{"id":9015,"date":"2017-08-29T19:47:06","date_gmt":"2017-08-29T18:47:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wjst.de\/blog\/?p=9015"},"modified":"2017-11-18T19:29:41","modified_gmt":"2017-11-18T18:29:41","slug":"evangelikale-und-die-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wjst.de\/blog\/sciencesurf\/2017\/08\/evangelikale-und-die-afd\/","title":{"rendered":"Evangelikale und die AfD"},"content":{"rendered":"<p>Michael Herbst schreibt\u00a0<a href=\"http:\/\/www.pfarrerverband.de\/pfarrerblatt\/archiv.php?a=show&amp;id=4334\">im Deutschen Pfarrerblatt<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Nat\u00fcrlich gibt es die Liaison zwischen dem theologisch Konservativen und dem politisch eher nach rechts neigenden Lager. F\u00fcr viele Fromme war und ist die Union politische Heimat, ob es die AfD ist oder wird, kann ich noch nicht einsch\u00e4tzen. Liane Bednarz hatte in der FAZ starke Verbindungen zwischen konservativ-katholischen und evangelikalen Christen und der AfD, insbesondere Beatrix von Storch nachweisen wollen &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Nachweis ist doch l\u00e4ngst gegeben, nicht nur durch <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/putin-orban-und-afd-rechte-christen-finden-politische-heimat-14043650.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2\">Liane Bednorz<\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"https:\/\/www.giordano-bruno-stiftung.de\/meldung\/afd-speerspitze-des-christlichen-fundamentalismus\">Michael Schmidt-Salomon, <\/a>selbst der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/afd-gegen-kirchen-meuthen-attackiert-kaessmann-fast-schon-krank-15037879.html\">AfD Fraktionsvorsitzende J\u00f6rg Meuten <\/a>best\u00e4tigt dies<\/p>\n<blockquote><p>Gute Kontakte gibt es Meuthen zufolge dagegen zwischen AfD und konservativen Christen, etwa evangelikalen Str\u00f6mungen, die eine konservative Bibelauslegung vertreten. Diese Kontakte seien aber nicht institutionalisiert, sagte er.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was &#8220;<a href=\"http:\/\/www.chrafd.de\/index.php\/grundsatzerklaerung\">Christen in der AfD<\/a>&#8221; in ihrem Grundsatzprogramm schreiben, ist nicht nur schwammig arelig\u00f6s sondern haarscharf verfassungsfeindlich<\/p>\n<blockquote><p>Insofern ist in der Demokratie weniger das technische Regelwerk entscheidend, nach dem Entscheidungen getroffen werden, sondern vielmehr das sittliche Fundament, auf dessen Grundlage die B\u00fcrger ihre Entscheidungen treffen. Ohne dieses sittliche Fundament kann auch eine Demokratie unmittelbar in die Barbarei f\u00fchren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bei Schnabel, Vermessung des Glaubens (Blessing 2008) ist unter &#8220;Autorit\u00e4re Charakter&#8221; ab S.138 l\u00e4ngst auch der Mechanismus erkl\u00e4rt. Es ist der gleiche bei amerikanischen und deutschen Evangelikalen<\/p>\n<blockquote><p>Es lohnt sich daher, noch ein wenig bei den schon etwas \u00e4lteren Untersuchungen zu verweilen. Sie lehren n\u00e4mlich auch, dass der kurvilinearc Zusammenhang nicht in jedem Falle gilt. Manche\u2028 Korrelationen sind durchaus linear, das hei\u00dft: Je frommer (oder religi\u00f6ser) die betreffenden Personen sind, umso deutlicher tritt eine bestimmte Eigenschaft hervor. Das gilt besonders f\u00fcr jene Charakterz\u00fcge, die Forscher unter der Sammelbezeichnung der \u201eautorit\u00e4ren Pers\u00f6nlichkeit\u201c dargestellt haben. Dieser Begriff, der im Wesentlichen auf Theodor W. Ador\u00adnos Studie \u201eThe Authoritarian Personality\u201c, aus dem Jahr 1950 zu\u00adr\u00fcckgeht, umschreibt ein Set von Pers\u00f6nlichkeitseigenschaf\u00adten, die ein Potenzial f\u00fcr antidemokratische und faschistische Einstellungen und Verhaltensweisen darstellen. Die Ich \u00adschwa\u00adche, autorit\u00e4re Pers\u00f6nlichkeit ist demnach gekennzeichnet durch Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber idealisierten Autorit\u00e4ten der Eigen\u00adgruppe, durch Misstrauen udn Feindseligkeit gegen\u00fcber Andersdenkenden und eine Tendenz, Verst\u00f6\u00dfe gegen die herrschende Moral zu ahnden \u2026 Im Zuge solcher Untersuchungen wurden immer wieder Zusammenh\u00e4nge zwischen Autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigkeit und ausgepr\u00e4gter Fr\u00f6mmigkeit gefunden. Das gilt vor allem f\u00fcr Gl\u00e4ubige, die als \u201ereligi\u00f6s orthodox\u201c beschreiben werden k\u00f6nnen \u2026, die also ein bestimmtes (meist in sich geschlossenes) Glaubenssystem streng vertreten und jegliche Abweichung davon verdammen.