{"id":26011,"date":"2025-11-21T11:10:37","date_gmt":"2025-11-21T09:10:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=26011"},"modified":"2025-12-05T07:53:58","modified_gmt":"2025-12-05T05:53:58","slug":"ki-als-provokation-fur-den-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2025\/11\/ki-als-provokation-fur-den-glauben\/","title":{"rendered":"KI als Provokation f\u00fcr den Glauben?"},"content":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8211; wenn auch ohne Fragezeichen &#8211; steht auf <a href=\"https:\/\/www.feinschwarz.net\/ki-als-provokation-fuer-den-glauben\/\">Feinschwarz<\/a> ein\u00a0 lesenswerter Beitrag.<\/p>\n<blockquote><p>Beitr\u00e4ge aus den Kirchen hingegen sind rar und ersch\u00f6pfen sich in der Regel in allgemeinen Appellen: KI m\u00fcsse ethischen Grunds\u00e4tzen gen\u00fcgen und der Menschenw\u00fcrde dienen (Rome Call for AI Ethics, Vatikan, 2020), d\u00fcrfe nicht \u00fcber Tod und Leben von Menschen entscheiden (Antiqua et nova, Vatikan, 2025) und m\u00fcsse der menschlichen Freiheit dienen (Freiheit digital, EKD, 2021). &#8230;<br \/>\nBislang jedenfalls reichen die Thesen der kirchlichen Verantwortungstr\u00e4ger nicht bis in die Gemeinden hinein: auf der Kanzel und am Ambo, in KFD und Seniorengruppen ist K\u00fcnstliche Intelligenz bislang nur selten Thema. Diese pastorale und theologische L\u00fccke ist fatal. Denn die Provokation durch KI zielt nicht nur auf Ethik und Gesellschaft, sondern ins Herz des christlichen Glaubens selbst.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht nur, dass ich auch schon erlebt habe, da\u00df eine Predigt verd\u00e4chtig nach KI klang; auch ich selbst habe erst letzte Woche\u00a0 von chatGPT etwas wissen wollen (n\u00e4mlich wie die kognitive Disssonanz von Erw\u00e4hlung und kriegf\u00fchrenden Gott in Joel 32 und die Aussagen der Bergpredigt bei Evangelikalen wie John Stott aufgel\u00f6st wird &#8211; es kam nur blabla).<\/p>\n<p>Meistens k\u00f6nnen wir aber, wie Michael Brendel richtig schreibt, mit den Antworten etwas anfangen. KI hat mehr theologische B\u00fccher wie ich inkorporiert und &#8220;kennt&#8221; die Bible besser als ich. Und damit haben wir eine massive Provokation f\u00fcr den Glauben, denn KI ist wortgl\u00e4ubiger, als wird denken.<\/p>\n<blockquote><p>Der Johannesprolog bringt eine Hauptaussage des Neuen Testaments auf den Punkt: Dass das Wort g\u00f6ttlich ist. Gott zeigt sich nicht nur in Dornb\u00fcschen, Feuers\u00e4ulen und Naturkatastrophen, sondern er kommuniziert verbal mit den Menschen. Die Gl\u00e4ubigen auf der anderen Seite k\u00f6nnen ihre Anliegen, ihr Lob und ihre Klagen \u00fcber das Wort vor Gott bringen. Offenbarung, Liturgie und Lehre sind sprachlich vermittelt. Sakramente erlangen erst durch Worte ihre G\u00fcltigkeit. Und schlie\u00dflich: Der Logos, das g\u00f6ttliche Wort, ist in Jesus Christus Mensch geworden. Das Wort Gottes wirkt also in der Sinn-, Heils- und Offenbarungsdimension. Und in diese Zone dringt nun K\u00fcnstliche Intelligenz ein. Seit 2022 kommunizieren nicht mehr nur Menschen mit Menschen \u00fcber das Medium Wort, nicht mehr nur Gott und Mensch. Seit der Ver\u00f6ffentlichung von ChatGPT gibt es eine kommunikative Instanz, die \u00fcber Sprache Bedeutung schafft.