Archiv der Kategorie: Noteworthy

Fragensammlung Corona

Welche Rolle haben die Starkbierfeste und Wahlen in Bayern bei Ausbruch gespielt?

Welche Personengruppe/Gewerbe infiziert im Augenblick gerade die meisten anderen Menschen?

Wieviele (nicht ausgewählte) Personen haben die Erkrankung bereits durchgemacht?

Wieviele Kinder? Sind Kinder weniger ansteckend als bei sonstigen Viruserkrankungen?

Gibt es Near Field Tracing Apps ohne massive Datenschutzprobleme?

Kann man die Gesundheitsämter mit besserer Software ausrüsten?

Kann man die Zeit für den Crispr Schnelltest unter 40 Minuten drücken?

Gibt es eine Hintergrund-Immunität durch verwandte Corona Viren?

Gibt es Kreuzreaktionen, die zu schwererem Verlauf führen?

Gibt es genetische Varianten oder altersabhängige Genmethylierung von ACE2, TMPRSS2 oder Cathepsin L oder diversen Interleukinen, die den klinischen Verlauf negativ beeinflussen?

Wie ist die Kinetik von SarsCoV2 und ACE2 Rezeptorbindung?

Ist rekombinantes lösliches ACE2 ein therapeutisches Prinzip? Wirken TMPRSS2 Hemmer?

Was löst die neurologischen Symptome wie Guillain-Barré und Anosmie aus? Warum ist der pO2 oft so niedrig ohne Atemnot?

Was bedingt den Übergang von L und H Typ der Pneumonie?

Gibt es eine lokale pulmonale Hypertonie und Rechts-Links Shunt zB durch Angiotensinogen II Freisetzung?

Warum ist Heparin so gefährlich?

Was ist besser, Tot- oder Lebendimpfstoff?

DNA, RNA oder Protein basierter Impfstoff?

Wie begegnet man am besten fake news?

Corona and vitamin D – astroturf

Vitamin D is a remedy for everything, at least for some people. Right now, there are now already 44 papers that describe an association to corona infection. I have read only a few of them – 100% astroturf.

Media query 18/4/2020 at the new NIH interface https://icite.od.nih.gov/covid19/search/#search:searchId=5e9a955c690d75486c676e67

Wie man die Testkapazität in Deutschland verdoppeln könnte

Leider sagt das RKI bis heute nicht wie lange, ein Patient infektiös ist.
Wenn ein Amt so etwas während einer Pandemie nicht weiss, warum stellen sie dann nicht einen Expertenrat zusammen? Und wenn ein externer Experte dass nicht weiss, warum vergibt man dann nicht einen Forschungsauftrag zu der Frage?

Aktuell wird der Großteil der Testkapazität in den Gesundheitsämtern an wiederholte “frei”-Messungen von Patienten verwendet. Nach Ende einer eher großzügigen Quarantäne wäre es wichtiger, die Neuansteckungen zu erfassen, die immer noch aus Kapazitätsgründen abgewiesen werden. Ähnlich konfus sind im Augenblick auch die “Gesund”meldungen der Landkreise.

Auch wären gepoolte Messungen sinnvoll, die schon lange etabliert sind.

Was sie gesagt haben ist so wirr, dass ich nicht mal sagen kann, ob es Unsinn ist oder nicht

Das Pauli Zitat ist wunderbar (“What you said was so confused that I could not tell whether it was nonsense or not”) !

Anders als mit Pauli kann man aber auch den neuesten Ioannides Artikel nicht kommentieren, der das absolute Risiko der Mortalität am Beginn der Pandemie rechnet. Es ist so ähnlich, als würde man das Mortalitätsrisiko der Appendizitis am Diagnosetag für die nächsten 24 Stunden berechnen. Das wäre dann auch nur 5% und würde ernsthaft in Frage stellen, ob Blinddarm Operationen wirklich sinnvoll sind denn eine Operation hat ja schliesslich auch Nebenwirkungen (Infektion, Nachblutung, Thrombose). Allerdings würde dieser Denkfehler vielen Menschen das Leben kosten.

