{"id":26161,"date":"2026-03-16T06:30:26","date_gmt":"2026-03-16T04:30:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=26161"},"modified":"2026-03-18T06:56:11","modified_gmt":"2026-03-18T04:56:11","slug":"bias-und-deception-in-den-bewertungssystemen-von-google-und-ebay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2026\/03\/bias-und-deception-in-den-bewertungssystemen-von-google-und-ebay\/","title":{"rendered":"Bias und Deception in den Bewertungssystemen von Google und Ebay"},"content":{"rendered":"<p>Google und Ebay Bewertungen steuern Warenfl\u00fcsse, mehr noch als jede Werbung.<\/p>\n<p>Sie aggregieren verteiltes Wissen, komprimieren es zu Signalen und machen es f\u00fcr Dritte nutzbar &#8211; immer unter der Voraussetzung, dass die Eingabedaten die Realit\u00e4t hinreichend abbilden. Diese Voraussetzung ist keine technische Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sondern eine normative Anforderung, die im Alltag digitaler Plattformen aber immer mehr ignoriert wird.<\/p>\n<p>Nehmen wir eBay. Seit November 2025 hinterlegt die Plattform automatisch eine positive Bewertung, wenn ein K\u00e4ufer nach abgeschlossenem Kauf sich nicht meldet. Die Begr\u00fcndung ist nachvollziehbar: Schweigen ist h\u00e4ufig tats\u00e4chlich Zufriedenheit, und ein dichtes Bewertungsnetz stabilisiert das Vertrauen in den Marktplatz. Aber das System misst nicht mehr damit, was es zu messen vorgibt. Eine positive Bewertung, die nicht auf erlebter Zufriedenheit beruht, sondern auf dem Ausbleiben einer Handlung, ist wie ein Datum ohne Zeitangabe &#8211; formal vorhanden, semantisch leer. Wer einen defekten Artikel erh\u00e4lt und es vers\u00e4umt, fristgerecht zu reagieren, erscheint im System als zufriedener K\u00e4ufer. Das Protokoll stimmt. Aber mit der Realit\u00e4t hat das nichts mehr zu tun.<\/p>\n<p>Google operiert nach derselben Logik, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Negative Bewertungen, die nachweislich auf realen Erfahrungen beruhen &#8211; und deren Authentizit\u00e4t Nutzer sogar per eidesstattlicher Erkl\u00e4rung belegt haben &#8211; werden auf Antrag des bewerteten Unternehmens routinem\u00e4\u00dfig gel\u00f6scht, wenn das Unternehmen \u201cUnangemessenheit\u201d oder \u201cDiffamierung\u201d geltend macht. Das Ergebnis ist dasselbe wie bei eBay, nur eine Eskalationsstufe dar\u00fcber: Nicht Schweigen wird als Zustimmung kodiert, sondern das Missfallen wird zum Verschwinden gebracht. <a href=\"https:\/\/www.reddit.com\/r\/de_EDV\/comments\/1ej8a9j\/was_sind_googlemaps_rezessionen_noch_wert\/\">Was bleibt, ist kein Abbild der Realit\u00e4t mehr<\/a>, sondern ein gefiltertes, plattformkonformes Surrogat, das dem widersprechenden Unternehmen h\u00f6here Einnahmen beschert.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte von <strong>struktureller Deception<\/strong> sprechen &#8211; einer T\u00e4uschung, die nicht aus Absicht, sondern aus Design entsteht<sup>1<\/sup>. Das Beunruhigende daran ist gerade die Absichtslosigkeit: Weil kein einzelner Akteur mehr verantwortlich zeichnet, fehlt auch die Motivation zur Korrektur. Bei einer klassischen L\u00fcge gibt es einen T\u00e4uschenden, der zur Rechenschaft gezogen werden kann. Bei einem absichtlich auf T\u00e4uschung konstruierten Bewertungsalgorithmus gibt es nur ein Produktteam, das auf Conversion-Raten schaut. Ethik oder Moral? Brauchen wir nicht, unvergesslich das Video vom gro\u00dfen<a href=\"https:\/\/www.npr.org\/2025\/09\/05\/nx-s1-5529377\/trump-hosts-biggest-names-in-tech-at-white-house-dinner\"> Tech-CEO-Vasallen-Dinner<\/a> im September 2025 auf dem betonierten Rasen vor dem Wei\u00dfen Haus.