Archiv der Kategorie: One World

Sugar daddy science

Der Begriff ist nicht neu, er wurde wohl 2019 von der Zeitschrift Atlantic erstmals in das allgemeine Bewusstsein gerückt für Forschung die direkt – ohne Ausschreibung, Wettbewerb oder Review – finanziert wird. Damals war es das MIT Media Lab, das “Spenden” von Jeffrey Epstein angenommen hat. Das muss nicht per se fragwürdig sein, hinterlässt aber doch ein ungutes Gefühl, warum gibt jemand sein Geld für Forschung aus?

Auch jetzt in Corona Zeiten, scheint es wieder in Mode zu kommen, dass einfach mal Geld aus der Staatskasse überwiesen wird: 1.000.000€ von Markus Söder an die LMU plus weitere Finanzierung an die Uni Regensburg, 65.315 € von Armin Laschet an die Uni Bonn, Winfried Kretschmann an vier Unis in Baden Württemberg in unbekannter Höhe, 2.000.000€ von Stephan Weil an die Uni Hannover “um in den kommenden zwei Jahren Bioproben und Daten von 1.000 unter­schied­lich stark am Coronavirus SARS-CoV-2 erkrankten Patienten zu sammeln”.

Das Ganze ist natürlich ein Witz, wenn nun die Unikinderklinik Freiburg schon beklagt, dass sie nicht mehr genügend Patienten für ihre Studie findet. Und wo sollen mit aktuell 54 Neuerkrankungen in Niedersachsen die 1000 Fälle für eine Biobank herkommen? Wo sich doch längst vor Monaten ein internationales Konsortium zu der Frage gebildet hat und es nun wirklich nicht die primäre Frage ist, ob eine Genvariante das Risiko um das 1.1 fache erhöht. Mit dem nächsten Virus ist sowieso wieder alles anders.

Und sollten die Studien nicht helfen, die Containment Massnahmen zu steuern? Ausser der Gangelt Studie kenne ich keine einzige offizielle Zahl obwohl vor genau 4 Monaten der erste Fall in München beschrieben wurde. Nach den letzten  Presseberichten werden die Ergebnisse der sugar daddy Studien hinter verschlossenen Türen dafür hergenommen um die lokale Politik zu rechtfertigen, ohne dass sie irgendjemand überprüfen kann. Vielleicht ist das auch besser so, denn wir wären wahrscheinlich von der Qualität enttäuscht, da kann ich mich nur Antes in der Lagebeurteilung vom 25.5. anschliessen

Ja, es gibt ein klareres Bild von der Unklarheit. Es gibt leider extreme regionale Unterschiede. Das war die Hauptkritik an der Heinsberg Studie mit ihren 14 oder 15 Prozent Dunkelziffer. Wenn ich in einen Hotspot fahre, bilde ich natürlich das ab, was vor Ort passiert ist. Es ist aber ohne jede Aussagekraft für das ganze Land … Die verschiedenen Massnahmen sind so miteinander vermengt, dass man das nicht differenzieren kann. Wir gehen leider mit allen Fehlern der Welt zurück in die Öffnung. Es ist ein Abschied von der Wissenschaft, den wir gerade sehen. …  Wir haben weltweit etwa 1100 sichtbare Studien zum Thema Corona. In Deutschland scharren auch alle mit den Hufen … um Studien durchzuführen. Leider aber gibt es keine Führungsstruktur, die diese Anstrengungen koordiniert. Meine größten Vorwürfe gehen in dieser Hinsicht an das Bundesforschungsministerium, von dem man fast nichts hört. Wir bräuchten für Deutschland einen Masterplan von Fragen. Dann müsste man diese Aufgaben verteilen und die Ergebnisse zusammenfassen, damit diese Entscheidungen dienen können. Dafür muss sich Wissenschaft allerdings koordinieren lassen.

 

 

The phantom herd immunity to covid-19

When most of a population is immune to an infectious disease either by natural infection or by vaccination, this provides indirect protection — or herd immunity — to those who are not immune to the disease.