Ich sehe hier nicht so sehr das Ende von EBM ( der “evidence-based medicine”) aber sehr wohl das Limit und die Unfähigkeit mit neuen und dynamischen Sachverhalt umzugehen.

 

3.5.2020 2. Anlauf

https://draftable.com/compare/EypQweFxGwmY

Faktencheck “eventuelle Dunkelziffer”

Christian Drosten meinte gestern auf Twitter an seine 232K Follower über “eine eventuelle Dunkelziffer”: “Hier sollten wir zum gegenwärtigen frühen Zeitpunkt der Epidemie nicht allzuviel erwarten.” Drosten räumt ja sonst immer sympathisch ein, wenn er etwas nicht weiss. Leider macht er das nicht immer bei epidemiologischen Fragen…

Schauen wir uns die Fakten an.

Den Begriff Dunkelziffer gibt es eigentlich nicht in der Epidemiologie, ich vermute der Begriff soll das ascertainment bias oder selection bias beschreiben. Auf Deutsch also etwas, was man nicht weiss. Der Zusatz “eventuell” stellt jedenfalls die “Dunkelziffer” in Frage.

DLF-Wissenschaftsredakteur Volkart Wildermuth hat den Sachstand zusammengefasst

Forscherinnen und Forscher der Columbia Universität kommen in einer Simulation zu dramatischen Dunkelziffern. Sie haben die Ausbreitung des Coronavirus mit einem Pandemie-Simulationsprogramm nachgespielt. Die Daten für ihre Berechnungen stammten aus der frühen Phase der Epidemie in China, als es noch keine Kontaktbeschränkungen gab. Demnach kamen auf jeden nachweislich Infizierten etwa sieben unentdeckte Fälle, schreiben die Autoren im Fachmagazin “Science” […]

Das Robert-Koch-Institut geht zwar ebenfalls von einer Dunkelziffer aus. Präsident Wieler sagte, die gebe es bei jeder Infektionskrankheit. Es gebe aber keinen Anlass, von einer besonders hohen Dunkelziffer auszugehen, weil in Deutschland sehr früh am Anfang der Coronakrise mit Tests begonnen worden sei und generell sehr viel getestet werde. Der RKI-Präsident betonte aber, dass nach aktuellem Stand die Hälfte der Infizierten tatsächlich auch an der Krankheit Covid-19 erkrankt. „Die anderen Hälfte sehen wir gar nicht.“

Die Autoren des Science Artikels vermuten, das 86% aller Infektionen unbekannt blieben, Wieler geht von 50%. Ich gehe nach Hochrechnung auf Landkreisebene über die Ärztedichte ebenfalls von 50% bis 90% aus.

Und von der Bestimmung sei nicht “allzuviel zu erwarten”? Obwohl sie die Basis jedes SEIR Modells ist, mit dem S=susceptible, E=exposed, I=infected, R=recovered berechnet wird? Wenn die Dunkelziffer, einmal angenommen bei 90% liegen sollte, dann würden 83 Millionen Deutschen im Augenblick nicht 100.000 Infizierten gegenüber stehen, sondern 1 Million. Ein gewaltiger Unterschied, der eine völlig andere Einschätzung bedeuten würde (die Hotspot Rechnungen in Bergamo und New York sind nochmal eine ganze andere Frage – die meisten Experten gehen hier von self-enforcing loops und tipping points aus).

Es ist zudem wenig hilfreich, den Wert von epidemiologischen Studien zu bezweifeln, wo es immer große Anstrengungen kostet, Teilnehmer von Studien zu überzeugen. Und was meint Drosten mit frühem Zeitpunkt der Pandemie? In Deutschland trat der erste Fall am 28.1. auf, Wieler sagte am 27.2. die Deutschen sollten zu Hause bleiben, Kekulé am 17.3. dass wir die exponentielle Phase erreicht haben. Gestern war der 8.4. also mehr als drei Wochen nach Beginn der exponentiellen Phase? Oder geht Drosten von einem mehrjährigen Verlauf aus?

Fazit: Es gibt eine Dunkelziffer, die nach aktueller Schätzung mindestens bei 50%, eher Richtung 90% liegt. Da die Verläufe in den einzelnen Landkreisen sehr unterschiedlich sind, brauchen wir repräsentative Bevölkerungsstudien in allen Altersgruppen.

