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Wo bleibt die Lex Wissenschaft? Mizaru, Kikazaru, Iwazaru?

Irgendwie gibt es wenig Kommentare zu dem EuGH Urteil, daß alle Arbeitgeber in der Europäische Union die Arbeitszeiten ihrer Arbeitnehmer komplett erfassen müssen.

Der Hochschulverband schrieb bisher (auszugsweise)

Universitätsprofessoren unterliegen […] nicht den Regeln festgesetzter Arbeitszeit. Insbesondere das Recht, im Rahmen der selbständigen Aufgabenwahrnehmung (bspw. der Forschung) auch den Ort der Erfüllung der Dienstaufgaben selbst bestimmen zu können, ist eine wesentliche Voraussetzung für wissenschaftliche Arbeit. Dies bedeutet, dass Professoren grundsätzlich nur insoweit in ihrer Hochschule ihren Dienst versehen müssen, als eine Präsenz vor Ort durch die jeweils zu erledigenden konkret-funktionalen Dienstaufgaben faktisch vorausgesetzt ist.

Und dann hat wohl im Mai der HRK Präsident eine Lex Wissenschaft gefordert. Zitat

Was aber bedeutet das EuGH-Urteil für die Wissenschaft? Zieht an Hochschulen und Forschungseinrichtungen die Stechuhr ein? […] Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) spricht dagegen von einer “grotesken Regelung” und einem “Rückfall in eine Arbeitsorganisation früherer Zeiten”. Das Urteil verkennt die Flexibilität von Arbeitsorten und Arbeitszeiten, die heute Realität sei. “Es ist nicht zeitgemäß, erst recht nicht für die Wissenschaft.” Als Präsident der Freien Universität Berlin habe er sich immer gegen Zeiterfassungs-Modelle ausgesprochen, “aus guten Gründen”, wie Alt sagt: “In der Verwaltung mag das noch angehen, aber als Wissenschaftler im Labor haben Sie doch keinen Nine-to-Five-Job. Da sind sie auch mal abends da, zwischendurch arbeiten Sie woanders, zu Hause, in Bibliotheken, auf Konferenzen.”

Was ist da nun eigentlich der Stand?
Wird das EuGH Arbeitszeiturteil nun genauso gehandhabt wie das DSGVO Fotoverbot? Oder das A1 Dienstreiseformular? Mizaru, kikazaru, iwazaru?

He who has ears to hear, let him hear

Another paper with more than 10,000 authors: Ripple et al.

Scientists have a moral obligation to clearly warn humanity of any catastrophic threat and to “tell it like it is.” On the basis of this obligation and the graphical indicators presented below, we declare, with more than 11,000 scientist signatories from around the world, clearly and unequivocally that planet Earth is facing a climate emergency.

The first Bioessays Paper was in 2017.

How design choices shape research results

A new study examines the question how design choices shape research results: Justin F. Landy et al. Crowdsourcing hypothesis tests: Making transparent how design choices shape research results. Psychological Bulletin (in press)

The institutional background of most research is a research group that shares a hypothesis. The group hypothesis usually determines the methods. Methods and study design determine results. Due to this relationship there is a high risk even in replication studies that they just replicate systematic errors. It is therefore not unexpected that many scientific hypotheses only die with their proponents. To what extent are research results influenced by subjective decisions?

Fifteen research teams independently designed studies to answer five original research questions related to moral judgments, negotiations, and implicit cognition. Participants from two separate large samples (total N > 15,000) were then randomly assigned to complete one version of each study. Effect sizes varied dramatically across different sets of materials designed to test the same hypothesis: materials from different teams rendered statistically significant effects in opposite directions for four out of five hypotheses, with the narrowest range in estimates being d = -0.37 to +0.26. Meta-analysis and a Bayesian perspective on the results revealed overall support for two hypotheses, and a lack of support for three hypotheses. Overall, practically none of the variability in effect sizes was attributable to the skill of the research team in designing materials, while considerable variability was attributable to the hypothesis being tested.

So it is all about the hypothesis … something that we already know from the Genome Analysis Workshops.

EVALI

There is a good summary of the story at The Verge while medical journals seem to be slow with updates ( there will be a Twitter session today at 4 p.m. ET using the hashtag #ATSChat )

In the United States, regulatory and public health agencies are looking into these three different public health-related problems: exploding e-cigarettes, seizures and lung injuries.

