal\">Bhopal<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sevesoungl%C3%BCck\">Seveso, &#8230;<\/a>) und stattdessen einen bisher kaum benutzten Beweis versuchen, um ihn dann bei vier Clustern anwenden: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leuk%C3%A4miecluster_Elbmarsch\">Elbmarsch<\/a> (St\u00f6rf\u00e4lle Kraftwerk), <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/8026968\/\">Umhausen<\/a> (Radon Exposition), <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/2710172\/\">Barcelona<\/a> (Staub von Sojabohnen) und <a href=\"https:\/\/hal.science\/hal-01658408\/\">Montchavin<\/a> (Giftlorchel Vergiftung). Die ersten drei F\u00e4llen habe ich selbst oder \u00fcber Institutsmitarbeiter erlebt, den letzten Fall kenne ich nur aus der Literatur.<\/p>\n<p>In der Medizin gab es immer schon die &#8220;diagnosis ex juvantibus&#8221;,\u00a0 wenn die Diagnose durch den Erfolg oder Misserfolg einer therapeutischen Ma\u00dfnahme gestellt wird.\u00a0\u00a0Bleibt die erhoffte Wirkung aus, kann dies die Verdachtsdiagnose widerlegen oder best\u00e4tigen, so etwa bei\u00a0\u00a0Infektionen\u00a0 wenn das Antibiotikum bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion anspricht. Oder wenn bei unklaren gastrointestinale Beschwerden eine symptomatische Besserung nach Protonenpumpenhemmern die Refluxkrankheit sichert. Oder eine fragliche Allergien nach Antihistaminika anspricht.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbertrage das Prinzip nun auf die Cluster Epidemiologie: Kann der\u00a0 Wegfall des vermuteten Risikofaktors auch den Krankheitsausbruch zum Erliegen bringen? Ist das dann ein g\u00fcltiger indirekter Beweis?<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p>Wenn die erh\u00f6hte Leuk\u00e4mierate nach Abschaltung eines Kernkraftwerks zur\u00fcckgeht, dann war es eben doch das Kernkraftwerk die Ursache. Beginnen wir also mit der hochgradig umstrittenen <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/die-leukaemiekinder-von-kruemmel-100.html\">Forschung zu kindlichen Leuk\u00e4mien in der Elbmarsch<\/a>.<\/p>\n<p>Es war nat\u00fcrlich falsch, was mein <a href=\"https:\/\/www.aerztezeitung.de\/Medizin\/Leukaemie-in-der-Elbmarsch-bleibt-weiter-ein-Raetsel-327636.html\">damaliger Institutsleiter behauptete<\/a>, da\u00df alles nur &#8220;nat\u00fcrliche Schwankungen&#8221; gewesen seien. Man muss Wichmann allerdings zugute halten, da\u00df er weder eine epidemiologische Ausbildung noch Erfahrung in der Krebsepidemiologie hatte.\u00a0 Ihm wurde auch umgehend\u00a0 widersprochen, etwa durch <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/lancet\/article\/PII0140-6736(93)92959-W\/fulltext\">Schmitz Feuerhake.<\/a> Es gab dann viele Kommissionen und <a href=\"https:\/\/www.schleswig-holstein.de\/DE\/fachinhalte\/G\/gesundheitsschutz_umweltbezogen\/Umweltmedizin\/leukaemie\">unz\u00e4hlige Studien<\/a>, sinnvolle und weniger sinnvolle. <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/kinderleukaemie-in-der-elbmarsch-plaedoyer-fuer-sachliche-argumentation-921c5dbd-8a39-47d7-a546-e44a8e98a91e\">\u00a0Briefe an das \u00c4rzteblatt<\/a>, jeder musste sein Meinung \u00e4ussern.<\/p>\n<p>Waren es etwa <a href=\"https:\/\/www.schleswig-holstein.de\/DE\/fachinhalte\/G\/gesundheitsschutz_umweltbezogen\/Umweltmedizin\/Downloads\/studie_LeukaemieNorddeutschland_2003.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Pestizide<\/a>? Entwichene <a href=\"https:\/\/taz.de\/!673097\/\">Radioaktivit\u00e4t<\/a> bei bekannten St\u00f6rf\u00e4llen? Erh\u00f6hte Hintergrundstrahlung?