Category Archives: Noteworthy

NO2 Chemie (6000 Tote XXVI)

Es wäre doch mal ganz interessant, wie denn die Verteilung der Luftschadstoffverteilung 1989 in München war.
Damals mussten wir noch mühsam von Hand die Polygonzüge aus einem Falk Stadtplan auf Milimeterpapier abmessen und durften dann auch nur eine Verkehrskarte abbilden.

Mittlerweile gibt es aber die Sprengelgrenzen für alle Schulbezirke im BayernAtlas online, so dass wir nun mir R die Daten einfach plotten können. Der Mittlere Ring ist dabei gut zu erkennen.

Verkehrszählungen in München 1989 (anklicken zum Vergrößern). 24 Sprengel mussten korrigiert werden, entweder weil Daten fehlten oder weil  in den letzten 30 Jahren Sprengel geteilt wurden. Bei fehlenden Sprengeldaten wurden jeweils die Daten des Nachbarsprengels mit der grössten gemeinsamen Grenze genommen

Es folgt die NO2 Karte, jeweils aus Einzelmessungen erstellt.

NO2 in München 1989: Der Wind transportierte während der Messserie vermutlich das NO2 nach Nordosten.

Und zuletzt die Ozonkarte: In der Abluftfahne entsteht unter UV Einstrahlung atomarer Sauerstoff und daraus wiederum Ozon.

Ozon in München 1989

Merke: NO2 direkt am Strassenrand  istein guter Marker für die Verkehrsemissionen. In der Hintergrundmessung zeigt NO2 allerdings nur bedingt aktuelle Gefährdungslagen an, da der Wert hier stark durch meteorologische Parameter beeinflusst wird.

Falsche Formel (6000 Tote XXV)

ab 8:24

Hörenswerte Interviews u.a. mit Alexander Keule und Peter Morfeld.

Der DLF versucht sich auch an der Frage, wann Studien Hand und Fuß haben, versagt aber dabei kläglich bei der Antwort.

Ist das so schwer zu verstehen? Analog zu den Evidenzklassen der klinischen Studien gilt auch in der Epidemiologie:

* Studien über Regionen können (ohne vollständige individuelle Risikoprofile) nur Vermutungen generieren
* Querschnittsstudien  und Fallkontrollstudien liefern vorläufige Evidenz
* Interventionsstudien (zum Teil auch einige Kohortenstudien) sind beweisend

Mittlerweile wird es immer unsäglicher, was man täglich zum Beispiel in der SZ zu Gesicht bekommt: Journalisten die völligen Unsinn schreiben. Und Rentner die nicht umsonst in Rente geschickt wurden.

Wo der Dreck produziert wird (6000 Tote XXIII)

Stau produziert mehr Abgase als fliessender Verkehr

Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/adac-ueber-stau-auf-deutschen-autobahnen-2018-gab-es-2000-staus-pro-tag-a-1248433.html
Quelle: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/stau-report-fuer-deutschland-in-diesen-staedten-stehen-sie-am-laengsten-a-1252357.html

NO2 Merksätze (6000 Tote XXIV)

NO2 ist in hoher Konzentration ein Reizgas.
NO2 in niedriger Konzentration ist kein Reizgas.
Niedriges NO2 ist ein guter Marker für Abgase direkt an der Strasse.
Niedriges NO2 nicht an der Strasse gemessen ist kein guter Marker für Abgasbelastung.
Niedriges NO2 im Innenraum war bisher epidemiologisch uninteressant.
Das Wir-haben-tausend-NO2–Studien-Argument sagt eigentlich nur, dass es keine beweisende Studie gibt.
NO2 Grenzwerte sind politisch, nicht wissenschaftlich festgelegt.
NO2 Grenzwerte für “Kinder, Kranke, Alte, Behinderte und Frauen” sind eine populistische Erfindung.
Die Mortalität wird nicht durch NO2 Vergiftung erhöht.
Epidemiologen sagen bisher nur die halbe Wahrheit über NO2.
Die WHO ist nicht unfehlbar was NO2 angeht.
Die meisten Journalisten blicken bei NO2 nicht mehr durch.
Die Autoindustrie hat bei den NO2 Emissionen betrogen.
Am besten wäre es überhaupt keine Emissionen zu haben wo Menschen leben.
Mit alarmistischen Äusserungen zu NO2 bekommt man im postfaktischen Diskurs viel Aufmerksamkeit.

Der Schiedsrichter (6000 Tote XXII)

Das also glauben die Deutschen, Stand 10.2. 17:30. Zweifel an der Datenbasis habe ich wenig, aber massive Zweifel an der Auswertung und an der Interpretation der Studien.

Zweifel habe ich auch an Journalisten, die eindeutig für oder gegen Personen Stellung beziehen. In dem Fall Ulrich Schnabel, der in der ZEIT meint, dass die Fachleute unsichtbar sind. Das sind sie natürlich nur für jemanden, der selbst blind ist. Am besten liest man deshalb auch nur die Kommentare unter seinem Artikel

Leider haben es die Wissenschaft und die Medien nicht geschafft, eine differenzierte und nachvollziehbare Argumentation in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Es wird z.B. fast nie zwischen NOx und Feinstaub unterschieden. Der Zielkonflikt zwischen einer Reduktion des CO2-Ausstosses und der Verringerung der NOx-Belastung wurde nicht thematisiert. Die Diskrepanz zwischen den Grenzwerten am Arbeitsplatz und an der Strasse wurde nicht nachvollziehbar erläutert. Ebenso wurde nie erklärt, warum die Messwerte so weit auseinanderklaffen. In München liegen zwischen der offiziellen Statistik und den Messungen der Stadt Unterschiede von ca. 50%. Ein weiterer Widerspruch entsteht, weil vergleichbare Länder völlig unterschiedliche Grenzwerte fordern. Diese Faktenlage ist unstimmig. Anstelle dies sachlich aufzuklären, überwiegen leider auch in Qualitätsmedien ad-hominem Argumente. Warum soll ein Lungenfacharzt nicht qualifiziert sein, eine Aussage zu Lungenerkrankungen zu machen? Die Vielschichtigkeit des Themas erfordert doch gerade, dass Epidemiologen, Mathematiker, Ärzte, und Ingenieure zusammen wirken müssen.

Ist nun die Mortalität in München und Stuttgart erhöht oder erniedrigt? Quelle: https://rp-online.de/leben/gesundheit/news/menschen-aus-stuttgart-und-muenchen-werden-am-aeltesten_aid-15609479

Es hat lange gedauert, aber nun geht es endlich mit einer sinnvollen Strategie weiter.