Lung injury  is the biggest problem

During a press call on October 25th, Schuchat [principal deputy director of the CDC] said that they were now calling the injury EVALI, an acronym for “e-cigarette, or vaping, product use associated lung injury.” It’s still not particularly catchy, but slightly better than the longer version.

As of October 22, 2019 1,604 cases have been reported according to the CDC. I wonder whether 1,2-propandiole and glycerole are responsible for the effect? Heating may lead to formaldehyde and acrolein (an unsaturated aldehyde). But why is the combination with THC so deleterious? Further chemical reactions?

Auf dem Weg zu einer Kultur der Nachhaltigkeit

Endlich – nach so viel Querschlägern von evangelischen Theologen, nun endlich ein qualifizierter ökumenischer Beitrag: Auf dem Weg zu einer Kultur der Nachhaltigkeit. Als beispielgebener Ausschnit hier Markus Vogt

Trotz fundierter weltweiter Forschung zu Klimawandel, ökologischer Degra- dation, Armut und Migration gelingt der Weltgesellschaft bisher kein Um- steuern. Auch die weitreichenden Beschlüsse zu einem globalen Gesellschafts- vertrag für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen im Septem- ber 2015 als normative Leitlinie der Weltinnenpolitik bis 2030 beschlossen haben (Sustainable Development Goals), ändern daran wenig. Wider besseres Wissen verharren wir auf den bisherigen Pfaden von Ressourcenübernut- zung, exzessivem Konsum und globaler Ungerechtigkeit. Wir leben in der „Externalisierungsgesellschaft“ (Lessenich) auf Kosten der Zukunft, der Natur sowie zahlloser Menschen im Globalen Süden. In dieser Situation stellt sich die Frage, aus welchen Quellen die Kraft zu gesellschaftlicher Transformation kommen kann. Auch die Kirchen stehen hier in neuer Weise im Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit

Die Kirchen sind dabei selbst oft mehr Lernende und Vermittelnde als Wissende. Deshalb sind ökumenische und interreligiöse sowie natur- und sozialwissenschaftliche Dialoge auf der Suche nach den „Minima Moralia“ einer ganzheitlichen Ökologie unverzichtbar.

Tolle, lege! Die Kirchen wollen nicht selbst Politik machen, sie wollen Politik möglich machen.

How to write the abstract of a review

There is some kind of standard for writing reviews from introduction (although nobody cares for it), a discussion (exhaustive list of details to make everybody happy) to the usual conclusion that further research is required. When writing now something for Bioessays, I found a completely different recommendation that I believe is a good approach.

An abstract must immediately communicate what is new, not give a general statement along the lines of “in this paper we review field X”. Reviewers will generally be experts in the area, and will be interested in new insights. Bear in mind the following:
Concepts placed at the beginning and end of the abstract will be more memorable than concepts placed in the middle. So, place your most interesting and new insight as high up the abstract as possible, and end it with an interesting forward-looking or speculative observation.
Material in the middle of the abstract will be less memorable. So, do not place novel and important things in the middle of the abstract; instead, use it for contextualising background.

The principles stem from the application of the ‘serial position effect’, noted by researchers who studied how well people remember concepts placed at the beginning , middle and end of a text, see Deese and Kaufman (1957)  and Murdock, B.B., Jr. (1962).

Ökodiktatur

Eine Diktatur wird durch eine einzelne regierende Person oder eine Gruppe mit  politischer Macht ausgeübt und nicht durch Sachzwänge.  Die angeblich “normative Kraft des Faktischen” ist nur selten eine tatsächlich Beschränkung der Handlungsoptionen.

Der Begriff der Ökodiktatur ist rechtspopulistisch (Meyer/Cicero, Frisch/Zeitzeichen, …) und das Beste, was man dazu sagen kann, steht in einem Essay von , dem stellvertretenden Chefredakteur der Zeit “Von der Angst diktiert

Was die politische Klasse gelernt hat, das ist die große Lektion des 20. Jahrhunderts, nämlich, wie man sich der Zerstörung der Demokratie durch ihre geistigen Feinde erwehren kann. Was sie und was wir alle dagegen nicht gelernt haben: wie man die Zerstörung der Demokratie durch das Verschwinden der tatsächlich vorhandenen Wahlmöglichkeiten verhindert. Das wäre dann die zweite unabdingbare Lektion, die des 21. Jahrhunderts. Statt von “Ökodiktatur” zu faseln, sollte man sich lieber Gedanken darüber machen, wie eine Ökodemokratie aussehen könnte.