Der Blindflug geht also weiter.

PS. Noch zwei Plots zur Dunkelziffer von Viruserkrankungen bei Kindern. Kinder werden aktuell kaum getestet, weder on demand noch bei der extra angelegten Studie in München. Wie wird man die Schulöffnung nach den Osterferien begründen? Bauchgefühl? Druck aus der Wirtschaft? Und woran wird man merken, dass die Schulöffnung doch zu früh kam ( so wie in St Louis 1917  )?

Quelle RKI abgerufen am 9.4.2020 Lagebericht 8.4.2020, S.4. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-04-08-de.pdf?__blob=publicationFile Kinder werden bisher kaum getestet, obwohl sie am ehesten asymptomatische Virusträger sind.

Die Gruppe Kinder bis 14 Jahre ist bei sonstigen Viruserkrankungen immer am häufigsten betroffen. Sollte COVID-19 sich so viel anders ausbreiten?

Quelle RKI abgerufen am 9.4.2020 Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2017/18 2017, S. 28, https://influenza.rki.de/Saisonberichte/2017.pdf KInder im Alter 5-14 Jahre haben die höchste Rate an positiven Influenza Tests.

Die bayrische Staatsregierung äussert sich jedenfalls euphorisch zu der mit Polizeischutz durchgeführten und von Mercedes gesponsorten Studie aus “gebündelter wissenschaftlicher Kompetenz” (Söder).

PS. 14% sind angeblich immun in Gangelt laut der gerade gelaufenen Pressekonferenz (ich hoffe der Antikörper von Streeck ist spezifisch) während wir bisher von 0,5% in dem Landkreis ausgingen.  Der Link zu dem Report war  auf land.nrw ist leider tot.

Task Force Epidemiologie COVID-19

Wir brauchen eine professionelle Priorisierung, Koordinierung und Kommunikation der Forschung zu Nicht-Pharmakologischen Interventionen (NPI).  Ich unterstütze damit den Aufruf des QUEST Center (Quality, Ethics, Open Science, Translation), Berlin Institute of Health (BIH).

In der laufenden Pandemiesituation fehlen uns nach den weitreichenden und erstmal notwendigen Beschränkungen bevölkerungsbezogene Daten, die gebraucht werden, um die laufenden Massnahmen zu evaluieren und zu steuern. Die bisher einzigen populationsbasierten Daten in Deutschland finden sich in den Influenza Wochenberichten des RKI bei den in der 12. KW in 3 von 193 untersuchten Sentinelproben (1,6 %) SARS-CoV-2 identifiziert wurde.

Mein Vorschlag ist eine Ärzte Surveillance Studie, die Vorschläge von Lipsitch aufgreift und auf dem  Konzept von Cowling aufsetzt. Dafür wird randomisiert eine nach Alter, Region und Geschlecht geschichtete Stichprobe von Ärzte:innen Haushalten gezogen. Eine solche Basiserhebung wird im übrigen auch von Cochrane/EBM und anderen Epidemiologen gefordert [1, 2, 3].

Ärzten/Ärztinnen kommt in der Pandemie-Situation eine besondere Bedeutung zu; sie eignen aber auch selbst als Untersuchungsgegenstand, da es unter den aktuellen Bedingungen große logistische Probleme für eine klassische epidemiologische Studie gibt. Nach dem Prinzip der bekannten Physicians’ Health oder British Doctor Studies können in wenigen Tagen verlässliche Basiszahlen generiert werden können, ohne dass hier zusätzlich die Infektion durch Untersuchungsteams verbreitet wird.

Die Landesärztekammer würde dafür eine Zufallsstichprobe von ca 3.000 Ärzten/Ärztinnen in den Landkreisen ziehen und sie in einem Anschreiben bitten, dass sie kurzfristig bei sich selbst und allen in ihrem Haushalt lebenden Personen Abstriche nehmen bzw die Serologie bestimmen. Ergänzt werden kann die Ziehung aus den Ärztehaushalten durch zufällig gezogene Probanden aus der jeweiligen Patientenkartei oder in der Nähe liegenden Adressen aus dem Einwohnermeldeamtsregister. Alle Ergebnisse werden umgehend in eine online Datenbank eingetragen, bei Positivbefund das Tracing an die zuständigen Gesundheitsämter übertragen.

