Schlagwort-Archive: COVID-19

Die Schattenpandemie in Afrika

mehr zu der Situation in Afrika – ein wichtiger Artikel im  Freitag – zu den weithin unsichtbaren indirekten Folgen der Pandemie

Allein in Afrika leben 26 Millionen Menschen mit HIV, von denen pro Jahr Hunderttausende daran sterben. Und die für Kinder und Babys besonders gefährliche Malaria fordert alljährlich fast 400.000 Menschenleben. Das sind große Zahlen, und doch waren sie schon viel größer – nur durch einen enormen gesundheitspolitischen Kraftakt war es gelungen, sie zu senken. Unter den Bedingungen der Pandemie aber suchen viele Leute kein Krankenhaus mehr auf. Einer Untersuchung des in Genf ansässigen Globalen Fonds zufolge gingen in Afrika und Asien die pränatalen Vorsorgeuntersuchungen von April bis September 2020 um zwei Drittel zurück.

Lesenswert!

Übersterblichkeit zwischen den Corona Wellen

Mit der destatis PM Nr 563 gehe ich davon aus, dass es in der Tat eine Übersterblichkeit in Deutschland gab, d.h. dass in den gemessenen Zeitspannen die Zahl der Sterbefälle signifikant über der durchschnittlichen Zahl der Sterbefälle des vorangegangenen Vergleichszeitraums lag.

Die Erklärung umfasst

  • nachlaufende Todesfälle zB durch Grippe bei nachlassender Infektionsprophylaxe nach der Welle
  • vorgezogene Todesfälle zB Personen die ohne das Auftreten der Corona-Welle infolge von Vorerkrankungen oder altersbedingt schon früher gestorben wären
  • reduzierte Therapieangebote während der vorangegangenen Welle etwa durch ausbleibende Therapie onkologischer oder kardiovakulärer Erkrankungen
  • eventuell auch noch ein geringer Meldeverzug

Die Frage ist ohne Zusatzstudien nicht einfach zu beantworten, ein Zusammenhang mit der Impfung ist aber praktisch ausgeschlossen.

 

The anti-Vaxxers – a disturbing video

Sorry about J.D. –  the German lady at 6:28 – history is not repeating itself right now. There is no police state in Berlin/Brandenburg. We have no world war II situation, there are just a couple of strange science and vaccine deniers.

Datenschutz

Zitat aus einem Interview mit Claus-Dieter Heidecke (IQTIG)

Wie bewerten Sie die Rolle des Datenschutzes in Deutschland?
Der Datenschutz hat natürlich absolut seine Berechtigung. Aber er muss sich stets an den Interessen der Patientinnen und Patienten orientieren und nicht an sich selbst. Beim Implantateregister, zum Beispiel, hat der Datenschutz dazu geführt, dass man die eingetragenen Daten nicht mit Daten der Qualitätssicherung verknüpfen kann. Jetzt kann man zwar Patienten identifizieren, denen ein fehlerhaftes Implantat eingesetzt wurde, man kann die Daten aber nicht für die Qualitätssicherung auswerten. Das halte ich für eine Fehlkonstruktion.

Genauso ist es mit dem DIVI Register. Obwohl ich das Register damals dem RKI vorgeschlagen hatte, konnte ich hinterher trotz mehrfacher Anfrage die Daten nie zu einer Auswertung haben.

Auch so eine Fehlkonstruktion die im Gegensatz zu Knieimplantaten aber vielen Menschen das Leben gekostet hat.

Deutsche Behörden sind nicht gut im Problemlösen aber sehr gut im sturen Anwenden von Regeln.

Eine harmlose Frage

Eine harmlose Frage auf Twitter gestern …

Nein, das wusste ich nicht.

Der Aufruf kommt von  der “Initiative Familie“, einem Verein von  Corona Massnahmenkritikern. Von Kries ist nun der vierte im Club der LMU Verschwörer nach Johannes HübnerGöran Kauermann und Ulrich Mannsmann.