Die beste Antwort auf Ökodiktatur? Gegeben von Ingolfur Blühdorn (Wien)

Es ist unbedingt erforderlich, in manchen Bereichen verbindliche Grenzen für Freiheits- und Selbstbestimmungsansprüche zu formulieren, und das hat überhaupt nichts mit Diktatur zu tun. Vielmehr ist es die ureigenste Aufgabe jeder Politik, zu regulieren. Jede Freiheit muss Grenzen haben, damit sie nicht ihrerseits umschlägt in die totale Herrschaft sehr weniger “völlig Befreiter”. Da sind sich alle Theoretiker und Philosophen bis zurück zu Platon immer einig gewesen.
Bewegungen, die für mehr Freiheit gestritten haben, hatten auch nie eine völlige Entgrenzung und Zügellosigkeit zum Ziel. Sie sind zum Beispiel immer davon ausgegangen, dass die Freiheit des einen da aufhört, wo sie die des anderen blockiert. Und sie sind vor allem immer davon ausgegangen, dass es eine soziale und ökologische Vernunft gibt, auf deren Grundlage moderne Gesellschaften sich demokratisch über die Beschränkung der Freiheit einigen können.

A sentiment analysis of the most recent @realDonaldTrump tweets

There  had been a repeated assessments of psychiatrists during the presidentship of Donald Trump (“The Dangerous Case of Donald Trump: 37 Psychiatrists and Mental Health Experts Assess a President – Updated and Expanded with New Essays“).

I am now analyzing here the 3.200 most recent tweets using a computational pipeline created already some years ago using the following packages

# -- based on https://www.r-bloggers.com/analyzing-the-us-election-using-twitter-and-meta-data-in-r and http://juliasilge.com/blog/Joy-to-the-World/
list.of.packages <- c("twitteR","ggplot2","httr","rjson","tm","gridExtra","lubridate","wordcloud","devtools","syuzhet","SnowballC","scales","reshape2","dplyr","stringr")
lapply(list.of.packages, require, character.only = TRUE)

The choice of words isn’t unexpected – just what is already known – with “great”, “president”, “will” and “trump” being the most frequently used words.

wordcloud

All tweets can be classified by sentiment scores of the words used. If we look at the total counts, three categories are being used excessively: “positive”, “negative” and “trust”.

sentiment scores

Trust seems to be used not so much in the context of personal relationship but in the context of economics  of “deal”. As it has been speculated before of cyclothymia ( 0.4% to 1% of the U.S. population has cyclothymia) we  look also the time course of sentiments.

time series on a daily basis
time series using 3 day intervals
time series week basis

Variation (dispersion) is high, in particular on a daily basis, while in the absence of any normal values it is difficult to make any definite conclusions. Positive and negative emotions are not always in parallel, there are “converging situations” nearly every month where negative emotions go up and positive emotions go down indicating a more profound mood swing.

The correlation plot shows the expected decline of negative scores with increasing positive scores. Many values are outside of the 95% confidence bounds, making  the sentiment score (and even the personality) largely unpredictable.

correlation plot

An extended analysis including more reference accounts would be necessary for further conclusion. Nevertheless, there is evidence of  mental instability as noticed already by various expert testimonials.

There is first the emergency situation his mental instability poses as a result of the power that he holds and the weapons he has at his disposal…There is first the emergency situation his mental instability poses as a result of the power that he holds and the weapons he has at his disposal. But there are also the effects on public health through his fomenting of violence. Hate crimes have seen unprecedented spikes, bullying is widespread, and white supremacist killings have doubled. There are also statistics on the rise of stress levels that are nationally worse than during World War II, the Vietnam War, the Cuban Missile Crisis, and September 11 terrorist attacks. He is also destabilizing the global scene by alienating allies, emboldening dictators, reigniting nuclear proliferation, and launching a trade war in ways that are predictable from his mental impairments. These are not just matters of policy but arise out of a troubled relationship with reality, a propensity to attack if questioned or even slightly criticized, and dangerous behavioral patterns that need to be spoken about.