Die Kritik von mehr als 100 deutschen Lungenärzten an den geltenden Stickoxid- Grenzwerten im Kontext mit Dieselfahrverboten hat hierzulande heftige Diskussionen ausgelöst. Die Wissenschaft hat zunächst nur zögerlich Stellung bezogen, und geblieben ist bei vielen das ungute Gefühl, nicht zu wissen, was denn richtig ist. In solchen Fällen ist die Autorität der Nationalen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) gefragt. Ihr kommt die Rolle des Politikberaters zu. Vergangene Woche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Leopoldina um Stellungnahme in Sachen Dieselgrenzwerte (/wirtschaft/article184435460/Fahrverbote-Diesel-Grenzwerte- auf-wackliger-Grundlage.html) gebeten. Professor Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie in Halle und von 2008 bis 2010 Präsident des Robert-Koch-Instituts, erklärt im Interview, wie und bis wann die Leopoldina zu einem Ergebnis kommen wird.

Wirklich innovative Studien (6000 Tote XXI)

Statt sich in uferlose NO2 Diskussionen zu verheddern, habe andere Forscher wie Junkermann wirklich innovative Projekte gemacht.

Es stellt es sich jedenfalls nun immer mehr heraus, wie groß doch die methodischen Schwächen der NO2 Szene im Outdoor-Bereich sind und welche Defizite es im Indoor Bereich gibt: Nach meiner Information gibt es nicht eine einzige NO2 Mortalitätsstudie, die Gas mit Elektroherd verglichen hätte.

Die ganze NO2 Diskussion ist so akademisch, wie Rollenprüfstand und tatsächliche Emission am Auspuffrohr. Ein Gegensatzpaar wie NO2 Immissionsmessung und Radfahren in der Stadt. Zum Glück gibt es allerdings immer wieder Wissenschaftlern, die ihre Zeit nicht primär in Talkshows verbringen.

Es sind sogar Studien ganz ohne NOMessung, erst diese Woche Cole 2018.

Methods: Participants (n = 38) bicycled for 1 h along a Downtown and a Residential designated bicycle route in a randomized crossover trial. Heart rate, power output, particulate matter air pollution (PM10, PM2.5, and PM1) and particle number concentration (PNC) were measured. Lung function, endothelial function (reactive hyperemia index, RHI), C-reactive protein, interleukin-6, and 8-hydroxy-2′-deoxyguanosine were assessed within one hour pre- and post-trial.

“Wenn Du irgendwo einatmest, denke immer daran wo die Luft vorher war”

Das ist zwar nur eine Kurzzeitstudie, aber man könnte bei Radkurieren jederzeit Langzeitstudien machen…

NO2 Effekte von aussen betrachtet (6000 Tote XX)

Sozialstatus und Mortalität (nach RKI Angaben)

Es ist ja schon verblüffend, welchen großen Effekt der Sozialstatus (gemessen am Haushaltseinkommen) auf die Lebenserwartung bzw. Mortalität hat – hier demonstriert an RKI Daten. Was auch immer die Gründe sind – es ist wohl die Kombination verhaltenskorrelierter Risikofaktoren, von billiger Nahrung, Alkohol, Rauchen, sportliche Inaktivität, Übergewicht, Stress durch Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe oder Niedrigeinkommen – ein Teufelskreis.

Mortalitätsstudien, die den Sozialstatus aber nicht auf individueller Ebene berücksichtigen, sind nicht sonderlich beweiskräftig. Schaut man sich die Supplement Tabelle von Cesaroni 2013 an und plottet hier Sozialstatus, dann gibt es hier enorme Effekte für die nur gruppenweise adjustiert wird (da es eine ökologische Studie ist).

ds = data.frame( matrix(
  c(7.4,20.2,23.1,27.3,21.0,
    12.6,17.9,21.2,22.6,27.5,
    17.8,17.9,19.0,20.0,25.6,
    30.9,19.3,19.0,15.6,17.1,
    31.2,24.8,17.7,14.4,8.8),
  nrow=5, ncol=5, byrow = TRUE), 
  stringsAsFactors=FALSE)
names(ds) = c("<37","<43","<46","<50","50+")
ds = cbind(stack(ds),rep( c("1 very high", "2 high", "3 medium", "4 low", "5 very low"), 5))
names(ds) = c("pct","NO2","SES")
fill = c("#5F9EA0", "#E1B378")
ggplot(aes(x=NO2,y=pct, fill=SES), data = ds) + geom_col() + clean_theme(base_size = 25) + scale_fill_brewer()
Auffällig an den Cesaroni 2013 Daten: Der sozioökonomische Status nimmt mehr oder weniger ab in Gegenden mit höheren Verkehrsströmen. Ist das ein Datenfehler?

Das Hautproblem der Umweltepidemiologie auf einen Punkt gebracht: die Evidenz der ganzen ökologischen Studien ist gering.

Die neuesten Meta-Analyse von NO2 und Mortalität ist zum Glück nicht ganz so oberflächlich. Was passiert, wenn man die Studien nach Qualität auftrennt – sprich ob sie individuell adjustieren oder nicht?

Das Ergebnis ist eindeutig: Mit individuelle Adjustierung löst sich der NOEffekt in Luft auf.

Dazu kommt: die Assoziation ist sehr heterogen zwischen den Studien, sprich sie ist nicht reproduzierbar.

Und das ist die neueste Datenbasis, neuer als REVIHHAAP.

NO2 Effekte von innen betrachtet (6000 Tote XIX)

Meine langjährige Ko-Autorin D. Jarvis schrieb vor 20 Jahren

More than half of British homes use gas as their cooking fuel and even a small risk associated with either acute or chronic inhalation of the by-products of gas combustion— such as other nitrogen containing species, formaldehyde, sulphur dioxide and particulates—would have a substantial influence on public health. Surveys have been performed to assess these risks, variably defining exposure by the presence of a gas cooker in the home or by direct measures of related pollutants. Results from these surveys are remarkable by their lack of consistency. While some large and powerful cross sectional studies have found no association of the presence of a gas cooker or level of indoor nitrogen dioxide  with respiratory disease in children, others report an increased risk of lower respiratory illness.

Wir reden dabei über hohe NO2 Werte, hier ein Beispiel aus einer Schweizer Versuchsküche, wo längere Zeit die 100 µg/m3 überschritten werden.

Schauen wir uns also eine europäische Studie dazu an, ebenfalls von D. Jarvis. Hier gab es keine messbaren Effekte bei der Lungenfunktion durch Kochen auf Gas. In der Gruppe der Frauen (die wohl mehr kochen als Männer, zumindest vor 20 Jahren) gibt es auch kein signifikantes Resultat wenngleich gerade ein Effekt sichtbar wird. Sehr heterogene Ergebnisse, Groningen und Cambridge sollten vielleicht besser lüften?