Kein Handlungsdruck Kinder zu schützen” oder Zitat “eine Impfpflicht bei Jugendlichen ist absurd … die Jugendliche erkranken nicht schwer … es gibt keine Verpflichtung zum Impfen … es ist nicht das Entscheidende zum Überleben unserer Republik … wenn sich 61% natürlich immunisieren wird das weder das Krankenhaussystem zum Zusammenbrechen bringen noch wird es dem Menschen in grösserem Mass Schaden zufügen”.  Ganz im  O-Ton “Kinderärztliche Praxis“, wo von Kries über Masseninfektion von Kindern schwadronierte

Das einzig Gute an dem COVID-19-Erreger ist es, dass Kinder und junge Erwachsene selten schwer erkranken. Da überrascht es, dass die Politik die Option eines kontrollierten Aufbaus der Herdenprotektion zunächst bei Kindern und deren Eltern gar nicht diskutiert.

USA Stand heute hat über 6 Millionen infizierte Kindern mit fast 17.000 hospitalisierten Kindern und 636 Todesfälle. Die Long-Covid Rate dabei ist unbekannt. Und was ist mit Kindern die Tumore haben?

Die Arroganz des Kollegen kenne ich schon lange von früheren Kooperationen und einer gemeinsamen Prüfung an der Fakultät. Und nicht zuletzt als er uns als Vorsitzender einer BMBF Kommission eine Multicenter Studie zu Vitamin D bei Neugeborenen abgelehnt hat (2009 VIT-AL).

Die Stiko manövriert sich nun immer mehr ins Abseits wenn Mertens dann ganz im Sinn von Kries auch noch behauptet, dass die Rolle von Kindern in der COVID-19 Pandemie überbetont sei.

Ich meines, es ist allemal besser beim CDC oder bei der EMA  nachzuschauen wenn man aktuelle Informationen braucht. Sowohl CDC und EMA befürworten im übrigen die Impfungen von Kindern.

Virus reactivation

A recent Nature study showed Ebola reactivation in a previously infected patient:

The 2021 lineage shows considerably lower divergence than would be expected during sustained human-to-human transmission, which suggests a persistent infection with reduced replication or a period of latency.

The most recent viral genome shared 10 substitutions that evolved during the previous epidemic making it unlikely that there was a new animal spillover event. I always wondered how second & third wave of COVID-19 started in Germany. Was it really a new spread or just a reactivation? A Frontiers review concluded from the existing literature that

our study, consisting more than a total of 113,715 patients, indicates that the RP-SARS-CoV-2 scenario occurs plausibly due to reactivation, reinfection, viral shedding, or testing errors.

So far, there are 240 documented COVID-19 cases of reinfection reported worldwide according to the reinfection tracker. In the case of Ebola there is a known viral persistence in semen while  transmission through milk and cervicovaginal fluid is also possible (similar for COVID-19 although neuronal persistence seems to be more relevant). Maybe we need more immunological studies particular in long COVID if there is a continuous or intermittent antigenic stimulation due to persistence of an antigenic reservoir.

The fourth wave in Germany is caused by the delta variant, reactivation of alpha is certainly not a major factor. So we will only know in the next few years if reactivation is responsible for small regional outbreaks in unvaccinated communities.

COVID19 Testzentren oder reicht ein COVID19 Selbsttest?

Bei einer Radtour von München nach Berlin Ende Juni 2021 habe ich wegen einschlägiger Vorschriften für Hotels und Campingplätze fast täglich ein neues Testzentrum gesucht.

Bei den insgesamt 7 Schnelltests gab es dabei in jedem Bundesland andere Regelungen – einmal durfte ein Test nur 24h alt sein, dann wieder 72h oder es gab wie in Berlin überhaupt keine Testpflicht.