There is not so much to add to man who believes in his “great and unmatched wisdom”.

Maybe Fran Zappa “Politics is the entertainment branch of industry”.

Peinlich, nicht?

SPON hat einen Bericht über den Exzellenzwettbewerb der deutschen Universitäten

Ähnliche Kritik wird mutmaßlich demnächst auch in Köln zu hören sein. Die dortige Uni hatte den Elitetitel 2012 errungen, konnte ihn jetzt aber nicht mehr verteidigen. Totenstill war es am Freitagnachmittag, als beim Public Viewing das Ergebnis der Entscheidungsrunde aus Bonn übertragen wurde. Rektor Axel Freimuth war sichtlich deprimiert als er all denen dankte, die zum Teil über Jahre mit enormem Engagement an den Anträgen gearbeitet hatten: “Umso bedauerlicher ist es, dass wir dafür nicht belohnt wurden.”
Ein paar Kilometer rheinaufwärts blickten die Bonner Univertreter dagegen schon im Vorfeld ziemlich angstfrei auf die anstehende Siegerehrung. Bonn ging mit sechs erfolgreichen Clusteranträgen ins Rennen – und räumte den Elitetitel souverän ab. Entsprechend groß war der Jubel bei der Videoübertragung.

Mit tut es leid um die verschwendete Zeit in dem künstlichen “Binswanger” Wettbewerb und die sinnfreien Bürokratie zur Verwaltung des absurden Theaters die Unsummen an Steuergeldern verschlingt.

Und ist die Siegerpose der dickbäuchiger Bonner Männer wenn sie die Arme hochrecken oder die Beckerfaust der ältlichen Dame nicht doch etwas peinlich? Es geht ja nicht um Fortschritt der Wissenschaft sondern nur um das Ego einiger weniger, die tatsächlich glauben, dass mehr Forschungsgelder glücklicher macht.

Denn auch, wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Wissenschaftsrat (WR) und sogar Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) fortwährend predigen, dass allein wissenschaftliche Kriterien über den Erfolg entscheiden – so ganz stimmte das in der Vergangenheit meistens nicht.

Exzellenz ist zudem etwas anderes – noblesse oblige – nämlich das Konzept, dass adlig sein über bloße Ansprüche hinausgeht. SPON weiter

Rund 45 Cluster sollten ursprünglich prämiert werden, ausgewählt nach wissenschaftlicher Begutachtung zentimeterdicker Förderanträge. Doch Karliczeks Liste zählte überraschenderweise 57 Projekte. Mehr Geld gab es allerdings nicht – was dazu führte, dass viele siegreiche Cluster mit finanziellen Einbußen zurechtkommen müssen. Die Ministerin selbst soll sich für die Ausweitung des Programms stark gemacht haben, um vor allem den CDU-geführten Bundesländern weitere Vorzeigeprojekte zu bescheren. So berichteten es verschiedene Medien im Nachgang.

Das Perpetuum Mobile Rätsel

Ein kleines wissenschaftliches Rätsel aus den Tiefen von Youtube

 

Wenn es kein primitiver Fake ist, wie ein versteckter Motor in der Nabe, Stellgewichte am Radlauf, ein Solarpanel in den Zylindern oder dass das Rad durch Druckluft aus dem Kasten darunter angeblasen wird, dann tippe ich am ehesten auf Peltier Elemente am Ende der “Sterling Zylinders”, die Strom durch den Wärmefluss im Kasten erzeugen, der dann selbst ein Wirbelstromfeld an der extrem leichtlaufendem Felge aufbauen – Prinzip der Atmosphären Uhr bzw Magic Light.

Aber gut, was sollen Spekulation,  David Jones können wir nicht mehr fragen , Uniprotokolle geben auch nicht viel her und das Museum wird es auch nicht verraten.

Man müsste den Kasten mal ein paar Tage abdecken und eine Gopro unter die Abdeckung montieren, wann das Rad dann stehen bleibt

Eine zusätzliche Gopro in dem Raum, was so alles an Wartung passiert.

Mal die Lüftungslöcher kurz verstopfen

Einen Kompass / Multimeter dranhalten – Magnetismus, Induktionsfeld?

Mit Leitungsprüfer den Boden testen.