Die Bereitschaft von Ärzten/Ärztinnen für ein solches Projekt dürfte hoch sein, zumal die Teilnehmer den Vorteil haben, ihren Teststatus zu erfahren. Für die epidemiologische Forschung werden die Daten anonymisiert.

Ein solches Survey kann in beliebigen Zeitintervallen wiederholt werden, um die zunehmende Durchseuchung beziehungsweise aufkommende Immunität zu messen. Zu klären bleiben juristische und ethische Fragen, Datenschutz sowie Finanzierung des Projektes.

Hochstapler

Im Zug einer Recherche zu Wolfgang Wodarg habe ich über einen Welt Artikel einen interessanten Wikipedia Eintrag zu Gerd Postel gefunden:

Dennoch bewarb sich der 24-jährige Postel schon kurz darauf im September 1982 als Dr. med. Dr. phil. Clemens Bartholdy um eine ausgeschriebene Stelle als stellvertretender Amtsarzt in Flensburg.

Unechte Urkunden bestätigten scheinbar seine Angaben zu Prüfungsergebnissen und Berufsweg, Andere Unterlagen fehlten zwar, da Postel aber zuvor Kontakt zu Amtsleiter Wolfgang Wodarg aufgebaut hatte und man sich sympathisch war, wurde er eingestellt.Unter Postel sank die Quote der psychiatrischen Unterbringungen auf Antrag hin von über 95 % auf lediglich 10 %.

Auch seine Leistungen während der Probezeit in der Zschadraßer Psychiatrie wurden vom damaligen Krankenhausleiter Horst Krömker als „überdurchschnittlich“ beurteilt. Postel meinte hierzu „Wer die Dialektik beherrscht und die psychiatrische Sprache, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn dann in das Gewand des Akademischen stecken“.

Super Spreading Events

Bisher stand ja vor allem das Konzept des/der Super Spreaders im Vordergrund.

Ich denke  aber mittlerweise , dass Super Spreader Events relevanter sind für die Ausbreitung einer Epidemie als eine einzelne Person.

  • Ischgl Apres Ski Bar Kitzloch
  • Champions League Spiel Atalanta Bergamo
  • Gangelt (Heinsberg) Faschingssitzung
  • Kirchenkonzert Kupferzell
  • Club Trompete Berlin
  • Mulhouse Pfingstgemeindetreffen
  • Starbierfest Mitterteich
  • Restaurant der Princess Diamond
  • Ärztebesprechung Wuchang, China
  • Shincheonji Kirche, Südkorea
  • Beerdigung in Esslingen
  • Posaunenfest in Eschental
  • Chor in Hohenberg
  • Familienfeier Greiz

