{"id":7754,"date":"2015-09-18T11:42:40","date_gmt":"2015-09-18T10:42:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=7754"},"modified":"2015-09-25T10:49:28","modified_gmt":"2015-09-25T09:49:28","slug":"tue-gutes-und-rede-standig-daruber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2015\/09\/tue-gutes-und-rede-standig-daruber\/","title":{"rendered":"Tue Gutes und rede st\u00e4ndig dar\u00fcber?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www2.medizin.uni-greifswald.de\/hno\/index.php?id=285\">Werner Hosemann<\/a>, Greifswald, hat anl\u00e4sslich eines HNO Kongresses am 13. Mai eine bemerkenswerte Rede gehalten &#8220;Tue Gutes und rede st\u00e4ndig dar\u00fcber? Anmerkungen zur Systemkollision von \u00d6konomie und Medizin&#8221;, Quelle HNO Informationen 3\/2105, 102, hier in Ausz\u00fcgen:<\/p>\n<blockquote><p>In nahezu jedem Krankenhaus stecken Einnahmequellen, die nicht genutzt werden. T\u00e4glich werden dort zahlreiche Leistungen erbracht, die sich\u00a0vermarkten lie\u00dfen oder mit denen sich ein Haus gegen\u00fcber dem Wettbewerb profilieren k\u00f6nnte. Diese Leistungen sichtbar zu machen und zu kommunizieren, ist eine der wesentlichen Aufgaben von Krankenhausmarketing<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nEine Marketing-Offerte steht zu dieser therapeutischen Offerte in einem deutlichen Spannungsverh\u00e4ltnis<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nExemplarisch mache ich auf vier Folgen aufmerksam:<br \/>\n&#8211; Das Arzt-Patient-Verh\u00e4ltnis wird zum \u00f6konomischen Tauschverh\u00e4ltnis, der Patient wird Kunde.<br \/>\n&#8211; Die Konkurrenzf\u00e4higkeit einer Klinik wird zum Kriterium der G\u00fcte.<br \/>\n&#8211; Der Arzt wird mehr und mehr vordergr\u00fcndig Teil in einem Wirtschaftsbetrieb.<br \/>\n&#8211; Die \u00f6ffentliche und interne Kommunikation \u00e4ndert sich.<br \/>\nZum Patienten als Kunden stelle ich mit Kick fest:<br \/>\n&#8211; Der Status des Kunden ist frei bestimmbar &#8211; der Status des Patienten nicht.<br \/>\n&#8211; Zielwert eines Kunden ist eine Anforderung &#8211; Zielwert eines Patienten eine Entlastung.<br \/>\n&#8211; Im Zentrum der Interaktion mit dem Kunden steht die Darlegung von Interesse und Bedarf &#8211; beim Patienten die Objektivierung der Befundlage.<br \/>\nIch wage zu behaupten, dass der Patient abseits der wunscherf\u00fcllenden Medizin in der \u00fcberwiegenden Anzahl seiner Eigenschaften und in multiplen sozio-psychologischen Dimensionen definitiv kein Kunde ist. Die Marktbeziehung ist gerade f\u00fcr ernsthaft Kranke nicht geeignet.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nBei einer Umfrage unter Chef\u00e4rzten f\u00fcr Chirurgie im Jahr 2011 wurde an vierter Stelle der subjektiven Belastungen dieser Chef\u00e4rzte, d.h. nach b\u00fcrokratischer Belastung, Personalknappheit und Problemen mit dem Arbeitszeitgesetz eine \u201eRespektlosigkeit der Gesch\u00e4ftsleitung im Umgang mit dem Chefarzt&#8221; angegeben.<br \/>\nIn diesen Gegens\u00e4tzen spiegelt sich die Ambivalenz der Maxime \u201eTue Gutes und rede dar\u00fcber&#8221; &#8211; es k\u00f6nnen mehrere alternative Positionen in Theologie und Philosophie zitiert werden:<br \/>\n&#8211; Im Matth\u00e4us-Evangelium 6, 1-2 steht: \u201eH\u00fctet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen &#8230; Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler tun &#8230;, um von den Leuten gelobt zu werden &#8230;&#8221;.<br \/>\n&#8211; Im gleichen Sinn fordert der zeitgen\u00f6ssische Islamist G\u00fclen: \u201eTue Gutes und lasse es wirken&#8221;.