A positive antibody response does not necessarily mean that there is immunity but nevertheless it may give a first indication how many individuals may have had contact with a virus. Be aware of several infodemic websites on seroprevalence. Also note that most information is distributed by news agencies, press offices and preprints only bypassing usual standards in science. Unfortunately also most tests have not been properly standardized.

 

countrydateNrepresentativeantibody prevalence %methodLink
Wuhan, China2Apr201.401no10?journal
Robbio, Italy6Apr202.000?no?13.5?link to Ref 24 by Bendavid not working
Telluride, USA8Apr20986?0.8?newspaper
Santa Clara, USA17Apr203.330no (Facebook)1.5Premier Biotech, Minneapolismedrxiv
Netherlands15Apr207.361no (plasma donors)3.1Wantai Biological PharmacyNIH
Los Angeles, USA20Ap20863yes?4.1?press release
Trieste, Italy22Apr20727no (clinic staff)17.2Wantai SARS-CoV-2 Ab Rapid Testmedrxiv
Brevard, USA24Apr201000no?1.0?newspaper
Miami, USA14Apr201.800yes4.4-7.9?press release
Scotland, GB17Apr201.000no (blood donors)1.0neutralisation assaymedrxiv
Chelsea, USA17Apr20200no (passengers)32?newspaper via Science
New York, USA27Apr207.500??15.0?newspaper
Denmark28Apr209,496no (blood donors)1.7Livzon Diagnostics IgM/IgGmedrxiv
GermanyMay20 (weekly)1.342yes1.0?RKI
Iran1May20551yes22VivaDiag COVID‐19 VivaCheckmedrxiv
Barcelona, Spain2May20578no (healthcare worker)9.3Luminex / Krammermedrxiv
Gangelt, Germany4May20919no (hotspot)14.1Euroimmun?UK Bonn
Padova, Italy1May20133no (health care worker)5.3Chemiluminescencemedrxiv
San Miguel County, USA1May205.455?0.5UB?website
Philadelphia, USA9May20237no (patients)5.9own ELISA / Florian Krammerresearchsquare
Boise, USA7May204.856no (self selected)1.8Abbott SARS-CoV-2 IgGjournal
Kobe, Japan5May201.000no (outpatients)3.3RC-NC002, KURABOmedrxiv
Wake Forest, USA8May20676no (former patients)2.2?newspaper
Lausanne, Schweiz6May20 (weekly)1.335yes3.1, 6.1, 9.7Euroimmunmedrxiv
Brazil10May204.188yes0.05, 0.13Wondfo Biotech medrxiv<7a>
Singapore12May2032.000no (workers in dorms)??newspaper
Berlin, Germany13May205.000 / 7.500no (Charité staff)2.3, 0.3?Ärzteblatt
Spain15May2060.000yes (?)5.0?Reuters
Cambridge, UK15May201.032no (health care worker)3.0own protocolmedrxiv
Hannover, Germany18May20217no (health care worker)1.0Euroimmunmedrxiv
Stockhom, Sweden19May201.104yes?7.3?newspaper
Birmingham, UK22May20554no (health care worker=24.4high-sensitivity ELISA developed in-housemedrxiv

 

There is  preprint that lists some studies that I could not locate so far.

Prevalences should NOT be compared for methodological reasons.

No idea from where the NYT data originate.

 

 

 

 

Wieviel Viren braucht es zur Infektion?

