Archiv der Kategorie: Allergy

Translationale Forschung

Im aktuellen Laborjournal steht ein phänomenal guter Artikel zur translationalen Forschung “Von Maus zu Mensch durch das Tal des Todes

Die Translation von Ergebnissen der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung klappt nicht besonders gut. Dabei ließen sich einige schwache Glieder der Translationskette sehr leicht ersetzen. Dumm nur, dass die neuen Glieder leider nicht so recht in unser akademisches Karriere- und Fördersystem passen würden.

Tolle, lege!

Mundschutz und nicht nur Face Shield

Thread

/1 Wenn auch noch nicht bei der WHO, so setzt sich doch beim CDC die Meinung durch, dass Mund-Nasenschutz zusammen mit anderen Massnahmen die Pandemie stoppen könnte nhttps://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768532

/2 Das ist auch einleuchtend, nachdem 139 Kunden eines Friseursalons geschützt waren obwohl sie von zwei erkrankten Friseuren bedient wurden die eine “Maske” getragen haben. https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/69/wr/mm6928e2.htm?s_cid=mm6928e2_w

3/ Faceshields sind gut als Spritzschutz bei grösseren Tröpfchen, während nur community, chirurgische und N95 Masken Aerosol zurückhalten https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31142-9

4/ Aerosole sind Schwebeteilchen in der Luft, die mit Virus beladen sein können http://doi.org/10.1056/NEJMc2007942 Sie entstehen NICHT im Kehlkopf (da muss die aerosolhaltige Luft lediglich beim Reden und Singen durchgepresst werden). Aerosol entsteht in den Lungenbläschen (Alveolen).

5/ Die 300 Millionen Alveolen sind mit Surfactant, einer gallertigen Schutzschicht bedeckt https://de.wikipedia.org/wiki/Surfactant.

6/ Wenn die Alveolen durch die Zug des Zwerchfells nach unten beim Einatmen aufgedehnt werden, reisst der Surfactantfilm ein. An den Einrissen lösen sich Zell- und Surfactant Bestandteile ab, die als Aerosol in den Ausatemstrom gelangen.

7/ Je tiefer man/frau einatmet, desto mehr Aerosol entsteht. Der Ausatmungsdruck ist dabei weniger entscheidend, sondern die Tiefe der Einatmung http://www.doi.org/10.1089/jamp.2008.0720

8/ Virus-Surfactant-Aerosol erklärt die Ansteckung bei Massenevents mit Singen und lautem Rufen https://www.nature.com/articles/s41598-019-38808-z Die Surfactant produzierenden Zellen sind nämlich genau die Zellen die den Virusrezeptor tragen https://doi.org/10.1016/j.cell.2020.05.042

8/ In kalter Luft wird Surfactant spröde und reisst leichter ein http://dx.doi.org/10.1016/j.chemphyslip.2014.09.002 Das erklärt die erhöhte Ansteckungsrate im Winter. Es erklärt auch die höhere Ansteckung im Sommer in klimatisierten Schlachtereien oder stark klimatisierten Autos, Büros und Wohnungen.

9/ 237 Wissenschaftler und Ärzte haben deshalb nun eine Aerosolwarnung herausgegeben https://www.nature.com/articles/d41586-020-02058-1

10/ Aerosolverneblung wird durch Masken verringert https://doi.org/10.1126/science.abc6197 wobei Lüften und HEPA Filter das restliche Aerosol entfernen können.

11/ Faceshields sind nur als Zusatz, nicht als Ersatz brauchbar https://www.thelocal.ch/20200715/only-those-with-plastic-visors-were-infected-swiss-government-warns-against-face-shields

12/ Banksy Bonus Link zu Masken

13/ Nochmal kurz zusammengefasst https://www.covid19reopen.com/risk-index

HiPP, HiPP, kein hurra

Eine Pressemitteilung des Bundesverbandes aller Verbraucherzentralen weist auf ein Urteil des Landgerichts München I hin:

Erfolg gegen irreführende Werbung bei Nahrung für Kleinkinder: Das Landgericht München I hat einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Hipp GmbH & Co. Vertrieb KG Recht gegeben. Demnach sind mehrdeutige Werbeaussagen zum angeblichen Vitamin D- und Calciumbedarf von Kindern bei Milchersatzprodukten untersagt. „Verbraucherinnen und Verbraucher müssen bei Lebensmitteln für Kleinkinder darauf vertrauen können, dass die Unternehmen besonders verantwortungsbewusst handeln. Dazu gehören klare und deutliche Informationen über Vitamine und Nährstoffe“, sagt Susanne Einsiedler, Rechtsreferentin beim vzbv. „Eltern sollten nicht den Eindruck bekommen, dass bestimmte Produkte nötig sind, damit ihr Kind ausreichend versorgt wird. Kinder über einem Jahr brauchen in der Regel keine speziellen Lebensmittel“.

Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, gehe ich noch einen Schritt weiter, es braucht überhaupt keinen Vitamin D Zusatz in der Säuglingsmilch, auch nicht in der Anfangsmilch, es wird längst zuviel direkt supplementiert.

Hipp Werbung zu Vitamin D, die erst am 14.7.2020 von https://shop.hipp.de/hipp-kindermilch-combiotikr-1-600g-2588.html gelöscht wurde

Der Vitamin D Hype schadet mehr, als dass er nützt. Orales Vitamin D kann zu späteren Allergien führen, auch wenn Fachgesellschaften die Vitamin D Supplementierung aus Tradition weiterhin unkritisch sehen.

Es ist ja ein lustiger Experte, dieser Dr. med Jürgen Hower, den HiPP da auf der Webseite in einem “Interview” präsentiert neben der hauseigenen Wissenschaftlerin. Seine wissenschaftliche Leistung in der Endokrinologie besteht darin, bei Kindern in seiner Gemeinschaftspraxis Vitamin D Spiegel bestimmt zu haben. Ansonsten vermarktet er mit Vitamin D gepanschte Schokolade als “Dr. Chococo”.

Nichts Neues also unter der Sonne – ich erinnere mich an Aktenberge im Bundesarchiv Berlin, in denen sich einschlägige Geschäftemacher schon vor 80 Jahren einen jahrelangen Streit mit den Behörden lieferten.

Nothing is definitive

Some congress organizers believe that they can predict the future. So does Cezmi Akdis (Editor-in-Chief of Allergy since 2018) who has been sending out an email this week explaining the future.

And here is – just for the records – the Twitter channel of Eric Topol today

Is this really an invitation to attendees from the US?

After all the Paul R. Vogt letters? While Christian Althaus, another Swiss epidemiologist warns today about a resurgence?

 

Unfortunately, even antibody response doesn’t seem to be stable

This is a unique demonstration of poor science in allergy research. Or is the “invitation” just showing the Davos congress money-making scheme  just like the  Ischgl Après Ski Bar?

Why Pubmed is going into the false direction

I think, the new Pubmed layout isn’t too bad. But there is a remarkable difference how papers are being displayed right now, if you compare the old (legacy) version of Pubmed and the new layout using exactly the same search query.

old Version: sorted by publication date, newest first
new version, sorted by “best match”

I fear the new sort order will let a lot of scientists just take the “best match” as their main reference – also known as Matthew effect. The NLM support wrote to me

Thank you for writing to the help desk. The default sort order is Best Match to help users find relevant citations quickly. If you would like to change how results are sorted, please use the Display Options button (located in the top right corner). If you change the “sort by” option, your new selection will be active for subsequent searches until browser data and cookies are cleared. For more information about sorting your results, please see: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/help/#sort-results.

I believe that 90% of all Pubmed users will go for the standard setting.

Alte Freunde, neue Feinde – Gegendarstellung

O-Ton: “In dieser ersten Studie, die wir gemacht hatten, hatten wir einen Stadt-Land Vergleich. Wir haben München verglichen und die Umgebung. Und wir haben gesehen, dass, äm, in dieser allerersten Studie, das stärkste Signal war, dass wenn einer mit Holz und Kohle heizt, aber nicht im Sinn eines Risikos, sondern im Sinn eines Schutzes. Und das haben wir nicht verstanden.”
Sprecher: “Schliesslich erwähnte ein Schularzt beiläufig, dass er noch nie ein Bauernkind mit Asthma gesehen habe und brachte sie damit auf die richtige Spur.”

Gegendarstellung

Es ist nicht die erste Studie die ich gemacht habe und es ist auch nicht die erste Studie von Frau von Mutius. Wenn hier dennoch die Asthma- und Allergiestudie 1989 gemeint ist, dann halte ich dazu fest

