Schlagwort-Archive: misconduct

Vorbildlicher Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten

Mittlerweile gibt es Checklisten, wie wissenschaftliches Fehlverhalten schon frühzeitig beim Review erkannt werden kann. Wie gehen Institutionen aber mit bereits zurückliegendem Fehlverhalten um? Allgemeine Richtlinien gibt es bei der DFG, aber wie sieht das Vorgehen praktisch aus? An einem Leibnitz Zentrum ist in mühsamer persönlicher Erfahrung ein Leitfaden entwickelt worden, der anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen eine Hilfe sein kann [link]. Er bestätigt unter anderem, dass es um so schwieriger ist, Fehlverhalten zu ahnden, je höher in der Hierarchie jemand bereits aufgestiegen ist. Stefan Ehlers:

Die Ahndung wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei unbefristet angestellten Gruppenleiter/innen oder gar Beamt/innen erfolgt häufig jedoch durch „Rügen“ oder „Abmahnungen“ oder Geldbußen unterschiedlicher Höhe. Dies ist zwar dem derzeitigen Vertragsrecht bzw. Beamtenrecht geschuldet: bei letzterem sind für eine Enthebung aus dem Amt quasi strafrechtlich relevante Tatbestände Voraussetzung (und hierbei handelt es sich bei wissenschaftlichen Fehlverhalten ohne unmittelbar bezifferbaren wirtschaftlichen Schaden meist nicht).

Das stimmt obwohl es erste Anzeichen gibt daß sich das ändern wird.

The reason for retraction

Having a discussion recently with the editor of a small journal, I think it is worth to repeat that withdrawal of a paper is not always a sign of deliberate fraud as it could be just an honest error.  Science had an analysis last year of the retractiondatabase that clearly showed the relationship.

https://www.sciencemag.org/news/2018/10/what-massive-database-retracted-papers-reveals-about-science-publishing-s-death-penalty

What is a predatory journal?

Nature reports a new definition for predatory journals

Predatory journals and publishers are entities that prioritize self-interest at the expense of scholarship and are characterized by false or misleading information, deviation from best editorial and publication practices, a lack of transparency, and/or the use of aggressive and indiscriminate solicitation practices.

This definition is much broader than I would have expected.

Smaller scientific societies prioritize of course their self-interest and even middle and top tier journals occasionally provide misleading information.

There is also a lack of transparency whenever an anonymous referee or editor decides on your paper without any explanation (or justification (as happened to me this morning. “Lack of space” is ridiculous in the internet age).

So what is a predatory journal? I can’t put the answer into one sentence without annoying also serious journals.

And there is already some considerable literature on the inner workings of true predatory journals. I would there suggest for for a scoring system, for example

  • publication costs >1000€
  • turn around time <4 weeks
  • less than 3 experienced referees

and many more details as specified in the Nature report sums up to a predatory likelihood.  All journals passing a threshold, should be officially listed as “predatory”.

Endlich keine Straffreiheit mehr bei Wissenschaftsbetrug

Diskutiert wird es schon lange: Soll Wissenschaftsbetrug weiterhin straffrei bleiben? Friedhelm Hermann, einer der grössten Fälscher der jüngeren Geschichte, kam mit einer lächerlich kleinen Auflage aus dem Verfahren  und konnte danach viele Jahre unbehelligt in einer Praxis hinter dem Marienplatz in München praktizieren.
Das scheint sich nun aber zu ändern. Das berichtet

Mecklenburg-Vorpommern will härter gegen Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten vorgehen. Die Hochschulen sollen künftig Bußgelder in Höhe von bis zu 10.000 Euro verhängen können, wenn sie eine Verletzung der wissenschaftlichen Redlichkeit auf­d­ecken. Das steht im Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung des Hoch­schul­rechts, der heute in einer öffentlichen Expertenanhörung erörtert wurde. Weitere geplante Änderungen betreffen die Hochschulentwicklungsplanung und das Promotions­recht.

Ich denke – ohne dem “irrational gesteigerten Strafbedürfnis der Öffentlichkeit” (Fischer) zu verfallen – das ist eine überfällige Massnahme in Anbetracht des Schadens der dadurch angerichtet wird – von sinnlosen Replikationstudien bis hin zum Verlust an Menschenleben.

Scientific misconduct deserves more attention and better research committees

Misconduct is ever increasing with the increasing science industry. The spectrum of misconduct is large – as I explained some years ago with an extended version of the N-S-C Diagram. Unfortunately, protection of whistleblowers as well as quality of university investigations remain low (or are even suppressed for various reasons). This is also the view of a new Nature editorial “What Universities could learn from one of the biggest science’s fraud”

university investigations into research misconduct are often inadequate, opaque and poorly conducted. They challenge the idea that institutions can police themselves on research integrity and propose that there should be independent organizations to evaluate allegations of research fraud should.

I agree.

Too many research-misconduct investigations turn out to be inadequate or flawed, says Gunsalus, who had a hand in creating a 26-point checklist that university officials can use to guide probes into research misconduct, which Grey’s team used to rate the investigations.