\u00a0 Nach aussen getragene Kontamination durch Arbeiter? Elektromagnetische Felder? Gesteigerte Infekth\u00e4ufigkeiten? Abfall aus der\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/meinung\/fiasko-in-der-elbmarsch-1167100.html\">GKSS <\/a>\u00a0in der n\u00e4heren Umgebung? Oder Toluol &#8211; <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dynamitfabrik_Kr%C3%BCmmel\">\u00dcberreste einer Dynamitfabrik<\/a>? Oder sonstiges Emissionen aus <a href=\"https:\/\/www.thiochem.com\/\">einer Chemiefabrik<\/a>?<\/p>\n<p>Referenz ist immer noch die Kikk Studie (<a href=\"https:\/\/www.unimedizin-mainz.de\/fileadmin\/kliniken\/dkkr\/pdf\/kikk\/Kikk_Bericht_Teil1.pdf\">Original<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.unimedizin-mainz.de\/fileadmin\/kliniken\/dkkr\/pdf\/kikk\/m725.pdf\">Version \u00c4rzteblatt<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/kinderkrebs-und-atomkraft-keine-erklaerung-fuer-erhoehte-krebsraten-cdb6835c-d458-4fd6-b346-bd6641277b23\">Kommentar\u00a0 SSK<\/a>,\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.ippnw.de\/commonFiles\/pdfs\/Verein\/Alex_Rosen\/KiKK.pdf\">IPPNW<\/a>), nachdem die fr\u00fcheren Mainzer Studien alle mehr oder weniger einen Spin hatten. Der Kikk Artikel schliesst aber dann mit einer eigenartigen Schlussfolgerung<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"p1\">ein\u00a0 direkter Zusammenhang mit der Strahlung [ist ] unplausibel. Viele eventuell miteinander kombinierte Faktoren sind als Krankheitsursache denkbar und treten m\u00f6glicherweise in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke geh\u00e4uft auf.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nicht minder eigenartig ist die Reaktion des Kikk Studienleiters<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/imy1eszSjPM?si=lX9rgP_9SEIMmGuy&amp;start=120\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Dabei sprach das Ergebnis doch eindeutig f\u00fcr Effekte in der Nahzone, zumal auch die <a href=\"https:\/\/www-thelancet-com.eaccess.tum.edu\/journals\/lancet\/article\/PII0140-6736(93)92959-W\/fulltext\">biologische Dosimetrie in die Richtung ging<\/a>. Die Diskrepanz, da\u00df die SIR (standardized incidence ratios) im \u00c4rzteblatt Artikel nicht erh\u00f6ht war, lag an der Definition von <em>Erkrankungsraten auf Verwaltungsebene (dh Gemeinde- oder Landkreisebene) zu der bundesdurchschnittlichen Erkrankungsrate<\/em>. Es ging ja in Kikk nicht um Landkreise, sondern um Abstandskreise.<\/p>\n<p>Die SIR lag nach Revision auch in Kr\u00fcmmel so <a href=\"http:\/\/www.doi.org\/10.1002\/ijc.34303\">Russo et al.\u00a0<\/a> f\u00fcr alle Leuk\u00e4mien bei 1.98 (1.17-3.34). Von allen deutschen AKWs hatten im \u00fcbrigen nur Kr\u00fcmmel und Unterweser die signifikanten erh\u00f6hten Leuk\u00e4mieraten. Beide AKWs waren Siedewasserreaktoren der KWU.\u00a0 Dieser Reaktor Typ hat mehr Strahlung im gesamten Reaktorsystem, weil auch die Turbine durch direktem Kontakt mit Reaktorwasser kontaminiert ist.<\/p>\n<p>So gab es einen Zwischenfall am 12.9.1986 mit erh\u00f6hter Radioaktivit\u00e4t im AKW Kr\u00fcmmel, die angeblich von aussen angesaugt wurde. <a href=\"https:\/\/pubpeer.com\/publications\/C23AE73B4AFAFBE7F5B61AA4B4BD60\">Augenzeugen berichteten von einem Brand<\/a> mit Feuerschein auf dem Gel\u00e4nde des benachbarten GKSS- Forschungszentrums, die <a href=\"https:\/\/www.hereon.de\/imperia\/md\/content\/gkss\/presse\/materialsammlung\/mit_fakten_gegen_spekulation.pdf\">GKSS bestreitet dies<\/a>, Unterlagen der Feuerwehr sind verloren gegangen. M\u00f6glich ist also, da\u00df es <a href=\"https:\/\/www.buergerwelle.de\/assets\/files\/umg_1_2005_kkw_kruemmel_leukaemie.pdf?cultureKey=&amp;q=pdf\/umg_1_2005_kkw_kruemmel_leukaemie.pdf\">einen nicht aufgekl\u00e4rter St\u00f6rfall gab<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bildschirmfoto-2025-03-31-um-14.07.38.jpg\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-25050 size-medium\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bildschirmfoto-2025-03-31-um-14.07.38-620x496.