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Kriterien nachhaltiger Wissenschaft

Im letzten CCC Vortrag über Deep Learning war auch ein interessantes Slide zu sehen, das wissenschaftliche Nachhaltigkeit auf sechs Kriterien basiert

  • Relevanz
  • Wiederholbarkeit/Replikation
  • Wiederverwendbarkeit/Ressourcenteilung
  • Konkurrenzfähigkeit
  • Systematik
  • Aussagekraft

Das Thema nachhaltige Wissenschaft scheint mehr aus dem Bereich Klima und Umwelt zu stammen, geht aber weit darüber hinaus vor allem wenn sich die Nachhaltigkeit auf die Wissenschaft selbst bezieht, Wissenschaft also gleichzeitig Subjekt und Objekt ist. Continue reading Kriterien nachhaltiger Wissenschaft

Ich gehöre zu den 96%

Axel Bojanowski “Journalisten im Klimakrieg” zitiert Stephan Russ-Mohl “Immer dieselben Wissenschaftler am Mikrofon”, der wiederum Mike Schäfer zitiert

Seinen Zählungen zufolge sind es immer dieselben wenigen Wissenschaftler, die in den Massenmedien vorkommen. Die überwältigende Mehrheit der Professoren, rund 96 Prozent, erhält so gut wie keine Medienaufmerksamkeit. Ihre Abwesenheit sorgt für Verzerrung, denn in die Öffentlichkeit drängen nicht unbedingt jene Gelehrten mit ausgleichendem Gemüt. Vielmehr sind es häufig Forscher mit Sendungsbewusstsein oder Karriereinstinkt, die mit starken Thesen den journalistischen Opportunismus füttern.

Audiatur et altera pars?

Moralisierung wissenschaftlicher Konflikte bietet den Vorteil, dass sie die Auseinandersetzung erspart – mit dem Bösen redet man nicht, über das Gute lässt sich nicht verhandeln. Soziologen sprechen von der “Noble Cause Corruption”, wenn für die Überzeugung von als wichtig empfundenen Zielen Dinge verschwiegen werden, die die eigene Argumentation schwächen könnten.

What is a predatory journal?

Nature reports a new definition for predatory journals

Predatory journals and publishers are entities that prioritize self-interest at the expense of scholarship and are characterized by false or misleading information, deviation from best editorial and publication practices, a lack of transparency, and/or the use of aggressive and indiscriminate solicitation practices.

This definition is much broader than I would have expected.

Smaller scientific societies prioritize of course their self-interest and even middle and top tier journals occasionally provide misleading information.

There is also a lack of transparency whenever an anonymous referee or editor decides on your paper without any explanation (or justification (as happened to me this morning. “Lack of space” is ridiculous in the internet age).

So what is a predatory journal? I can’t put the answer into one sentence without annoying also serious journals.

And there is already some considerable literature on the inner workings of true predatory journals. I would there suggest for for a scoring system, for example

  • publication costs >1000€
  • turn around time <4 weeks
  • less than 3 experienced referees

and many more details as specified in the Nature report sums up to a predatory likelihood.  All journals passing a threshold, should be officially listed as “predatory”.

Wissenschaftsphilosophie ist für die Wissenschaftler ähnlich nützlich wie die Ornithologie für die Vögel

Ein alter FAZ Artikel Forschung über Wahrheiten hatte genau diese Feynman Zitat. Und machen wir uns nichts vor: Eigenartiger vergessen Wissenschaftler ganz schnell ihr Methodenarsenal wenn es um sie selbst geht…

Die Rolle der Philosophen kann dabei nur so weit normativ sein, als dass sie zu kritischer erkenntnistheoretischer Reflexion beitragen. „Die normative Rolle kann nicht sein, den Wissenschaftlern zu sagen: so solltet ihr arbeiten, denn das wäre anmaßend. Vielmehr ist interessant, die Forscher dazu zu bringen, darüber zu reflektieren, was sie tun.“ Philosophen können dabei helfen, Betriebsblindheiten der wissenschaftlichen Praxis aufzudecken, genau wie andersherum Wissenschaftler naive Sichtweisen der Philosophen entkräften können.