Kochen an sich produziert natürlich auch Emissionen, egal ob elektrisch oder auf Gas gekocht wird.
NO2 alleine kann man den Effekte natürlich nicht zuschreiben, die Essensdämpfe von “fish & chips” in Dublin sind mit den Emissionen von “DDR”-Hausmannskost in Erfurt nicht vergleichbar.

Aber eigentlich suchten wir ja Mortalitätsdaten für “Innenraum” NO2. Irgendwie scheint das Interesse an dieser Frage aber sehr gering zu sein. Das Thema ist wohl nicht so spektakulär, dass man hier täglich Interviews geben könnte.

Die Mortalität bei Köchen zu untersuchen macht wenig Sinn, obwohl sie bei den Berufsgenossenschaften ganz oben in der Statistik liegen: wohl weniger wegen der Messer oder wegen des Feuers, sondern wegen Stress in Verbindung mit Alkohol und Rauchen, sagt jedenfalls Christian Rach, der es wissen muss.

Aber halt, hier ist doch noch eine Studie zur Mortalität, sogar recht neu und in Circulation veröffentlicht.

Cox proportional hazards models revealed an increased risk for all-cause mortality associated with kerosene/diesel use (10-year HR 1.06, 95% CI 1.02-1.10) relative to other fuel uses, in the multivariable-adjusted model. Natural gas burning, relative to other fuel uses, was associated with lower risk for death (10-year HR 0.95, 95% CI 0.91-0.98).

Damit wissen wir aber auch nicht viel mehr, weil nicht Gas- gegen E-Herd verglichen wird. Kerosin oder Diesel ohne Filter verbrennen? Die Autoren diskutieren ihre Ergebnisse damit auch nur als Partikelstudie.

Zusammengefasst: Es gibt epidemiologisch keinen Support für eine isolierte NO2 Gesundheitsschädigung im Bereich unter 100 µg.

Was allerdings nicht dagegen spricht, die cleancookingalliance.org voll zu unterstützen.

Die Anhörung vor der Bundestags Kommission (6000 Tote XVII)

2013 wurde die ESCAPE Studie veröffentlicht (Beelen 2014).  Das Hauptergebnis steht in der Tabelle 4 des Artikels: Es gibt keine signifikante Erhöhung der Mortalität weder durch NO2 (P=0.18) noch durch NOx(P=0.08). Nach Adjustieren für multiples Testen (3 Modelle, 8 Parameter) errechnet sich ein P=1.00 (die alte Signifikanzschranke von P=0.05 aus der vor-Computer-Ära ist im übrigen überholt, empfohlen ist P=0.005, vgl dazu auch Gelman’s M Fehler).

Escape Studie (Beelen 2014)

Im Rahmen des Abgasbetruges wird zwei Jahre darauf eine Bundestagskommission eingesetzt. In der Sachverständigen Anhörung am 8.9.2016 (Stenografie Protokoll, Folien) wird die Grafik oben in gekürzter Form gezeigt, allerdings nur das Modell 3 und ohne Angabe der P-Werte.

In der mündlichen Erklärung wird die Aussage bei 39:29 getroffen, dass der NOx Effekt signifikant gewesen sei. Das ist schlicht falsch und konnte so auch nur durchgehen weil die Irrtumswahrscheinlichkeit von der Originaltabelle entfernt wurde.

Escape Studie (Beelen 2014)

In der zweiten vorgestellten Studie zur Mortalität durch NO(mit NO2 Passivsamplern an 78 Messstellen) fehlt die primäre Aussage der Studie, dass die Mortalität nicht signifikant erhöht war. Für die Hauptrisikofaktoren wie Rauchen konnte nicht individuell adjustiert werden. Signifikant waren die Ergebnisse aber plötzlich nach der Adjustierung für Region, wobei es hier zusätzlich Probleme bei den Plots gab (die nur mit einem Fünftel der Daten produziert wurden, aber dann auch prompt im Widerspruch zu den Tabellen stehen).

Cesaroni 2013

Zu dem war der NO2 Effekt in dem adjustierten Modell verschwindend klein. Per 10 µg/m3 Anstieg war der Koeffizient 0.003. Im Verhältnis dazu ist der Regressionskoeffizienten der Beschäftigung 230fach grösser gewesen. Damit lässt sich keine sinnvolle Regression rechnen, zumal es ohne Adjustierung null Effekt gab.

Die Meta-Analyse – dritte vorgestellte Studie – ist unvollständig, beruht  primär auf der bereits vorgestellten Studie, mischt unzulässigerweise Studien auf ökologischer und individueller Basis und geht nicht auf die signifikante Heterogeneität ein. Wann werden sich auch in der Umweltepidemiologie endlich wissenschaftliche Prinzipien durchsetzen? Hohe Heterogeneität heisst Nichtreproduzierbarkeit heisst Widerlegung.

Faustini 2014

Auch ist mir neu – 4. vorgestellte Studie – dass es einen biologischen NO2 Effekt gibt “der mit einer allergischen Verstärkung konsistent” ist. Bisher kannte ich nur eine Boosterung über Allergene.

Das letzte Review zu dem Thema (Hassoun 2019) fasst den Kenntnisstand zusammen “definitive conclusions cannot be made”.

Der Rest der Präsentation erschöpft sich in Mutmassungen. Ganz offensichtlich war die Kommission auch nicht sonderlich von den Ausführungen beeindruckt, denn in den Bundestagsbericht geht folgende Bewertung ein:

“Wissenschaftliche Ergebnisse ließen … eine gesicherte … Expositions-Wirkungs-Beziehung für Stickoxidemissionen und Erhöhung der Sterblichkeit … nicht zu”.

Verkürzt: kein Beweis für NO2 Exposition und Mortalität. Noch einfacher: Niemand stirbt an NO2.

Diese Anhörung war Mitte 2016.

Ich würde die damalige Darstellung der Epidemiologie als typisches Framing bezeichnen – neutrale Fakten werden in den eigenen wertenden Rahmen gesetzt, in dem wesentliche Information verschwiegen werden, mit irrelevanten Ausschmückungen versehen werden und der entscheidende Punkt (Irrtumswahrscheinlichkeit der ESCAPE Studie) wird absichtlich falsch dargestellt.

Im Jahr 2017 geht dann (trotz der massiven Kritik in der Bundestagsanhörung, zB bei 56:23 oder 1:54:40) ungerührt die neue Studie der 6.000 Toten an das UBA, das sie im Februar 2018 als Sensation veröffentlicht.

