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Compliance Regeln

Was die Regeln ursprünglich sollten? Nach 9/11 und der Finanzkrise 2008 wurden die Compliance Regeln für Banküberweisungen massiv verschärft. Das Ziel war natürlich legitim: Terrorfinanzierung, Drogenhandel, Menschenhandel und Steuerflucht eindämmen. Die FATF (Financial Action Task Force) setzte globale Standards und die setzten die Banken unter enormen Compliance-Druck stellten.

Aber es wurde übertrieben und das Problem ist mittlerweile gut dokumentiert. Ich habe es selbst in Ostafrika nun erlebt.  De-Risking trifft die Falschen. Nicht Kriminelle, sondern Entwicklungsländer, Diaspora-Überweisungen, NGOs und kleine Importeure werden abgeschnitten. Die Weltbank und der IWF haben das mehrfach kritisiert – gerade Überweisungen von Migranten in die Heimat (sog. “Remittances”) sind für viele Länder wirtschaftlich wichtiger als Entwicklungshilfe.  Die Weltbank warnte explizit: Wenn der Trend anhält, könnten Menschen und Organisationen in volatileren Regionen vollständig vom regulierten Finanzsystem abgeschnitten werden – was paradoxerweise die Transparenz senkt, weil Transaktionen in unregulierte Kanäle abwandern.

Dazu sind die Compliance-Kosten sind explodiert. Banken geben laut Schätzungen weltweit über 200 Milliarden Dollar jährlich für Compliance aus – und trotzdem werden laut UNODC nur 1-2% krimineller Geldflüsse tatsächlich gestoppt. Der Aufwand ist also enorm, der Effekt gering. “Greylist”-Stigma trifft ganze Volkswirtschaften. Wird ein Land auf eine Grau- oder Schwarzliste gesetzt, ziehen sich Banken kollektiv zurück – nicht weil einzelne Transaktionen gefährlich sind, sondern aus Angst vor Haftung.  False Positives sind derNormalzustand. >90% der Alerts sind Fehlalarme, es ist kein Randphänomen, sondern ein systemisches Problem.

Korruption und illegale Kapitalflucht aus Entwicklungsländern sind real – und schaden oft genau den Empfängerländern. Die EU-Geldwäscherichtlinien haben nachweislich einige große Skandale aufgedeckt. Das Kernproblem ist nicht die Intention, sondern die Architektur: Banken werden für Verstöße mit Milliardenstrafen belegt, aber nie dafür, dass sie legitime Transaktionen blockieren. Der Anreiz ist also systematisch verzerrt – lieber zu viel ablehnen als zu wenig. Solange diese asymmetrische Haftung nicht geändert wird, werden Überweisungen nach Afrika kompliziert bleiben. Oder wir laufen weiter mit Geldbündel durch die Gegend, tricksen mit gemeinsamen Kreditkarten, benützen Remitly oder Hawala – alles das, was Compliance Regeln eigentlich verhindern wollten.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 23.03.2026