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Platon. Politikos. Pro Panmixie. Contra Crispr Cas.

Platon in Politikos 310

GAST: Die Sittsamen und Bescheidenen suchen wiederum ihre Gemütsart, heiraten soviel es sich tun lässt, nur von solchen, und geben auch ihre Töchter wiederum nur an solche zu Frauen. Ebenso macht es auch das tapfere Geschlecht, und geht seiner Natur nach, während beide hiervon ganz das Gegenteil tun sollten.

DER JÜNGERE SOKRATES: Wie und weshalb?

GAST: Weil die Tapferkeit, wenn sie viele Geschlechter hindurch, ohne sich mit der besonnenen Natur vermischt zu haben, wieder erzeugt wird, anfänglich zwar sich durch Kräftigkeit hervortut,  am Ende aber ganz in Tollheiten ausschlägt.

DER JÜNGERE SOKRATES: Wahrscheinlich.

GAST: Und wiederum die schamhafte Seele, wenn sie sich, unvermischt mit tapferem Wagemut, viele Geschlechter hindurch fortpflanzt, muss träger werden als recht ist, und damit verkümmert endigen.

DER JÜNGERE SOKRATES: Auch das wird sich wahrscheinlich so ereignen.

GAST: Diese Bande nun, sagte ich, wären gar nicht schwer zu knüpfen, wenn nur über das Schöne und Gute beide dieselben Vorstellungen hätten. Denn dies ist die Aufgabe jener königlichen Zusammenwebung, dass sie niemals die besonnene und die tapfere Gemütsart sich voneinander trennen lasse..

COVID19 Testzentren oder reicht ein COVID19 Selbsttest?

Bei einer Radtour von München nach Berlin Ende Juni 2021 habe ich wegen einschlägiger Vorschriften für Hotels und Campingplätze fast täglich ein neues Testzentrum gesucht. Bei den insgesamt 7 Schnelltests gab es dabei in jedem Bundesland andere Regelungen – einmal durfte ein Test nur 24h alt sein, dann 72h oder es gab wie in Berlin überhaupt keine Testpflicht mehr. An einer Rezeption bekam ich selbst ein Testkit in die Hand gedrückt — vermutlich war das der einzige Abstrich der technisch korrekt war (eine Ausnahme abgesehen). Einmal sollte ich an dem Stäbchen lutschen, zweimal wurde nur die vordere Nasenhöhle abgestrichen, zweimal die Tonsillen; einmal war es nur eine kurze Schleimhautberührung, einmal wurde mir fast ein Loch in die Rachenhinterwand gebohrt.

 

Nürnberg eurofins 21Dx Zentrum 25.6.2021: Das Zentrum ist besonders gut in Erinnerung geblieben weil  es im Nieselregen im Freien 5 Anläufe gebraucht hat auf einem Handy eine Webseite auszufüllen, die für ein Ipad aber nicht Iphone konstruiert war. Leider fiel dann auch noch der Webserver aus, so dass  mich der Test mit Umweg und Wartezeit fast 2 Stunden gekostet hat.
Berlin Kreuzberg Tarons Teststation 2.7.21 Die letzte und superfreundliche Teststation. Im übrigen waren alle Tests negativ was nach Impfung und AHA Regeln auch zu erwarten war.

Das Argument für die Testzentren war (trotz der Betrusanfälligkeit), man hätte sonst Tests nicht flächendeckend ausrollen können.

Ich glaube das stimmt nicht. Schnelltests sind alle mit Barcode versehen, damit eindeutig registrier- und zuordenbar auch als Selbsttest. So funktioniert auch die Tiroler Methode, wo auf einer Webseite der selbst durchgeführte Test eingetragen und damit entwertet wird.

Screenshot 16.7.2021 https://selbsttest.tirol/register

Vorteile der Tiroler Methode:  so vertrauenswürdig wie die Testzentren, leichter überprüfbar ob überhaupt durchgeführt, zentral auswertbar und technisch auch nicht schlechter als die Testzentrum dafür aber immense Kosteneinsparung. Dazu kommt die Zeitersparnis für die Testperson,  den sicherlich besseren Datenschutz sowie keine zusätzliche Infektionsgefahr durch  Testzentren.