Hier kommt eine Zusammenfassung basierend auf erinbromage.com sowie 10.1126/science.abc6197
1. Die kritische Grenze an Corona Viren, mit der man sich infizieren kann, liegt zwischen 100 und 1.000 Viren.
2. Mit normaler Nasenatmung gibt eine infizierte Person 20 Viren pro Minute durch die normale Nasenatmung ab. Nach 30-60 Minuten in einem schlecht belüftetem Raum ist genügend Aerosolnebel im Raum, um andere zu infizieren.
3. Sprechen produziert das 10fache, ca 200 Viren pro Minute, hier wird es also schon ab 5 Minuten kritisch.
4. Lautes Sprechen und Singen verteilt Aerosol weiter als 2 Meter und kann bis zu 2.000 Viren pro Minute erreichen. Hier ist die kritische Grenze also schon nach 30-60 Sekunden erreicht.
5. Beim einmaligen Husten können bis zu 200 Millionen Viren herausgeblasen werden, was für eine Infektion reicht.
6. Singen ist besonders ungünstig, da bei Mundatmung das Virus tief in die Lunge transportiert wird. In der Nase gibt es zwar die meisten Andockstellen für den Virus, deshalb verlaufen die meisten Infektionen harmlos, aber leider auch tief in den Alveolen / Lungenbläschen.
7. Sogenannte Superspreader können auch noch deutlich höhere Virusmengen ausstossen. Superspreader sind relativ frisch und vor allem tief in der Lunge infizierte Personen mit gewöhnlich wenigen Symptomen. Aerosol wird unter Druckänderungen im Brustraum beim Zu und Aufklappen der Alveolen produziert, also nicht im Luftstrom der Bronchien wie häufig angenommen. In der frühen Infektionsphase verdoppelt sich das Virus besonders schnell; bei Infektion der Alveolen liegt viel virushaltiges Material herum; Singen mit vielen Druckänderungen bewegt die Alveolen kräftig durch und schüttelt sie quasi aus.
8. Diese mehr experimentelle Sicht wird von den epidemiologischen Daten aus vielen Hotspots bestätigt: Ereignisse mit viel Reden und Singen: Kitzloch in Ischgl, Champions League Bergamo, Kirchenkonzert Kupferzell, Posaunenfest Eschental, Mulhouse Pfingstgemeindetreffen, Starbierfest Mitterteich. Es sind dabei nicht so sehr die Tröpfchen, sondern die Aerosole, siehe auch auch Drosten Folge 40.
9. Leider gibt es daher auch viele Erkrankungs- und Todesfälle bei Chören: Washington 40 infiziert, 4 tot. Berliner Dom Chor 50 infiziert, Chor in Hohenberg 16 Infizierte, Tote jeweils noch nicht erfasst.
10. Ein guter weiterführender Artikel auf https://first10em.com/aerosols-droplets-and-airborne-spread/
Mediensammlung Tröpfchen, Aerosole und Alveole

 

 

Corona Leugner

Auf youtube steht die “Hall of Fame” der Corona Leugner

Dr. Wolfgang Wodarg, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, Dr. Claus Köhnlein, Prof. John PA Ioannidis, Dr. med Marc Fiddike, Dr. Ojan Assadian, Dr. Massimiliano Bellisario, Prof. Karin Mölling, Prof. Dr. med Jörg Spitz, Dr. med Michael Spitzbart, Dr. Ulrich Strunz, Dr. Georgios Pandalis, Dr. Rolf Kron, Dr. Johnny Ludvigsson, Dr. Bruce Lipton, Dr. Ruediger Dahlke, Dr. Branimir Nestorovic, Dr. Andres Bircher, Dr. Raphael Bonelli, Dr. David Katz, Dr. Stefan Wöhrer, Dr. Stefan Lanka, Dr. Pietro Vernazza, Prof. Dr. Stefan Hockertz, Prof. Dr. Stefan Homburg, Dr. Rüdiger Dahlke, Prof. Dr. Klaus Püschel, Dr. Bodo Schiffmann

Hashtag auf Twitter ist #Covidiot, wobei ich aber weder Zeit noch Interesse habe, alle Namen nachzuschauen, wer denn wann welche Meinung vertreten hat und wieweit die Aufnahme in die Liste gerechtfertigt ist.

Skurill jedenfalls, wie Wodarg eine offensichtlich psychisch kranke Anwältin instrumentalisierte und wie seine Energie nun nahtlos in den Kampf gegen G6PD-Mangel übergeht. Dass Köche und Musiker paranoische Ideen entwickeln, mag der Stressituation geschuldet sein. Unerwartet allerdings, wie sich auch Parteien teilweise auf die Seite der Wissenschaftsleugner stellen.

Wunderwaffe?