An einer Rezeption bekam ich selbst das Testkit in die Hand. Einmal sollte ich nur an dem Stäbchen lutschen, zweimal wurde nur die vordere Nasenhöhle abgestrichen, zweimal die Tonsillen; einmal war es nur eine kurze Schleimhautberührung, einmal wurde mir fast ein Loch in die Rachen hinterwand gebohrt.

 

 

Nürnberg eurofins 21Dx Zentrum 25.6.2021: Das Zentrum ist besonders gut in Erinnerung geblieben weil  es im Nieselregen im Freien 5 Anläufe gebraucht hat auf einem Handy eine Webseite auszufüllen, die für ein Ipad aber nicht Iphone konstruiert war. Leider fiel dann auch noch der Webserver aus, so dass  mich der Test mit Umweg und Wartezeit fast 2 Stunden gekostet hat.
Berlin Kreuzberg Tarons Teststation 2.7.21 Die letzte und superfreundliche Teststation. Im übrigen waren alle Tests negativ was nach Impfung und AHA Regeln auch zu erwarten war.

 

Das Argument für die deutschen Testzentren war (trotz der bald erkannten Betrugsanfälligkeit), daß man Tests sonst nicht hätte flächendeckend ausrollen können.

Ich glaube allerdings dass das nicht so ganz stimmt. Schnelltests sind alle mit Barcode versehen, damit eindeutig registrier- und zuordenbar.  So funktioniert jedenfalls die Tiroler Methode, bei der auf einer Webseite selbst durchgeführte Tests mit ID eingetragen und damit entwertet werden.

Screenshot 16.7.2021 https://selbsttest.tirol/register

Vorteile dieser Methode:  genauso viel oder so wenig vertrauenswürdig wie die Testzentren, leicht überprüfbar ob die Nummer wirklich entwertet wurde, zentral auswertbare Tests und – siehe oben – technisch auch nicht schlechter als die Testzentrum, jedenfalls bei immenser Kosteneinsparung. Dazu kommt die Zeitersparniss,  besseren Datenschutz sowie keine zusätzliche Infektionsgefahr im Testzentrum.

WHO and miasma theory

Coming from asthma and air pollution research I have supported aerosol research and mask wearing during the COVID-19 pandemic long before the WHO.

 

But wait there is an historical background for the dumb hand washing videos of Maria Van Kerkhove.  WIRED has the interesting story that goes far back into history.

Part of medical rhetoric is understanding why certain ideas take hold and others don’t. So as spring turned to summer, Randall started to investigate how Wells’ contemporaries perceived him. That’s how she found the writings of Alexander Langmuir, the influential chief epidemiologist of the newly established CDC. Like his peers, Langmuir had been brought up in the Gospel of Personal Cleanliness, an obsession that made handwashing the bedrock of US public health policy. He seemed to view Wells’ ideas about airborne transmission as retrograde, seeing in them a slide back toward an ancient, irrational terror of bad air—the “miasma theory” that had prevailed for centuries. Langmuir dismissed them as little more than “interesting theoretical points.”

translated into German 15/06/2021 republik.ch

Literaturliste COVID-19 ICU Mortalität in Deutschland

The COVID-19 disease burden in Germany in 2020—years of life lost to death and disease over the course of the pandemic
Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 145-51; DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0147

Schilling J, Lehfeld A-S, Schumacher D et al. Krankheitsschwere der ersten COVID-19-Welle in Deutschland basierend auf den Meldungen gemäß Infektionsschutzgesetz. https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsJ/JoHM_S11_2020_Krankheitsschwere_COVID_19.html

Roedl K, Jarczak D, Thasler L et al. Mechanical ventilation and mortality among 223 critically ill patients with coronavirus disease 2019: A multicentric study in Germany. Australian Critical Care. 2020

Rieg S, Cube M von, Kalbhenn J, Utzolino S, Pernice K, Bechet L, et al: COVID-19 in-hospital mortality and mode of death in a dynamic and non-restricted tertiary care model in Germany. medRxiv 2020. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.07.22.20160127v1