Wärmebild des Kastens machen, Fön dranhalten.

Mit Richtmikrofon oder Stethoskop abhören.

Link to Google Books

With the insight of desparation, I realised that the crucial task of any conjuring trick is not to conceal but to confuse…
Other engineers had great difficulty in coming to terms with all window-dressing. Such honest individuals clearly found it hard to conceive of a machine of which large sections serve no useful purpose.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Es ist eines der großen Probleme der Klimaforschung, dass man sie  zu lange nicht ernst genommen hat – unter anderem wegen der  vielen Experten für das Waldsterben.  Wikipedia Timeline.

1979
warnten die Forstwissenschaftler Bernhard Ulrich und Peter Schütt vor einem bevorstehenden bzw. stattfindenden Waldsterben und forderten eine Verbesserung der Luftreinhaltung….
1984
setzte eine Normalisierung des Umgangs der Forstwissenschaftler mit dem Waldsterben ein, das zunehmend weniger politisch und emotional besetzt war.
1992
in der dritten Phase differenzierte sich die reine Waldschadensforschung in eine breiter angelegte Waldökosystemforschung. …
2003
erklärte die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast in Übereinstimmung mit Befunden der europäischen Nachbarn das „Waldsterben“ für beendet.

Die Zerstörung des Autos (6000 Tote XXXII)

Faktensammlung auf sz.de, Auszug “Ihr seid eine Plage” leider hinter Paywall aber die Originalstudie (Link unten) ist frei verfügbar

Ein Berliner Projekt von Studierenden der Best-Sabel-Hochschule errechnete 2014, dass den Autos 19-mal so viel Fläche im öffentlichen Straßenraum zur Verfügung steht wie den Fahrrädern. 58 Prozent zu drei Prozent. Diese Autos, die in Werbespots ja immer so dynamisch durch malerisch endlose Fjordlandschaften düsen, stehen in Wahrheit mehr als 23 Stunden am Tag Stoßstange an Stoßstange im Stadtraum herum. In Berlin gibt es zehnmal so viel Fläche für Parkmöglichkeiten wie für Spielplätze. Laut dem dortigen “Flächen- Gerechtigkeitsreport” sind 19 Prozent der öffentlichen Verkehrsfläche parkenden Autos vorbehalten – ein Fünftel der Stadt ist Parkplatz.
Nun kostet ein Quadratmeter Bauland in Berlin im Schnitt 600 Euro. Ein Bewohnerparkausweis kostet aber nur 20,40 Euro. Für zwei Jahre. … Wer darauf hinweist, dass diese Parkgebühren doch absurd niedrig sind (in Amsterdam zahlt man 535 Euro für einen Jahresausweis in der Innenstadt, in Stockholm 827 Euro), der wird meist mit dem sozialen Argument ausgekontert: Parken müsse sich jeder leisten können. Komischerweise scheint dieses Argument aber nicht so wichtig zu sein, wenn es um Preiserhöhungen im ÖPNV geht: Seit 2004 verlangt die Stadt München die immer gleichen Parkgebühren pro Stunde (abgesehen von einigen Lizenzgebieten mit besonders hohem Parkdruck, in denen 2018 der Preis erhöht wurde). Im selben Zeitraum sind die Kosten für Einzeltickets und Monatskarten des ÖPNV um 40 beziehungsweise 60 Prozent gestiegen. Ähnlich ist es mit Regelverstößen: In den Niederlanden kostet Falschparken zwischen 50 und 140 Euro, in der Schweiz rund 100 Euro, bei uns kommen Falschparker oft mit 10 bis 20 Euro davon. Schwarzfahren kostet meist das Sechsfache.

Alle Zahlen in diesem Absatz stammen aus Untersuchungen der Berliner Mobilitätsforscherin Uta Bauer vom Deutschen Institut für Urbanistik.

Das Original bei Uta Bauer in “Parkraummanagement lohnt sich“.

Nach dem Hype der 6000 Toten (XXXII)

Das Thema ist aus den Medien verschwunden, der Richter in BW wegen Befangenheit abgesetzt, nur das berichtet noch

Der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid ist nach neuen amtlichen Daten im vori­gen Jahr in 57 deutschen Städten überschritten worden. Wie das Umweltbundesamt (UBA) heute mitteilte, sank die Zahl der betroffenen Gemeinden damit um acht: 2017 war der Grenzwert noch in 65 deutschen Städten überschritten worden. UBA-Präsi­dentin Maria Krautzberger forderte weitere Maßnahmen, darunter die Nachrüstung von älteren Diesel-Autos mit „wirksamen Katalysatoren“.