“Silver bullet” ist eigentlich übersetzt Wunderwaffe oder Königsweg. Ob die Corona-Epidemie zum Wegbereiter einer Klimawende wird? Mehre Twitter Beiträge heute verlinken auf einen medium Artikel von Brad Zarnett ” Das Problem ist nicht Plastik, nicht die Abholzung, nicht das Auslöschen einer Spezies oder der  Biodiversität, es ist die Art und Weise wie wir unser Zusammenleben gestalten, wie wir Geschäfte machen und wie wir den Fortschritt messen”

https://twitter.com/BradZarnett/status/1245320838963920896

Something changed recently when I saw a map comparing the air over China before and after the country went into lockdown in an attempt to contain the COVID-19 Coronavirus. Slowly over the course of a week, I began to see the issue of climate change in a whole new light. … The path towards a stable climate will need to run through some kind of economic collapse. It will have nothing to do with a more sustainable business model or more progressive government action — both of those approaches have failed. Let’s face it — people just don’t feel the urgency to change how they live their lives and government is too weak and/or corrupt to lead the way.

Car and Bike Studies

Is mode of transport to work associated with mortality in the working-age population? You will live longer as a cyclist (New Zealand).

Physical activity and weight following car ownership in Beijing, China: quasi-experimental cross sectional study. You will be overweight after buying a car (Beijing).

The health risks and benefits of cycling in urban environments compared with car use: health impact assessment study. Avoid premature death abd reduce CO2 emissions (Barcelona).

Dutch Cycling: Quantifying the Health and Related Economic Benefits. Get 6 gratis months of life and save 3%  gross domestic product. (Amsterdam).

The relationship between bicycle commuting and perceived stress: a cross-sectional study. Less stress (Barcelona).

Physical Activity, Air Pollution, and the Risk of Asthma and Chronic Obstructive Pulmonary Disease. No problem with asthma (Denmark)

Bicycling to Work and Primordial Prevention of Cardiovascular Risk: A Cohort Study Among Swedish Men and Women. Prevents hypertension (Denmark)

Associations between Recreational and Commuter Cycling, Changes in Cycling, and Type 2 Diabetes Risk: A Cohort Study of Danish Men and Women. Decreases diabetes risk (Denmark)

Das Grüne Paradoxon, mehr politisches Schlagwort als wissenschaftliche Hypothese?

Am 16.12. war die Weihnachtsvorlesung des Ökonomen Hans-Werner Sinn (“das grüne Paradoxon”) in der Aula der LMU. Sinn stellte dort seine Thesen zur Wiederaufnahme der Kernernergie vor – gegen den Ausbau CO2 freier Techniken der Energiegewinnung durch Solarenergie und “Windflügel” und Energiespeicherung durch Pumpspeicherkraftwerke oder H2. “Wir bauen doch auch neue Passagierschiffe obwohl die Titanic unterging”.

Dabei liegt der Beitrag von Kernkraftwerken zur Endenergieversorgung in Deutschland bei nur 11% mit sinkender Tendenz und ist auch politisch keine Alternative durch die Risiken bei Betrieb und Endlagerung.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/29295/umfrage/anteil-der-atomenergie-an-der-stromerzeugung-in-deutschland/

Allein schon semantisch, ist das grüne Paradoxon längst ein Misnomer. Die Energie- und Verkehrswende ist kein grünes Thema mehr. Und paradox (“der gewöhnlichen Meinung zuwiderlaufend”) ist es auch nicht, dass die absehbar verbesserte Umweltpolitik die Ressourcenförderung und -verbrauch übergangsweise beschleunigen kann. Ein kurzfristiger Anstieg der Förderung kann natürlich vorkommen, ist aber dann wohl mehr ein kurzfristiger Rebound als ein wirkliches Paradox, denn wenn die Nachfrage langfristig überall sinkt, dann bleibt das Öl im Boden und wird nicht mehr in Geld in der Schweiz umgewandelt. Bei verminderter Nachfrage stehen die Förderanlagen nutzlos herum (und verfallen) oder müssen mit Verlust instand gehalten werden. Sein angenommener Verschiebebahnhof “dann nehmen die Amerikaner oder Chinesesen das Öl” ist zudem rassistisch, denn das Argument unterstellt allen nicht EU Staaten sowenig Intelligenz, dass sie die Klimakrise nicht mitbekommen würden.