Kritik gibt es aus der Opposition. Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckhardt spricht unter anderem von “Missmanagement”. Von der Linken heißt es, die Zentren seien zu “hastig” und “schlampig” eingeführt worden.

Der Kritik schliesse ich mich an.

 

False dichotomies

“The false dichotomy between private interest and public good” by https://www.nuffieldbioethics.org/blog

‘Good’ and ‘public benefit’ are subjective concepts and will vary according to individual perceptions and context. Private and public interest are inevitably intertwined and pitting them against each other creates a false dichotomy. For example, if patients cease to trust their clinicians or more broadly the NHS, public good will suffer. Furthermore, extensive exploration of public attitudes towards sharing medical data has found that people approve in general for their data to be used for medical research and for ‘good causes’, whether environmental, social or medical, but they do not approve of their data to be used for commercial purposes or for powerful companies to profit at society’s expense.

WHO and miasma theory

Coming from asthma and air pollution research I have supported aerosol research and mask wearing during the COVID-19 pandemic long before the WHO.

 

But wait there is an historical background for the dumb hand washing videos of Maria Van Kerkhove.  WIRED has the interesting story that goes far back into history.

Part of medical rhetoric is understanding why certain ideas take hold and others don’t. So as spring turned to summer, Randall started to investigate how Wells’ contemporaries perceived him. That’s how she found the writings of Alexander Langmuir, the influential chief epidemiologist of the newly established CDC. Like his peers, Langmuir had been brought up in the Gospel of Personal Cleanliness, an obsession that made handwashing the bedrock of US public health policy. He seemed to view Wells’ ideas about airborne transmission as retrograde, seeing in them a slide back toward an ancient, irrational terror of bad air—the “miasma theory” that had prevailed for centuries. Langmuir dismissed them as little more than “interesting theoretical points.”

translated into German 15/06/2021 republik.ch

Anonyme Wissenschaft

Gute Wissenschaft hängt nicht generell davon ab, ob sie mit einer bestimmten Person verknüpft werden kann – Sachverhalte sollte ja eigentlich objektiv reproduzierbar sein (auch wenn Wissenschaftsfunktionäre das anders sehen).

Interessant ist jedenfalls was  ein neues Journal nun erlaubt: die anonyme Veröffentlichung.

Cut to 180 years later, and philosophers are again asserting the right to publish under made-up names. But these philosophers, it seems, want to use pseudonyms to do the very thing Kierkegaard accused his contemporaries of doing: abstracting authors out of ethical reality … An “open access, peer-reviewed, interdisciplinary journal specifically created to promote free inquiry on controversial topics,” it will give authors the option to publish their work under a pseudonym “in order to protect themselves from threats to their careers or physical safety.”

In der Tat, nicht alle wissenschaftliche Erkenntnis kann unter gegebenen politischen Verhältnissen veröffentlicht werden. Es wird jedenfalls spannend werden

Pseudonymity is not an inherently bad thing. Apart from focusing the reader on the argument rather than the author, it can, in many cases, give a say to people who could otherwise not participate in public discourse.

Corona Leugner II. Grades

Frei nach dem Wahlspruch von Corona Leugner I. Grades Stefan Homburg (“sind ja nur Zahlen”) sagt nun auch Göran Kauermann “wir wussten von Anfang an: Dies ist eine Pandemie der Zahlen. Daher haben wir uns als Statistiker*innen quasi ‘dienstverpflichtet’ gefühlt”.

LMU Experte zu NoCovid

Schauen wir uns also den Sachverhalt an nachdem die Aussagen zu den Schulöffnungen nun überall gedruckt wurden (Merkur, Welt, Spiegel, Ruhr, MÄA).

Aus statistisch-epidemiologischer Sicht ist es nicht richtig, die Schulen wie in Bayern ab einem Inzidenzwert von 100 zu schließen. Unsere Analysen zeigen klar, dass offene Schulen sogar zur Pandemiebekämpfung beitragen, solange dort verpflichtend und dicht getestet wird.

BILD Experte

Während des Höhepunkt einer weiteren Welle einer weltweiten Pandemie soll es nun nicht sinnvoll gewesen sein, Schulen zu schliessen? Mit der aberwitzigen Begründung, Schulen seien Testzentren??