\u2028Am deutlichsten hat dies vielleicht der Neuropsychologe Elbert W. Russell formuliert, der Anfang der Siebzigerjahre im Auftrag des Kanadischen Friedensforschungsinstituts s\u00e4mtliche bis dahin vorliegende (nordamerikanischen) Untersuchungen \u00fcber den Zusammenhang von christlichen \u00dcberzeugungen und politischen Einstellungen analysierte. Sein Ergebnis: \u201eJe strenger religi\u00f6s und je orthodoxer eine Person oder Gruppe ist, desto militaristischer werden ihre Einstellungen wahrscheinlich sein.\u201c Strenggl\u00e4ubige Christen erwiesen sich in nahezu allen Studien konservativer als der Durchschnitt; sie bef\u00fcrworten eher harte Strafen f\u00fcr Gesetzesbrecher, engagierten sich seltener in Friedensdiensten und wiesen eine hohe Bereitschaft zu Antisemitismus, Voreingenommenheit (Ethnozentrismus) und anderen Vorurteilen auf. Russell \u00ad der selbst der pazifistischen Qu\u00e4ker\u00ad-Sekte an\u00adgeh\u00f6rt , sprach in diesem Zusammenhang gar von einem \u00bbautorit\u00e4r\u00adpunitiven\u00ab Komplex, dessen Ursache er in jenem strengen, strafenden Gottesbild sieht, das im Alten Testament vermittelt wurde und dem manche Kirchen noch immer an\u00ad h\u00e4ngen. \u00bbDie Fr\u00fcchte des Christentums\u00ab, so notierte Russell erstaunt, entspr\u00e4chen \u00bboffenbar dem genauen Gegenteil seines Ideals der Liebe.\u00ab<br \/>\nSymptomatisch daf\u00fcr waren zum Beispiel die Kommentare von Pastoren, die nach ihrer Haltung zum Vietnamkrieg be\u00adfragt wurden. Zwar waren 85 Prozent der Geistlichen der Ansicht, dass Krieg gegen den Willen Gottes sei; aber die For\u00adderung, \u00bbChristen sollten auf Beendigung der Feindseligkeiten dr\u00e4ngen, falls n\u00f6tig sogar zu den Bedingungen des Feindes\u00ab unterst\u00fctzten nur 15 Prozent. Viele Pastoren erkl\u00e4rten diesen Widerspruch damit, dass Kommunisten ja Atheisten seien, und man daher mit ihnen nicht auf christliche Weise umgehen k\u00f6n\u00adne. Man m\u00fcsse im Gegenteil mit den Kommunisten \u00bbin deren eigener Sprache\u00ab sprechen (im Klartext: sie in Grund und Boden bomben).<\/p><\/blockquote>\n<p>das &#8220;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/klein-vor-kunduz-ausschuss-gebete-in-der-bombennacht-a-677151.html\">Georg Klein Man\u00f6ver<\/a>&#8221;<\/p>\n<blockquote><p>Auch der kanadische Psychologe Robert Altemeyer, der \u00fcber einen Zeitraum von zwanzig Jahren die Beziehung zwi\u00adschen Religion und autorit\u00e4ren Einstellungen untersucht hat, gelangt zu dem eindeutigen Ergebnis: \u00bbWer autorit\u00e4tsgl\u00e4ubig ist, tendiert dazu, religi\u00f6s zu sein und umgekehrt.\u00ab Dass sich dabei die h\u00f6chsten Korrelationen ausgerechnet bei strenggl\u00e4u\u00adbigen Christen finden, sei \u00bbbesonders ironisch\u00ab, schreibt Alte\u00admeyer, \u00bbda die Evangelien Jesus von Nazareth vor allem als je\u00admand schildern, der tolerant und vergebungsbereit ist und eine Botschaft universeller Liebe predigt\u00ab.<\/p><\/blockquote>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"bottom-note\">\n  <span class=\"mod1\">CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.04.2026<\/span>\n <\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Herbst schreibt\u00a0im Deutschen Pfarrerblatt Nat\u00fcrlich gibt es die Liaison zwischen dem theologisch Konservativen und dem politisch eher nach rechts neigenden Lager. 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