Eine weitere Liste

Finde den Fehler

Daniel Matt

In der Provinz Hubei leben rund 60 Millionen Menschen. Der totale Shut-Down hat das Schlimmste verhindert, nach einem Vierteljahr Quarantäne kann dort nun Schritt für Schritt zum Normalzustand zurückgekehrt werden. Statt Shut-Down strebt Deutschland an, die Kurve flach zu halten. Um die Zahl der Intensivpatienten unter der Zahl der Beatmungsgeräte zu halten, muss sich die flache Kurve über vier Jahre erstrecken. Das wird von Anfang an nicht gelingen. Die “Kurve flach halten” ist eine Todesfalle, die Zehntausende mit ihrem Leben bezahlen werden.
Deutschland macht so ziemlich alles falsch:
– In China wurden 3/4 der Coronapatienten von Familienangehörigen infiziert. Nachdem dies erkannt wurde, trennte man sofort Infizierte von ihren Familien und brachte sie in Großlazarette. Dort kamen sie nur voll genesen wieder raus, oder tot.
– Hierzulande werden Infizierte in “häusliche Quarantäne” geschickt. Konkret sieht das so aus: Papa liegt mit Corona auf der Couch, der Sohnemann hängt mit Kumpels in der City ab. Finde den Fehler. Zudem: manchen halten sich nicht an die “häusliche Quarantäne”.
– tausende Ärzte und Pfleger wurden in China infiziert, weil anfangs nicht klar war, womit man es zu tun hatte. Das ungeschützte medizinische Personal hat es voll erwischt, aber schon wenn einfache Masken getragen wurden, gab es beim medizinischen Personal weniger Infizierte. Erst recht vermindert eine einfache Gesichtsmaske oder ein Schal das Risiko, dass ein bereits Infizierter, der noch nichts von seinem Pech weiß, andere ansteckt. Noch immer verbreiten RKI, BMG und Medien die FAKE NEWS, Gesichtsmasken würden nicht schützen. Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem Gesichtsmasken als überflüssig verspottet werden.
– in China und den anderen asiatischen Ländern wurde massiv getestet. Hierzulande rutschen zehntausende Infizierte unter dem Radar hindurch, weil Testkapazitäten fehlen.
– noch bis gestern landeten in Frankfurt tägliche mehrere Flugzeugen aus Teheran. Den aus durchseuchten Regionen Geflüchteten wurde lediglich eine “Fluggast-Aussteigekarte” ausgehändigt, mehr nicht. Keine weiteren Kontrollen.

Die holländisch-britische Herdimmunität war von Anfang an ein schlechter Witz, die europäische #FlattenTheCurve Strategie muss bis zur Verfügbarkeit von Impfstoff oder Spontandegeneration des Virus durchgehalten werden. Mit einem radikalen Shutdown wäre der Alptraum allerdings in 4 Wochen vorbei.

 

https://twitter.com/EricTopol/status/1241094172074885120 21/3/20

https://twitter.com/EricTopol/status/1241094172074885120 21/3/20
https://twitter.com/BerlandaScorza/status/1240682043748405248/photo/1 21/3/2020

weitere Szenarios

Inkubationszeit des Coronavirus

Mit Inkubationszeit wird üblicherweise der Zeitraum zwischen dem Kontakt mit dem Krankheitserreger bis zum Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen bezeichnet.

Nur Kontakt löst keine Inkubation aus. Erst wenn sich der Erreger vermehrt, startet die Inkubationszeit (incubare, lat. brüten). Die Inkubationszeit hängt primär von vier Faktoren ab – erstens Konstitution bzw primäre Immunabwehr des Infizierten, zweitens Eintrittstelle, drittens Zahl der initialen Viruspartikel und viertens die Pathogenität, Virulenz oder Infektiosität des Virus. Wikipedia hat unterschiedliche Beispiele

Das Poliovirus vermehrt sich in den lymphatischen Geweben des Verdauungstrakts. Nach einer bis zwei Wochen kann es dann zu unspezifischen Symptomen wie Fieber und Gliederschmerzen kommen… etwa eine halbe Woche später kann dann das volle Krankheitsbild der Kinderlähmung folgen.
Bei der Tollwut hängt die Dauer der Inkubationszeit von der Lokalisation des Bisses ab, mit dem das Virus übertragen wurde. Je länger sein Weg entlang der peripheren Nerven ins Gehirn, desto länger die Inkubationszeit.

Die Inkubationszeit bei 2019-nCOV beträgt 3 bis 14 Tage, deshalb werden Verdachtsfälle auch zwei Wochen isoliert. Die 14 Tage sind allerdings nicht sicher.

Die Inkubationszeit beim neuen Coronavirus könnte Analysen zufolge in seltenen Fällen sogar bis zu 24 Tage betragen und damit 10 Tage mehr als bisher angenommen. Im Schnitt betrage der Zeitraum zwischen Ansteckung und ersten Symptomen wohl drei Tage und damit weniger als die bisher angenommenen gut fünf Tage, ergab eine Auswertung des Experten Zhong Nanshan nach Angaben der China Daily. Der Leiter des nationalen Expertengremiums zur Eindämmung der Lungenkrankheit hatte mit seinem Team 1099 Fälle aus 552 Krankenhäusern in China untersucht. … Ohne genaue Kenntnis der Methode lasse sich zunächst nicht sagen, wie gesichert die neuen Erkenntnisse seien, kommentiert der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité die Analyse in China. „Eine häufige Fehlerquelle bei scheinbar sehr langen Inkubationszeiten ist eine unbemerkte zwischenzeitliche Exposition.“ Nur unter sehr kontrollierten Bedingungen lasse sich ausschließen, dass Betroffene dem Erreger mehrfach hintereinander ausgesetzt waren.

