{"id":7294,"date":"2014-11-21T15:36:58","date_gmt":"2014-11-21T14:36:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=7294"},"modified":"2014-11-22T15:45:37","modified_gmt":"2014-11-22T14:45:37","slug":"wissen-auf-abruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2014\/11\/wissen-auf-abruf\/","title":{"rendered":"Wissen und Pseudowissen"},"content":{"rendered":"<p>Wissen und Pseudowissen sehen von weitem\u00a0betrachtet\u00a0\u00e4hnlich aus. Pseudowissen kommt im Mantel von anerkanntem Wissen daher, ist allerdings nie wirklich \u00fcberpr\u00fcft worden.\u00a0Traditionelle \u00dcberlieferung eben, H\u00f6rensagen,\u00a0alles plausibel, aber doch nie\u00a0\u00fcberpr\u00fcfte Fakten.\u00a0Auch in der Wissenschaft macht sich zunehmend Pseudowissen breit. Darauf kam auch <a href=\"http:\/\/www.huffingtonpost.de\/Ayad-Al-Ani\/pseudowisssen-im-digitale_b_5419020.html\">Al Ani<\/a> mit einem interessanten Beitrag bereits Anfang des Jahres zu sprechen<\/p>\n<blockquote><p>ls ich vor einigen Tagen eine Vorlesung abhielt, meldete sich eine anwesende Studentin: Sie h\u00e4tte sich mit meinem Vortragsthema zwar noch nie besch\u00e4ftigt, h\u00e4tte aber schnell zwei von mir zitierte Quellen gegoogelt und befand diese als nicht repr\u00e4sentativ.<br \/>\nDieses Beispiel zeigt zwei wesentliche Merkmale des heutigen Lernverhaltens: Dieses erfolgt immer \u00f6fter nicht mehr &#8220;auf Vorrat&#8221;, sondern sozusagen \u201eon demand&#8221;: Wenn ich es brauche, wei\u00df ich, wo ich es herbekomme. Ein Verhalten, das sehr gut zur Bew\u00e4ltigung der Herausforderung passt, wie sie schnell aufeinander abfolgende, unterschiedliche Aufgabenstellungen und Projekte im digitalen Zeitalter darstellen. Lernen auf Verdacht erscheint hier nicht immer sinnvoll und m\u00f6glich, da es selten absehbar ist, was auf einem in der n\u00e4chsten Zeit an Anforderungen zukommen wird.<br \/>\nEin solches Verhalten bedingt dann nat\u00fcrlich auch einen anderen Umgang mit einem exponentiell wachsenden und durch soziale Medien fast schon \u00fcberbordenden angebotenen Wissen oder eher Informationen. Es geht hier zun\u00e4chst darum, den \u00dcberblick zu wahren, zu navigieren&#8230;<br \/>\nSo rational und sinnvoll ein derartiges Verhalten auch sein mag, es bedeutet offensichtlich einen Bruch mit dem bisherigen Lernverhalten und hat massive Auswirkungen auf unser Verhalten und sogar auf den Zusammenhalt der Gesellschaft als solche.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vergessen wir f\u00fcr einen Augenblick, wie skurill es ist, dass dieser Beitrag auf der Huffington Post erschienen ist.<br \/>\nDass Wissen stirbt, finden aber auch andere Autoren, zuletzt Knau\u00df in der <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/erfolg\/campus-mba\/bildung-auf-dem-weg-in-die-unwissensgesellschaft-seite-all\/11009200-all.html\">Wirtschaftswoche<\/a>, wenn auch aus einem anderen Blickwinkel:<\/p>\n<blockquote><p>In seinem sehr lesenswerten aktuellen Werk \u201eDie Explosion des Wissens\u201c erz\u00e4hlt der britische Ideenhistoriker Peter Burke die Geschichte des Wissens von der Epoche der Aufkl\u00e4rung bis zur Gegenwart nach&#8230;<br \/>\nDie Geschichte des Wissens wird \u00fcblicherweise als eine gro\u00dfe Geschichte des Fortschritts gesehen, die in der \u201eWissensgesellschaft\u201c m\u00fcndet, in der wir nun angeblich leben \u2013 und die immer schneller fortschreitet. Eine ewige Aufw\u00e4rtsbewegung von immer mehr wissenden Menschen.<br \/>\nBurke aber erz\u00e4hlt sein Werk gerade nicht als eine solche eindimensionale Fortschrittsgeschichte. Er widmet auch dem \u201eWissen verlieren\u201c ein eigenes Kapitel. Die Geschichte des Wissens ist \u2013 wenn man weit genug zur\u00fcckblickt \u2013 eine des Auf und Ab. Und es gibt gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr, die Gegenwart eher auf dem absteigenden Ast zu sehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>In der Tat, wo Wissen zur Ware wird, \u00a0da stirbt Wissen. Ware vergibt eben. Da nimmt nun eine ganze Generation Wissen mit, die wirklich noch etwas von der Welt wusste. \u00a0Die alle keinen Wissenskanon a la Ganten oder Schwanitz brauchten, die noch eine\u00a0umfassende Schulbildung und Studium vor der\u00a0Massenuniversit\u00e4ten genossen haben.<br \/>\n<span style=\"line-height: 1.5;\">Und nochmal, wo Wissen\u00a0nur noch\u00a0als &#8220;Impact&#8221; gez\u00e4hlt wird, da stirbt das Wissen. Es geht hier nicht mehr um das Wissenwollen, sondern um die industrielle Datenproduktion.<\/span>\u00a0Wissen in den Postgraduierten Schools\u00a0wird ersetzt durch &#8220;Kompetenzen&#8221;, nachrangigen Fertigkeiten (wie zum Beispiel &#8220;goggeln&#8221; oder Bewerbungskursen). Nur dumm, dass alle dieselben Bewerbungskurse machen\u00a0und nur dumm, da\u00df Googeln nicht viel n\u00fctzt, wenn der Sachverhalt im erstbesten Link falsch dargestellt ist.\u00a0Dass das eigentlich relevante\u00a0Ergebnis erst auf Seite 10 kommt, oder \u00fcberhaupt nicht im Internet steht. Wie\u00a0Paul Liessmann es auf den Punkt gebracht hat\u00a0&#8220;Wer keine Ahnung von Geschichte hat, dem hilft auch Wikipedia nicht weiter&#8221;.\u00a0\u00a0Die Fragmentierung des Wissens bedeute leider auch, dass immer weniger wirklich \u00fcberpr\u00fcft ist. Pseudowissen eben. Und wer es dann trotzdem noch schafft, Zusammenh\u00e4nge zu erkennen, der ist weise. Meine\u00a0ich jedenfalls.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 14.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissen und Pseudowissen sehen von weitem\u00a0betrachtet\u00a0\u00e4hnlich aus. Pseudowissen kommt im Mantel von anerkanntem Wissen daher, ist allerdings nie wirklich \u00fcberpr\u00fcft worden.\u00a0Traditionelle \u00dcberlieferung eben, H\u00f6rensagen,\u00a0alles plausibel, aber doch nie\u00a0\u00fcberpr\u00fcfte Fakten.\u00a0Auch in der Wissenschaft macht sich zunehmend Pseudowissen breit. 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