Karagiannidis C, Mostert C, Hentschker C, Voshaar T, Malzahn J, Schillinger G, et al: Case characteristics, resource use, and outcomes of 10 021 patients with COVID-19 admitted to 920 German hospitals: an observational study. The Lancet Respiratory Medicine 2020;8:853–862

Nachtigall I, Lenga P, Jóźwiak K, Thürmann P, Meier-Hellmann A, Kuhlen R, et al: Clinical course and factors associated with outcomes among 1904 patients hospitalized with COVID-19 in Germany: an observational study. Clinical Microbiology and Infection 2020. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1198743X20304936

Karagiannidis C, Windisch W, McAuley DF, Welte T, Busse R. Major differences in ICU admissions during the first and second COVID-19 wave in Germany. Lancet Respir Med. 2021 Mar 5:S2213-2600(21)00101-6. doi: Observational study of changes in utilization and outcomes in non-invasive ventilation in COVID-19
Christian Karagiannidis, Corinna Hentschker, Michael Westhoff, Steffen Weber-Carstens, Uwe Janssens, Stefan Kluge, Michael Pfeifer, Claudia Spies, Tobias Welte, Rolf Rossaint, Carina Mostert, Wolfram Windisch
doi: https://doi.org/10.1101/2021.03.28.21254477

J. Schüttler, J.M. Mang, L.A. Kapsner, S.A. Seuchter, H. Binder, D. Zöller, O. Kohlbacher, M. Boeker, K. Zacharowski, G. Rohde, J. Balig, M.O. Kampf, R. Röhrig, H.-U. Prokosch
Letalität von Patienten mit COVID-19: Untersuchungen zu Ursachen und Dynamik an deutschen Universitätsklinika. https://www.ai-online.info/online-first/letalitaet-von-patienten-mit-covid-19-untersuchungen-zu-ursachen-und-dynamik-an-deutschen-universitaetsklinika.html

 

Jürgen Klauber · Jürgen Wasem Andreas Beivers · Carina Mostert (Hrsg). Krankenhaus 2021. Report S. 296

COVID-19 Mortalität V: Vergleich Schweiz/Österreich

Hier noch ein Vergleich der Case Fatality Rate in Deutschland mit Österreich und der Schweiz.

Beide Länder haben in der ersten Phase offensichtlich dazu gelernt, wie man besser (nicht) beatmet, Deutschland hat eher nichts dazugelernt.

 

Quellen: RKI (Deutschland) https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4 AGES (Österreich) https://covid19-dashboard.ages.at/dashboard.html sowie Dashboard (Schweiz) https://www.covid19.admin.ch/de/overview Download am 24.1.2021. CFR im gleitenden Mittel aus Fällen 14 Tage vor und Todesfällen 14 Tage nach dem Indextag. Letzter berichteter Wert 15.12.2020
Zeitungsausriss 29.10.2021, überprüft am 24.1.2021, Quelle https://wien.orf.at/stories/3073495/

Covid-19 genetics – Any role of MIP1B?

The first GWAS of severe COVID-19 infection was published in the NEJM with the main hit at rs11385942 at locus 3p21.31, a region linked by the authors to LZTFL1. The GWAS catalogue points to MIP1B ( Macrophage Inflammatory Protein 1 beta, MIP-1b, CCL4) level that has been mapped there as well.

https://www.ebi.ac.uk/gwas/genes/LZTFL1
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5223028/

MIP-1B seems to be increased in patients with COVID-19 as a study showed that levels of various CCGFs, including PDGF-BB, CCL5/RANTES, CCL4/MIP-1β, IL-9, and TNF-β were upregulated in COVID-19 patients but negatively correlated to disease severity.

