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Zwei Schichten in der Logienquelle: Eine AI basierte Analyse

Die Logienquelle Q ist ein hypothetisches Dokument: jene rund 235 Verse, welche die Evangelisten Matthäus und Lukas teilen, ohne dass sie bei Markus stehen. Von den 661 Markus-Versen finden sich etwa 600 bei Matthäus und rund 350 bei Lukas wieder, wobei die genauen Zahlen je nach Zählweise (wörtliche Parallele oder inhaltliche Entsprechung) schwanken. Diskutiert wird, ob Q noch vor dem Markusevangelium entstanden und zumindest in seinen Anfängen in Galiläa zusammengestellt worden ist.

Als ich 1979 Theologie studierte, war Q nur als singulärer Corpus bekannt. John Kloppenborg hat dann 1987 eine einflussreiche Schichtenanalyse vorgelegt: Q1 als ältere weisheitliche Unterweisung (Feldrede, Aussendungsrede, Vaterunser, Sorget-nicht-Worte) und Q2 als spätere redaktionelle Gerichtsschicht (Täuferpredigt, Beelzebul, Jonazeichen, Weherufe, Menschensohn-Worte), dazu Q3 als späte Ergänzung mit der Versuchungserzählung. Die These beruht auf literarkritischen Argumenten: charakteristische Formen, charakteristische Motive und impliziertes Publikum. Übereinstimmungsraten zwischen Matthäus und Lukas spielen bei Kloppenborgs Zuordnung keine Rolle, ein Test daran ist also nicht zirkulär.

Eine unabhängige, quantitative Überprüfung fehlt meines Wissens; mir war es immer zu aufwendig, Texte einzulesen, n-gram und Übereinstimmungen zu rechnen. Für Details zum Textbestand siehe das Internationale Q-Projekt im Anhang.

Die überprüfbare Hypothese: Wenn Q1 und Q2 unterschiedliche Entstehungs- oder Überlieferungsgeschichten haben, könnte sich das in der wörtlichen Übereinstimmung zwischen Matthäus und Lukas niederschlagen. Diese Übereinstimmung gilt seit langem als bimodal, manche Perikopen sind im Griechischen fast identisch, andere teilen nur den Inhalt. Verteilt sich diese Bimodalität zufällig über das Material, oder folgt sie den Schichten?

Methode. Textgrundlage ist der SBLGNT (griechischer Text, dekodiert aus einem SWORD-Modul). Klassifiziert wird nach der vers weisen Zuordnung von Kloppenborg: 19 Perikopen Q1, 25 Q2, 1 Q3. Für jede Perikope wurde die Übereinstimmung zwischen dem Lukas- und dem Matthäustext berechnet: längste gemeinsame Teilfolge (LCS) auf Wortebene, normalisiert auf die mittlere Perikopenlänge, sowie der Jaccard-Index gemeinsamer 4-grams. Verglichen wurden die Verteilungen per Mann-Whitney-Test, ergänzt um einen Permutationstest und Kontrollen für Länge, Gattung und Position im Matthäusevangelium.

Als Eichung dient die Dreifachüberlieferung. Dort, wo Matthäus und Lukas nachweislich dieselbe erhaltene schriftliche Quelle kopieren, nämlich Markus, lässt sich mit derselben Metrik messen, wie das Kopieren einer gemeinsamen Schriftquelle quantitativ aussieht. 27 Perikopen, dieselbe Rechnung.

Ergebnis. Die beiden Schichten unterscheiden sich in der Wortlauttreue nicht signifikant. LCS-Übereinstimmung liegt im Median bei 0,34 (Q1) gegen 0,47 (Q2), p = 0,17. Beim 4-gram-Jaccard Test 0,03 gegen 0,12, p = 0,045, also gerade so an der Signifikanzgrenze und ohne Korrektur für multiples Testen. Was in der Doppelüberlieferung bimodal streut, streut nicht entlang der Schichtgrenze.

Die Markus-Baseline liegt bei einem Median von 0,349 (Mt gegen Mk 0,46, Lk gegen Mk 0,43). Die ursprüngliche Erwartung von 0,5 bis 0,6 trifft nicht zu; die Mt-Lk-Übereinstimmung ist die Schnittmenge zweier unabhängiger Redaktionen und liegt damit unter der Wortlauttreue jeder einzelnen Redaktion.