Und es sind auch nicht Diesel, sondern Benziner die zurück gerufen werden

An verschiedenen Benziner- und Flüssiggasmotoren in den Modellen Opel Corsa und Opel Adam könnte die Lambdasonde nicht richtig arbeiten. Das könnte zu erhöhten Emissionswerten führen. Opel ruft europaweit insgesamt rund 209.000 Kleinwagen der Typen Corsa und Adam in die Werkstätten zurück.

Es gibt  weiterhin keine Diesel Nachrüstung, es kommt kein Tempolimit, auch keine Maut – und damit  ändert sich auch weiterhin nichts an der Verkehrsbelastung in Deutschland.

Und Umweltepidemiologie? Ist von Kritik unbeirrt, kassiert weiterhin exorbitante Kongresspreise (950€!) und vergibt davon Forschungspreise für Voodoo Assozationen.

Was tun? 6000 Tote (XXXI)

Das DÄ fasst zusammen, was man mit wissenschaftlich gesicherten Daten machen kann,  um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.

In den letzten Jahren wurden weltweit diverse Gesetze und Programme mit dem Ziel eingeführt, die Luftverschmutzung durch Feinstaub, Stickstoffoxide und andere Schadstoffe zu reduzieren. Dazu zählen beispielsweise regulatorische Maßnahmen gegenüber der Industrie, die Einrichtung von Umweltzonen, die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs sowie Verbote oder Einschränkungen bei der Verbrennung von Holz oder Kohle in Privathaushalten. Doch zeigen solche Maßnahmen auch die gewünschte Wirkung?
Bisher fehlte eine Analyse, welcher in systematischer Weise die Auswirkungen von Interventionen auf die Luftverschmutzung und deren gesundheitliche Folgen untersucht hat. Einen solchen Review hat die Cochrane Collaboration nun vorgelegt. Hierfür wurden 42 wissenschaftliche Studien (Stichtag 31. August 2016) mit Blick auf Mortalität, Morbidität und die Konzentration diverser Schadstoffe analysiert. Mit dem Ergebnis, dass angesichts der Heterogenität der Interventionen, Endpunkte und Methoden, keine allgemeingültigen Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit der untersuchten Maßnahmen abzuleiten sind.

Leider ist es aber nicht viel, was die Cochrane Autoren hier finden. Manchmal muss man auch im politischen Handeln Folgen antizipieren, ohne dass gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen.

Wann wird man endlich einsehen, dass die Wirtschaft und auch der Verkehr nicht unendlich weiter wachsen kann (George Monbiot)?

Ein System, das auf permanentem Wachstum basiert, kann nicht ohne Peripherie und ohne ein Außen funktionieren. Es muss immer einen Bereich geben, der ausgebeutet wird … sowie einen Bereich, in dem die Kosten in Gestalt von Müll und Verschmutzung entsorgt werden. Da das Ausmaß an wirtschaftlicher Aktivität so lange zunimmt, bis der Kapitalismus alles durchdringt, von der Atmosphäre bis zum Meeresgrund, wird der gesamte Planet zu dem Bereich, der geopfert wird …Das treibt uns in einem derartigen Ausmaß der Katastrophe entgegen, dass die meisten Menschen es sich überhaupt gar nicht vorstellen können. Uns droht ein wesentlich größerer Zusammenbruch unseres lebenserhaltenden Systems als Kriege, Hungersnöte, Seuchen oder Wirtschaftskrisen allein ihn je verursachen könnten – selbst wenn er wahrscheinlich alle diese vier Plagen mit beinhaltet. Gesellschaften können sich von solch apokalyptischen Ereignissen wieder erholen, nicht aber vom Verlust von Lebensraum, einer artenreichen Biosphäre und einem lebensfreundlichen Klima … Das zweite bestimmende Element ist die bizarre Annahme, jemand habe ein Anrecht auf einen so großen Teil des natürlichen Reichtums der Erde, wie er sich mit seinem Geld kaufen kann.