In zwei geschlagenen Stunden habe ich keinen einzigen empirischen Beweis für Sinns These gesehen, dafür aber immer wieder populistische Stimmungsmache, Apelle an den “gesunden Menschenverstand” und um Anerkennung bemühte Überzeugungsversuche, Zitat “das ist kein Modell sondern einfache Rechnung”, “hartes Faktum, das kann jeder rechnen”, “da ist keine Theorie dabei”. Damit brauchen wir uns dann auch nicht wundern, dass heute morgen die ewig gestrigen Ideen wieder in der Zeitung stehen.

https://www.spiegel.de/plus/deutschland-war-der-atomausstieg-ein-fehler-a-38ddbbc7-93c6-43aa-982b-2ea46ada42ed    oder https://www.spiegel.de/plus/harvard-professor-ueber-risiko-mythen-wir-brauchen-mehr-atomkraft-a-00000000-0002-0001-0000-000167507159

Gab es irgend etwas Positives in dem Vortrag? Ja, an wenigen Stellen: Prämienzahlungen für den Erhalt der Wälder wären in der Tat eine gute Idee,  ebenso die Besteuerung des Kapitalmarktes in der Schweiz und eine “Koalition der willigen” Nationen, die beim Klimaschutz vorangehen.

Schade, dass von den einstigen Idealen so wenig übrig geblieben ist…

Das Video des Vortrages steht auf https://www.ifo.de/node/49956

Klima Statistik für Anfänger

Einwand: Was machen schon die 400 ppm oder 0,04% CO2 in der Atmosphäre, die doch zum Großteil (78,1 %) aus Stickstoff, etwas Sauerstoff (20,9%) und ein bisschen Argon (0,93 %) besteht?

Schon Paracelsus wusste, dass die Dosis das Gift ausmacht (“”sola dosis facit venerum”). Die LD50, also die Dosis, die bei der Hälfte der Menschen tödlich wirkt, liegt bei verschlucktem Botulinumtoxin ungefähr bei 10 Nanogramm. Auf 80 kg Körpergewicht oder 80 000 Gramm oder 80 000 000 Miligramm oder 80 000 000 000 Mikrogramm oder 80 000 000 000 000 Nanogramm gerechnet, sind die 10 Nanogramm nicht sonderlich viel ( 1,25 * 10^-13 ). Aber tödlich, wenn man diese Menge verschluckt hat!
Schlecht aber auch, wenn das CO2 nun an der Decke klebt, die 400 ppm sind die 320 000 fache Konzentration des Botulinumtoxins.

https://bildungsserver.hamburg.de/atmosphaere-und-treibhauseffekt/2068640/atmosphaere-aufbau-artikel/

Einwand: Was macht schon 1 Grad mehr im Jahr aus, wo die Temperatur doch bei uns im Jahr zwischen -20 und +35 Grad schwankt?

Wenn ich die rechte Hand auf eine heisse Herdplatte lege und die linke in Eiswasser halte, ist das im Mittel auch nur lauwarm, oder?
Über Jahre und geographische Regionen gemittelte Werte sind nicht geeignet, um Risiken durch Extremwerte zu erfassen. Die Umgebungstemperatur beeinflusst dabei die Mortalität, hier ein Ausschnitt aus einer Grafik im Lancet.

Ausschnitt aus FIG 1 https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(14)62114-0/fulltext

Es gibt in den Grafiken oben (noch) wenige Beobachtungen über 30 Grad, aber hier steigt das Risiko exponentiell an. Was Hitze im menschlichen Organismus anrichtet ist bekannt: Kreislaufstörungen bis hin zu Hitzschlag und Tod.

