Category Archives: Theology

Der erste klinische Versuch

Daniel und seine Gefährten am babylonischen Hof (167–164 v. Chr).

I. 3 Und der König sprach zu Aschpenas, seinem obersten Kämmerer, er sollte einige von den Israeliten auswählen, und zwar von königlichem Stamm und von edler Herkunft, 4 junge Leute, die keine Gebrechen hätten, sondern schön, einsichtig, weise, klug und verständig wären, also fähig, an des Königs Hof zu dienen; und er sollte sie in Schrift und Sprache der Chaldäer unterrichten lassen. 5 Und der König bestimmte, was man ihnen täglich geben sollte von der königlichen Speise und von dem Wein, den er selbst trank; so sollten sie drei Jahre erzogen werden und danach vor dem König dienen. 6 Unter ihnen waren von den Judäern Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja. 7 Und der oberste Kämmerer gab ihnen andere Namen und nannte Daniel Beltschazar und Hananja Schadrach und Mischaël Meschach und Asarja Abed-Nego. 8 Aber Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, dass er sich mit des Königs Speise und mit dem Wein, den dieser trank, nicht unrein machen wollte, und bat den obersten Kämmerer, dass er sich nicht unrein machen müsste. 9 Und Gott gab Daniel, dass ihm der oberste Kämmerer günstig und gnädig gesinnt wurde. 10 Der sprach zu ihm: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch eure Speise und euern Trank bestimmt hat. Warum soll er sehen, dass eure Gesichter schmächtiger sind als die der andern jungen Leute eures Alters? So brächtet ihr mich bei dem König um mein Leben. 11 Da sprach Daniel zu dem Aufseher, den der oberste Kämmerer über Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja gesetzt hatte: 12 Versuch’s doch mit deinen Knechten zehn Tage und lass uns Gemüse zu essen und Wasser zu trinken geben. 13 Und dann lass dir unser Aussehen und das der jungen Leute, die von des Königs Speise essen, zeigen; und danach magst du mit deinen Knechten tun nach dem, was du sehen wirst. 14 Und er hörte auf sie und versuchte es mit ihnen zehn Tage. 15 Und nach den zehn Tagen sahen sie schöner und kräftiger aus als alle jungen Leute, die von des Königs Speise aßen. 16 Da tat der Aufseher die königliche Speise und den Wein weg, die für sie bestimmt waren, und gab ihnen Gemüse. 17 Und diesen vier jungen Leuten gab Gott Verstand und Einsicht für jede Art von Schrift und Weisheit. Daniel aber verstand sich auf Gesichte und Träume jeder Art. 18 Und als die Zeit um war, die der König bestimmt hatte, dass sie danach vor ihn gebracht werden sollten, brachte sie der oberste Kämmerer vor Nebukadnezar. 19 Und der König redete mit ihnen, und es wurde unter allen niemand gefunden, der Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja gleich war. Und sie wurden des Königs Diener. 20 Und der König fand sie in allen Sachen, die er sie fragte, zehnmal klüger und verständiger als alle Zeichendeuter und Weisen in seinem ganzen Reich.

mehr zu Geschichte von Clinical Trials auf Pubmed. Dank an manipogo für die Anregung.

Fundamental and non fundamental objections of genome editing in humans

Braun, Schickl and Dabrock try to “map the underlying ethical arguments” (p6ff in “Moral Hazard” 2018) against human genome editing.

The various objections against germline genome editing can basically be divided into (1) fundamental (i.e. against the context of research and application) and (2) non fundamental (i.e. only against the context of application) arguments. The most prevalent fundamental arguments are (a) arguments of human dignity (b) arguments of naturalness and (c) slippery slope… The most common argument within the ethical (as well legal) debate on the use of genome editing techniques, like CRISPR technologies, is the safety argument as a non fundamental objection.

While I think the differentiation of fundamental vs non-fundamental is important for discriminating relevant from irrelevant arguments, the definitions are not fully clear. What is “context of research” – subject, object or objective? And what is “context of application” – the procedural conditions?