Unter Verwendung einer unteren Quantifizierungsgrenze von 10 μg/m3 NO2 wurden für das Jahr 2014 für die kardiovaskuläre Mortalität durch NO2-Langzeitexposition (basierend auf Jahresmittelwerten) 5.966 (95 %-Konfidenzintervall: 2.031 bis 9.893) attributable vorzeitige Todesfälle und 49.726 (16.929 bis 82.456) verlorene Lebensjahre geschätzt.

Verkürzt: 6000 vorzeitige Todesfälle 2014 durch NO2.
Noch einfacher: Tausende Tote durch NO2. 

Was für eine Hybris.

Alternativen zur NO2 Messung (6000 Tote XVI)

Gibt es Alternativen zur NO2 Messung? Ich bin weder Schadstoffchemiker noch Statistiker, finde aber, daß man sich wegen der vielen technischen Probleme bei der Immissionsmessung mehr auf die Emissionsmessung konzentrieren könnte. Die Höhe von Schornsteinen ist ja auch reglementiert.

Jedes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor bläst an einem definierten Ort, bei definierten Verbrauch, bekannter Motorleistung und Abgasfilterung, ein definiertes Schadstoffgemisch aus. Den Schadstoff-Ausstoss kann man in Echtzeit summieren (RDE, “real driving emission”) für eine Strasse, einen Stadtteil, oder eine Stadt. Und wenn man Temperatur, Feuchte und Wind weiss, dann kann man aus der Emission auch die Immission in der Umgebung abschätzen. Denn im Unterschied zu früher sind Fahrzeugbewegungen messbar. Bei manchen PKW ist die Positionsübertragung nicht mal abschaltbar, andere sind über die Smartphone Bewegung sichtbar, und dann gibt es auch noch flächendeckend Mautkameras (wer auf Datenschutz Wert legt, muss sowieso Fahrrad fahren). Ein Grid von Minirechnern an Laternenmasten kann jederzeit die aktuelle Emissionssituation über Kameras ermitteln und an einen zentralen Verkehrsrechner schicken (Karlsruhe wird das wohl nicht erlauben). Oder man macht die Plaketten einfach etwas intelligenter, als nur von grün nach blau, da spricht sicher nichts dagegen.

Entwurf: Maschinenlesbare Umweltplakette (alle Rechte frei gegeben)

Damit könnte man, wie auch beim Klimaschutz, Emissions-Höchstgrenzen für kleinräumige Regionen festlegen und Autofahrer dynamisch nach Fahrten in regionalen Emissionsgebiet zur Kasse bitten. Einen Malus gibt es vor allem für Gegenden, wo viele Menschen wohnen. Also alles was gelb markiert ist auf der UBA Karte von 2016.

Also nicht primär nach Hubraum und Literverbrauch besteuern, sondern danach, wo die Abgase produziert werden.

Wer diesen Vorschlag schräg findet: Ich muss in München auch mehr Haftpflichtversicherung bezahlen als in Fürstenfeldbruck.
Und wer das Verfahren übertrieben findet: Eine City Maut würde es auch tun. London verlangt ab 11,50 Pfund pro Tag für die Einfahrt – also 15 € /Tag für jedes Auto, das sich innerhalb des Mittleren Rings aufhält.

Zu den teuren Mieten in München kämen dann auch noch die höheren Autokosten. Damit wird der weitere Zuzug nach München etwas gebremst, München wird wieder bezahlbarer für alle, die nicht unbedingt ein eigenes Auto fahren wollen. Pendeln geht natürlich weiterhin, wird aber sehr viel teurer werden. Der Mittlere Ring und die A99 werden wieder staufrei, wenn das Fahren dort mehr kostet mit dem Nebeneffekt, dass damit auch Emissionen vermindert werden. Ausweichrouten machen somit auch keinen Sinn, weil sich dann nur das Emissionsgebiet verschiebt. H Kennzeichen? Pendlerpauschale? Fimenwagen Privileg? Rasen ohne Limit? Betrügereien bei den Emissionwerten? Immer grösser, immer schneller ? Luxus aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Das Verursacher Prinzip ist schliesslich auch fair. Den festen Abfall kann man schliesslich auch nicht überall abladen, warum darf man das bei Abgasen? Nach der jahrelangen Fehlinvestition in den motorisierten Individualverkehr wäre es an der Zeit, endlich Alternativen zu schaffen. Das ist allerdings keine wissenschaftliche, sondern eine politische Forderung.

Die Münchner Luft (6000 Tote XV)

Die SZ berichtet heute

– die Luft in der Landeshauptstadt ist besser als bislang gedacht. An 16 von 20 Messstationen ist der gesetzliche Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO₂) eingehalten worden.
– Modellrechnungen hatten bislang prophezeit, dass die Stickoxid-Grenzwerte an 17 von 19 Punkten überschritten werden.

 

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/stickstoffdioxid-messungen-muenchner-luft-ist-besser-als-gedacht-1.4309099
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/stickoxide-soeder-messung-1.4311908

Glückwunsch an die Stadt München, damit wird es keine Fahrverbote geben.

Mein Beileid an die Modellbauer, mal wieder etwas völlig schief gelaufen.

Und mein echtes Beileid an alle Münchner: Die Luft ist weiterhin schlecht (wenn auch besser als der Stachus noch der verkehrsreichste Platz in Europa war): 4x überschritten und 2x nicht angegeben?  Das Langzeit-Mittel von NO2 in gesunder Luft liegt um die 10 μg/m3 NOund nicht bei 40 μg/m3 NO2 , das sollte man nicht vergessen. Höhere Langzeitmittelwerte von NOzeigen zwar eine schlechtere Luftsituation an, 100 μg/m3 ist natürlich schlechter als 10 μg/m3. Aber NOist in dem Konzentrationsbereich 10-1000 nur ein Marker, der nicht isoliert gewertet werden darf.  So verschiebt sich bei Oxidation in der Außenluft das NO/NO2 Verhältnis zu höheren NO2-Anteilen. Isolierte NO2 Werte, wie sie jetzt von der Stadt München herausgegeben, sind in Bezug auf Gesundheitsrisiken nicht besonders relevant und täuschen darüber hinweg, dass die tatsächlichen Emissionen immer noch hoch sind. NO2 schwankt zudem stark zwischen den Jahren. Selbst das UBA sagt, Zitat: “Die Luftqualität unterliegt derzeit mehr oder weniger starken zwischenjährlichen Schwankungen.