Die sehr unterschiedliche Zeitangaben zur Inkubationszeit hängt von der Variation dieser vier Faktoren ab. Wenn wir davon ausgehen, dass die aktuelle Virusvariante dieselbe Virulenz hat wie in Wuhan, dann bestimmen wohl die ACE2 Oberflächenstrukturen auf unseren Zellen Infektiosität und initiale Vermehrung.

Quelle https://medium.com/@edwardnirenberg/sars-cov-2-and-the-lessons-we-have-to-learn-from-it-e2017fd5d3c 9/3/2020

Wer allerdings nur nach Krankheitsbeginn Quarantäne verordnet, kommt zu spät, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhinden.

Bei Reisenden aus Coronavirus-Endemie-Gebieten reicht ein symptom- und kontaktbasiertes Screening alleine offenbar nicht aus, um eine Infektion auszuschließen. Das zeigen die Erfahrungen der Passagiere, die am 1. Februar aus Wuhan nach Deutschland evakuiert wurden. Zwei der Patienten hätten ohne Rachenabstrich und ohne Quarantäne in Deutschland möglicherweise weitere Personen angesteckt.

Leider sieht das Robert Koch Institut bisher keine flächendeckende, wiederholte Tests ausserhalb von Arztpraxen vor, während Baden Württenberg aber bereits Drive In Tests eingeführt hat. Das RKI (Stand 9.3.2020) bleibt dazu vage

Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird derzeit insgesamt als mäßig eingeschätzt. Diese Gefährdung variiert aber von Region zu Region und ist in „besonders betroffenen Gebieten“ höher. … Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein. … Die massiven Anstrengungen auf allen Ebenen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) verfolgen weiterhin das Ziel, die Infektionen in Deutschland so früh wie möglich zu erkennen und die weitere Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verzögern. Sie sollten durch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen wie die Reduzierung von sozialen Kontakten mit dem Ziel der Vermeidung von Infektionen im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich sowie eine Reduzierung der Reisetätigkeit ergänzt werden.

Infektionen möglichst früh erkennen, ohne dass ein flächendeckender PCR Nachweis angeboten wird? Es ist zu befürchten, dass eine  Pandemie so nicht eingedämmt werden kann. In Korea scheinen Tests ein wichtiger Faktor zur Steuerung gewesen zu sein.

Quelle https://twitter.com/JohannaMaska/status/1237186360265469952 vom 10/3/20

Das Ziel aller Massnahmen ist es, die Zahl der gleichzeitig Erkrankten so gering wie möglich zu halten und Zeit zu gewinnen, um Maßnahmen für besonders gefährdete Gruppen aufzubauen, Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen und die Entwicklung antiviraler Medikamente und von Impfstoffen zu ermöglichen.

Das RKI erklärt 3 Klassen von Kontaktpersonen, aber auch hier ist immer nur von Erkrankten, aber nicht infizierten Personen in der Inkubationsphase die Rede. Bleibt die Frage, wie ansteckend Personen in der Inkubationszeit sind. Leider gibt es darauf bisher keine  Antwort, sondern nur Abschätzungen.

Die Basisreproduktionszahl R0* liegt bei 2.25, dh 1 Infizierter steckt 2.25 Personen an (eine noch nicht überprüfte Arbeit sagt allerdings 4.7). Zur Eindämmung muss R0 aber unter 1 gesenkt werden. Simulationen zeigen, dass in den meisten Szenarien “contact tracing and case isolation” innerhalb 3 Monaten COVID-19 stoppen kann; offensichtlich gelingt das gerade in China.