<\/p><\/blockquote>\n<p>KI redet dabei sehr opportunistisch &#8211; jedenfalls die drei LLMs, die ich als Referenz hier habe. Sprachmodelle lernen aus massiven Mengen menschlicher Texte wo die (schriftlichen) h\u00e4ufigsten Muster in Dialogen eben sind: zustimmen, erkl\u00e4ren, beschwichtigen, freundlich sein. Wenn ein Thema unklar, strittig oder risikobehaftet ist, w\u00e4hlen Modelle oft risikoloseste Antwort. Das wirkt wie Nach-dem-Mund-Reden, ist aber eigentlich nur eine Absicherungsstrategie. Und nat\u00fcrlich hat ein Modell hat keine eigenen \u00dcberzeugungen (wenn es nicht gerade wie Grok in eine bestimmte Richtung kanalisiert wird) sondern wird nur die statistisch wahrscheinlichste Antwort produzieren.<\/p>\n<p>Ohne eine eigene Position kann ein LLM nicht \u201ewidersprechen\u201c, die meisten Dreij\u00e4hrigen k\u00f6nnen das besser!<\/p>\n<blockquote><p>Die evangelische Publizistin Johanna Haberer etwa fragt pointiert, ob der Mensch sich mit KI nicht ein Ebenbild schaffe, so wie Gott sich mit den Menschen ein Ebenbild geschaffen habe. Nat\u00fcrlich ist der Unterschied zwischen beiden Sch\u00f6pfungsakten fundamental. Ihre Schlussfolgerung trifft aber ins Schwarze: Hier wie dort stelle sich die Frage nach Verantwortung und Kontrolle.<\/p><\/blockquote>\n<p>Johanna Haberer, einer der beiden <a href=\"https:\/\/chrismon.de\/nachrichten\/47402\/neuer-podcast-unter-pfarrerstoechtern-erzaehlt-die-bibel\">Pfarrerst\u00f6chter<\/a>, trifft in der Tat den Punkt. Und so k\u00f6nnen wir auch die 3 Fragen von Brendel eindeutig beantworten.<\/p>\n<blockquote><p>Wie weit ist es vom Status Quo bis zur g\u00f6ttlichen Allwissenheit?<\/p><\/blockquote>\n<p>KI ist nur da beeindruckend wo es um gedruckte Texte geht und ihre seelenlose Reproduktion. Da immer wieder Halluzinationen auftreten, kann man:frau sich nicht auf Antworten verlassen.<\/p>\n<blockquote><p>KI hat schon heute Macht. Wird diese irgendwann zur Allmacht?<\/p><\/blockquote>\n<p>Da bleibe ich skeptisch, siehe Antwort auf die letzte Frage &#8211; Sprachmodelle werden immer unsere Kontrolle brauchen.<\/p>\n<blockquote><p>KI-Chatbots sind immer erreichbar, immer freundlich, immer hilfsbereit und scheinbar stets auf der Seite der Anwender*innen \u2013 Ist das vielleicht schon Allg\u00fcte?<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich nicht &#8211; es ist die Absicherungsstrategie von oben. Nota bene:<\/p>\n<figure id=\"attachment_26018\" aria-describedby=\"caption-attachment-26018\" style=\"width: 336px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-22-um-09.25.08.jpg\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\" title=\"\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26018\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-22-um-09.25.08-620x314.jpg\" alt=\"\" width=\"336\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-22-um-09.25.08-620x314.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-22-um-09.25.08-768x389.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-11-22-um-09.25.08.jpg 896w\" sizes=\"auto, (max-width: 336px) 100vw, 336px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26018\" class=\"wp-caption-text\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/s42256-019-0114-4<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 17.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8211; wenn auch ohne Fragezeichen &#8211; steht auf Feinschwarz ein\u00a0 lesenswerter Beitrag. 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