Gemessen daran ist Q1 (0,343) von der Baseline statistisch ununterscheidbar. Q1-Material verhält sich also exakt so, wie zwei Evangelisten eine gemeinsame schriftliche Quelle mit normaler redaktioneller Freiheit kopieren. Die niedrige Q1-Übereinstimmung ist kein Argument gegen eine Schriftquelle. Q2 (0,473) liegt über der Baseline, mit p = 0,043 gerade wieder signifikant.

Interessanter ist eine Grenze quer dazu. Q2 ist intern bimodal. Kurze Orakelsprüche unter 160 Wörtern liegen bei Median 0,62: Rückkehr des unreinen Geistes 0,83, Otterngezücht-Predigt des Täufers 0,82, Jerusalem-Klage 0,81, Jubelruf 0,77, Dieb in der Nacht 0,77, treuer Knecht 0,74.

Die langen Gleichnisse derselben Schicht liegen bei 0,42 und darunter: Gastmahl 0,15, verschlossene Tür 0,17, Pfunde 0,22. Derselbe Gradient findet sich in Q1 (kurz 0,38, lang 0,29) und in der Markus-Baseline, wo die spruchlastigsten Perikopen die Liste anführen (Feigenbaum-Gleichnis 0,57, Vollmachtsfrage 0,54, Leidensankündigung 0,53) und reine Erzählung bei nur 0,2 bis 0,4 liegt.

Interpretation. Die Überlieferungstreue folgt mehr Form und Länge, nicht der Schicht. Kurze, stark strukturierte prophetische Rede mit Parallelismen und Reihungen lässt sich wohl nicht gut paraphrasieren, ohne sie zu zerstören – sie wird also zitiert, nicht nacherzählt. Lange Erzählgleichnisse und Mahnrede werden dagegen umformuliert. Beide Evangelisten haben denselben Reflex, und deshalb bleibt die Schnittmenge bei formelhaftem Kurzmaterial hoch, unabhängig davon, aus welcher Schicht es stammt. Dass die Weherufe gegen die Pharisäer, ein Kernstück von Q2, mit 0,26 zu den niedrigsten Werten überhaupt gehören, passt auch dazu, denn es ist der längste Block im ganzen Material.

Damit stützt die Messung die Zwei-Schichten-Hypothese nicht unbedingt. Sie widerlegt sie auch nicht, denn Kloppenborgs Argumente sind literarkritisch und stehen oder fallen nicht an Wortlautstatistik. Sie hätte aber eine Signatur haben können, die hier nicht gefunden wurde. Unter der Farrer-Hypothese (Lukas benutzt Matthäus, kein Q) lesen sich dieselben Zahlen ohnehin genauso: Lukas zitiert kurze Gerichtsworte wörtlich und baut lange Erzählstücke um. Die Messung diskriminiert nicht zwischen gemeinsamer Quelle und direkter Abhängigkeit, sie ist kein Existenzbeweis für Q, keine Datierung und auch keine Richtungsentscheidung.

Bemerkenswert bleibt aber der Q1-Befund. Q1 ist fast reines Spruchmaterial, liegt aber auf dem Niveau, das Matthäus und Lukas dem Markus-Erzählstoff angedeihen ließen, also niedrig für Spruchgut. Ob das an einer variantenreicheren Vorgeschichte liegt, an divergenten Rezensionen, an unabhängigen Übersetzungen aramäischer Vorlagen oder schlicht daran, dass Paränese Gebrauchstext ist, das lässt sich hier nicht entscheiden.

Weitere Einschränkungen. Die Baseline setzt voraus, dass beiden Evangelisten ein Markustext nahe dem kanonischen vorlag. Die Diskussion um Proto- und Deuteromarkus und die minor agreements stellt das in Frage. Die Metrik setzt schließlich eine gemeinsame griechische Vorlage voraus.