Bonus Systeme in der Wissenschaft

Schon immer gab es Belohnungs- und Bonussysteme in der Wissenschaft – materielle Anreize (Gehalt, Bonuszahlungen) aber auch immaterielle Zuwendungen (Aufmerksamkeit, Ehrungen). Dabei ist es ja eines der grössten Privilegien überhaupt, mit eigener Vorstellung, Wissenschaft zu betreiben. Warum dann diese Anreize? Und warum einzelne Wissenschaftler besonders herausheben wo vieles nur noch im Team geht? So zu tun, als sei ihre Arbeit mehr wert als die anderer? Selbst wenn sie überhaupt nicht (mehr) mehr leisten, allenfalls ihr Institut? Sowohl was Intelligenz als auch was Motivation angeht, spielt sich hier sowieso alles im oberen Drittel der Gaußverteilung ab, von einigen extremen Outliern abgesehen, die einfach Naturtalente sind.

Robert Merton (1910-2003) hat sich schon 1968 darüber Gedanken gemacht “The Matthew effect in science: The reward and communication systems of science are considered“.

Der Effekt geht zurück auf das Gleichnis der anvertrauten Talente Silbergeld in Mt 25, 29. Drei Angestellte erhalten 5, 2 oder 1 Talent Silber (also bis zu 500.000€) und vermehren beziehungsweise bewahren das Silber auf, mit der Pointe Continue reading Bonus Systeme in der Wissenschaft

Ach je, Herr Urban

500 Jahre nach Martin Luthers Reformation hat sich die evangelische Kirche davon verabschiedet, auch Kirche der Aufklärung zu sein. Sie ist zum bloßen Sozialverein geworden, gefangen in einem archaischen Weltbild. Das Sagen haben zunehmend die antiintellektuellen, bildungsfeindlichen Fundamentalisten. Diese nehmen die Bibel wörtlich und missachten die Erkenntnisse der Wissenschaften einschließlich der Theologie. Ein fundamentalistischer Glaube provoziert heute weltweit in allen Religionen Intoleranz und Gewalt.
Martin Urban, Ach Gott, die Kirche! Protestantischer Fundamentalismus und 500 Jahre Reformation, dtv premium, 270 S., 14,90 €.

Urban, ehemaliger Wissenschaftsredakteur der süddeutschen Zeitung, arbeitet in seinem neuen Buch “Ach Gott, die Kirche” die Ressentiments gegen sein evangelisches Elternhaus ab. Seine Hauptthese: Im evangelischen Kirchenleben kommen Ergebnisse von historisch-kritischer Theologie nicht vor, wissenschaftliche Erkenntnisse spielen nur noch eine nachrangige Rolle, die Kirche wehrt sich nicht ausreichend gegen ihren politisch rechten, fundamentalistischen Flügel.

Auch wenn man die Kritik an den Konservativen teilen kann, so ist die Argumentation doch völlig verunglückt.  Fundamentalisten sind nahezu immun gegen externe  Kritik,  allenfalls durch systemimmanente subversive Rückfragen zu erreichen, wie es  Hubert Schleicher in einem wunderbaren Buch vorführt. Und allen anderen evangelischen Christen? Zumindest den kirchenfernen Mitgliedern wirft Urban damit das Austrittsformular in den Briefkasten. Continue reading Ach je, Herr Urban

Forschung aus fairer Produktion

Davon habe ich heute das erste mal gelesen und zwar auf dem academics.de blog der auf einen ZEIT Artikel vom 15.3. zurückgeht

Hans-Jochen Schiewer hat eine lange Ausbildung genossen. Inklusive Schulzeit dauerte sie vier Jahrzehnte. An der Uni musste er sich auf einem halben Dutzend Stationen mit befristeten Verträgen bewähren. Als er endlich seine erste feste Stelle erhielt, eine Professur für Germanistik, war der Dauerazubi grau an den Schläfen und 46 Jahre alt.
Heute ist Hans-Jochen Schiewer fast weiß auf dem Kopf und selbst Chef einer dieser seltsamen Arbeitgeber namens Hochschule. Seine eigene Ochsentour hat der Rektor der Universität Freiburg nicht vergessen. Es könne nicht angehen, dass “die Universitäten ihren Nachwuchs bis Anfang vierzig in Unsicherheit und Unselbstständigkeit halten”, kritisiert Schiewer heute.

