Der chinesische Menschenversuch

Dienstag, 11.6.2019

Der Tagesspiegel hat als erstes Nature gelesen, dann kommen auch andere wie der SPIEGEL.

Der russische Wissenschaftler Denis Rebrikov plant offenbar, mehreren Frauen noch in diesem Jahr Embryonen in die Gebärmutter einzusetzen, deren Erbgut er zuvor mit der Gen-Schere CRISPR/Cas9 (Crispr) verändern will. … Anders als der chinesische Kollege will Rebrikov nicht HIV-infizierten Vätern helfen, deren Risiko der Übertragung der Viren an die Nachkommen bei geeigneten Schutzmaßnahmen ohnehin gering ist, sondern HIV-infizierten Müttern. Seine Methode biete „größere Vorteile“, habe „weniger Risiken“ und sei „ethisch gerechtfertigter und akzeptabler für die Öffentlichkeit“, zitiert „Nature“ den Forscher, der an Russlands größter Befruchtungsklinik, dem Nationalen Medizinischen Forschungszentrum für Geburtshilfe und Gynäkologie „Kulakov“ in Moskau ein Labor für Genomeditierung leitet. … Darüberhinaus könne er mit einer „neuen“, allerdings noch nicht in Fachjournalen veröffentlichten Technik sicherstellen, dass die Gen-Schere Crispr das Zielgen CCR5 nur in der gewünschten Art und Weise verändere und keine versehentlichen Schnitte an anderer Stelle im Erbgut setzt, so genannte „Off-Target-Effekte“. Anders als He Jiankui in China, will der Russe allerdings die ausdrückliche Genehmigung der Experimente durch die zuständigen Behörden abwarten. … Rebrikov hofft, das russische Gesundheitsministerium werde die Regeln für einen klinischen Einsatz des Genome Editing „innerhalb der nächsten neun Monate“ klarstellen, schreibt „Nature. Allerdings „fühle“ der Forscher eine gewisse Dringlichkeit, HIV-infizierten Frauen zu helfen und sei „versucht“ mit den Experimenten fortzufahren, bevor Russland Regulierungen vornimmt.

Im Original: “I think I’m crazy enough to do it“.