Zum Vergleich lese ich hier nochmal meine Daten aus München von 1990 ein. Wer will, kann es selbst nachrechnen.

ds = data.frame( matrix(
c(1,2276,55,22.50,23.00,0.97,42.66,58.00,0.29,3.90,40000,101,2244,32,19.00,30.50,0.86,19.68,50.00,0.42,3.85,43000,102,2275,38,23.00,19.00,1.02,23.47,58.00,0.38,4.75,78000,103,2188,27,18.50,26.50,0.86,23.35,48.00,0.36,3.30,58000,104,2287,39,11.00,35.00,0.76,11.38,54.00,0.39,3.75,41000,105,2262,12,10.00,30.56,0.70,15.63,47.00,0.31,1.97,74000,106,2206,52,9.00,31.50,0.74,16.85,45.00,0.18,2.55,23000,107,2161,47,15.00,27.00,0.83,15.88,53.00,0.38,4.40,22000,108,2136,45,20.00,25.00,1.18,20.76,45.00,0.32,3.96,86000,109,2219,61,8.86,31.71,0.71,14.72,47.00,NA,1.41,13000,110,2133,33,14.00,30.50,0.87,26.32,50.00,0.26,3.20,42000,111,2131,70,7.00,33.00,0.69,12.71,47.00,0.23,3.10,48000,112,2298,56,15.25,25.50,0.91,25.63,47.00,0.24,2.90,97000,113,2279,53,8.67,29.67,0.53,17.49,48.00,0.19,2.30,25000,114,2173,24,11.00,27.50,0.75,20.08,41.00,0.29,2.47,62000,115,2165,26,28.00,21.00,1.11,54.08,49.00,0.27,2.65,42000,116,2139,10,10.20,24.00,0.59,21.55,42.00,0.24,1.80,30000,117,2166,10,11.33,26.00,0.73,18.64,48.00,0.24,1.49,30000,118,2162,7,9.00,25.50,0.73,16.34,52.00,NA,1.28,34000,119,2214,3,8.18,29.64,0.62,13.17,52.00,NA,1.87,54000,120,2277,4,10.57,25.57,0.72,18.50,46.00,NA,1.11,42000,121,2226,14,NA,NA,NA,NA,49.00,NA,1.44,23000,122,2207,11,10.00,34.00,0.81,17.70,56.00,NA,1.49,21000,123,2236,5,5.00,37.00,0.42,12.78,44.00,0.27,1.67,15000,124,2299,117,8.00,29.00,0.51,15.05,51.00,NA,1.24,34000,125,2234,21,12.00,31.50,0.58,19.13,38.00,0.29,1.57,37000,126,2208,30,10.00,24.00,0.92,17.61,53.00,0.37,3.40,23000,127,2246,98,15.33,23.33,0.89,27.95,62.00,NA,2.18,42000,128,2184,97,10.50,32.00,0.82,21.52,52.00,NA,1.83,48000,129,2237,102,7.00,32.00,0.49,19.67,49.00,NA,1.83,20000,130,2220,106,11.00,29.00,1.01,19.13,50.00,NA,1.47,19000,131,2285,105,11.67,24.67,0.70,24.34,50.00,NA,1.31,19000,132,2182,104,10.40,29.80,0.67,20.25,46.00,NA,1.07,9000,133,2212,96,13.00,27.50,0.59,27.01,39.00,NA,2.20,55000,134,2240,41,14.00,24.00,0.82,26.04,40.00,0.23,2.68,7000,201,2192,42,16.00,27.00,0.90,36.38,60.00,0.35,4.80,70000,202,2020,9,8.40,30.60,0.56,15.37,43.00,0.28,2.32,54000,203,2200,114,22.00,19.00,1.28,42.86,43.00,NA,3.20,99000,204,2266,20,7.00,30.00,0.75,10.84,44.00,0.29,2.60,56000,205,2197,NA,NA,NA,NA,NA,NA,NA,NA,NA,206,2223,44,16.00,28.00,0.65,28.28,46.00,0.31,3.50,22000,207,2138,29,15.00,22.00,1.13,28.79,54.00,0.25,3.10,34000,208,2282,36,11.00,28.00,0.72,22.32,46.00,0.27,3.10,17000,209,2265,17,9.50,29.00,0.67,17.84,41.00,0.28,1.99,41000,210,2183,23,14.25,24.75,0.80,27.55,45.00,0.23,2.27,72000,211,2295,13,9.00,31.00,0.57,17.82,49.00,NA,1.06,23000,212,2127,113,11.00,21.50,0.66,22.76,47.00,0.28,3.10,98000,213,2171,116,8.00,23.00,0.63,11.89,43.00,0.17,3.20,99000,214,2134,28,9.33,28.33,0.66,16.19,40.00,0.20,2.14,37000,215,2150,89,16.50,25.00,0.67,32.54,43.00,NA,3.11,32000,216,2284,82,15.00,22.50,0.83,32.21,46.00,0.24,3.03,113000,217,2217,109,15.00,20.00,0.74,30.02,47.00,0.30,3.70,105000,218,2167,90,12.50,23.50,0.98,24.06,37.00,NA,2.25,55000,219,2143,87,15.50,22.00,0.91,32.16,54.00,NA,2.35,54000,220,2243,83,12.67,26.67,0.83,23.12,39.00,0.24,2.27,17000,221,2228,93,12.00,23.00,0.70,24.61,55.00,NA,1.89,25000,222,2148,62,12.00,24.67,0.61,21.69,38.00,0.26,3.00,30000,223,2253,103,8.83,34.00,0.62,15.31,43.00,NA,1.07,44000,224,2235,66,19.00,20.00,1.06,37.33,47.00,0.23,3.05,92000,225,2280,94,11.00,25.00,0.62,20.68,63.00,NA,2.71,54000,226,2140,63,13.00,30.00,0.68,23.37,48.00,0.26,3.30,119000,227,2257,108,13.00,27.00,0.70,30.21,66.00,NA,3.62,96000,228,2186,92,17.00,20.00,0.77,32.86,55.00,NA,3.53,96000,229,2145,95,11.00,25.00,0.58,22.91,56.00,NA,3.53,11000,230,2251,77,19.00,30.50,1.08,19.38,50.00,0.30,3.35,44000,231,2204,101,15.00,29.00,0.75,27.78,54.00,NA,1.95,26000,232,2152,60,14.00,29.00,0.64,14.85,49.00,0.26,3.63,103000,233,2224,76,12.00,25.00,0.75,23.49,49.00,0.18,2.65,46000,234,2255,48,11.00,39.00,0.55,11.23,55.00,0.31,4.30,22000,235,2225,58,24.50,22.00,1.30,34.16,52.00,0.38,3.80,125000,236,2216,74,11.25,29.00,0.75,20.99,47.00,0.24,2.90,47000,237,2444,64,10.67,28.67,0.69,18.14,47.00,0.25,2.80,39000,238,2156,57,7.00,36.00,0.47,14.73,48.00,0.17,2.17,10000,239,2189,86,12.00,23.00,0.63,24.27,56.00,NA,1.87,48000,240,2248,46,11.00,32.33,0.77,16.92,47.00,0.27,3.15,91000,241,2160,91,10.43,29.43,0.73,19.18,45.00,NA,1.41,11000,301,2209,112,18.50,18.50,1.29,35.13,57.00,0.29,3.90,40000,302,2169,40,35.00,18.00,1.71,74.93,56.00,0.39,4.30,40000,303,2292,80,10.00,22.00,0.61,16.78,43.00,0.22,2.63,60000,304,2254,54,20.00,23.00,1.14,27.69,58.00,0.26,4.85,70000,305,2187,72,12.33,29.00,0.76,24.46,47.00,0.22,3.30,125000,306,2213,73,12.67,21.00,0.75,29.03,41.00,0.22,2.85,113000,307,2180,110,15.67,21.00,0.96,29.39,45.00,0.26,2.85,92000,308,2202,111,19.00,16.00,1.20,37.14,52.00,0.27,3.70,36000,309,2193,68,12.80,25.60,0.64,25.64,39.00,0.20,2.33,19000,310,2149,88,14.00,28.00,1.01,20.31,54.00,NA,4.02,45000,311,2194,75,13.00,25.00,0.62,28.08,43.00,0.27,3.10,113000,312,2300,107,15.00,23.00,0.86,32.18,66.00,NA,3.32,96000,313,2264,111,20.00,19.00,1.00,46.56,52.00,0.27,3.70,33000,314,2154,78,11.50,21.50,0.64,25.51,48.00,0.30,3.67,105000,315,2176,84,17.00,18.00,0.77,17.31,52.00,0.30,4.10,44000,316,2301,99,11.00,19.00,0.63,24.74,58.00,NA,3.53,53000,317,2271,65,8.00,34.00,0.58,14.00,43.00,0.20,2.27,19000,318,2164,67,8.50,31.00,0.74,18.32,45.00,0.20,2.35,16000,319,2170,19,9.80,30.40,0.63,16.45,47.00,0.26,2.58,51000,320,2222,85,9.50,30.00,0.64,19.61,54.00,NA,2.39,29000,321,2230,51,10.00,43.00,0.67,17.63,47.00,NA,2.05,10000,322,2268,79,11.00,35.00,0.57,20.64,50.00,0.30,3.54,41000,323,2198,43,9.00,26.67,0.70,16.13,49.00,0.26,3.13,34000,324,2196,69,19.50,26.00,0.99,19.91,50.00,0.23,3.00,125000,325,2141,35,9.00,31.00,0.92,17.24,47.00,0.25,1.90,37000,326,2242,25,12.80,25.80,0.85,28.59,51.00,0.27,2.75,33000,327,2273,34,10.00,33.00,0.57,10.04,46.00,0.29,3.80,86000,328,2260,37,22.00,23.00,1.14,22.95,51.00,0.31,3.80,41000,329,2151,50,9.00,31.00,0.85,9.25,56.00,0.40,4.65,40000,330,2159,100,9.67,26.67,0.68,21.02,53.00,NA,1.89,30000,331,2129,59,7.00,32.00,0.91,12.33,51.00,0.39,3.50,102000,332,2294,49,9.00,32.00,0.81,15.01,44.00,NA,1.27,7000,333,2288,71,14.00,25.00,0.65,14.84,50.00,0.26,3.20,18000,334,2259,118,14.00,27.00,0.61,27.03,51.00,NA,1.02,17000,335,2283,115,14.00,26.33,0.64,29.39,42.00,0.19,3.00,99000,336,2179,22,18.00,22.00,0.88,18.19,44.00,0.34,2.70,97000,337,2158,18,11.50,25.00,0.72,20.14,43.00,0.27,2.60,70000,338,2178,6,NA,NA,NA,NA,51.00,NA,1.05,13000,339,2210,15,NA,NA,NA,NA,47.00,0.26,2.55,16000,340,2229,8,13.00,34.00,0.74,23.98,48.00,0.30,2.80,16000,341,2245,31,14.00,22.00,0.90,27.83,44.00,0.30,3.20,50000,342,2227,16,9.00,28.00,0.57,16.75,47.00,0.27,2.80,31000),
nrow=118, ncol=11, byrow = TRUE), stringsAsFactors=FALSE)
names(ds) = c("SCHULE","ID","SPRENGEL","BENZOL","OZON","CNHM","TOLUOL","NO2","PB","CO","CarsPassing24h")
ggplot(ds, aes(x=CarsPassing24h, y=NO2)) + geom_point(color="blue", size=3) + geom_smooth(method='lm',se=FALSE) + xlim(0,125000) + ylim(35,70) + clean_theme(base_size = 25) + labs( title="Munich 1989/90 by school district", x="cars passing district in 24h", y = expression(NO["2"]) )