The 2018 JAMA links to the checklist while the rights seems to be with the National Center for Professional & Research Ethics that has many more resources.

Der chinesische Menschenversuch

Der geplante Tabubruch – eine kommentierte Presse- und Literaturschau.

Montag 26.11.2018

Wir haben es lange gefürchtet, es wird ein verrückter Einzeltäter sein, der als erster einen genmanipulierten Menschen produzieren wird. Nature berichtet heute mittag über eine Serie von Youtube Videos, die bereits gestern am 25.11.18 hochgeladen wurden.

He Jiankui, a genome-editing researcher from the Southern University of Science and Technology of China in Shenzhen, says that he implanted into a woman an embryo that had been edited to disable the genetic pathway that allows a cell to be infected with HIV … The scientist’s claims have not been verified through independent genome testing or published in a peer-reviewed journal. But, if true, the birth would represent a significant — and controversial — leap in the use of genome-editing. So far these tools have only be used in embryos for research, often to investigate the benefit of using them to eliminate disease-causing mutations from the human germline. But reports of off-target effects in some studies have raised significant safety concerns.

Die Literaturliste auf der Website von Jiankui He ist bescheiden, die schlecht synchronisierten Videos eines radebrechenden kleinen Mannes vor einer Laborkulisse triefen von Sendungsbewusstsein. Ist das Ganze nur ein Fake?

Twitter Screenshot

Ich frage mich natürlich, wieviele Embryos er wohl im Lauf der IVF Zeugung zerstört hat (20.000 laut Video), wieviele off-target sites er bei den Kindern produziert hat und was wohl ein zerstörter CCR5 Rezeptor bedeutet? Immerhin gibt es Erfahrung mit der CCR5 Deletion Δ32 eines Berliner Patienten. Sie stellt bei der viralen Enzephalitis und West Nile einen Nachteil dar. 

Ganz abgesehen davon haben IVF Kinder generell  Nachteile, von Geburtsdefekten angefangen, Methylierungsdefekten, Grösse und Gewichtsabweichungen bis hin zur Hypertonie.

Wissenschaftsbetrug und soziale Akzeptanz

Mag sein, daß es immer mehr Wissenschaftsbetrug gibt. Es kann aber auch sein, daß nur das Bewusstsein geschärft ist. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, daß der erhöhte Leistungsdruck statt zu weiteren Höchstleistungen zu noch mehr Betrug führt.
Aus einem ganz anderen Gebiet kommt nun eine Erklärung, warum es mit der Moral bei uns doch nicht so weit her ist.

Steuerhinterziehung gilt vielen in Deutschland als Kavaliersdelikt … “Die Steuerpflicht ist keine Norm, die man verinnerlicht hätte. Man trifft erst im Erwachsenenalter auf sie”, sagt Carsten Ullrich … Erstens lässt sich eine Norm wie diese relativ angstfrei missachten … Zweitens ist eine solche Norm, die sich nur intellektuell nachvollziehen lässt, “schwer zu verstehen” … In den neunziger Jahren ordnete ein soziologisches Standardwerk noch 18 Prozent der Bevölkerung dem Milieu der “Konventionalisten” zu, denen Pflicht und Akzeptanz am wichtigsten sind.

Die wissenschaftlichen Normen des exakten Messens und des vourteilsfreien Berichtes kann man nicht angstfrei missachten. Bei aufgeflogenem Betrug ist das Karriereende sicher.
Aber es stimmt natürlich, daß wissenschaftliche Redlichkeit eine relativ spät erfahrbare Norm ist, die sich nur intellektuell nachvollziehen lässt.
Der DHV will Wissenschaftsbetrug strafbar machen während Milos Vec in der FAZ davon nicht recht überzeugt ist und auf die Probleme einer strafrechtlichen Verfolgung hinweist.

The lying Dutchman

Another series of faked studies are reported by washingtonpost

“Many of Stapel’s students graduated without having ever run an experiment, the report says. Stapel told them that their time was better spent analyzing data and writing. The commission writes that Stapel was ’lord of the data’ in his collaborations. It says colleagues or students who asked to see raw data were given excuses or even threatened and insulted.”

Déjà  vu extended

Given my interest in strange phenomena leading to science misperception I wonder why I didn’t find this site earlier as it tells you also everything about Déjà Vu, Déjà Vécu, Déjà Visité, L’esprit de l’Escalier (comeback when it is too late), Capgras delusion (replaced friend), Fregoli delusion (same person appears in different bodies) and prosopagnosia (unable to recognize faces also known as myopia…). Yea, yea.

Nylenna-Simonsen-Chalmers Misconduct Diagram

The Lancet (10 June 2006, p 1882) had one of the best descriptions of scientific misconduct that I have ever seen (yes, I am also admiring Geoffrey Rose). The authors argue that our current view of misconduction is wrong those caught for fraud being a few “bad apples”. Instead we are facing a continuum ranging from honest and inevitable errors to outright fraud. I agree up to here, however, I do not believe so much in a “slippery slope” – in my experience the intentional selection of certain entry and exit levels is more common.

Here is my expansion of the original N-S-C diagram:
.

Yea, yea.