Der chinesische Menschenversuch

Donnerstag, 20.12.2018

Nature bringt eine Stellungnahme der chinesischen akademischen Gesellschaften

We were shocked by He Jiankui’s claims last month that twin girls were born from embryos that were gene-edited for HIV resistance. Such work would violate the current code of conduct from China’s ministry of health, as well as internationally accepted ethical guidelines

Die  Chinesen wissen also auch nicht mehr als wir im Augenblick. Die gedruckte Ausgabe des Deutschen Ärzteblatts ist etwas ausführlicher als der Online Beitrag und legt Wert auf die Feststellung “einiger Forscher und Politiker” die “Gentherapie” sei nicht aufzuhalten.  
Leider steht der Artikel nur im Politikteil und es stimmen auch nicht alle Details obwohl von einer Diplombiologin verfasst. Interessant dabei der Verweis auf einen FDP Antrag im deutschen Bundestag.

Die FDP fordert die Bundesregierung unter anderem auf, die Chancen vor den Risiken in der Entwicklung der Humangenetik zu sehen. Neue, innovative Technologien in der Gesundheitsforschung sollten in ihren positiven Auswirkungen nicht durch gesetzliche oder staatliche Regulierung eingeschränkt werden.

Im Video war es da allerdings schon 23:40 und vielleicht gab es auch in der Bundestagskantine schon etwas zu trinken? Zu sehen ist hier eine Herr Brandenburg MdB der FDP bei dem Versuch Crispr (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats)  und Schinesen  fehlerfrei auszusprechen. Alles gipfelt  in der Frage “Kann ein falscher Weg durch gute Ergebnisse gerechtfertigt werden?” Nun, ich würde  sagen,  ein falscher Weg führt in die Irre. Und Rechtfertigung ist doch gemeinhin eine Bedingung für eine Überzeugung, oder theologisch eine Verhältnisbeschreibung zwischen Mensch und Gott? Vielleicht hat er auch nur die Frage versaut und wollte fragen, ob der Zweck die Mittel heiligt? 

Etwas seriöser der Kommentar von Wolfram Henn im Deutschen Ärzteblatt, der die Motivationslagen Geltungssucht und Gewinnstreben anspricht. Seine Forderungen sind schon richtig law and order

Seriöse wissenschaftliche Fachpublikationen dürfen keine Plattform für unethische Forschungsergebnisse bieten; hierfür gibt es bereits einen breiten internationalen Konsens. Aber auch die Laienpresse tut gut daran, durch ihre Chronistenpflicht keine klammheimliche Faszination am Verbotenen hindurchschimmern zu lassen – daran fehlte es bislang mitunter.
Öffentliche Arbeitgeberwie Universitäten, aber auch Zulassungsinstanzen wie Ärztekammern müssen vorsätzliches Fehlverhalten zeitnah und hart sanktionieren. Die Universität in Shenzhen, an der He Jiankui seine Experimente durchgeführt zu haben vorgibt – er hat von Februar 2018 bis Januar 2021 unbezahlten Urlaub –, muss sich aber kritischen Fragen zu ihrer Aufsichtspflicht gegenüber Mitarbeitern stellen.
Öffentliche Fördereinrichtungen und private Stiftungen, aber auch industrielle Geldgeber müssen vorsätzliche Verstöße gegen ihre Richtlinien mit Rückforderung bereits ausgezahlter Fördermittel aus dem Privatvermögen des Täters oder der Täterin sowie mit institutionsübergreifendem dauerhaftem Ausschluss von künftiger Unterstützung ahnden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat dazu eine schon seit Jahren bewährte Verfahrensordnung, aber auch international ist eine Vernetzung nicht nur von Forschungsprojekten, sondern auch der robusten Durchsetzung ethischer Standards unverzichtbar.
Sollte aus dem Fehlverhalten materieller Profit resultieren, etwa Zulauf von Patienten oder Aufträge für kommerzielle Laborarbeiten, muss das im Wirtschaftsstrafrecht etablierte Instrument der Gewinnabschöpfung eingesetzt werden: Verstöße gegen ethische Prinzipien dürfen sich weder direkt noch indirekt finanziell lohnen.