In Deutschland war “contact tracing” bei den Webasto Fällen noch möglich, mit zunehmenden Erkrankungsfällen unterbleibt die Rückverfolgung aber immer mehr aus logistischen Gründen und macht zudem die Risikoabschätzung über Herkunft aus Endemiegebiet immer weniger sinnvoll, wenn die Erkrankung schon vor Ort endemisch auftritt.

Unbelehrbar? (6000 Tote exhumiert XXXIV)

Nachdem sich das Thema “6000 Tote” eigentlich durch das  Leopoldina Gutachten 2019 erledigt hat

Weitere gesundheitliche Risiken, die mit einer chronischen Belastung gegenüber Stickstoffdioxid in Verbindung gebracht werden, sind eine erhöhte Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen … Auch hier gibt es … keine gesicherte Kausalität, weil es bisher nur wenige Studien zur Toxikologie von Stickstoffdioxid gibt, welche die biologischen Wirkungsweisen erklären würden.

bestehen die Verursacher der NO2 Diskussion in einem neuen DÄ Artikel mit “neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen aus 2013” weiter auf dem Fakt

Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch Effekte unterhalb des im Jahre 2005 festgelegten Richtwerts, sodass im Auftrag der Europäischen Union im Jahr 2013 eine Neubewertung der Evidenzlage vorgenommen wurde. Speziell für Stickstoffdioxid wurden dabei Gesundheitseffekte oberhalb eines Schwellenwerts von 20 μg/m3 als gesichert angesehen. Maßgeblich war hierfür eine Meta-Analyse von mehr als 15 Langzeitstudien zu Stickstoffdioxid, die einen Anstieg des Mortalitätsrisikos um 5 % pro 10 μg/m3 NO2 ergab.

Kaum zu glauben (wenn man sich an XX erinnert) wie skurill die Kollinearitätsdiksussion hier geführt wird: Feinstaub ist gleichmäßig verteilt, im Gegensatz zu NO2.

Daraus resultiert eine Korrelation der Expositionen von deutlich unter 1, was eine teilweise Isolierung der Effekte ermöglicht. Multizentrische Kohortenstudien mit verschiedensten Schadstoffzusammensetzungen (Gemischen) und -konzentrationen erlauben die Trennung von Schadstoffeffekten.

Die grössere Streuung der NO2 Werte in den einzelnen Standorten hängt also hier plötzlich nicht von dem Aufstellungsorten ab, sondern gibt die individuelle Belastung an? Und die “Korrelation unter 1” erlaubt eine statistische “Isolierung der Effekte”? Als wollte man ein Gemisch von Proteinen mit gleichem Molekulargewicht im Polyacrylamid-Gel trennen. Kann man beliebig oft wiederholen, andere Spannung nehmen oder auch anders färben und geht trotzdem nicht.

Disclaimer. Natürlich ist der Schlussfolgerung des DÄ Artikels zustimmen, was die Auswirkung von Luftschadstoffe sind. Allerdings nicht wegen der Aussagen zu NO2 sondern zu den PM.

Eine weitere Absenkung der Luftschadstoffgrenzwerte ist daher nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch aus der ethischen Verpflichtung zum Schutz der Bevölkerung notwendig. Darüber hinaus kommt es bei den meisten Maßnahmen zur Reduktion der Luftverschmutzung auch zu erheblichem Zusatznutzen im Bereich des Klimaschutzes…

Postscriptum. Ist das nicht ein Selbstplagiat mit 11% wörtlicher Übereinstimmung zu einem früheren Positionspapier?

https://copyleaks.com Textvergleich “Die Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit – Expertise der ISEE ERS_R1.pdf” und “m881.pdf” zeigt 11% identische Übereinstimmung.

10% ist die bisher gültige Grenze

Zu Forschungsfreiheit

Interview mit Martin Stratmann

F: Dann lassen Sie uns über die Strukturen und ihre Probleme sprechen. Damit sind wir plötzlich sehr nah dran an der MPG, oder?

A: Was woanders gilt, sollte auch bei der MPG so sein: Wir müssen bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sicherstellen, dass die Wissenschaftsfreiheit auch für sie gesichert ist – nicht nur für die Führungsspitze unserer Institute. Und wir müssen in der Wissenschaft Rahmenbedingungen schaffen, die eine Spontaneität, wie ich sie meine, ermöglicht. Indem wir nicht nur Forschung belohnen, die en vogue ist, die zu möglichst vielen hochrangigen Publikationen führt.

