{"id":8067,"date":"2016-02-16T12:41:08","date_gmt":"2016-02-16T11:41:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=8067"},"modified":"2022-11-03T20:49:09","modified_gmt":"2022-11-03T18:49:09","slug":"effizienz-in-der-forschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2016\/02\/effizienz-in-der-forschung\/","title":{"rendered":"Effizienz in der Forschung"},"content":{"rendered":"<p>Die &#8220;Inkubiert&#8221; Kolumne von Ralf Neumann im Laborjournal 1\/2016, S.8, fasst den Fall zusammen, den der belgische Linguist <a href=\"https:\/\/jmeblommaert.wordpress.com\">Jan Blommaert<\/a> gerade in seinem Blog beschrieben hat.<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>Demnach machte er richtig Betrieb, als vor Monaten im EU-Rahmenprogramm \u201eHorizon 2020\u201c ein bestimmtes Projektthema ausgeschrieben wurde. Mit seinem Team betrieb er intensive inhaltliche Vorarbeiten und heuerte europaweit Partner f\u00fcr das geforderte \u201eInternati- onale Konsortium\u201c an. Logisch, dass f\u00fcr die notwendigen Meetings schnell mal Hunderte von Arbeitsstunden und mehrere Tausend Flugkilometer draufgingen. Ein Mitarbeiter von Blommaerts Team k\u00fcmmerte sich von da an monatelang quasi hauptamtlich um Koordination, Vorbereitung und die letztliche Realisierung des Antrags. Dazu erhielt er umfassende Hilfe von zwei Leuten aus der Univerwaltung, einem professionellen \u201eGrant Writer\u201c und einem eigens angestellten Fachmann f\u00fcr EU-Angelegenheiten. Alles produktive Zeit, Aufwand und Geld, die mit h\u00f6chster Wahrschein- lichkeit v\u00f6llig umsonst investiert \u2013 und damit verschwendet \u2013 wurden. Denn eine Woche, nachdem sie den Antrag fix und fertig abgeschickt hat- ten, erhielten Blommaerts und Co. aus Br\u00fcssel die Nachricht, dass insgesamt 147 Antr\u00e4ge eingegangen seien, wovon jetzt 2 letztlich bewilligt w\u00fcrden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was diese Aktion\u00a0denn\u00a0nun wohl gekostet hat? Ich w\u00fcrde f\u00fcr einen voll qualifizierten Antrag 12 Monate rechnen, wenn man Arbeitszeit des Antragsstellers\u00a0plus Zuarbeiten des Sekretariats und Verwaltung rechnet, also 80.000\u20ac. Dazu kommen\u00a0Fahrtkosten, Honorarkosten f\u00fcr den professionellen Grantwriter und die \u00dcbersetzung, freundlich als Pauschale mit 20.000\u20ac angesetzt. Sagen wir 100 der 145 Antr\u00e4ge waren wirklich qualifiziert. Sind wir bei Ausgaben von \u00fcber 10 Millionen Euro\u00a0Steuergeldern. Man addiere dazu die Br\u00fcsseler Kosten f\u00fcr Verwaltung und Begutachtung , auch nochmal eine Million. Man\u00a0setze diese 11 Millionen in Beziehung zu den 6 Millionen Euro ausgesch\u00fctteten F\u00f6rdervolumen.<\/p>\n<p>F\u00fcr jeden Euro dieses europ\u00e4ischen Grants hat die Br\u00fcsseler Verwaltung also zwei Euro nationale Forschungsmittel vernichtet. Macht diese B\u00fcrokratieSinn?<\/p>\n<p>Es stellt sich Neumann zus\u00e4tzlich die Frage<\/p>\n<blockquote><p>Und jetzt haben wir noch gar nicht dar\u00fcber gesprochen, welches Signal eine Ablehnungsquote von 98,7 Prozent am Ende f\u00fcr die Forscher generell bedeutet<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich w\u00fcrde die Frage gerne erweitern: Wie motivationsf\u00f6rdernd ist das, wenn so etwas immer wieder\u00a0passiert? Djerassi schrieb nicht von ungef\u00e4hr (LJ S.68)<\/p>\n<blockquote><p>My original dream about the supposed freedom of life in academe, especially nowadays, was also naive, because the search for monetary support for one&#8217;s research is so tough, time-consuming, and even demeaning that it constitutes a form of control frequently more oppressive than that always assumed to exist in industry.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 29.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &#8220;Inkubiert&#8221; Kolumne von Ralf Neumann im Laborjournal 1\/2016, S.8, fasst den Fall zusammen, den der belgische Linguist Jan Blommaert gerade in seinem Blog beschrieben hat. &nbsp; CC-BY-NC Science Surf , accessed 29.04.2026<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[2976],"class_list":["post-8067","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophy-of-science","tag-grant-writing"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8067"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8067\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20943,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8067\/revisions\/20943"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}