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"496\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bildschirmfoto-2025-03-31-um-14.07.38-620x496.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bildschirmfoto-2025-03-31-um-14.07.38-625x500.jpg 625w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Bildschirmfoto-2025-03-31-um-14.07.38.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Richtung meiner vorgeschlagenen <em>ex juvantibus<\/em> Auswertung geht auch <a href=\"http:\/\/www.doi.org\/10.1002\/ijc.34303\">Russo et al.\u00a0<\/a> leider nur bis in das Jahr 2019. Wie zu erwarten, f\u00e4llt aber die SIR von 1.34 im Referenz-Zeitraum als noch alle deutsche Reaktoren liefen, zur\u00fcck auf 1.06 im Zeitraum nach 2011 als das AKW abgeschaltet wurde.<\/p>\n<p>Denn 2011 erlosch nach Fukushima die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kernkraftwerk_Kr%C3%BCmmel\">Betriebsgenehmigung in Kr\u00fcmmel<\/a>. 2015 k\u00fcndigte Vattenfall den R\u00fcckbau der Anlage an, er\u00a0 soll nun bis 2040 dauern.\u00a0 Einschr\u00e4nkend kommt daher noch dazu, da\u00df\u00a0 immernoch 19 Castor Beh\u00e4lter mit hoch radioaktivem Material in dem aufgelassenen AKW stehen. Der letzten Einzelbrennstab wurde erst 2019 entfernt. Neben den gesch\u00e4tzt 500.000 m\u00b3 Abfall insgesamt (inkl. Bauschutt, Metalle etc.), 20.000 m\u00b3 schwach- und mittelradioaktiver Abfall (z. B. Rohre, Pumpen, Filter) stehen noch 3.000 m\u00b3 hochradioaktiver Abfall (z. B. Reaktordruckbeh\u00e4lter, Steuerst\u00e4be) herum &#8211; immerhin war dies der ehemals gr\u00f6\u00dfte Siedewasserreaktor der Welt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_25073\" aria-describedby=\"caption-attachment-25073\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-25073 size-medium\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-17.18.13-620x390.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-17.18.13-620x390.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-17.18.13-796x500.jpg 796w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-17.18.13-768x483.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-17.18.13.jpg 1251w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-25073\" class=\"wp-caption-text\">Es war wohl doch das AKW, auch wenn der genaue Mechanismus nie aufgekl\u00e4rt wurde.<\/figcaption><\/figure>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p>N\u00e4chste Beispiel. Josep Anto, ein langj\u00e4hriger Kooperationspartner von mir\u00a0 untersuchte die <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0140673686909992\">Asthma Epidemien in Barcelona. <\/a>In den 1980er Jahren wurde in Barcelona eine ungew\u00f6hnliche H\u00e4ufung von Asthmaanf\u00e4llen beobachtet. \u00c4rzte stellten fest, dass diese Anf\u00e4lle nicht gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber das Jahr verteilt waren, sondern an bestimmten Tagen pl\u00f6tzlich in gro\u00dfer Zahl auftraten. Die Studie zeigte, dass sie mit dem Entladen von Sojabohnen in den Hafenanlagen von Barcelona zusammenhing. An Tagen, an denen gro\u00dfe Mengen Sojabohnen umgeschlagen wurden, stieg die Anzahl der Asthmaf\u00e4lle in Notaufnahmen signifikant an. Luftproben ergaben eine erh\u00f6hte Konzentration von Sojastaub-Allergenen, die nachweislich Asthmaanf\u00e4lle ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-25058\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-02-um-08.41.24-620x612.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"612\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-02-um-08.41.24-620x612.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-02-um-08.41.24-507x500.jpg 507w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-02-um-08.41.24-768x758.