Anzumerken ist, dass Markus Tiwald in seiner Einführung von 2016 die Kloppenborg-Stratigraphie nicht übernimmt. Er spricht von Wachstumsringen in Q, von schriftlichen Vorstufen und von “secondary orality” und löst die Unterscheidung weisheitlich gegen prophetisch als zwei Aspekte derselben Sichtweise auf, nicht als zwei Schichten. Die Prämisse dieses Tests ist also im deutschsprachigen Schrifttum auch nicht Konsens.

Alle Analyse Skripte (SWORD-Dekoder, Analysepipeline, Markus-Baseline) stehen hier zur Verfügung.

  1. Arnal, William E., “The Rhetoric of Marginality: Apocalypticism, Gnosticism, and Sayings Gospels”, Harvard Theological Review 88 (1995) 471-494. Enthält in Anm. 12 die hier verwendete versweise Tabellierung der Kloppenborg-Schichten. Cambridge Core
  2. Carlston, Charles E. / Norlin, Dennis A., “Once More: Statistics and Q”, Harvard Theological Review 64 (1971) 59-78.
  3. Carlston, Charles E. / Norlin, Dennis A., “Statistics and Q: Some Further Observations”, Novum Testamentum 41 (1999) 108-123.
  4. Goodacre, Mark, The Case Against Q: Studies in Markan Priority and the Synoptic Problem, Harrisburg 2002.
  5. Holmes, Michael W. (Hg.), The Greek New Testament: SBL Edition, Society of Biblical Literature / Logos Bible Software 2010. Einleitung unter sblgnt.com/about/introduction
  6. Howes, Llewellyn, “Make an Effort to Get Loose: Reconsidering the Redaction of Q 12:58-59”, Pharos Journal of Theology 98 (2017). Volltext (PDF)
  7. Ingolfsland, Dennis, “Kloppenborg’s Stratification of Q and Its Significance for Historical Jesus Studies”, Journal of the Evangelical Theological Society 46/2 (2003) 217-232. Volltext (PDF)
  8. Kloppenborg, John S., The Formation of Q: Trajectories in Ancient Wisdom Collections, Philadelphia 1987. Google Books
  9. Kloppenborg Verbin, John S., Excavating Q: The History and Setting of the Sayings Gospel, Minneapolis 2000.
  10. Robinson, James M. / Hoffmann, Paul / Kloppenborg, John S. (Hg.), The Critical Edition of Q, Leuven / Minneapolis 2000.
  11. Tiwald, Markus, Die Logienquelle. Text, Kontext, Theologie, Stuttgart 2016. doi:10.17433/978-3-17-025628-6
  12. Q-Bibliographie mit Volltextnachweisen: reconstructingq.com

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

AI is killing humans

There is a new paper of Rainer Rehak and Taylor Kate Woodcock. “Automating civilian harm: On Israel's use of the AI-enabled targeting system Lavender in Gaza and International Humanitarian Law. 2026 ACM Conference, 10.1145/3805689.3812357” that has some cruel details expanding on the current Wikipedia entry on AI-assisted targeting in the Gaza Strip.

The information depends on investigative journalism, built on anonymous IDF sources and leaked documents, but not independent forensic access. So there may be some limitations but this is all we know. The IDF’s response is consistently reported as a partial denial: the IDF stated some claims were baseless while others reflected a flawed understanding of IDF directives, describing a human-controlled process. There are three distinct systems.

  • Lavender is an “AI-powered database” which lists tens of thousands of Palestinian men linked by AI to Hamas or Palestinian Islamic Jihad, used for target recommendation
  • Gospel automatically reviews surveillance data looking for buildings and equipment thought to belong to the enemy and recommends bombing targets. One officer told the Guardian “I would invest 20 seconds for each target at this stage, and do dozens of them every day. I had zero added-value as a human, apart from being a stamp of approval.”
  • Where’s Daddy? is designed specifically to strike people at home with family present, because it was operationally easier than catching them during military activity.