Der Marsch durch die Institutionen hat 1967 begonnen. Wenn ich rechne, dann hatten die Studenten 1967 schon die ersten 15 der 40 Jahre hinter sich. Dann hätten sie eigentlich kurz nach der Jahrtausendwende ankommen sollen. Es sind aber offensichtlich nun erst die Babyboomer, die den Millenials ein besseres Leben ermöglichen wollen, yea, yea.

Why we are addicted to science

This is a question that has neither a quick nor a simple answer. Spontaneously, I would not talk about the challenge but the reward system included. Maybe the addiction question ( and it is indeed an addiction for some people ) can be answered by analogy of a much simpler experiment using the “Candy Crush Saga” app that works extensively with audiovisual rewards. Even time.com is now writing about this app and identifies 9 key issues: Continue reading Why we are addicted to science

Science delusion

It is a bit annoying. If you google for science delusion, you are only referred to Sheldrake. But this is not what I wanted, I was more interested in mad scientists.  Not Frankenstein,  not Moreau not Dr. Faustus not any literary character, some more real life figures. Also not Venter. But here comes something interesting

In 1951, entomologist Jay Traver published in the Proceedings of the Entomological Society of Washington [Traver, J. (1951). Unusual scalp dermatitis in humans caused by the mite, dermatophagoides (Acarina, epidermoptidae). Proceedings of the Entomological Society of Washington, 53(1), 1-25.] her personal experiences with a mite infestation of her scalp that resisted all treatment and was undetectable to anyone other than herself. Traver is recognized as having suffered from Delusory Parasitosis: her paper shows her to be a textbook case of the condition. The Traver paper is unique in the scientific literature in that its conclusions may be based on data that was unconsciously fabricated by the author’s mind.

The author ( Matan Shelomi, Mad Scientist: The Unique Case of a Published Delusion Matan Shelomi, Sci Eng Ethics (2013) 19:381-388) believes that a possible retraction of the 1951 paper raises the issue of discrimination against the mentally ill –  others may consider this as delusionary correctness.

A Science career should not be like a Mastermind game

You do an experiment or a clinical study and you are the code braker not knowing the peg positions and colors ( set by a code maker ).

The codebreaker tries to guess the pattern, in both order and color, within twelve (or ten, or eight) turns. Each guess is made by placing a row of code pegs on the decoding board. Once placed, the codemaker provides feedback by placing from zero to four key pegs in the small holes of the row with the guess. Continue reading A Science career should not be like a Mastermind game

Scientist lost their way

LA Times’ Michael Hiltzik reports yesterday

Researchers are rewarded for splashy findings, not for double-checking accuracy. So many scientists looking for cures to diseases have been building on ideas that aren’t even true.

A few years ago, scientists at the Thousand Oaks biotech firm Amgen set out to double-check the results of 53 landmark papers in their fields of cancer research and blood biology.
The idea was to make sure that research on which Amgen was spending millions of development dollars still held up. They figured that a few of the studies would fail the test — that the original results couldn’t be reproduced because the findings were especially novel or described fresh therapeutic approaches.
But what they found was startling: Of the 53 landmark papers, only six could be proved valid.

I can confirm that finding.

Nämlich wenn Sie erfinden

Wann Wissenschaftler kreativ sind? Vasari schreibt über die Entstehung Leonardo da Vinci’s Abendmahl (letzte Woche war ich in Mailand und natürlich auch in der Santa Maria della Grazie)

Leonardo kannte den klaren Verstand und den Takt des Fürsten, und deshalb entschloss er sich, mit ihm über die Sache ausführlich zu reden, was er mit dem Prior nie getan hatte. Er äußerte sich weitläufig über die Kunst und machte anschaulich, daß erhabene Geister bisweilen am meisten schaffen, wenn sie am wenigsten arbeiten, nämlich wenn sie erfinden und vollkommene Ideen ausbilden.

Nach der Meinung eines Universalgenies ist also etwas wichtig, das im lieben langen Wissenschaftstag nicht vor kommt?