<\/p>\n<p>Schlimmer noch: automatisierte Systeme skalieren diesen Effekt hoch. Was im Einzelfall als Ungenauigkeit wirkt, akkumuliert sich \u00fcber alle AI\u2019s zu einem systematischen Vertrauensproblem. Vertrauenssysteme, die sich selbst korrumpieren, verlieren damit aber \u00a0jeden Tag mehr an N\u00fctzlichkeit &#8211; sie kippen um. Die Sterne leuchten noch, aber bedeuten nichts mehr. Das betrifft auch jede positive Bewertung, die nun als Werbung degradiert wird, aber eigentlich auf einer Erfahrung beruhte, sofern sie nicht auch gekauft war.<\/p>\n<p>Ist das organisierter Betrug?<\/p>\n<p>Juristisch kaum. Bandenm\u00e4\u00dfiger Betrug setzt nach \u00a7 263 StGB T\u00e4uschungsabsicht, Irrtumserregung und Verm\u00f6gensschaden voraus &#8211; und bei der Qualifikation \u201cbandenf\u00f6rmig\u201d eine organisierte Mehrt\u00e4terstruktur mit Tatplan. Beide Unternehmen handeln aber offen: Das Schweigen-gleich-Zustimmung-Prinzip und Jederzeit-L\u00f6schen-Prinzip steht mit Sicherheit irgendwo in den Nutzungsbedingungen. Juristisch greifbar w\u00e4re allenfalls irref\u00fchrende Gesch\u00e4ftspraxis im Sinne des UWG oder der europ\u00e4ischen Omnibus-Richtlinie.<\/p>\n<p>Epistemisch aber &#8211; im Kern ist es nat\u00fcrlich Betrug. Wenn man Betrug funktional versteht, als systematische Erzeugung falscher \u00dcberzeugungen zum eigenen Vorteil, dann trifft die Beschreibung erstaunlich gut: eBay profitiert von stabilen Verk\u00e4uferbewertungen, Google von einem bereinigten Reputationssystem, das Unternehmenskunden nicht vergraullt. Dass dies ohne strafrechtlich relevante Absicht geschieht, macht es gesellschaftlich nicht weniger problematisch &#8211; es macht es nur schwerer angreifbar.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\">Die Omnibus-Richtlinie &#8211; EU-Richtlinie 2019\/2161, in Deutschland seit Mai 2022 in Kraft, hat das UWG ge\u00e4ndert. Der f\u00fcr unseren Kontext entscheidende Punkt: Plattformen sind seither verpflichtet offenzulegen, ob und wie sie Bewertungen auf Echtheit pr\u00fcfen. Wer suggeriert, Bewertungen seien authentisch, ohne ein Pr\u00fcfverfahren zu betreiben, handelt nun unlauter. Au\u00dferdem sind gekaufte oder anderweitig gef\u00e4lschte Bewertungen ausdr\u00fccklich als unlautere Gesch\u00e4ftspraxis eingestuft.\u00a0 Warum greift das bei eBay und Google trotzdem nicht?\u00a0 Weil beide Unternehmen formal pr\u00fcfen &#8211; nur eben nicht auf Wahrheit, sondern auf Regelkonformit\u00e4t. eBay pr\u00fcft, ob eine Transaktion stattgefunden hat. Google pr\u00fcft, ob eine Beschwerde vorliegt. Das gen\u00fcgt juristisch als &#8220;Pr\u00fcfverfahren&#8221;, auch wenn das Ergebnis v\u00f6llig wertlos ist. Die Richtlinie hat eine L\u00fccke dort, wo es darauf ank\u00e4me: Sie reguliert das Verfahren, nicht die Qualit\u00e4t des Ergebnisses.<\/p>\n<p>Die folgenden drei Fallbeispiele im Anhang illustrieren, wie Konstruktionsbias und strukturelle T\u00e4uschung in unterschiedlichen Kontexten auftreten, wobei sich der Leser gerne selbst die Konsequenzen\u00a0 ableiten kann..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anhang Fallbeispiel<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/firmeneintrag.creditreform.de\/82194\/8330445476\/BURIM_QERIQI_AUTOSERVICE#firmenauskunft\">Albert&#8217;s Auto Service Gr\u00f6benzell<\/a><\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\">Im September 2024 beauftragte ein Kunde die Werkstatt von Burim Qeriqi in Gr\u00f6benzell mit der Reparatur eines Kurzschlusses. Die Rechnung belief sich auf 255,17 Euro. Die anschlie\u00dfend aufgesuchte Fachwerkstatt stellte schriftlich in ihrer Rechnung fest, dass die Lampen in beiden Fassungen