<br \/>\n&#8211; In der historischen Philosophie selbst findet man \u00e4hnliche Maximen: nach Kant&#8217;s deontologischer Ethik \u201emuss man gut sein und das \u00fcbrige erwarten&#8221;&#8230;<br \/>\nWerbende Darstellungen f\u00f6rdern grunds\u00e4tzlich die allgemeine Ansicht, dass es gute und schlechte \u00c4rzte gibt. Sie f\u00fchren \u00fcber l\u00e4ngere Frist zu einem \u201eProduktionsverst\u00e4ndnis in der Medizin&#8221;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit Kick ist dabei Hermes Andreas Kick gemeint der bereits <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/pdf\/103\/18\/a1206.pdf\">2006 im \u00c4rzteblatt<\/a> das auf den Punkt brachte<br \/>\n\n<table id=\"tablepress-2\" class=\"tablepress tablepress-id-2\" aria-describedby=\"tablepress-2-description\">\n<thead>\n<tr class=\"row-1\">\n\t<th class=\"column-1\">Rollenaspekt<\/th><th class=\"column-2\">Patient<\/th><th class=\"column-3\">Kunde<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody class=\"row-striping row-hover\">\n<tr class=\"row-2\">\n\t<td class=\"column-1\">Anthropologische Beziehungskonstellation<\/td><td class=\"column-2\">Not-Hilfe-Beziehung<\/td><td class=\"column-3\">Gesch\u00e4ftsbeziehung<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-3\">\n\t<td class=\"column-1\">Status<\/td><td class=\"column-2\">nicht frei bestimmbar<\/td><td class=\"column-3\">frei bestimmbar<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-4\">\n\t<td class=\"column-1\">Motivation<\/td><td class=\"column-2\">Krankheit: Not<\/td><td class=\"column-3\">Bedarf: Wunsch<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-5\">\n\t<td class=\"column-1\">Aktualisierung<\/td><td class=\"column-2\">nicht k\u00f6nnen k\u00f6nnen<\/td><td class=\"column-3\">nicht wollen wollen<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-6\">\n\t<td class=\"column-1\">Freiheitsgrade<\/td><td class=\"column-2\">krank, abh\u00e4ngig<\/td><td class=\"column-3\">m\u00fcndig, autonom<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-7\">\n\t<td class=\"column-1\">Zielwert<\/td><td class=\"column-2\">Entlastung<\/td><td class=\"column-3\">Anforderung<\/td>\n<\/tr>\n<tr class=\"row-8\">\n\t<td class=\"column-1\">Ethik<\/td><td class=\"column-2\">Schonung \/ Privilegien des Patiententen<\/td><td class=\"column-3\">Gleichheit \/ Fairness der Partner<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<span id=\"tablepress-2-description\" class=\"tablepress-table-description tablepress-table-description-id-2\"><\/span>\n<\/p>\n<p><!---Interessanterweise gibt es eine \u00e4hnliche Entwicklung im Wissenschaftsbetrieb, wo \u00d6konomen aus wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen Waren konstruieren,\u00a0Programmabl\u00e4ufe erfinden, Kontroll- und Performance Indikatoren f\u00fcr Wissenschaftler aufstellen, internen und externen Wettbewerb um Finanzierung veranstalten und\u00a0dar\u00fcber\u00a0Press Releases schreiben - tue Gutes und rede st\u00e4ndig dar\u00fcber. http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=6911 --><\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 19.06.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Hosemann, Greifswald, hat anl\u00e4sslich eines HNO Kongresses am 13. Mai eine bemerkenswerte Rede gehalten &#8220;Tue Gutes und rede st\u00e4ndig dar\u00fcber? Anmerkungen zur Systemkollision von \u00d6konomie und Medizin&#8221;, Quelle HNO Informationen 3\/2105, 102, hier in Ausz\u00fcgen: In nahezu jedem Krankenhaus stecken Einnahmequellen, die nicht genutzt werden. 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