“Fundamental” may not be the best label as “fundamental” in German usually claims to be the  only right doctrine. Anyway, a fundamental argument will be an argument that cannot be easily overcome by a counter-argument as it is it is deeply grounded, heavy-weighted and basis for other conclusions.  A non-fundamental is just a non fundamental argument that can be rebutted immediately or in the foreseeable future.

The classification of fundamental by Braun, Schickl and Dabrock is even problematic as well. “Naturalness” is not a fundamental argument as it is nearly impossible to define a “natural” human genome. IMHO “slippery slope” is also not a logical argument at all – having more fear mongering elements than a  strict consequentialist logic.

I would therefore like to split any fundamental objections by the disciplines where they originate: (a)  philosophical/theological anthropology (b) biology and (c) sociology.

FUNDAMENTAL OBJECTION
-- anthropology
  .. human dignity
  .. missing embryonal consent
  .. genetic heteronomy
-- biology
  .. off target risks / safety
  .. unknown genetic background effects
  .. unknown next generation effects
  .. dissolution of species boundaries
-- sociology
  .. missing societal consensus
  .. tendency towards eugenics
  .. tendency towards racism
NON FUNDAMENTAL OBJECTION
  .. medical necessity
  .. ethics vote
  .. no pre-tests
  .. no trial exit strategy
  .. conflicts of interest
  .. consent without alternatives
  .. and all other Krimsky rules

Safety could of course could be a fundamental argument as set out by Nüsslein Vollhard: we can not 100% predict from one cell the fate from another cell.

Maybe this very first classification of arguments could be a further step into a more rational ethical discussion.

Braun, Schickl and Dabrock write on the same page in their book that “the potentiality argument … which is considered to be the strongest argument for absolute embryo protection, is increasingly criticized by ethicists” citing Schöne-Seifert et al 2013 and  themselves as Schickl et al 2014. Their argument: we can reprogram now adult cells, the potentiality is therefore not a unique property of the human embryo, the embryo therefore has not any unique value, the embryo does not need protection.
I ask – instead of REVOKING potentiality of the human embryo why not EXPANDING potentiality to reprogrammed stem cells?
I have also doubts that a “reprogrammed” stem cell will ever have the unique potentiality of an embryo in situ for 3 reasons:
1. a stem cell is not a de novo creation but just a replication.
2. a stem cell will never replicate the complicated epigenetic pattern of an embryonic cell (which is a unique part of the embryonic identity, putting the Schickl argument in a row of genetic exceptionalism arguments).
3. lastly
 there is never ever maternal support of a stem cell, ignoring the complex biological support chain of human embryos.

(TBC)

Die Lust an der Liste

Cicero mit den Top 500 Deutschen, die angeblich am meisten durchdringen und gehört werden. Hier am besten nur als Screenshot, sonst würde das ja nur den Status quo für 2020 zementieren

Hm. Immerhin, einer meiner akademischen Lehrer aus Marburg (1980) und mein Lieblingsjournalist aus München (2019) haben es unter die ersten 25 geschafft.

 

 

Das goldene Kalb

Ein goldenes Schnitzel,  das mit 24 Karat Blattgold überzogenen “Ribeye”-Steak für Franck “Ribeyeri” und seine Schimpftirade. Irgendwie ist das ganz doch bekannt aus Exodus 32

Nehmt euren Frauen, Söhnen und Töchtern die goldenen Ringe ab, die sie an den Ohren tragen, und bringt sie her! Da nahm das ganze Volk die goldenen Ohrringe ab und brachte sie zu Aaron. Er nahm sie von ihnen entgegen, zeichnete mit einem Griffel eine Skizze und goss danach ein Kalb. Da sagten sie: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. Als Aaron das sah, baute er vor dem Kalb einen Altar und rief aus: Morgen ist ein Fest zur Ehre des Herrn. Am folgenden Morgen standen sie zeitig auf, brachten Brandopfer dar und führten Tiere für das Heilsopfer herbei. Das Volk setzte sich zum Essen und Trinken und stand auf, um sich zu vergnügen … Als Mose dem Lager näher kam und das Kalb und den Tanz sah, entbrannte sein Zorn.“

Gold kann man essen, als Farbstoff gibt es sogar eine eigene Zusatzstoffnummer E175. Aber, das lernen wir aus der Geschichte mit dem goldenen Kalb: es ist und bleibt ein Zeichen der Dekadenz.