  1. Bei der Schuluntersuchung fiel uns als Team (Sabine Braun, Annette Fuger und mir) auf, dass es in den kleinen ländlichen Orten im Ostallgäu mit viel Bauernhöfen nur wenig positive Prickteste in den Schulen gab.
  2. Frau von Mutius war nur am Rand mit der Studie befasst. Organisation, Durchführung und Auswertung lag bei uns beziehungsweise den Kollegen am damaligen gsf Forschungszentrum (Peter Reitmeir, Andrea Wulff u.a.) während Frau von Mutius mit klinischer Tätigkeit, Facharzt Weiterbildung, Organisation der Studie in München und einer Dissertation über rheumatische Erkrankungen ausgelastet war.
  3. Der Zusammenhang mit der Heizung beruhte nicht auf einem Stadt-Land Vergleich, sondern war nur in Oberbayern zu sehen.
  4. Und natürlich haben wir auch erklärt, dass der (statistische Zusammenhang) mit der Heizung nur in den Orten auftrat, wo sehr viel Landwirtschaft war.
  5. Von einem Schutz zu reden ist übertrieben – es war lediglich eine negative Assoziation.
  6. Ich habe nie gesagt, dass ich noch kein Bauernkind mit Asthma und Allergien gesehen habe. Natürlich haben auch Kinder auf Bauernhöfen Asthma und Allergien.
  7. Mehr oder weniger zeitgleich zu unserer Beobachtung im Dezember 1989 in Bayern wurde die Beobachtung der Bauernhöfe auch aus der Schweiz berichtet (Gassen-Bachmann. Allergie und Umwelt. Allergologie 1989; 12:492-502).
  8. 30 Jahre später ist der Bauernhof Effekt nicht verstanden, auch wenn bisher eine Vielzahl von Erklärungen verbreitet wurden.
  9. Alternative Forschungsansätze (Healthy Worker Effect, Vitamin D Supplementierung, Wurmerkrankungen, etc.) wurden bisher komplett ignoriert und nur auf einen Ansatz (“Hygiene-Hypothese”) fokussiert-
  10. Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein einfacher Selektionsbias [1, 2]

The bullshit asymmetry principle

Really, did not know that, but agree immediately to the fact, that the amount of energy required to refute bullshit is an order of magnitude bigger than to produce it.

The kinds of people who bullshit are more likely to be the kinds of people who misrepresent evidence, avoid correcting their errors, and intimidate dissenters, so at some point the people who could shoot down the bullshit might decide it’s not worth the trouble: Why bother fight bullshit if the bullshitters are going to turn around and personally attack you? From this standpoint, once bullshit becomes “too big to fail,” it can stay around forever.

The bullshit asymmetry principle

Eine Million Corona Grafiken

Es ist schon phänomenal wieviel Millionen Diagramme und Grafiken jeden Tag erzeugt und konsumiert werden.

Ausser dem was ich in der letzten Woche für einen Artikel in dem “Gesundheitswesen” produziert habe, ist meine wichtigste Grafik wohl der Verlauf der R(t) Werte in Deutschland.

Sie zeigt unmissverständlich, ganz ohne big data, dass ein bestimmter Wertes zu einem bestimmten Zeitpunkt (und womöglich ein Streit über die richtige Berechnung) sich eigentlich erübrigt.

Obwohl die Pandemie weltweit abläuft, ist sie doch ein regionales Geschehen, das regional eingegrenzt werden muss. Jedes regionale Aufflammen kann – bei fehlender Immunität – jederzeit wieder zu einem Grossfeuer werden.

 

 

 

New England Journal of Medicine Retractions

Retraction Watch says on Jan 30, 2020 that

Until yesterday the New England Journal of Medicine had retracted only 24 papers. Now that tally is 25.

While the retracted paper has been cited 190 times, here are inaccuracies in a NEJM paper that has been cited 1961 times. Full details are at PubPeer.

FIG 2C
FIG 1A

Is it justified to speak of a “protective” effect just by a  negative association?

In addition to the problems with the math, I don’t get the point – farming should be leading to a generally reduced capacity for numerous pleiotropic cytokines?

There are even reports that LPS induces TH2 dependent senstization – exactly the opposite of what this paper wants us to believe with soem cryptic smoother run over a heterogenous population.

Staatliche Milchwerbung (2 von 2)

Als Alternative zu der staatlichen geförderten Milchwerbung (siehe Teil 1), lohnt es sich, das neue Review von Willett und Ludwig  anzusehen (NEJM 13.2.2020), das Milch ebenfalls auf Gesundheitseffekte untersucht. Der Artikel – von dem wohl bekanntesten Ernährungsepidemiologen der Welt verfasst – kommt zu ganz anderen Aussagen als die staatliche bayrische Milchwerbung.

Wachstum und Entwicklung. Um die Milchproduktion anzukurbeln wurden Tiere gezüchtet, die mehr anabole Hormone und vor allem höhere IGF-1 Spiegel haben. Dazu sind die Muttertiere meist schwanger und haben hohe Progesteron und Östrogenspiegel. In der Summe führt das übr die Milch bei Kindern zu einem vermehrten Grössenwachstum. Leider wird damit aber auch der mTOR Pathway aktiviert, der Zellteilung fördert und damit nicht nur Krebs, sondern auch Schenkelhalsfrakturen und Lungenembolien begünstigt.