Es galt  in Bayern während des Analysezeitraums die Freitagsregel, dass nach LGL Angaben freitags zum Beispiel vom 9.4.21 die Schulen am Montag nur mit Tests öffnen durften, wenn die 7 Tages Inzidenz unter 100/100,000 lag. Damit haben wir aber jede Woche andere Schulen, die aufmachen oder geschlossen werden. Neben Wechselunterricht gab es Ausnahmen bei Prüfungsklassen oder Betreuungsangeboten was eine nachträgliche Bewertung sehr erschwert. Offensichtlich ging auch bei positivem Test EINES Schülers nicht immer die GANZE Klasse in Quarantäne.

Die Datenqualität ist also extrem niedrig, schauen wir sie uns aus gegebenem Anlass trotzdem an.

(klicken zur Vollansicht) Graue Linie Verlauf bei geschlossenen Schulen wegen hoher Inzidenz und rote Linie Verlauf bei offenen Schulen. Rekonstruktion der Landkreise. 12.4.21 ist der erste Tag nach den Osterferien. Ab 19.4. sind fast alle Schulen wieder zu bis auf 4 von 96 Landkreisen. Die offenen Schulen beruhen also auf sehr wenigen Beobachtungen und sind damit nur begrenzt als Referenz geeignet. Eine lineare Interpolation beider Verläufe zeigt  denselbem Rückgang der Inzidenz. Die willkürllich gesetzte Grenze von 100/100000 bei Schulschliessungen ist also im Bereich hoher Infektionsraten und lässt sich mit Minderung auf die Gesamtinzidenz nicht begründen.

 

Damit nun noch einmal dieselbe Auswertung für die Altersgruppe 5-14 Jahre (die einzig passende Altersgruppen in den RKI Daten).

(klicken zur Vollansicht) Graue Linie Verlauf bei geschlossenen Schulen wegen hoher Inzidenz und rote Linie Verlauf bei offenen Schulen. Rekonstruktion der Landkreise. 12.4.21 ist der erste Tag nach den Osterferien. Ab 19.4. sind fast alle Schulen wieder geschlossen Ähnlicher Kurvenverlauf. aber nicht signifikanter höherer Anstieg (durch geringere Dunkelziffer) in den offenen Schulen, Dafür gibt es  jedoch höhere Inzidenz in dieser Altersgruppe nach permanenter Öffnung am Ende der Beobachtungsperiode. Die inzidenzberechnung ist nur eine Näherung da RKI die Altergruppe 5-14 aber DESTATIS 6-15 Jahre zur Verfügung stellt.

 

Die willkürliche Grenze von 100/100,000 ist zu hoch gewählt (der Abfall der Inzidenz kommt schliesslich mit oder ohne Schulschliessung) da wir längst in einem “supramaximalen Bereich” sind. Und ohne Zweifel tragen die offenen Schulen auch zur Weiterverbreitung bei und zwar mehr als die geschlossenen Schulen. Wo liegt nun die Fehlinterpretation von Kauermann et al. ?

Der Bericht CODAG 10 sagt schon (und CODAG 14 bezieht sich ja ebenfalls auf die Vorwoche)

Als Analysemodell benutzen wir ein sogenanntes autoregressives Poissonmodell. Dabei betrachten wir für jede Altersgruppe getrennt die Inzidenzen in der aktuellen Woche und versuchen diese aus den Inzidenzen der eigenen und aller anderen Altersgruppe aus der Vorwoche vorherzusagen. Hierzu ziehen wir Daten auf Kreisebene heran, sprich wir analysieren in den jeweiligen Kreisen, inwieweit die Inzidenzen der Vorwoche das aktuelle Infektionsgeschehen beeinflussen. Grundsätzlich muss bei dieser autoregressiven Analyse angemerkt werden, dass sie Zusammenhänge des Infektionsgeschehens untersucht aber keine kausalen Schlüsse zur Infektionskette zulässt.

Kausale Schlüsse sind in der Tat unmöglich. Damit wäre das Review hier zu Ende, wären in dem SPIEGEL Interview nicht Sätze gefallen wie “Schulen sind aber, so wie es schon oft gesagt wurde, nicht die Treiber der Pandemie”.