Rehak and Woodcock now write

The digital infrastructure necessary for collecting, storing, and processing the data is provided by large US companies. The cloud storage of approximately 13.6 petabytes (13,600 terabytes) is provided by Google and Amazon under the name Project Nimbus. Cisco, Dell and Red Hat/IBM provide additional IT services. Palantir is responsible for integrating data from heterogeneous sources, and the AI applications are provided by Microsoft/OpenAI and Google; however not without internal resistance. To ensure optimal collaboration between the companies and the Israeli military, there are various personnel overlaps, e.g. Microsoft employees are also part of Unit 8200 of the IDF or regularly switch roles.

Their central finding is that the systems fail all three by design, not by accident. Reported configuration details they cite: thresholds for what counts as a “target” are adjusted up or down purely to hit a daily quota; pre-set tolerances allow roughly 15 civilian deaths per “junior” target and far more for “senior” targets; cheap, imprecise munitions are deliberately used on lower-value targets; and human review of each AI-generated target reportedly takes around 20 seconds, often just confirming the target’s sex. Internal IDF checks reportedly found about a 10% misidentification rate by the military’s own loose criteria.

The authors argue this combination amounts to a “reckless disregard” for distinction (people are targeted on statistical resemblance, not verified conduct), a failure of precautions (known error-prone, brittle systems are used uncritically at speed and scale), and very likely disproportionate harm given the resulting civilian death toll. They conclude that “targeted killing” is a misleading label for what they characterize as a more indiscriminate, quota-driven process, and that - given Israel’s technical sophistication - the high civilian toll is more plausibly a deliberate policy choice than an unintended side effect.

The cynical naming convention (Lavender, Gospel, Where’s Daddy?) sits awkwardly next to the lethality the AI systems used.

As if that weren’t enough, there seems to be another system not mentioned by Rehak and Woodcock called “Server in the Sky” (SITS) on drone fleets attributed to Haaretz reporting earlier this month. It deployed across Hermes 450 and 900 drones, designed to process intelligence and detect/classify targets in real time.

According to the documents, the algorithm independently analyzes the intelligence gathered by the drones’ sensors and cameras, automatically detecting targets, classifying them and deciding whether to track them or pass them on - to the command center, air force pilots or troops on the ground.
The server and the analytics it runs also allow the drone fleet to be managed autonomously, handing over tasks as the drones surveil a defined sector, shifting the burden among these unmanned aircraft to maintain continuous visibility.

So far neither ICJ (International Court of Justice) nor ICC (International Criminal Court) has so far issued a ruling that evaluates the Lavender/Gospel/Where’s-Daddy systems specifically as evidence – the charges so far center mainly on starvation as a weapon, destruction of infrastructure, and the overall casualty count.

Why does the reporting on the AI systems circulates only in NGO and academic analyses but has neither reached the public nor the ICJ? Germany accepts drone research projects and exports as this is prohibited only for systems that operate completely outside human control.

In Terror (2015) von Schirach has a pilot decide whether to shoot down a hijacked airliner heading for a packed stadium, killing 164 passengers to save tens of thousands. Germany’s Federal Constitutional Court had already ruled this unconstitutional: such a shoot-down violates the inviolable human dignity (Art. 1 GG) and right to life (Art. 2 GG) of the innocent passengers – a person may never be reduced to a mere calculation. It’s an absolute prohibition, not a proportionality balance; you simply don’t weigh lives against lives. That’s the sharp contrast with the IDF system that does the opposite. It pre-configures civilian deaths as tolerable collateral (15 for “junior,” hundreds for “senior” targets), not even as an emergency judgment under pressure like von Schirach’s pilot, but as a routine, repeatable daily setting.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Christlicher Realismus

Jan Lucas Dietrich in der Eule mit “Christlicher Realismus statt evangelikaler Faschismus”

Niebuhr attestiert Amerika einen Exzeptionalismus, in dem auf paradoxe Art und Weise Macht immer wieder mit größter moralischer Schwachheit zusammenkommt. Dass dieser Exzeptionalismus derzeit vor allem von ultra-rechten, fundamentalistischen Christen bespielt wird, zeigte zuletzt die Gedenkfeier für Charlie Kirk. In ihrem Selbstverständnis findet sich auch jenes Muster, das Niebuhr bei faschistischen Gruppierungen seiner Zeit entdeckte: Eine kollektive Hybris, in der die grundlegende Illusion menschlicher Perfektion gepaart mit der Persistenz der Sünde in kruden Selbsterlösungsphantasien gipfelt.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Albert Einstein schreibt im Januar 1954 an Eric Gutkind

https://de.richarddawkins.net/articles/der-einstein-gutkind-brief-mit-transkript-und-englischer-ubersetzung

Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens. Und das jüdische Volk, zu dem ich gerne gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. Soweit meine Erfahrung reicht ist es auch um nichts besser als andere menschliche Gruppen wenn es auch durch Mangel an Macht gegen die schlimmsten Auswüchse gesichert ist. Sonst kann ich nichts "Auserwähltes" an ihm wahrnehmen.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Das Versagen der evangelischen Kirche Deutschlands

Es ist ja nicht so, daß sich die Diakonie – der soziale Dienst der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD – umgehend nach dem Hamas Überfall im Oktober 2023 mit Spendenaufrufen gemeldet hätte (ohne aber selbst vor Ort aktiv gewesen zu sein).

Oder daß die EKD nicht zu Gebeten für den Frieden aufgerufen hätte. Aber hat sie die Bundesregierung jemals für die Waffenlieferungen in die Kriegsregion kritisiert?

Wenn auch nicht gleich in 2023, aber dann doch 2024 nach der zunehmend brutaleren Kriegsführung Israels? Continue reading Das Versagen der evangelischen Kirche Deutschlands

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Leben nach der Geburt

Transkribiert nach einem aktuellen TikTok video der letzten Woche.

I just heard the most beautiful story about life and I needed to share it with you.

There’s two babies sitting in the womb and the first one asked the second, “Do you think there’s life after delivery?”

“Yeah, I think so. You know, I don’t really know what it’s going to be like, but it’s the next stage in our evolution and growth.”

And the first one says, “That’s total nonsense. What kind of life could be possible after delivery?”

The second one responds, “Maybe there’s even more light and maybe we can walk on our legs and eat with our mouths. We might even develop other senses that we’re not aware of now and we don’t even understand.”

The first one says, “That’s ridiculous. We can’t walk. And eating with our mouths, we have an umbilical cord that is scientifically proven to give us all of the nourishment that we need. It’s far too short to go with this after delivery. To have life after delivery has to be logically excluded.”

And the second one says, “Well, maybe it’s just different. You know, maybe we don’t need the cord. Maybe there’s other ways that we can be nourished.”

The first one jumps in and says, “All right, well, you know what? If there really is life after delivery, then how come no one’s ever come back? ” It’s a stupid thought. After delivery is nothing but darkness and silence and oblivion and nothing.”

The second one replies, “I don’t know. Maybe we’ll meet Mother and she’ll take care of us.”

“Mother,” the first one replies, “You actually believe in Mother? If Mother exists, then where is she now?”

And the second one says, “Mother is all around us. We exist in her and of her. It’s in her that we live. Without her, this world could not and would not exist. Well, I don’t see her, so it’s only logical that she’s not here.”

And the first one replies, “Sometimes in silence, you can perceive her presence. You can feel her heartbeat and you can even hear her calling from above telling you how much she loves you. And maybe, just maybe, life doesn’t end with delivery, but it actually just begins.”

Der Ursprung der Geschichte ist nicht völlig klar – soll sich bei Útmutató a Léleknek finden oder bei einem gewissen Henri J.M. Nouwen. Sehr viel wahrscheinlicher ist der Autor aber Pablo J.Luis Molinero (“Morphogeny“). Nun also meine Übertragung auf Deutsch.

Ich habe gerade eine nette Geschichte über das Leben gehört und will sie nun Dir erzählen.

Zwei ungeborene Zwillinge sitzen im Mutterleib. Da fragt der eine den anderen: "Glaubst du eigentlich, dass es ein Leben nach der Geburt gibt?"

"Ja, ich denke schon", antwortet der zweite. "Ich weiß nicht genau, wie es sein wird, aber es ist sicher der nächste Schritt in unserer Entwicklung und unserem Wachstum."

Der erste schüttelt den Kopf. "Das ist doch Unsinn! Wie soll denn Leben nach der Geburt überhaupt aussehen?"