All humans, and two ancestors?

Daily Mail reports a study in Human Evolution with comments at phys.org

A scientific study has prompted speculation that all modern humans could have descended from a solitary pair who lived 100,000 to 200,000 years ago.
Scientists surveyed the genetic ‘bar codes’ of five million animals – including humans – from 100,000 different species and the results have prompted speculation that we sprang from a single pair of adults after a catastrophic event almost wiped out the human race.
These bar codes, or snippets of DNA that reside outside the nuclei of living cells, suggest that it’s not just people who could have come from a single pair of beings, but nine out of every 10 animal species, too.

I have heard that before.

Der chinesische Menschenversuch

Der geplante Tabubruch  – eine kommentierte Presse- und Literaturschau.

Montag 26.11.2018

Wir haben es lange gefürchtet, es wird ein verrückter Einzeltäter sein, der als erster einen genmanipulierten Menschen produzieren wird. Nature berichtet heute mittag über eine Serie von Youtube Videos, die bereits gestern am 25.11.18 hochgeladen wurden.

He Jiankui, a genome-editing researcher from the Southern University of Science and Technology of China in Shenzhen, says that he implanted into a woman an embryo that had been edited to disable the genetic pathway that allows a cell to be infected with HIV … The scientist’s claims have not been verified through independent genome testing or published in a peer-reviewed journal. But, if true, the birth would represent a significant — and controversial — leap in the use of genome-editing. So far these tools have only be used in embryos for research, often to investigate the benefit of using them to eliminate disease-causing mutations from the human germline. But reports of off-target effects in some studies have raised significant safety concerns.

Die Literaturliste auf der Website von Jiankui He Continue reading Der chinesische Menschenversuch

Digitalisierung und Arbeitswelt

Vom 12. bis 13. November 2018 fand in der Dialogreihe „Innovation und Verantwortung“ eine gemeinsame Veranstaltung “Digitalisierung und Arbeitswelt” statt, die gemeinsam von TTN, acatech und evangelische Akademie Tutzing organisiert wurde.

Für TTN übernahm Stephan Schleissing, für die acatech Marc-Denis Weitze die Moderation.

Digitalisierung – Revolution oder Gestaltungsauftrag?
Prof. Dr. Klaus Kornwachs, Büro für Kultur und Technik, ehem. Lehrstuhl für Technikphilosophie, Brandenburgische Technische Universität Cottbus

Klaus Kornwachs

Mit Digitalisierung den kulturellen Wandel im Unternehmen gestalten.
Jan Pfeifer, Detecon International GmbH

Jan Pfeifer

Ironie der Digitalisierung: Weswegen Steuerungsphantasien zu kurz greifen.
Prof. Dr. Stefan Kühl, Professur für Organisationssoziologie, Universität Bielefeld und Finn- Rasmus Bull, Metaplan

Stefan Kühl

Digitalisierung, Bildung und die Arbeitswelt: Politische Herausforderungen im Gespräch mit Annette Karl, MdL

Annette Karl

Arbeit in der digitalen Transformation.
Prof. Dr.-Ing. Dieter Spath, Präsident acatech

Dieter Spath

Verantwortung in der digitalen Transformation.
Prof. Dr. Peter Dabrock, Lehrstuhl für Systematische Theologie (Ethik), Universität Erlangen- Nürnberg

Peter Dabrock

 

We depend too much on science and not enough on faith

Datasource: Social values, science and technology 2013 Special EU Barometer 401, p81. Figure (c) Science Surf 2018

 

Respondents remain divided on the issue of whether we depend too much on science and not enough on faith. Almost four in ten (39%) agree, while almost one third (32%) disagree that we depend too much on science and not enough on faith. A considerable proportion, 25%, is neutral on the issue.
There has been little change since the last wave, with agreement increasing by 1 percentage point, and disagreement down by 2 points. But there has been a big change since 1905

In der Tat, eher laufen die meisten Menschen von einem Arzt zum andern, eher versuchen sie es mit allen Mitteln, die ärztliche Wissenschaft und Aberglaube angeben, eher reisen sie von Bad zu Bad, als sie nur einmal mit rechtem Ernst und mit vollem Glauben an Gottes Allmacht und Güte betend an Gottes Thür anklopfen.

