Der chinesische Menschenversuch

Freitag, 22.3.2019

Endlich mal wieder ein längerer und dazu gut geschriebener Beitrag in der FAZ von Joachim Müller-Jung “Dieser Embryo gehört nicht zu uns”

Es schwingt in solchen Sätzen auch die Sorge ums große Ganze mit: Hilfe, wir dürfen die Kontrolle über unser Selbst nicht verlieren. Denn eines ist klar: Gen-Editierer, Klonforscher und Stammzelldesigner haben in den vergangenen Jahren eine neue ingenieurwissenschaftliche Disziplin hervorgebracht, die noch nirgends gelehrt wird und doch schon Realitäten verändert: „Human-Engineering“ definiert das Menschsein neu. […] „Es gibt in der Philosophie der Biologie die eindeutige Tendenz, den Speziesbegriff fallenzulassen“, stellte etwa Markus Rothhaar aus Eichstätt fest. Äußere Merkmale, morphologische Eigenheiten und Abstammungsgründe eigneten sich nicht mehr zur Abgrenzung. „Lange hat gegolten: Mensch ist, wer von einer Frau geboren wird. Das ist nicht mehr so klar“, so Rothhaar. Tatsächlich entstehen in den Laboren inzwischen durch Transfer von menschlichem und tierischem Gen- und Zellmaterial, durch Reprogrammierung und durch die Verschmelzung von Zellen unterschiedlicher Herkunft biologische Substrate […] Allzu viel Vertrauen in die aktuelle Biopolitik hat man in der Philosophie allerdings nicht, wie der Hagener Philosoph Thomas Sören Hoffmann deutlich machte: „Neuzeitliche Biopolitik kennt im Prinzip keine Vorbehalte gegen den Ausgriff auf das biologische Substrat mehr – sie verwaltet es, so wie sie zunehmend auch den Eintritt in die und das Ausscheiden aus der menschlichen Gesellschaft verwaltet.“