Der zweite überlegt kurz und sagt dann: "Vielleicht gibt es mehr Licht. Vielleicht können wir auf unseren eigenen Beinen stehen und mit unserem Mund essen. Vielleicht entdecken wir sogar neue Sinne, von denen wir jetzt noch nichts wissen."

Der erste lacht spöttisch. "Laufen? Essen mit dem Mund? Das ist doch absurd! Wir haben doch die Nabelschnur, wissenschaftlich bewiesen, sie gibt uns alles, was wir brauchen. Und die ist viel zu kurz, um uns nach der Geburt weiter zu versorgen. Nein, ein Leben nach der Geburt ist schlicht und einfach ausgeschlossen."

"Vielleicht ist es einfach anders", entgegnet der zweite ruhig. "Vielleicht brauchen wir die Nabelschnur dann gar nicht mehr. Vielleicht gibt es eine ganz neue Art, wie wir versorgt werden."

Der erste wird ungeduldig. "Und wenn es wirklich ein Leben nach der Geburt gibt - warum ist dann noch nie jemand zurückgekommen? Nein, nein, nach der Geburt kommt nichts. Nur Dunkelheit, Stille und das große Vergessen."

Der zweite überlegt einen Moment und sagt dann leise: "Vielleicht begegnen wir nach der Geburt der Mutter. Vielleicht kümmert sie sich um uns."

Der erste lacht. "Die Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo soll sie denn sein?"

Der zweite antwortet: "Sie ist überall um uns herum. Wir leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht existieren."

Der erste bleibt skeptisch. "Aber ich sehe sie doch nicht, also gibt es sie auch nicht."

Der zweite lächelt. "Manchmal, wenn wir ganz still sind, können wir ihre Gegenwart spüren. Wir hören ihren Herzschlag. Und vielleicht, ja vielleicht, ist die Geburt nicht das Ende - sondern erst der Anfang."

Zu gern würde ich jetzt allerdings gern auch noch das Original lesen.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Christian and Islamic Fundamentalism

After a recent discussion here I followed up the empirical data that are published in “Fundamentalismus und Fremdenfeindlichkeit Muslime und Christen im europäischen Vergleich“.

Almost half of European Muslims agree that there is only one interpretation of the Koran, that Muslims should return to the roots of Islam, and that religious rules are more important than secular laws. Based on these items, a WZB study shows that religious fundamentalism is much more common among Muslims than among Christians. This is alarming in the light of the strong link between religious fundamentalism and outgroup hostility.

Legend of the WZB results from left to “return to the roots”, “only one binding interpretation”, “religious rules more important than secular law”, “agree to all”

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Das Hauptproblem der Erwählung

Tilman Moser (1938-2024) schreibt in “Gottesvergiftung” seine (An-)klage gegen Gott in der langen Tradition der Psalmen, des Klageliedes, von Hiob bis zur Anklage Jesu am Kreuz

Mit der psychischen Grundfigur der Erwählung, des auserwählten Volkes, hast du dir ja schon ganz zu Anfang einen kleinen Teil der Menschheit eingefangen, einen Brückenkopf aus dem Nichts gebildet.
Weißt du, wie listig du mit den narzißtischen Bedürfnissen deiner Anhänger umgehst, wie fein dosiert du die Grade der Erwählung und der Gottesnähe verteilen kannst, wie virtuos du die Angebote von Geborgenheit, Führung, Glanz und Einzigartigkeit mischst – von den Strafangeboten einmal abgesehen -, so daß sich jeder nach seinen ureigensten, geheimsten niemals öffentlich eingestandenen Bedürfnissen bedienen kann?
Du bist raffiniert und wirst dadurch mächtig, daß du die Angebote an alle anderen im Dunkeln läßt und im Grunde dich jeder so ganz im stillen verehrt und verzehrt.