NO ging in den letzten 30 Jahren deutlich herunter. Die Werte lagen 1990 praktisch alle noch über 40 μg/m3 NO2.

München 1990: Korrelation von NO2 mit Kfz Duchfahrten pro 24 Stunden nach Schulbezirk. Quelle Wjst 1993 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1678953/

In den historischen Münchendaten gibt es keine Korrelation von NOzu Verkehrszahlen – der Grund warum ich die Auswertung damals mit Verkehrsdaten und nicht mit NOgemacht habe.

München 1990: Korrelation weiterer Luftschadstoff Messwerte mit Kfz Duchfahrten pro 24 Stunden nach Schulbezirk. Praktisch alle weiteren Schadstoffe zeigen eine bessere Korrelation zum Verkehr als NO2., Partikeldaten gab  es 1990  noch nicht. Quelle Wjst 1993 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1678953/

Interessehalber noch eine statistische Analyse (PCA) des Schadstoffgemisches.

rownames(ds) = ds[,1]
ds = ds[,-(1:3)]
p = autoplot(prcomp( na.omit(ds)), colour='CarsPassing24h',shape = FALSE, label.size = 10) + clean_theme(base_size = 25, legend.position="none") + scale_color_gradient(low="green", high="red")
München 1990: Korrelation weiterer Luftschadstoff Messwerte mit Kfz Duchfahrten pro 24 Stunden nach Schulbezirk.