Globaler Diskurs? Ein Nirvana-Fehlschluss

Das Ärzteblatt gestern über eine BMBF Veranstaltung zu den Crispr Cas Zwillingen

Dabrock warnte vor einem Schwarz-Weiß-Denken bei ethischen Fragestellungen zur Keim­bahnveränderung. Es sei vielmehr ein globaler Diskurs erforderlich, an dem nicht nur die wissenschaftliche Gemeinde beteiligt ist – der letztlich gegebenenfalls in globale Regelungen münde.

Was soll man dazu sagen? Zu einer Rhetorik,  die feststellt daß alle anderen “Schwarz-Weiss” denken? Globaler Diskurs ist in dem Zusammenhang eine falsche Dichotomie, denn das Gegenteil von “Schwarz-Weiss” wäre ja “bunt”, eine möglichst vielfältige Alternative.

Nach mittlerweile vier Vorträgen zu dem Thema glaube ich mitterweile, dass die meisten Menschen nicht mal den Unterschied zwischen somatischer und Keimbahntherapie verstehen. Und dass die Welt im Augenblick ganz andere Probleme hat.

Den Diskurs in die globale Sphäre vertagen, sagt jemand, der selbst nicht mal auf Emails antwortet? “Globaler Diskurs” sieht nach einem klassischen Beispiel für einen Nirvana Fehlschluss aus.

Den Nirvana-Fehlschluss, auch Trugschluss der perfekten Lösung, begeht, wer etwas Wirkliches oder Realisierbares mit einem unrealisierbaren modellhaften Ideal vergleicht und auf dieser Basis – ohne die Realitätsferne des Ideals zu berücksichtigen – ein Urteil fällt oder eine Entscheidung trifft.

Denn wer kann denn schon – staatliche Ethiker mal ausgenommen – zu Ethikmeetings in die USA, nach London oder Hongkong fliegen? Und wer entscheidet auf diesen Meetings? Gewählte Volksvertreter?

Und selbst bei diesen Meetings gibt es völlig unterschiedliche Vorstellungen. Das WHO Komittee will ein Register schaffen so Nature gestern. Eine zweite Kommission von US National Academy of Science und British Royal Society wohl eher nicht, genaues weiss man nicht. Globaler Diskurs hinter verschlossenen Türen.

CO2-Ausstoß

nach Land – welche Regierung ist verantwortlich?

nach Einwohner – welche Menschen sind verantwortlich?

Quelle
Territorial emissions

Original
CDIAC: Boden, TA, Marland, G and Andres, RJ 2017. Global, Regional, and National Fossil-Fuel CO2 Emissions, Carbon Dioxide Information Analysis Center, Oak Ridge National Laboratory, U.S. Department of Energy, Oak Ridge, Tenn., USA. DOI: 10.3334/CDIAC/00001_V2017.
UNFCCC, 2017. National Inventory Submissions 2017. United Nations Framework Convention on Climate Change.
BP, 2017. Statistical Review of World Energy.

# R
co2pp <- read.csv("/Users/xxx/Desktop/export_20191116_1913.csv",sep = ";", quote = "\"'",)
visited <- colnames(co2)[-1]
register_google(key="???")
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  fn <- paste("/Users/xxx/Desktop/tmp/",str_pad(i-1959, 3, pad = "0"),".png",sep="")
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Anmerkung

  • Ich weiss nicht, worauf die Differenz zu anderen Angaben beruht.
  • Der Plot CO2 pro Kopf hat “capped outliers”, alles was über der Skala lag, wurde auf die obere Grenze gelegt. Dennoch imponieren hier weiterhin Länder wie Curaçao mit einer starken Öl-Ökonomie (Shell…), ebenso auch Katar.
  • Eine fixe Skala über die Zeit (die Zeile mit scale_fill_continuous…) hat Vor- und Nachteile. Vorteil – man sieht besser die Entwicklung der Gesamtemission. Nachteil – die relative Entwicklung zu anderen Ländern geht etwas verloren.