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-02-um-08.41.24.jpg 827w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/p>\n<p>Aber waren es wirklich die Soja Bohnen?<\/p>\n<p>In einer weiteren Studie, dann im <a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/pdf\/10.1056\/NEJM199312093292402\">New England Journal of Medicine<\/a> ver\u00f6ffentlicht, konnten weitere Asthma-Epidemien verhindert werden. Der Staub, der beim Transport und der Verarbeitung von Sojabohnen freigesetzt wird, enth\u00e4lt allergene Proteine. Durch das gezielte Befeuchten der Sojabohnen w\u00e4hrend des Transports wurde verhindert, dass Staubpartikel aufgewirbelt werden.\u00a0 Unterschiedliche Methoden wurden untersucht, darunter das Bespr\u00fchen mit Wasser sowie der Einsatz spezieller Bindemittel, die den Staub an den Bohnen haften lassen. In Lagerh\u00e4usern und an Umschlagpl\u00e4tzen wurden leistungsf\u00e4higere L\u00fcftungsanlagen installiert. Spezielle Filteranlagen an den Entladestellen sollten verhindern, dass Staub in die Umgebungsluft gelangt.\u00a0 Die Studie konnte damit belegen, dass mit diesen Ma\u00dfnahmen die Zahl der Asthmaf\u00e4lle in betroffenen St\u00e4dten gesenkt werden konnte: In Gebieten, in denen konsequente Feuchtigkeitskontrolle eingesetzt wurde, sank die Staubbelastung um bis zu 80 %.\u00a0 Bel\u00fcftungssysteme und Filteranlagen f\u00fchrten zu einer Reduktion der Asthmaf\u00e4lle um etwa 60 %.\u00a0 Durch die Kombination mehrerer Ma\u00dfnahmen konnten die Asthma-Epidemien fast vollst\u00e4ndig verhindert werden.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p class=\"md-end-block md-p\"><span class=\"md-plain\">Das Beispiel Umhausen kenne ich aus der Vorlesung von<\/span><span class=\" md-link\"><a spellcheck=\"false\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Albrecht_Neiss\"><span class=\"md-plain\"> Prof. Neiss<\/span><\/a><\/span><span class=\"md-plain\">, der meine Habilitationsschrift betreute. <\/span><\/p>\n<p class=\"md-end-block md-p\"><span class=\"md-plain\">Umhausen liegt im <\/span><span class=\" md-link\"><a spellcheck=\"false\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Umhausen\"><span class=\"md-plain\">\u00d6tztal<\/span><\/a><\/span><span class=\"md-plain\"> und wurde durch eine H\u00e4ufung von Lungenkrebsf\u00e4llen bekannt &#8211; in den Jahren 1970\u20131991 etwa viermal so hoch wie im Durchschnitt der Tiroler Bev\u00f6lkerung. Die Ursachensuche war nicht einfach, Rauchen war naheliegend. Radon Exposition stand auch auf der Liste, da es als <\/span><span class=\" md-link\"><a spellcheck=\"false\" href=\"https:\/\/www-science-org.eaccess.tum.edu\/doi\/10.1126\/science.255.5049.1194.b\"><span class=\"md-plain\">Ursache f\u00fcr Lungenkrebs bei Bergwerksarbeitern <\/span><\/a><\/span><span class=\"md-plain\"> bekannt war. <\/span>Radon ist ein nat\u00fcrlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das das farb-, geruch- und geschmacklos ist. Es ist ein Zerfallsprodukte des in B\u00f6den und Gesteinen vorkommenden Uran. Aus den B\u00f6den und Gesteinen entweicht Radon in die Bodenluft und kann dadurch in die Geb\u00e4ude gelangen.<\/p>\n<p class=\"md-end-block md-p\"><span class=\"md-plain\">Mehrfachmessungen vor Ort<\/span><span class=\" md-link\"><a spellcheck=\"false\" href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/8026968\/\"><span class=\"md-plain\"> mit Detektoren brachten dann den Beweis<\/span><\/a><\/span><span class=\"md-plain\">. Pro Standort wurden drei Detektoren installiert. Aufgrund der ungew\u00f6hnlich hohen Radonkonzentrationen konnten die Detektoren jedoch nur f\u00fcr kurze Zeitr\u00e4ume\u00a0 eingesetzt werden. Die durchschnittlichen j\u00e4hrlichen Radonkonzentrationen waren besonders hoch im Gebiet zwischen der \u00d6tztaler Ache und dem Hairlachbach. Dieses Gebiet liegt geologisch auf einem Schwemmf\u00e4cher eines gewaltigen Felssturzes aus granitischem Gneis (Gebiet A, Median der j\u00e4hrlichen Mittelwerte in Erdgeschossr\u00e4umen: 1.868 Bq\/m\u00b3).