{"id":7323,"date":"2014-11-24T16:39:33","date_gmt":"2014-11-24T15:39:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=7323"},"modified":"2016-04-21T07:47:59","modified_gmt":"2016-04-21T06:47:59","slug":"zum-gewaltpotential-der-christlichen-religion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2014\/11\/zum-gewaltpotential-der-christlichen-religion\/","title":{"rendered":"Zum Gewaltpotential der christlichen Religion"},"content":{"rendered":"<p>2012 hat <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article112234295\/Die-groesste-Gefahr-des-Friedens-ist-religioeser-Wahn.html\">Papst Benedikt XVI. <\/a>in der Weihnachtsansprache gesagt<\/p>\n<blockquote><p>dass in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand f\u00fcr Intoleranz und Gewalt gedient hat. Wahr ist, dass Religion erkranken und so sich ihrem tieferen Wesen entgegenstellen kann, wenn der Mensch meint, selbst die Sache Gottes in die Hand nehmen zu m\u00fcssen, und so Gott zu seinem Privateigentum macht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die brutale Seite der Religionen wird einem bald jeden Tag\u00a0vor Augen gef\u00fchrt.\u00a0Das ist aber beileibe nicht nur ein <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-20289346.html\">Problem des Judentums<\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article132118191\/Die-Moerder-des-IS-nehmen-Mohammed-eben-woertlich.html\">des Islam<\/a>, es ist auch ein best\u00fcrzendes Problem des Christentums.<br \/>\nIm Rahmen einer Studie \u00fcber Wahn und Religion habe ich diverse Beispiele gefunden, darunter auch\u00a0Karl K., der &#8220;Jesus von Ratzeburg&#8221;. Er hat im Streit \u00fcber den Lebenswandel seinem\u00a0<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-50666679.html\">22-j\u00e4hrigen Sohn Thomas ein K\u00fcchenmesser in den R\u00fccken gesto\u00dfen\u00a0<\/a>\u00a0(und verb\u00fc\u00dft daf\u00fcr nun eine lebensl\u00e4ngliche Freiheitsstrafe ). Herr K. liess mir heute \u00fcber die Staatsanwaltschaft ausrichten, dass er sich nicht mit mir unterhalten will.\u00a0Das ist bemerkenswert, da er ansonsten doch alle Menschen missionieren wollte. Seine Begr\u00fcndung jedenfalls war<\/p>\n<blockquote><p>es steht geschrieben: Wer zur\u00fccksieht, ist nicht geeignet f\u00fcr das Reich Gottes.<\/p><\/blockquote>\n<p>Er\u00a0bezieht sich dabei auf eines der wenigen, in der Tat radikalen Jesusworte aus dem Lukasevangelium: &#8220;Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zur\u00fcck, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes\u201c.<br \/>\nDie Absage von Herrn K. \u00a0soll wohl\u00a0heissen, dass seine\u00a0ansonsten gerade gezogene Furche krumm wird, wenn er in einem Interview zur\u00fcckschaut.\u00a0Auch die Satzeinleitung ist bezeichnend, nach Kant (<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Philosophie\/M\/Kant,+Immanuel\/Die+Religion+innerhalb+der+Grenzen+der+blo\u00dfen+Vernunft\/Drittes+St\u00fcck.+Der+Sieg+des+guten+Prinzips+\u00fcber+das+B\u00f6se,+und+die+Gr\u00fcndung+eines+Reichs+Gottes+auf+Erden\/1.+Abteilung.+Philosophische+Vorstellung+des+Sieges+des+guten+Prinzips+unter+Gr\u00fcndung+eines+Reichs+Gottes+auf+Erden\/V.+Die+Konstitution+einer+jeden+Kirche+geht+allemal+von+irgend+einem+historischen+(Offenbarungs-)+glauben+aus,+den+man+den+Kirchenglauben+nennen+kann,+und+dieser+wird+am+besten+auf+eine+heilige+Schrift+gegr\u00fcndet\">Religion innerhalb der Grenzen der blo\u00dfen Vernunft<\/a>)<\/p>\n<blockquote><p>verschl\u00e4gt nichts wider den alle Einw\u00fcrfe niederschlagenden Machtanspruch: da steht&#8217;s geschrieben<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie wenig Einsicht doch aus diesem einen Satz\u00a0spricht, oder wie Benedikt es sagen w\u00fcrde, wie krank ist doch die\u00a0Religion dieses Mannes, der selbst die &#8220;Sache Gottes&#8221; in die Hand genommen hat.