Das grundlegende Problem ist nicht, ob ein Volk, ein Stamm oder eine Gruppe von Gott erwählt wurde, sondern ob es sich als erwählt versteht. Damit wird der Glaube an die Überwertigkeit zur Realität, ganz ohne Erwählung, was auch als Thomas Theorem bekannt ist

If men define situations as real, they are real in their consequences / Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind diese in ihren Konsequenzen wirklich (W. I. Thomas und D. S. Thomas)

So erfüllen sich ganz von selbst alle Prophezeiungen. Und die Konsequenz? Einfach nur furchtbar was die täglichen Nachrichten seit dem 7. Oktober bringen, eine Gewaltspirale zwischen zwei Völkern die kein Ende nimmt. Denn nicht nur die Juden Jes 42,1-4

Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.

sondern auch die Palästinenser fühlen sich auserwählt Sure 3,34

Allah hat Adam, Noah, die Familie Abrahams und die Familie Amrans vor allen anderen Menschen auserwählt.

Das mag alles etwas verkürzt sein, aber warum nicht wenn es den Kern trifft. Religion als Opium fürs Volk? Nein, nicht Opium sondern Crystal Meth.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Wo immer Ethik gepredigt wird, liegt die Moral im Argen

Rechtzeitig zur Olympiade kommt eine ARD Dokumentation zu Doping, der kriminellen Abkürzung zu Ruhm und Ehre.
Irgendwie erinnert die SZ Filmbesprechung daran, wie aktuell Betrug in der Wissenschaft gehandhabt wird:

Ausführlich zu Wort kommt im Film der spanische Blutpanscher Eufemiano Fuentes, ein verurteilter Superdoper, dessen Dienste das Vaterland bereits in den Achtzigerjahren diskret anwarb. Sportärzte verstehen was von Muskeln und Gelenken, Gynäkologen wie Fuentes was von Blut und Hormonen…Anfragen der Rechercheure zu Fuentes' Aussagen ließen alle Betroffenen unbeantwortet. Gewagt sei aber die Prognose: Bei den Spielen, die in keinem Halbsatz ohne Floskeln zu Fairness, Ethik und Erziehung auskommen, wird die Causa totgeschwiegen.

Wo immer Ethik gepredigt wird, liegt die Moral im Argen.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?

Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie ziehen vorbei, wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen mit Pulver und Blei.
Die Gedanken sind frei.

Was sich so schön lyrisch bei Hoffmann von Fallersleben anhört, ist eben nur Lyrik des 19. Jahrhunderts. Gedankenlesen fasziniert die Menschen seit König Davids Zeiten, aber ist erst seit kurzem in Ansätzen möglich (MPI)

Das Ergebnis erstaunte Libet, ebenso wie viele Forscher bis heute: Im Hirn der Probanden baute sich das Bereitschaftspotential bereits auf, bevor sie selbst den Willen zur Bewegung verspürten. Selbst wenn man eine gewisse Verzögerung beim Lesen der Stoppuhr annahm, blieb es dabei – der bewusste Willensakt ereignete sich im Durchschnitt erst drei Zehntelsekunden, nachdem die Handlungsvorbereitungen im Hirn angelaufen waren. Für viele Hirnforscher ließ das nur einen Schluss zu: Die grauen Zellen entschieden offenbar an uns vorbei.

Die technische Auflösung geht immer weiter, von der Antizipation einfacher Bewegungsmuster nun hin zur kompletten Bilderkennung im Gehirn “Mental image reconstruction from human brain activity” hier in der geringfügig korrigierten DeepL Übersetzung