Anselm in Voigt, Religion in bioethischen Diskursen, de Gruyter 2010 p 69 refers to Ludwig Lemme, Christliche Ethik, Gr. Lichterfelde-Berlin 1905, p 681

Das jüdische Bioethik Paradox

Es ist ein interessantes Phänomenon.

Auf der einen Seite gibt es kein liberaleres Land für Stammzellforschung, genetische Tests, IVF und Abtreibung. Gleichzeitig aber wird assistierten Suizid und Sterbehilfe abgelehnt.

Die häufigste Erklärung dafür ist die jüdische Einstellung pro Wissenschaft. So etwa hat in Tikkun Olam die Verpflichtung auf eine bessere Welt eine lange Tradition. “Gentechnik” gab es schon 1800 v. Chr. in der Jakobsgeschichte. Das erklärt allerdings nicht die Ablehnung der Sterbehilfe.

Dmit kommen wir zur nächste Erklärung: Das Judentum ist pro-vita eingestellt, alles ist gut, was Leben schafft und bewahrt. Der Genesis Auftrag heisst “fruchtbar zu sein und sich zu mehren”. Allerdings spricht die Freigabe der Abtreibung (auf Entscheidung eines Komitees) dann doch gegen eine reine Vermehrungsstrategie..

Wie kann nur eine “konservative” Religion solche “progressive” Ansichten hervorbringen? Shai Navi bietet dafür zwei weitere Erklärungen.  Zum einen unterscheidet das Rabbinertum deutlich zwischen Mittel und Zweck. Mittel und Zweck lassen sich trennen, im Endeffekt kommt damit doch alles wieder auf die pro-vita Schiene.

Die letzte Erklärung dagegen scheint mir am überzeugendsten: Rabbiner folgen einer alten phänomenologischen Tradition und nicht einer modernen wissenschaftlichen Ontologie.

The Jewish position concerning the status of the fertilized egg is based on the Talmud which says that before the 40th day the fetus is “mayim be alma” no more than plain water
[…]
Several leading Orthodox rabbis have rejected the modern definition of brain death and have insisted on maintaining the traditional definition of the cessation of respiration and heart beat.

Wasser bleibt Wasser, auch wenn man mit dem Mikroskop darin Leben erkennen kann. Und ein Mensch, der atmet, ist nicht tot, selbst wenn sein EEG nur eine Nulllinie zeigt. Das ist in der Tat eine konsistent phänomenologische Argumentation.

Die Phänomenologie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts maßgeblich von Edmund Husserl geprägt. Und Husserl ist im Alter von 27 Jahren vom Judentum zum Protestantismus übergetreten…

Ratatouille der Gedanken

Silvia Strahm spricht mir aus der Seele wenn sie in ihrem neuesten Beitrag auf feinschwarz.net fragt, was bleibt denn vom Denken, Nachdenken, Hinterfragen in Zeiten der Meinungen, der Informations- und Wissensflut?

Ich war einmal ein denkender Mensch, vor vielen Jahren. Ich hatte viel gelernt, über alles Mögliche und über viel Unmögliches auch, habe Schul- und andere Weisheiten erworben, nachgedacht über das Leben und die Welt im Allgemeinen und im Besonderen. Das war anstrengend, beglückend, manchmal schwindelerregend, aber das Werkzeug hatte ich beisammen, alles war da, dem, was geschah, geschehen war und noch im Gang, ordnend beizukommen.
Geblieben davon ist das Hantieren. Mit den Werkzeugen. Die habe ich behalten. Immer wieder etwas geputzt und geschliffen, aber im Grossen Ganzen sind es noch dieselben.
Geändert hat sich trotzdem alles.

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