Knochenbrüche. Auch wenn die Korrelation mit den Frakturen nicht unbedingt kausal sein muss, so ist der Zusammenhang von wenig Milchtrinken und wenig Frakturen doch gesichert.

Übergewicht. Hier gibt es keine belegten Zusammenhänge.

Blutdruck, Blutfett, KHK. Der relativ hohe Kaliumgehalt der Milch liess vermuten, dass damit der Blutdruck gesenkt werden kann. Leider konnte das nicht gezeigt werden, dagegen scheint Milchtrinken LDL zu erhöhen was seinerseits wieder ein Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit ist. Allerdigs gibt es keinen nachgewiesenen Zusammenhang mit der Häufigkeit von Herzinfarkten oder Schlaganfällen.

Diabetes. Hier sieht es gemischt aus: mehr Antikörper bei Typ 1 Diabetes, weniger Typ2 Diabetes.

Krebs. Sollte man vielleicht wörtlich zitieren (siehe auch 1.) um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen:

In international comparisons, consumption of dairy products is strongly correlated with rates of breast cancer, prostate cancer, and other cancers […] In prospective cohort studies, milk consumption is most consistently associated with a greater risk of prostate cancer, especially aggressive or fatal forms, but not with a greater risk of breast cancer. Total dairy intake has been associated with a greater risk of endometrial cancer, particularly among post- menopausal women who are not receiving hormone therapy, a finding possibly related to the sex-hormone content of dairy products. […] In contrast, in meta-analyses and pooled analyses of primary data, milk consumption was inversely associated with the risk of colorectal cancer, potentially owing to its high calcium content.

Der geringer Vorteil bei Darmkrebs, wird mit einem hohen Krebsrisiko  vieler anderer Organe erkauft.

Allergien. Auch hier am besten wörtliches Zitat:

Scattered reports suggest that milk consumption may exacerbate atopic tendencies, conferring a predisposition to asthma, eczema, and food allergies. Over a period of 10 years, infants with a family history of atopy who were randomly assigned to receive hydrolyzed protein formula had a lower risk of any allergic disease and of eczema than did infants who were randomly assigned to receive cow’s milk. […] Beyond childhood, cow’s milk may precipitate asthmatic exacerbations and related conditions.

Auch wenn ich nicht an den protektiven Effekt hydroysierter Formulanahrungen glaube, so würde es ohne Milch auch keine Milchallergie geben.

Wichtig ist ein weiterer Punkt, den die bayrische Milchwebrung komplett unterschlägt, 5-10x mal mehr Treibhausgase, Wasserverbrauch und Antibiotika Resistenzen.

The effects of dairy production, particularly industrial-scale production, on greenhouse gas production and climate change, water use and pollution, and antibiotic resistance are large — potentially 5 to 10 times greater per unit of protein than the effects from production of soy foods, other legumes, and most grains.

Kein Freispruch!

“what a shit-show life-sciences have (at least partially) become”

quoting another blog from my current reading list

an application specialist …  gave a day of training on qPCR applications in general and these instruments specifically. The scientist got to a point in her presentation where she was describing frequent errors and pitfalls in qPCR methods for quantitating gene expression, and she gave about 10 different examples that started out “I visited this one lab, and upon discussing their workflow with them it turned out they were making huge error such-and-such.” At this point, I raised my hand and asked for her honest estimation of how much confidence she places in qPCR or RT-PCR data that appear in standard journals. She paused for a few seconds and then tentatively admitted “maybe 25%.”

Fake pictures and paper mills

There is an increasing awareness of faked scientific papers, not just in predatory journals but also renowned publishing companies like Wiley, Karger, Elsevier. Even German Spiegel reported now on that based on an excellent article by@schneiderleonid that is itself based on work of Indigofera Tanganyikensis, @MicrobiomDigest, @SmutClyde, and many others.

In China, clinicians are expected to publish a certain number of research papers in international journals if they want to be promoted. The easiest way is to pay a paper mill, which seem to provide a full service: an English-speaking research paper containing Photoshop-generated fake research data, in a respectable peer-reviewed journal, with your name on it.

identified by https://twitter.com/MicrobiomDigest/status/1219525169288368133
identified by https://twitter.com/MicrobiomDigest/status/1219525169288368133

The big problem is the move now from isolated ghostwriters to big paper mills:

We have also witnessed the submission of identical template‐style manuscripts to multiple journals at the same time, presumably to increase the likelihood that the manuscript will be accepted. This practice could greatly amplify the burden of paper mill manuscripts on journals and peer reviewers. A high‐throughput approach to manuscript generation in the absence of experimentation could also result in paper mill manuscripts and publications presenting with features that are rarely found in genuine manuscripts.