Supplement https://www.nature.com/articles/s41392-020-0211-1

Another study measured also MIP-1B but no major effect

Supplement https://insight.jci.org/articles/view/139834/sd/1

A recent Frontiers review discusses the relationship to the cytokine storm in fatal COVID-19 infection but again no isolated effect. Nevertheless I have a gut feeling from a 1995 Science paper that it could be relevant as it was identified as the major HIV-SF produced by CD8+ T cells (which are so important also in COVID-19 recovery).

Evidence Based Medicine, Ioannidis und Covid-19

eine kurze Ergänzung zu „Der Fall Ioannidis“ – Schlamperei beim Gralshüter wissenschaftlicher Qualitätsstandards? im Laborjournal 6.2020 …

Dass John Ioannidis, einer der bekanntesten Systemkritiker der Biomedizin, derart hart am Boden aufschlägt, ist eines der verbüffendsten Phänomene der Corona Pandemie. Ioannidis, einer der am meisten zitierten Mediziner, nun plötzlich die treibendende Kraft hinter der desolaten US Politik, der direkte Gegenspieler von Lipsitch und Fauci, in einem Land, das wegen der ignoranten Politik nun unter 5,7 Millionen Fällen und 176.000 Todesfällen leidet?

Bei aller Sympathie, aber dieser Fenstersturz war eigentlich noch schlimmer als von Dirnagl beschrieben. Tragisch natürlich, nachdem es Dirnagl doch gelang, Ioannidis an das BIH Berlin zu holen. Aber selbst Youtube löschte dann doch das Ioannidis Interview (bei Dailymotion ist es noch verfügbar).

Den Platz in der ersten Reihe der Corona Leugner hatte sich Ioannidids mit dubiosen Aussagen zur “Princess Diamond” ja umgehend gesichert. Natürlich haben uns damals viele Daten gefehlt (und fehlen uns immer noch dank einer desolaten Forschungspolitik) aber den Lockdown als Atombombe zu bezeichnen? Zum Beweis der These von der Ungefährlichkeit der Virusinfektion mit allenfalls ” 10.000  Toten” kam erst die dubiose Santa Clara Studie, dann eine unvollständige Meta-Analyse, bis zu dem bereits erwähnten Paper zum Covid-19 Risiko in dem in einer   Untergruppe einer Untergruppe das Verkehrsrisiko als Vergleich diente. Hat Ioannidis, ungeachtet der methodischen Schwächen seiner Studien, aber vielleicht dennoch recht, fragt nun Dirnagl?

Die Begründung für den ersten Lockdown kam nicht allein aus der mathematischen Modellierung oder den ersten Daten aus der Infektionsepidemiologie – es gab Argumente aus Virologie, Molekularbiologie, Aerosolphysik, Immunologie und Klinik, die alle für drakonische Massnahmen sprachen (Ioannidis ist im übrigen schon beim nächsten Thema, er interessiert sich gerade für die Frage, wie man den Nobelpreis bekommt).  Sicher, man könnte sagen, ein Egomane eben “so attached to being iconoclast that defies conventional wisdom that he’s uninentionally doing horrible science” wie Wired schrieb. Nach den geleakten Emails bei BuzzFeed stimmt es aber wohl doch nicht, was Ioannidis immer betont hat — dass nämlich die Politik mit den sofortigen drakonischen Abwehrmaßnahmen richtig gehandelt hat. Im Gegenteil, er hat dagegen opponiert, bis es nicht mehr anders ging.

Ich sehe hier auch nicht so sehr die Preprints als Hauptproblem für die aktuelle Misere von EbM (“Evidence Based Medicine”). Die 100 Twitterkommentare eine Stunde nach dem Hochladen des Ioannidies Preprints waren aus epidemiologischer Sicht allemal qualifizierter als es zwei Reviewer jemals hätten sein können. Auch habe ich wenig Angst vor “Research Exceptionalism” –  gute Arbeitsgruppen aus renommierten Institutionen werden genauso gute Preprints wie gute Paper verfassen.