Der gemeine Menschenverstand

EP Fischer beschreibt den “gemeinen Menschenverstand” – wie er bei Immanuel Kant im 18. Jahrhundert noch hieß – mir der Schicht von Vorurteilen, die sich in den Köpfen der Menschen ablagern, bevor sie 18 Jahre alt werden. “Es ist das Denken, wie es sich entwickelt und herausbildet, wenn ihm nichts auffällt und nichts dazwischen kommt. Der gesunde Menschenverstand ist das biologische Brett vor dem Kopf, das den Durchblick zur wissenschaftlichen Einsicht verhindert.” Stellen wir also Pro und Contra gegenüber.

Pro: https://www.nzz.ch/feuilleton/gesunder-menschenverstand-jared-diamond-ld.138078

Aber gerade in der Wissenschaft, wo es gelegentlich an ihm mangelt und er wenig geachtet ist, wäre es zu begrüssen, wenn der Common Sense eine grössere Rolle spielte. Wissenschafter sind in der Lage, einen detaillierten Gedankengang zu entwickeln, der zu einem unplausiblen und der Vernunft widerstrebenden Schluss führt. Und oft sind andere Wissenschafter bereit, diesen unplausiblen Schluss zu akzeptieren, weil sie sich von den Details der Argumentation einwickeln lassen.

Contra: https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-642-80223-2_5

In den Worten des französischen Philosophen der Wissenschaft Gaston Bachelard: “Eine wissenschaftliche Erfahrung ist eine Erfahrung, die der gewohnten Erfahrung widerspricht.” …
Denn zu unseren gewohnten Erfahrungen gehart es zum Beispiel, daß ein Stein schneller zu Boden fällt als ein Blatt. Vor langer Zeit – gemeint ist die Antike – wurde daraus noch der (scheinbar logische) Schluß gezogen, daR allgemein schwere Körper schneller fallen als leichte.

Climate refugees

People may be fleeing catastrophic events in their home countries. When preparing now a lecture on medical consequences of the climate crisis ( based on the 2019 Lancet  Report ) I found an intriguing piece at the UNHCR website.

According to the Internal Displacement Monitoring Centre, there were 18.8 million new disaster-related internal displacements already in 2017. Displacement across borders also occurs, and may be interrelated with situations of conflict or violence. From the legal side, however, there are no “climate refugees”, as a refugee is defined as a person who has crossed an international border

owing to well-founded fear of being persecuted for reasons of race, religion, nationality, membership of a particular social group or political opinion

The full document is at https://www.refworld.org/pdfid/5906e0824.pdf. The definition of a refugee certainly requires an immediate update including also climate related events.

 

Update Jan 22, 2019

A Kiribati man now changed the opinion of the UN being accepted as an environmental migrant.

Correlation of earth temperature and global mean CO2

For teaching purposes I need the CO2 concentration vs earth temperature by year (Keeling curve). For that purpose we can use the Hadcrut 4 dataset created earlier while the global mean CO2 mix ratios (ppm) can be found at https://data.giss.nasa.gov/modelforce/ghgases/Fig1A.ext.txt.
After unscrambling that file and merging it to Hadcrut4 we can plot it

library(patchwork)
p1 <- ggplot(temp, aes(x=year, y=annual)) + geom_point() + stat_smooth(method="loess", span = .6) +
  scale_y_continuous( name="difference from baseline  [ oC ]", limits=c(-1,1) )

p2 <- ggplot(temp, aes(x=year, y=ppm )) +  geom_point() + stat_smooth(method="loess", span = .6) +
  scale_y_continuous( name=expression('ppm CO'[2]) )
p1+p2

Here are the two time courses

Time course of earth temperature (1850-2018) and CO2 (1850-2011)

while the correlation is higher than I expected

Correlation of earth temperature and CO2

 

References

  • 1850-1957: D.M. Etheridge, L.P. Steele, R.L. Langenfelds, R.J. Francey, J.-M. Barnola and V.I. Morgan, 1996, J. Geophys. Res., 101, 4115-4128,”Natural and anthroupogenic changes in atmospheric CO2 over the last 1000 years from air in Antarctic ice and firn”.
  • 1958-1974: Means of Scripps Institution of Oceanography Continuous Data at Mauna Loa and South Pole provided by KenMaarie (personal communication)
  • 1975-1982: Means of NOAA/CMDL in-situ data at Mauna Loa and South Pole. (P. Tans and K.W. Thoning, ftp://ftp.cmdl.noaa.gov/ccg/co2/in-situ)
  • 1983-2003: Global means constructed using about 70 CMDL CCGG Sampling Network station data. (P.P. Tans and T.J. Conway, ftp://ftp.cmdl.noaa.gov/ccg/co2/flask)
  • 2004-2007: Global mean growth rates. (T. Conway, ftp://ftp.cmdl.noaa.gov/ccg/co2/trends)