Die von Menschen wahrgenommenen Bilder können aus ihrer Gehirnaktivität rekonstruiert werden. Allerdings ist die Visualisierung (Externalisierung) von mentalen Bildern eine Herausforderung. Nur wenige Studien haben über eine erfolgreiche Visualisierung von mentaler Bilder berichtet, und ihre visualisierbaren Bilder waren auf bestimmte Bereiche wie menschliche Gesichter oder Buchstaben des Alphabets beschränkt. Daher stellt die Visualisierung mentaler Bilder für beliebige natürliche Bilder einen bedeutenden Meilenstein dar. In dieser Studie haben wir dies durch die Verbesserung einer früheren Methode erreicht. Konkret haben wir gezeigt, dass die in der bahnbrechenden Studie von Shen et al. (2019) vorgeschlagene Methode zur visuellen Bildrekonstruktion stark auf visuelle Informationen, die vom Gehirn dekodiert werden, angewiesen ist und die semantischen Informationen, die während des mentalen Prozesses benutzt werden, nicht sehr effizient genutzt hat. Um diese Einschränkung zu beheben, haben wir die bisherige Methode auf einen Bayes’sche Schätzer erweitert und die Unterstützung semantischer Informationen in die Methode mit aufgenommen. Unser vorgeschlagener Rahmen rekonstruierte erfolgreich sowohl gesehene Bilder (d.h. solche, die vom menschlichen Auge beobachtet wurden) als auch vorgestellte Bilder aus der Gehirnaktivität. Die quantitative Auswertung zeigte, dass unser System gesehene und imaginierte Bilder im Vergleich zur Zufallsgenauigkeit sehr genau identifizieren konnte (gesehen: 90,7%, Vorstellung: 75,6%, Zufallsgenauigkeit: 50.0%). Im Gegensatz dazu konnte die frühere Methode nur gesehene Bilder identifizieren (gesehen: 64,3%, imaginär: 50,4%). Diese
Ergebnisse deuten darauf hin, dass unser System ein einzigartiges Instrument zur direkten Untersuchung der subjektiven Inhalte des Gehirns wie Illusionen, Halluzinationen und Träume ist.

Fig 3A

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Parthenogenesis

When his mother Mary had been engaged to Joseph, but before they lived together, she was found to be with child from the Holy Spirit.
19: Her husband Joseph, being a righteous man and unwilling to expose her to public disgrace, planned to dismiss her quietly.
20: But just when he had resolved to do this, an angel of the Lord appeared to him in a dream and said, “Joseph, son of David, do not be afraid to take Mary as your wife, for the child conceived in her is from the Holy Spirit.

incredible? No.

https://www.nature.com/articles/d41586-023-02404-z

In the study above there are only 44 genes that were involved in parthenogenesis

This identified a polygenic system whereby increased expression of the mitotic protein kinase polo and decreased expression of a desaturase, Desat2, caused facultative parthenogenesis in the non-parthenogenetic species that was enhanced by increased expression of Myc.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Whistleblower update

Der Schutz von Whistleblower sollte eigentlich nach Willen der EU besser werden. Aber nach unendlichen Verzögerungen, zuletzt vor dem Vermittlungsausschuss des Bundestages, ist es damit nicht weit her, wenn nicht mal mehr anonyme Hinweise möglich sind. Einziger Trost: auch woanders nur"talk, no action".
So wird das deutsche Gesetz wohl bald wieder einkassiert werden, das meint nicht nur Transparency Deutschland

Leider muss man in aller Deutlichkeit sagen: Der vorliegende Gesetzentwurf zum Schutz von Hinweisgeber:innen ist ein Fiasko. Die Bundesregierung muss dringend nachbessern, denn in der vorliegenden Form brächte das Gesetz neue Rechtsunsicherheiten für Whistleblower:innen, Unternehmen und Behörden. Anstatt den klaren Vorgaben und Empfehlungen der EU zu folgen, hat die Bundesregierung Stückwerk vorgelegt.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026

Die Aufgabe der Theologie

Das theologische Testament Ernst Käsemann’s – die Rede an seinem 90. Geburtstag. Der volle Abdruck bei Jochen Teuffel, Pfarrer in Vöhringen.

Die Aufgabe des spezifischen Theologen ist nach Paulus die Unterscheidung der Geister. Der Fromme soll nicht immer frömmer werden. Er hat nicht "Religion" unter anderen Religionen zu betreiben und zu demonstrieren. Die Nachfolge des Nazareners ist von ihm verlangt. Der Einzelne mag Modell in der Gemeinschaft sein. Das Priestertum aller Gläubigen ist aber nicht durch erbaulichen Individualismus zu ersetzen. Jeder Christ befindet sich im Gegenüber zur ganzen Welt und hat, selbst wenn er in seiner Umwelt isoliert wird, sowohl dem Idealismus wie dem Materialismus zu widerstehen. Er hat stets seinen Herrn zu bekennen, wo irdisch die Götzen herrschen, sei es im Zeichen der Machtgier oder des Aberglaubens oder des Mam­mons.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 30.08.2026