Ein autoregressives Modell ist jedenfalls wenig sinnvoll, wenn ein Großteil der Infektionen – sprich die Inzidenz der Vorwoche – nicht bekannt ist. Dunkelziffer, Tagesgang, Verlagerung in andere Altersgruppen, B117 Ausbreitungsmodus, Dispersion oder politischen Massnahmen: es gibt zuviel unbekannte Einflüsse. Leider fehlt auch jede Form der Cross Validierung (an zurückgehaltenen Daten) – die Modelle werden einfach apodiktisch in Raum gestellt. Die Dunkelziffern hat es nun mal an sich dass sie nicht bekannt ist und wirklich hilfreich ist es auch nicht, Datenpunkte einzukringeln – was schon Manipulation grenzt.

Wirklich verzerrend wird es aber dann in  CODAG 14

  • da der jeweilige Bezug immer nur auf die Vorwoche nicht sinnvoll ist, weil er die Änderungen über die Zeit verschleiert
  • Wo ist denn hier eine 4fache Anzahl in der ersten Schulwoche?
  • Das ist im übrigen auch keine Alterskohorte, sondern eine Altersgruppe die sich zudem jede Woche ändert.
  • Daten werden nur wochenweise gezeigt, obwohl wir doch eine tageweise Auflösung haben, also eine unzulässige Reduktion
  • Wie kann der Effekt einer Schulöffnung mit der Nachbeobachtung von nur 1 Woche überhaupt analysiert werden? Die Inzidenz am Freitag reicht nicht aus, um alle Bestätigung PCRs zu erfassen.
  • Dazu wurden Kreisen mit Inzidenz über 200  ausgeschlossen. Warum? Weil es so besser zur Story passte?
  • Warum reden wir überhaupt über PDFs auf irgendeiner Webseite und nicht über eine wissenschaftliche Veröffentlichung?

Und was ist das überhaupt für eine unethische Betrachtungsweise, die Ansteckungen bei Kindern (Long covid, PIMS) so zynisch zu kalkulieren?

Solange die [durch Schulöffnung hervorgerufene] Infektionen keine Ausbrüche mit mehr als drei Ansteckungen nach sich ziehen, ist der epidemiologische Nutzen …  größer, als das epidemiologische Risiko, das von falsch-negativ getesteten Schülern ausgeht.

Über die statistische Auswertungsstrategie kann man sicher streiten.  Es ist aber eine Grenzüberschreitung, als Statistiker ohne  Background in der Epidemiologie viraler Erkrankungen politische Massnahmen zur Infektionseindämmung zu bewerten. Es ist eben mehr Überlegung dahinter als nur ein paar Routinedaten und ein statistisches Standardmodell.

Bei einem positiven Schnelltest eines Schülers wird aktuell in den meisten Regionen weder die restliche Klasse in vorübergehende Quarantäne geschickt (bis das PCR Ergebnis vorliegt) noch werden die Eltern der andern Schüler informiert. Selbst bei einem bestätigten Fall hat dies keine einheitliche Konsequenz, sondern es findet weiterhin Präsenzunterricht statt. Ein Aufdecken von sonst unerkannten Fällen hat aber nur Sinn wenn danach eine vollständige Nachverfolgung mit Quarantäne auch in Schulen stattfindet. Und damit trägt der Schulbesuch mit Tests nur in geringem Ausmass zur Infektvermeidung bei sondern führt eher zur weiteren Verbreitung. Das könnte man im übrigen auch in Studien testen wenn es jemand wirklich interessieren würde.

Das Problem der Coronaepidemie ist nicht nur die staatliche Unfähigkeit wissenschaftliche Studien zu koordinieren, es ist auch die Pseudowissenschaft  und die vielen Nonsense Studien. Noch nie zuvor gab es in der Geschichte der Wissenschaft so viele Retractions wie während der Corona Pandemie.

https://skepticalscience.com/translationblog.php?n=4706&l=6&s=09&

Many papers serve no purpose, advance no agenda, may not be correct, make no sense, and are poorly read

which is quote from Vinay Prasad in a new Atlantic article 

Many papers serve no purpose, advance no agenda, may not be correct, make no sense, and are poorly read. But they are required for promotion

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