Die Zahlen geben den Schulbezirk an, niedrige KFZ Belastung ist grün, hohe ist rot. Verkehr lässt sich also perfekt mit dem Schadstoffgemisch (PC1) beschreiben.

Bei NOist das nicht möglich. Die Unterschiede von (background) NO zwischen Stadt und Land sind zwar messbar, geben aber keine regionale Auflösung in einem, sagen wir 10 km Grid her.  Die NOMessung hängt sehr vom Messort ab, ist hoch volatil durch Wetter, Klima und v.a. Wind beeinflusst, dazu in dem unteren Messbereich auch toxikologisch nicht relevant. Die NOWerte eignen sich also nicht zur Entwarnung vor Gesundheitsrisiken, aber auch nicht zu Aussperrung von Dieselfahrzeugen (seit 1990 ging die NOEmission um mehr als 50% zurück, ich bin nicht ganz sicher, wie der Plot heute ausfallen würde, ich vermute aber nicht sehr unterschiedlich).

Wie soll die Politik einen solchen Sachverhalt verstehen, den viele Wissenschaftler nicht verstehen? Nach meiner Einschätzung ist das politische Ziel sinnlos, einen isolierten Schadstoffmarker zu senken. Mit weniger NOin der Luft wird allenfalls eine Korrelation beeinflusst, aber nicht das Gesundheitsrisiko. So war es gerade wieder bei einer großen Studie in London.  Als Arzt behandelt man ja auch nicht nur einen Laborwert, sondern einen Menschen.

(wird fort gesetzt)

Wissenschaftsjournalismus (6000 Tote XIV)

Nachdem zu Beginn der Diskussion die FAZ Wissenschaftsredaktion  Öl ins Feuer gegossen hat, versucht sich nun Nina Weber an einer Schadensbegrenzung.

Eine logischen Dekonstruktion könnte in der Tat helfen, leider macht auch Frau Weber den Fehler, Feinstaub und Stickoxide in der Diskussion nicht zu trennen. Aber tun wir mal nun so, als würden wir nur über Feinstaub reden. Hier die beiden Aussagen

Gesundheitsschädliche Effekte von Luftschadstoffen sind sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei Patienten mit verschiedenen Grunderkrankungen gut untersucht und belegt.

Stimmt.

Lungenärzte sehen in ihren Praxen und Kliniken diese (durch Zigarettenrauch bedingte) Todesfälle an COPD und Lungenkrebs täglich; jedoch Tote durch Feinstaub und NOx, auch bei sorgfältiger Anamnese, nie.

Stimmt.

Die epidemiologische Untersuchung in Aussage 1 hat mit der klinischen Untersuchung in 2. das Objekt, nämlich die Toten gemeinsam (sagen wir 100.000 im ersten Fall und 100 im zweiten Fall). Nicht gemeinsam ist die Methode. Nicht gemeinsam ist der Schluss, der daraus gezogen wird.

In konträrem Gegensatz stehen in der Logik zwei Aussagen gegenüber, die sich gegenseitig ausschließen, jedoch einen gemeinsamen übergeordneten Gattungsbegriff besitzen. Es gibt zwar hier einen gemeinsamen übergeordneten Gattungsbegriff, womit die Aussagen konträr wären. Bei genauerem Hinsehen widersprechen sie sich aber nicht. Mit der Anamnese bei ein paar Todesfällen kann der Arzt in Schmallenberg das niedrige Risiko nicht erkennen. Allerdings heisst das aber nicht, dass es dieses Risiko nicht gibt, denn er hat keine Methode, ein Risiko zu erkennen, das erst bei 101 Personen zu erkennen gewesen wäre.

Aussage 2 ist also nicht die Negation von Aussage 1. Die Konjunktion ist richtig: sowohl Aussage 1 als auch Aussage 2 ist richtig.

Auf Deutsch, hier reden zwei Menschen aneinander vorbei.

(Abseits von der Logik, gibt es noch mehr Unterschiede, zum Beispiel aus psychologischer Sicht. Aussage 1 ist mehr der Wissenschaft und Abstraktion zuzuorden, Aussage 2 mehr der praktischer Erfahrung. Eine Typologiefrage also, wer nun welcher Aussage primär zuneigt. Und auch politisch gibt es Unterschiede: Der “gesunde Menschenverstand” der Aussage 2 fällt mehr in die Kategorie “das muss man doch mal sagen dürfen”, die vor allem im rechten Spektrum bedient wird).

(Logik für Fortgeschrittene: Auch Aussage 1 beruht auf Modellannahmen und nicht der Wirklichkeit. Was ist dabei “gut” – einem Begriff aus der Ethik? Aussage 2 zu Rauchen beruht auf der geschmähten Methode von Aussage 1, siehe British Doctors Study).

Kommen wir zu Frau Weber zurück: Was sie im Spiegel mit false balance als Erklärungsmodell will, ist gut gemeint. Nur leider bedeutet der Begriff etwas ganz anderes:

False balance, also bothsidesism, is a media bias in which journalists present an issue as being more balanced between opposing viewpoints than the evidence supports. Journalists may present evidence and arguments out of proportion to the actual evidence for each side, or may omit information that would establish one side’s claims as baseless.

“False balance” ist also ein Medienbias, bei dem Journalisten parteiisch sind, nicht objektiv berichten. Also Meta-ebene, nicht Objekt-ebene. Der Spiegel Artikel ist damit selbst zu einem unfreiwilligen Beispiel von “false balance” geworden.

Zurück zum Thema. Wir haben  also zwei richtige Aussagen. Bleibt die Frage: Sind die Aussagen überhaupt relevant? Das darf jetzt jeder selbst entscheiden.

Zur Logik des NO2 (6000 Tote XIII)

Ein sinnfreier Titel. Das sei aber erlaubt in der aktuellen sinnlosen und kontraproduktiven Diskussion.

Herr Köhler hat auf die widersprüchliche Einschätzung des NO2 Effektes im Innenraum und im Aussenraum aufmerksam gemacht. Und in der Tat sagt das UBA zum Innenraum (7. Sitzung des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR) am 03. und 04. Mai 2018 in Berlin)

Für eine Ableitung von Langzeitrichtwerten für NO2 in der Innenraumluft liegen aus Sicht des AIR zurzeit keine hinreichend belastbaren epidemiologischen Ergebnisse für NO2 als Einzelsubstanz vor. Im Unterschied zu den Kurzzeitstudien ließ sich aus den Langzeitstudien angesichts der erheblichen Unsicherheiten bzgl. der Expositionsabschätzung und bzgl. der Einflüsse diverser Confounder keine LO(A)EC ermitteln. Aufgrund der Datenlücken kam der AIR überein, von der Festsetzung von Langzeitrichtwerten für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft abzusehen. Zur Ableitung eines Kurzzeitrichtwertes II für NO2 in der Innenraumluft geht der AIR von einer LOEC von 0,5 mg NO2/m3 bei Personen mit leichtem Asthma aus. Relevanter gesundheitlicher Endpunkt bei diesen Personen ist eine erhöhte Reagibilität und Entzündung der Atemwege.

