{"id":450,"date":"2006-11-29T15:52:18","date_gmt":"2006-11-29T13:52:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/2006\/11\/29\/zeitgeist\/"},"modified":"2006-11-29T15:52:18","modified_gmt":"2006-11-29T13:52:18","slug":"zeitgeist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2006\/11\/zeitgeist\/","title":{"rendered":"Zeitgeist"},"content":{"rendered":"<p>It seems that the German word <em>Zeitgeist<\/em> is increasingly used also in English texts. When thinking again and again about science and scientists, I always come back to a famous assay of <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Jaspers\">Karl Jaspers<\/a> written in 1932 (he lost his professorship in Heidelberg 1937; in 1938 he was forbidden to publish any more).<\/p>\n<p>The title of the essay is <em>&#8220;Die geistige Situation der Zeit&#8221;<\/em>. The chapter &#8220;Wissenschaft&#8221; is always a comfort to me when being desperate about the inequity of the scientific world. Here is an excerpt:<\/p>\n<blockquote><p>\nWissenschaften leisten auch heute Au\u00dferordentliches. Die<br \/>\nexakten Naturwissenschaften haben einen aufregenden Gang<br \/>\nrapider Fortschritte in Grundgedanken und empirischen Ergebnissen<br \/>\nbegonnen. Ein &uuml;ber die Welt verbreiteter Kreis der<br \/>\nForscher steht in den Beziehungen des rationalen Sichverstehens.<br \/>\nEiner wirft dem anderen den Ball zu. Dieser Vorgang<br \/>\nfindet Widerhall in der Masse durch die Handgreiflichkeit der<br \/>\nResultate. Das sachnahe Sehen in den Geisteswissenschaften<br \/>\nhat sich zu mikroskopischer Feinheit gesteigert. Ein nie dagewesener<br \/>\nReichtum an Dokumenten und Monumenten ist vor<br \/>\nAugen gebracht. Kritische Sicherheit ist erreicht.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nDie Krise der Wissenschaften besteht also nicht eigentlich<br \/>\nin den Grenzen ihres K\u00f6nnens, sondern im Bewu\u00dftsein ihres<br \/>\nSinns. Mit dem Zerfall eines Ganzen ist nun die Unerme\u00dflichkeit<br \/>\ndes Wi\u00dfbaren der Frage unterstellt, ob es des Wissens wert<br \/>\nsei. Wo das Wissen ohne das Ganze einer Weltanschauung nur<br \/>\nnoch richtig ist, wird es allenfalls nach seiner technischen<br \/>\nBrauchbarkeit gesch\u00e4tzt. Es versinkt in die Endlosigkeit dessen,<br \/>\nwas eigentlich niemanden angeht.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nNicht also schon die immanente Entwicklung der Wissenschaften<br \/>\nmacht die Krise zureichend begreiflich, sondern erst<br \/>\nder Mensch, auf den die wissenschaftliche Situation trifft. Nicht<br \/>\nWissenschaft f&uuml;r sich, sondern er selbst in ihr ist in einer Krise.<br \/>\nDer historisch-soziologische Grund dieser Krise liegt im<br \/>\nMassendasein, Die Tatsache der Verwandlung der freien Forschung<br \/>\nEinzelner in den Betrieb der Wissenschaft hat zur Folge,<br \/>\nda\u00df jedermann sich mitzuwirken f&uuml;r bef\u00e4higt h\u00e4lt, wenn er nur<br \/>\nVerstand hat und flei\u00dfig ist. Es kommt ein wissenschaftliches<br \/>\nPlebejertum auf; man macht leere Analogiearbeiten, um sich<br \/>\nals Forscher auszuweisen, macht beliebige Feststellungen, Z\u00e4hlungen,<br \/>\nBeschreibungen und gibt sie f&uuml;r empirische Wissenschaft<br \/>\naus. Die Endlosigkeit eingenommener Standpunkte, so<br \/>\nda\u00df man in h\u00e4ufiger werdenden F\u00e4llen sich nicht mehr versteht,<br \/>\nist allein die Folge davon, da\u00df ein jeder unverantwortlich<br \/>\nseine Meinung zu sagen wagt, die er sich erqu\u00e4lt, um auch<br \/>\netwas zu bedeuten. Man hat die Unverfrorenheit, \u00e2\u20ac\u017enur zur<br \/>\nDiskussion zu stellen&#8221; was einem grade einf\u00e4llt. Die Unmenge<br \/>\ngedruckter Rationalit\u00e4t wird in manchen Gebieten schlie\u00dflich<br \/>\nzur Schaustellung des chaotischen Durcheinanderstr\u00f6mens der<br \/>\nnicht mehr eigentlich verstandenen Reste fr&uuml;her einmal lebendigen<br \/>\nDenkens in den K\u00f6pfen der Massenmenschen. Wenn so<br \/>\nWissenschaft Funktion von Tausenden als jeweils zum Fach<br \/>\nals Beruf geh\u00f6render Interessenten wird, dann kann wegen<br \/>\nder Eigenschaften des Durchschnitts auch der Sinn von Forschung<br \/>\n&#8230; durcheinander geraten.\n<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 09.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>It seems that the German word Zeitgeist is increasingly used also in English texts. 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