fehlten oder falsch angeschlossen waren, die Verkabelung der dritten Bremslampe nicht funktionierte und korrodierte Kabelverbindungen am Unterboden unangetastet geblieben waren. Die Nachbesserung kostete 720,00 Euro. Qeriqi ist, wie sich sp\u00e4ter herausstellte, kein Mitglied der KFZ-Innung &#8211; ein Umstand, der auf seiner Google-Seite naturgem\u00e4\u00df nicht vermerkt ist. Die sachliche und belegbare Rezension des Kunden auf Google verschwand jedenfalls bald darauf. Ein Tracing der Bewertungen \u00fcber achtzehn Monate ergab: Die Werkstatt l\u00f6scht negative Bewertungen systematisch und umgehend. Google stellt daf\u00fcr das Werkzeug bereit &#8211; ohne Pr\u00fcfung der inhaltlichen Berechtigung, ohne Ber\u00fccksichtigung von Belegen. Eine einzelne negative Bewertung, die zum Zeitpunkt der Recherche noch sichtbar war, illustriert eher die Geschwindigkeit des L\u00f6schvorgangs als dessen Ausnahmen. Was auf der Profilseite verbleibt, ist kein Abbild der Kundenerfahrungen, sondern das Ergebnis aktiven Reputationsmanagements &#8211; erm\u00f6glicht und abgesichert durch die Plattform.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26167\" aria-describedby=\"caption-attachment-26167\" style=\"width: 251px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.03.02.jpg\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-0\" data-rl_title=\"Screenshot\" data-rl_caption=\"Screenshot\" title=\"Screenshot\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26167\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.03.02-568x500.jpg\" alt=\"\" width=\"251\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.03.02-568x500.jpg 568w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.03.02-620x546.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.03.02-768x676.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.03.02.jpg 1201w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26167\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot 16.3.2026. Die negativen Bewertungen fehlen &#8211; ist die positive Bewertungen von Claude Menu aus Nizza echt?<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fallbeispiel 2<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bni-bayern.de\/wittelsbach\/de\/memberdetails?encryptedMemberId=7PC7v4vef%2Fz%2BDZB8VBb%2F8w%3D%3D&amp;name=Christian+Sailer\">Gutachter B\u00fcro Christian Sailer Aichach<\/a>.<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\">Der Gutachter wird wegen eines Wasserschadens von einem Kunden auf Rat seines Anwalts kontaktiert. Der Gutachter erscheint sp\u00e4t, unvorbereitet, liefert statt einer strukturierten Bestandsaufnahme einen langatmigen Vortrag. Der Kunde bricht das Gutachten ab. Die anschlie\u00dfende Honorarforderung landet vor Gericht und endet mit einem Vergleich &#8211; einem rechtsf\u00f6rmigen Abschluss, der den Sachverhalt aktenkundig macht. Der Kunde verfasst daraufhin eine pr\u00e4zise, tatsachenbasierte Rezension auf Google: keine Polemik, keine Vermutungen, nur der dokumentierte Hergang mit der Empfehlung keinen Blanko Werkauftrag zu unterschreiben. Das Ergebnis ist vorhersehbar. Google teilt mit, eine Beschwerde wegen Diffamierung erhalten zu haben, und l\u00f6scht den Zugriff auf den Beitrag <sup>2<\/sup>. Die Begr\u00fcndung lautet lapidar: der Inhalt &#8220;verst\u00f6\u00dft anscheinend gegen&#8221; die entsprechende Kategorie. Kein Nachweis, keine Abw\u00e4gung, kein Einblick in die Pr\u00fcfung, keine Reaktion auch auf die Reklamation, die Bewertung stehen zu lassen. Das Wort &#8220;anscheinend&#8221; ist dabei bezeichnend &#8211; es signalisiert, dass keine eigentliche Pr\u00fcfung stattgefunden hat, sondern eine Kategorisierung. Was hier verschwindet, ist keine Meinung, sondern ein gerichtlich best\u00e4tigter Sachverhalt. Die Plattform fungiert als Zensurinstanz ohne Erkenntnisinteresse: Sie pr\u00fcft nicht, ob eine Aussage wahr ist, sondern ob jemand Einspruch erhoben hat..<\/p>\n<figure id=\"attachment_26173\" aria-describedby=\"caption-attachment-26173\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a style=\"font-weight: bold; background-color: transparent;\" href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.41.24.jpg\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-1\" data-rl_title=\"Screenshot\" data-rl_caption=\"Screenshot\" title=\"Screenshot\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26173\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.41.24-690x500.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.41.24-690x500.jpg 690w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.41.24-620x449.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.41.24-768x556.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-07.41.24.jpg 1427w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26173\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot 16.3.2026<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_26177\" aria-describedby=\"caption-attachment-26177\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-08.12.53.jpg\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-2\" data-rl_title=\"Screenshot\" data-rl_caption=\"Screenshot\" title=\"Screenshot\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26177\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-08.12.53-364x500.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"385\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-08.12.53-364x500.jpg 364w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-08.12.53-620x852.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-08.12.53-768x1055.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-08.12.53.jpg 856w\" sizes=\"auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26177\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot 16.3.26 mit Selbstdarstellung der Qualifikationen<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fallbeispiel<\/strong> <strong>3<\/strong><\/p>\n<p>Strikeforge GbR Ebay H\u00e4ndler<\/p>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\">Ein Kunde kauft auf eBay einen AirTag-Halter aus dem 3D-Drucker &#8211; billiges Filament, zu geringe Wandst\u00e4rke. Das Teil bricht kurz darauf unterwegs ab, der AirTag geht verloren &#8211; 5,99 \u20ac f\u00fcr den Halter, 32,99\u20ac Verlust f\u00fcr den AirTag summieren sich zu 39\u20ac. \u00a0Ohne Garantie, ohne Schadenersatz, daf\u00fcr aber mit Belehrung durch den Verk\u00e4ufer Philipp Huguenin, da\u00df die Widerrufsfrist &#8220;bereits seit l\u00e4ngerer Zeit abgelaufen ist. Sch\u00e4den, die nach dieser Nutzungsdauer durch Belastung im Gebrauch entstehen, k\u00f6nnen wir leider nicht als Reklamation \u00fcbernehmen. Vielen Dank f\u00fcr dein Verst\u00e4ndnis.&#8221; Der Verk\u00e4ufer dreht die Beweislast auch noch um &#8211; er definiert den Produktfehler (zu geringe Wandst\u00e4rke) als Gebrauchsverschlei\u00df und entzieht sich damit jeder Gew\u00e4hrleistungspflicht. Die gesetzliche Gew\u00e4hrleistungsfrist betr\u00e4gt 2 Jahre ab Kauf &#8211; die Widerrufsfrist (14 Tage) ist etwas v\u00f6llig anderes. Die\u00a0 Verwechslung von Widerrufsrecht und gesetzlicher Gew\u00e4hrleistung zeigt entweder Unkenntnis oder Kalk\u00fcl.\u00a0 Der Kunde gab jedenfalls keine Bewertung ab. Nach dem Kauf erscheint auf eBay aber eine positive Bewertung f\u00fcr den Kauf &#8211; automatisch generiert, plattformkonform, sachlich falsch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26181\" aria-describedby=\"caption-attachment-26181\" style=\"width: 320px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-14.01.17.jpg\" rel=\"key\" data-rel=\"key-image-3\" data-rl_title=\"Screenshot\" data-rl_caption=\"Screenshot\" title=\"Screenshot\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-26181\" src=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-14.01.17-748x500.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-14.01.17-748x500.jpg 748w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-14.01.17-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-14.01.17-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bildschirmfoto-2026-03-16-um-14.01.17.jpg 926w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26181\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot 16.3.206<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"font-claude-response-body break-words whitespace-normal leading-[1.7]\">Das ist der Mechanismus in Reinform. Kein Verk\u00e4ufer hat gelogen. Kein Algorithmus hat eine Entscheidung getroffen, die sich jemand bewusst \u00fcberlegt h\u00e4tte. Das System hat schlicht Schweigen als Zufriedenheit interpretiert und daraus eine Aussage gemacht. Der Verk\u00e4ufer der mangelhaftenWare sammelt weiter positive Bewertungen. Der n\u00e4chste K\u00e4ufer verl\u00e4sst sich darauf. Der AirTag des \u00dcbern\u00e4chsten geht ebenfalls verloren &#8211; informiert durch ein Bewertungssystem, das funktioniert, solange man nicht fragt, was es eigentlich misst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p><sup>1<\/sup>\u00a0Der Begriff schlie\u00dft an Miranda Frickers Konzept der hermeneutical injustice an: Strukturelle L\u00fccken im kollektiven Deutungsrepertoire f\u00fchren dazu, dass bestimmte Erfahrungen nicht ad\u00e4quat artikuliert &#8211; oder in diesem Fall: nicht dauerhaft dokumentiert &#8211; werden k\u00f6nnen. <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/book\/32817\">Fricker, M.: Epistemic Injustice. Power and the Ethics of Knowing. Oxford 2007<\/a><\/p>\n<p><sup>2<\/sup>\u00a0siehe auch <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/leben\/verbraucher\/ard-marktcheck\/google-bewertungen-rezensionen-ehrliche-kritik-wird-immer-wieder-geloescht-100.html\">SWR vom 7.7.2025<\/a> &#8220;Google-Bewertungen: Warum ehrliche Kritik oft gel\u00f6scht wird&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>Googles Antwort: Allgemein und ausweichend<br \/>\nIn einem offiziellen Erkl\u00e4rvideo beschreibt Google, wie Rezensionen gepr\u00fcft werden: mithilfe von k\u00fcnstlicher Intelligenz und einem Moderationsteam. 2024 seien \u00fcber 240 Millionen Beitr\u00e4ge entfernt worden.<br \/>\n\u201eUnsere Richtlinien besagen eindeutig, dass Rezensionen auf echten Erfahrungen beruhen m\u00fcssen \u2013 weshalb wir umgehend gegen b\u00f6swillige Akteure vorgehen (\u2026)\u201c, schreibt Google.Sackgasse f\u00fcr ehrliche Meinung<br \/>\nKunden, deren ehrliche Meinung immer wieder gel\u00f6scht wird, sind frustriert. Was sie erleben, nimmt ihnen das Vertrauen in das Bewertungs-System.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 10.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Google und Ebay Bewertungen steuern Warenfl\u00fcsse, mehr noch als jede Werbung. Sie aggregieren verteiltes Wissen, komprimieren es zu Signalen und machen es f\u00fcr Dritte nutzbar &#8211; immer unter der Voraussetzung, dass die Eingabedaten die Realit\u00e4t hinreichend abbilden. 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