<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-25066\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-09.06.36-620x656.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"656\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-09.06.36-620x656.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-09.06.36-472x500.jpg 472w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-09.06.36.jpg 718w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><span class=\"md-plain md-expand\">Im restlichen Dorf Umhausen waren die Radonkonzentrationen vergleichsweise niedrig (Gebiet B, Median der j\u00e4hrlichen Mittelwerte in Erdgeschossr\u00e4umen: 182 Bq\/m\u00b3). Basierend auf diesen Medianwerten wurden die j\u00e4hrlichen Expositionen berechnet (Gebiet A: 58,8 \u00d7 10\u2074 Bq h\/m\u00b3; Gebiet B: 5,7 \u00d7 10\u2074 Bq h\/m\u00b3). Dann wurden Daten aus dem Krebsregister Tirol herangezogent, um die alters- und geschlechtsstandardisierte Lungenkrebs-Sterblichkeitsrate zu bestimmen. Die SMR lag in Gebiet A bei 6,17 und in Gebiet B bei 1,43. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"md-plain md-expand\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-25067\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Bildschirmfoto-2025-04-03-um-09.26.21.jpg\" alt=\"\" width=\"564\" height=\"213\" \/>Ein direkter Beweis f\u00fcr einen Zusammenhang wurde damit also nicht erbracht, die Bev\u00f6lkerung wurde dennoch \u00fcber das Risiko informiert, Keller wurden abgedichtet, die Mortalit\u00e4t sank, wobei mir aber daf\u00fcr ein nachpr\u00fcfbarer Beleg fehlt (<\/span><span class=\"md-plain md-expand\">Prof. Neiss ist 2016 <a href=\"https:\/\/trauer.sueddeutsche.de\/traueranzeige\/profdrdralbrecht-neiss\">verstorben<\/a>).\u00a0 <\/span>Die Daten gingen jedenfalls dann in eine <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0160412096001717\">gro\u00dfe \u00f6sterreichische<\/a> und\u00a0<a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC546066\/pdf\/bmj33000223.pdf\">internationale<\/a>\u00a0Studie ein.<\/p>\n<p><!--nextpage--><\/p>\n<p>Das letzte Beispiel in dieser Reihe stammt aus Montchavin.\u00a0 <span class=\"md-plain\">Montchavin wurde vor kurzem durch einen <\/span><span class=\" md-link\"><a spellcheck=\"false\" href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/health\/archive\/2025\/03\/als-outbreak-montchavin-mystery\/682096\/\"><span class=\"md-plain\">Atlantic Artikel<\/span><\/a><\/span><span class=\"md-plain\"> weiter bekannt, die Geschichte reicht allerdings weiter zur\u00fcck, der Tagesanzeiger brachte sie schon vor <\/span><span class=\" md-link\"><a spellcheck=\"false\" href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/mysterioese-erkrankungsfaelle-in-einem-kleinen-alpendorf-541196029898\"><span class=\"md-plain\">2 Jahren<\/span><\/a>. Ver\u00f6ffentlicht ist sie ansonsten auch in <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/38770222\/\">einem neurologischen Journal<\/a>.<\/span><\/p>\n<p>In dem kleinen franz\u00f6sischen Alpendorf in den Savoyen wurde eine ungew\u00f6hnlich hohe Anzahl von F\u00e4llen der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) festgestellt, einer seltenen und t\u00f6dlichen Nervenkrankheit. Zwischen 2000 und 2013 erkrankten 14 Personen in oder in der N\u00e4he des 200-Einwohner-Dorfes an ALS, was weit \u00fcber dem statistisch erwarteten Durchschnitt liegt. Die Betroffenen waren nicht miteinander verwandt, lebten jedoch alle seit ihrer Kindheit in Montchavin.