Für die permanent hohe Langzeitbelastung im Haushalt z.B. durch Kochen oder Heizung lässt sich also kein erhöhtes Risiko beschreiben.

Für dieselbe permanent hohe Langzeitbelastung im Aussenraum kann man es dann aber doch.

Wo bleibt da die Logik?

Das UBA weiss das im übrigen schon (siehe heise.de, focus.de, umweltbundesamt.de), redet aber die Unterschiede klein mit freiwilliger-unfreiwilliger Exposition (Quatsch: wir atmen immer  unfreiwillig egal ob drinnen oder draussen), besonders empfindlichen Menschen wie Kinder, Schwangere, Ältere, Asthma (die Konzentration schadet immer egal ob innen oder draussen eingeatmet) oder Kurzzeit vs Langzeitexposition (auch Quatsch, denn im Innenraum verbringt man mehr Zeit als im Aussenraum).

Einige Epidemiologen haben heute ein Papier zu ihrer Verteidigung auf den Weg gebracht  “Die Rolle der Luftschadstoffe für die Gesundheit. Eine Expertise im Namen der Internationalen Gesellschaft für Umweltepidemiologie (ISEE) und der European Respiratory Society (ERS)”, das an den Umweltausschuss des Bundestages geschickt wurde. Ist die Epidemiologie so wenig souverän, dass sie sich nun substantiell verteidigen muss?

Eigentlich verfehlt das Papier komplett das Thema , denn es geht nicht um den Sinn epidemiologischer Studien “an sich”, sondern um die 6000 NOToten. Und bei dieser Studie

  1. gibt es einen klaren Widerspruch zu den Innenraumstudien (der Innenraum selbst bleibt völlig unberücksichtigt)
  2. wird ein isolierter Marker herausgezogen, der nur Teil eines Stoffgemisches ist
  3. ist ein ökologischer Fehlschluss wahrscheinlich durch diverse Confounder
  4. ergibt sich ein Bias durch selektive Auswertung neuerer Studien
  5. sowie ein Bias durch das selektiven Reporting der Ergebnisse

was zu einem verlorenen Vertrauen in die wissenschaftliche Unabhängigkeit geführt hat.

Die Argumentation, es gibt keinen sicheren unteren Grenzwert für NO2, weil ich keinen nachweisen kann – heisst doch noch lange nicht, dass es ihn nicht gibt. Es gibt allenfalls keine epidemiologische Methode mit der ich ihn erkennen kann – derselbe Denkfehler wie bei Köhler, der noch keine Tote durch Feinstaub gesehen hat.

Leider steht dazu überhaupt nichts in der “Expertise”. Es steht darin auch nichts mehr von den 6000 NOToten – sie werden still und heimlich begraben.

Und noch etwas fällt auf: Toxikologische Erkenntnisse zu NO2 werden als Beweis für die Schädlichkeit des Gases genommen, obwohl es in dem fraglichen Konzentrationsbereich von 40 μg/m3 NO2 gerade keine toxikologischen Erkenntnisse gibt. Es fehlt die integrative Sicht der Schadstoffe was selbst die WHO 2015 bemängelt

Few existing studies have considered two or more pollutant models, but experts emphasized that, particularly in the context of long-term exposure, the fact that NO2 may represent other constituents in the mixture of traffic-related air pollutants needs to be addressed when reviewing the evidence.

sondern nur Einzelaufzählungen. Auch werden die unterschiedlichen Studientypen weiterhin nicht nach Evidenz gewichtet.

“Wahrscheinlich kausal” ist in meiner Lesart “nicht kausal” und erinnert an den Witz von “ein bisschen schwanger”.

Die NO2 Hauptquelle im Verkehr sind die Dieselfahrzeuge,  das ist unstrittig. Diesel haben aber den Vorteil eines geringeren Verbrauchs, den Vorteil des geringerem CO2 Ausstosses und den Vorteil geringerer Partikelproduktion. Mit dem Aussperren der Diesel sind sogar höhere NO2 und Partikelwerte möglich, wenn Diesel nun gegen hochmotorisiertere Benzinmotoren getauscht werden. Dann wäre die Aussperrung mehr oder weniger wirkungslos bezogen auf die NO2 Hintergrundbelastung.

Der NO2 Streit ist also völlig sinnlos, beschädigt die beteiligten Wissenschaftler und die Umwelt obendrein.

Nur die Autoindustrie profitiert davon, denn von deren Betrug redet nun niemand mehr.

Die echten Toten (6000 Tote XII)

Vergangene Woche hatte eine Klimaschutz-Arbeitsgruppe der Bundesregierung eine Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen empfohlen, daraufhin zeigten sich schnell die seit Jahren etablierten Lager. Verkehrsminister Andreas Scheuer findet, ein solches Verbot sei „gegen jeden Menschenverstand”.

Prompt konnte man dann auch wieder von einer “autobahnbedingten Persönlichkeitsspaltung” (Kuzmany) lesen.

Denn es gibt Studien zu dem Thema. Nicht Ergebnisse einer tumben Hochrechnung, sondern empirische Daten von einem 62 Kilometer langer Abschnitt der A24 zwischen Wittstock und Havelland, auf dem bis Dezember 2002 noch kein Tempolimit bestand. Danach wurde eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h eingeführt, worauf sich die Zahl der Unfälle  stark reduzierte.

Auf unbegrenzten Streckenabschnitten wurden mittlere Pkw-Geschwindigkeiten von 137 km/h (4-streifig) bzw. 142 km/h (6-streifig) berechnet. Liegt eine Geschwindigkeitsbegrenzung vor, sinken die Geschwindigkeiten auf mittlere 127/132 km/h bei 130 km/h Höchstgeschwindigkeit bzw. 117/122 km/h bei 120 km/h mittlere Höchstgeschwindigkeit ab.

Die Reduzierung der mittleren Geschwindigkeit war dabei nicht sehr hoch, die Auswirkung auf die Unfälle aber drastisch.

Leider sind die Unfälle nicht weiter aufgeschlüsselt. Aber das sind echte Tote: