Der chinesische Menschenversuch

Dienstag, 26.3.2019

Dabrock kritisiert in der FR mit wenig inhaltlichen Argumenten den Moratoriumsvorschlag

„Es fehlt eine ausführliche Betrachtung und Reflexion der ethischen Kriterien in ihrer unterschiedlichen Deutung, Gewichtung und Mischung.“ Die Zivilgesellschaft weltweit müsse für das Thema sensibilisiert werden, schließlich gehe es um Menschheitsfragen. „Die eigentliche Arbeit ist noch zu tun.“ Dabrock nennt die internationalen Klimakonferenzen als mögliches Vorbild für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit komplexen Sachfragen, weil sie „das Thema ins globale öffentliche Interesse heben“. Auf nationale Lösungen zu setzen sei zu schwach. Der Ethikrat hatte bereits 2017 gefordert, verbindliche internationale Standards für Keimbahneingriffe zu erstellen. Auf Bitten des Bundesgesundheitsministeriums erarbeitet das Gremium derzeit eine Stellungnahme, die die ethischen Argumente bündelt und bewertet. Sie soll im Mai dieses Jahres vorgestellt werden. Problematisch findet Dabrock auch die von den Moratoriums-Initiatoren vorgenommene Unterscheidung zwischen „genetischer Korrektur“ und „genetischer Verbesserung“ in der Debatte um die klinische Anwendung. Bei einer Korrektur geht es den Autoren zufolge darum, genetische Bausteine zu verändern, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eine schwere Erkrankung hervorrufen. Bei der genetischen Verbesserung hingegen könne etwa ein Krankheitsrisiko modifiziert werden. Oder ein Mensch mit neuen genetische Informationen ausgestattet werden, die etwa die Gedächtnisleistung verbessern oder gänzlich neue Eigenschaften hervorbringen – zum Beispiel, im Infrarotbereich sehen zu können. „An dieser so völlig unüblichen Unterscheidung wird sich die wissenschaftliche Entwicklung nicht orientieren. Sie ist eine erkennbare Quelle für spätere Missverständnisse und Enttäuschungen in der Öffentlichkeit von der Wissenschaft“, so Dabrock.

Mutig, dem Nestor der deutschen Genetik Prof. Winnacker, vorzuwerfen.