<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\"><span class=\"HtmlText_root__A1OSq\">In seltenen F\u00e4llen kann ALS erblich sein. Doch die in Montchavin betroffenen Personen waren nicht blutsverwandt. Dennoch waren sie auf vielf\u00e4ltige Weise miteinander verbunden: Manche arbeiteten zusammen, andere unternahmen in der Freizeit gemeinsam etwas, einige wohnten im selben Haus. Auch ein Ehepaar war unter den Erkrankten: Zuerst traf es den Mann, sieben Jahre sp\u00e4ter litt auch seine Ehefrau an ALS. Alle Betroffenen lebten seit fr\u00fchester Kindheit in Montchavin.\u00a0 <\/span>Auch zwei Touristen waren betroffen. <span class=\"HtmlText_root__A1OSq\">Als die Erkrankungsserie nicht abriss \u2013 bis 2013 waren dort bereits f\u00fcnf Personen an ALS erkrankt \u2013, wurden auch die Beh\u00f6rden stutzig.\u00a0<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die Ermittlungen konzentrierten sich zun\u00e4chst auf Umweltfaktoren wie Schwermetalle aus fr\u00fcheren Bergbauaktivit\u00e4ten, Pestizide oder andere Umweltgifte, jedoch ohne Erfolg. Ein entscheidender Hinweis kam 2017 von einem US-Neurotoxikologen, der fragte, ob die Erkrankten &#8220;falsche Morcheln&#8221; (Giftlorcheln) konsumiert h\u00e4tten. Diese Pilze enthalten Hydrazone, die beim Abbau im K\u00f6rper giftige Substanzen freisetzen und Nervensch\u00e4den verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weitere Untersuchungen im Sommer 2018 ergaben, dass 13 der 14 ALS-Patienten regelm\u00e4\u00dfig Wildpilze, insbesondere Riesenlorcheln, gesammelt und verzehrt hatten, oft in gro\u00dfen Mengen. Einige berichteten von Symptomen wie Schwindel, Gef\u00fchlsst\u00f6rungen, Erbrechen oder Durchfall nach dem Verzehr, die sie jedoch nicht als Vergiftung deuteten. Die ersten ALS-Symptome traten alle erst f\u00fcnf bis zwanzig Jahre sp\u00e4ter auf.<\/p>\n<p>Heute isst nat\u00fcrlich niemand mehr diese Pilze. Aber es wird noch viele Jahre dauern, um tats\u00e4chlich ex juvantibus sagen zu k\u00f6nnen, dass es die Ursache war.<\/p>\n<p class=\"md-end-block md-p\">\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 22.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Cluster Epidemiologie ist ein spannendes Teilgebiet der Epidemiologie, das sich mit der Untersuchung von Krankheitsausbr\u00fcchen in geografischen oder sozialen Clustern befasst. Die Ursache einer Krankheit zu finden , die in einer bestimmten Populationen oder Regionen geh\u00e4uft auftritt, ist immer\u00a0 schwierig und selbst wenn man die Ursache gefunden hat, ist sie kaum zu beweisen, da &hellip; <a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2025\/04\/krankheitscluster-leukamien-asthma-lungenkrebs-als\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Krankheitscluster: Leuk\u00e4mien, Asthma, Lungenkrebs, ALS<\/span> <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[4898,5027,5026,5024,5025,5021,5020,5023,5032,5022,5028,5031,3714,199,5017,5030,276,5019,5018,5033,5029],"class_list":["post-25019","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-note-worthy","tag-akw","tag-anto","tag-blettner","tag-geiser","tag-kaatsch","tag-kinder","tag-krebs","tag-mainz","tag-radon","tag-register","tag-sunyer","tag-umhausen","tag-wichmann","tag-allergy","tag-cluster","tag-dust","tag-epidemiology","tag-ex-juvantibus","tag-method","tag-radioactivity","tag-soy-bean"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25019","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25019"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25019\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25092,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25019\/revisions\/25092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}