Zur Geschichte der Klimaforschung

Es ist nicht einfach, hier einen Überblick zu bekommen.

Jedenfalls sollte man von Qualität der Wettervorhersagen (die für die nächsten 24 Stunden von 75% auf über 90% in den letzten 20 Jahren gestiegen ist), nicht auf die Qualität der Klimavorhersagen schliessen.

Die Geschichte der Klimaforschung kann jedenfalls in vier Beiträgen lückenlos nachgelesen werden:

Johan Rockström talking about tipping points

Last week I had the opportunity to attend a lecture by Johann Rockström explaining his most recent Nature commentary about tipping points “too risky to  bet against”.

The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) introduced the idea of tipping points two decades ago. At that time, these ‘large-scale discontinuities’ in the climate system were considered likely only if global warming exceeded 5 °C above pre-industrial levels. Information summarized in the two most recent IPCC Special Reports (published in 2018 and in September this year) suggests that tipping points could be exceeded even between 1 and 2 °C of warming.

Prof. Dr. Johan Rockström Nov 28, 2019 @ 1. Helmholtz Sustainability Summit Max-Dellbrück Zentrum in Berlin explaining his recent Nature paper. The full stream is at https://www.youtube.com/watch?v=Ppj04TGaX-Y&feature=emb_logo and the report at https://www.helmholtz.de/index.php?id=6449

This is a cruel message in particular as probably already one tipping point has been passed @ the Amundsen Sea embayment of West Antarctica. There is a thick ice sheet of about 3 km which forms one of the three major ice-drainage basins of the West Antarctic Ice Sheet. And the ice is melting rapidly – with the tipping point having been passed in 1996.

The Amazon is burning right now — the world’s largest rainforest. Estimates of the Amazon tipping point ranges between 20% and 40% deforestation.

Panel discussion 1st Helmholtz Sustainability Summit Max-Delbrück Zentrum Berlin. From left to right Prof. Dr. Thomas Hirth, Prof. Dr. Martin Visbeck, Prof. Dr. Otmar Wiestler, Prof. Dr. Heike Graßmann, Prof. Dr. Michael Backes, Heike Leitschuh. More talk than action.

A 498 references paper on climate change and allergy

This is certainly the most comprehensive paper that examines the association of air pollution, climate change and allergen exposure: “Air Pollution and Climate Change Effects on Allergies in the Anthropocene: Abundance, Interaction, and Modification of Allergens and Adjuvants

Air pollution and climate change are potential drivers for the increasing burden of allergic diseases. The molecular mechanisms by which air pollutants and climate parameters may influence allergic diseases, however, are complex and elusive.

There is no causal effect of allergens on human allergy, as allergens have been always abundant even without allergy. Nevertheless allergens are drivers aggravating symptoms in allergy-prone patients by basically four factors

  1. Stability effects; influencing the accumulation and degradation of allergenic proteins, the duration of exposure times to cellular receptors, and the process of antigen presentation via major histocompatibility complex (MHC) class II
  2. Epitope effects, i.e., generation of new epitopes or modification of existing epitopes, changing the binding properties of antibodies and receptors, by direct chemical modification or as a result of conformational changes
  3. Adjuvant effects, i.e., generation of new adjuvant functions or modification of existing adjuvant functions such as lipid-binding capacities due to modified ligand binding sites
  4. Agglomeration effects, i.e., multiplication or shielding of epitopes or adjuvant functions by cross-linking (oligomerization) of allergenic proteins, which may enhance the cross-linking

I would add 5. that the absolute number of pollens increased in some areas as a stress response of dying trees.