<br \/>\nAber kann man nun dieses Verhalten nun dem Christentum anlasten\u00a0oder sind es sind es ganz einfach <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/is-islamischer-staat-zwei-libanesinnen-forschen-ueber-terrorismus-a-1005382.html\">bestimmte Pers\u00f6nlichkeiten<\/a>, die sich die Religion als Spielwiese, oder sagen wir besser als Schlachtfeld f\u00fcr ihren Fanatismus aussuchen?<br \/>\nDie\u00a0Begr\u00fcndung des eigenen Handelns &#8211; von\u00a0einem\u00a0liberalen Protestantismus, \u00fcber den reaktion\u00e4ren Pietismus bei \u00a0Rudolf Ebertsh\u00e4user, Wolfgang B\u00fchne, Stephan Holzhaus, Wolfgang Nestvogel, \u00a0bis hinab zu dem Straft\u00e4ter Karl K. &#8211; wird dabei\u00a0von\u00a0derselben Bibel abgeleitet.\u00a0Erstaunlich, oder?<br \/>\nAus dieser Tatsache ergibt sich zwingend, da\u00df die Texte der Bibel vieldeutig sind &#8212; nur im Zusammenhang mit dem \u00a0Urheber und dem Adressaten und oft auch nur aus der jeweiligen Epoche\u00a0verstehbar.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn aber auch die Bibel nicht irren kann, so k\u00f6nnte doch ein Ausleger derselben in verschiedener Weise irren.<\/p><\/blockquote>\n<p>schreibt Galileo Galilei an Piero Dini vom Mai 1615. Eine g\u00f6ttliche Eingebung\u00a0h\u00e4tte keine missverst\u00e4ndliche Formulierungen im textus receptus oder Aland zugelassen, keinen variablen Kanon, Abschreib- oder \u00dcbersetzungsfehler.<\/p>\n<p>Aber so kann sich der Fanatiker Karl K. aus einem riesigen Vorrat von Erz\u00e4hlweisheiten genau das heraussuchen, was ihm passt &#8212;\u00a0Abram h\u00e4tte schliesslich auch seinen Sohn Isaak geopfert &#8220;Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen&#8221; wenn auch nur in einer Erz\u00e4hltradition aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.<\/p>\n<p>Dagegen w\u00fcrde jeder andere evangelische oder katholische Christ das 5. Gebot halten oder besser noch die wiederholte Anweisung (Eph 6,4 und Kol 3,21) &#8220;Ihr V\u00e4ter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn&#8221;. Die Liebe (nicht die Toleranz) war\u00a0zumindest eine urchristliche Tugend &#8220;Die Liebe ertr\u00e4gt alles&#8221; (1.Kor 13,7) oder &#8220;einer trage des andern Lasten&#8221; (Gal 6,2).<\/p>\n<p>Wo der christliche Glaube aber nur noch zu einer fundamentalistischen B\u00fccherverehrung wird, wo er die Verbindung zu den Kirchen, der Kultur, der Politik, der\u00a0Wissenschaft und den Rest der Gesellschaft abschneidet, da ist das\u00a0Missbrauchspotential\u00a0auch im\u00a0Christentum zu menschenverachtenden, mordenden Aktionen erschreckend da.\u00a0Das Risiko ist vielleicht nicht so hoch, wie in anderen monotheistischen Regionen, da die\u00a0christliche Soziallehre eigentlich klare\u00a0Schranken aufweist.\u00a0Die Situation wird aber auch hier jederzeit brandgef\u00e4hrlich, wenn bedingungslose Hingabe gefordert wird, die Aufgabe des Ichs wie von Ignatius \u00fcberliefert<\/p>\n<blockquote><p>Wir m\u00fcssen immer festhalten, um in allem das Rechte zu treffen: Von dem Wei\u00dfen, das ich sehe, glauben, dass es schwarz ist, wenn die hierarchische Kirche es so bestimmt, &#8230;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Christlicher Fundamentalismus und islamischer Fanatismus haben etymologisch\u00a0nur wenig\u00a0gemeinsam (Fundus ist der Grund und Fatum der Tempel), aber inhaltlich bauen\u00a0sie aufeinander\u00a0auf, der Tempel auf dem Grund, wie der Fanatismus auf dem Fundamentalismus.<\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 14.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2012 hat Papst Benedikt XVI. in der Weihnachtsansprache gesagt dass in der Geschichte der Monotheismus als Vorwand f\u00fcr Intoleranz und Gewalt gedient hat. 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