Das Problem scheint mir woanders zu liegen, nämlich wie dogmatisch die EbM-Gemeinde im Fahrwasser von Ioannides reagierte. So etwa Antes, den ich auch sehr schätze, der aber in der Badischen Zeitung meinte, Covid-19 sei der “Abschied von der Wissenschaft” und “da will ich Herrn Drosten widersprechen”. Das deutsche EbM Netzwerk erschöpfte sich in der Wiederholung des Mantras von kontrollierten Studien, etwa “wenig Evidenz, dass NPIs bei Covid-19 tatsächlich zu einer Verringerung der Gesamtmortalität führen” und demonstriert damit tragikomisch ihr Fallschirm Problem. Die Wikipedia schreibt völlig zurecht, dass

bei der Übertragung ins Deutsche [die Gründer] einem falschen Freund erlagen: Während evidence im Englischen je nach Kontext die Bedeutungen ‚Beweis‘, ‚Beleg‘, ‚Hinweis‘ oder ‚Zeugenaussage‘ hat, ist die Bedeutung von Evidenz im Deutschen Offensichtlichkeit (die keines Beweises bedarf) (englisch: obviousness). Deshalb wurde vorgeschlagen, im Deutschen die Bezeichnung “nachweisorientierte Medizin” zu verwenden, was sich jedoch nicht durchgesetzt hat.

Zugegeben, die deutsche Covid-19 Forschung war reichlich kopflos, als würde es keine Epidemiolog:innen in Deutschland geben. Wenn die Politik aber auf das systematische Cochrane Review mit EbM Siegel hätte warten müssen, dann hätten wir Schweden locker zweimal in der Mortalität überholt. Mit Artikeln wie “Corona-Virus in unseren Pflegeheimen – ein evidenzfreies Drama in drei Akten” war die Nähe von EbM zu Corona Leugnern wie Wodarg, Bonelli, Bhakdi oder Homburg schon sehr unangenehm. Und sie ist es weiterhin: Erst wurde gegen den Lockdown wegen der Kollateralschäden argumentiert und danach, dass der Lockdown ja nicht nötig gewesen – ein klassischer Zirkelschluss. Ich erinnere mich auch noch an solche pseudorationale Ansagen wie “sollte die Ausbreitung tatsächlich nur aufgrund der NPIs zurückgehen, so ist mit einem erneuten Anstieg zu rechnen, sobald diese gelockert werden”. EbM hat – um die Kritik Achensteins aufzugreifen – in der Tat keinen Sinn für den „erklärenden Zusammenhang“ und ist erstarrt in formalen Regeln.

Ich halte es mittlerweile für ein systembedingtes Versagen von EbM, die Dynamik des Geschehens formal erfassen zu wollen. Covid-19 hat vielen von uns unbarmherzig die Grenze unserer Argumente aufgezeigt. Gerd Gigerenzer unterscheidet “die Welt die stabil ist, wo man einfach die Statistik anwenden kann. Das ist die Welt von berechenbaren Risiken…”. Nur leider, Covid-19 hat sich bisher mehrfach den berechenbaren Risiken entzogen.

Die Kritik an dem anonymen EbM Pamphlet reisst daher nicht ab, so zB Drosten in NDR Podcast 56 und TAZ Interview. Seine Kritik geht zu falschen Zitaten, missverstandenen Ringversuchsdaten und der a posteriori Argumentation (“prevention paradox”) einer Gruppierung die selbst keinen inhaltlichen Beitrag liefert.

Teil II

Fragensammlung Corona

Welche Rolle haben die Starkbierfeste und Wahlen in Bayern bei Ausbruch gespielt?

Welche Personengruppe/Gewerbe infiziert im Augenblick gerade die meisten anderen Menschen?

Wieviele (nicht ausgewählte) Personen haben die Erkrankung bereits durchgemacht?

Wieviele Kinder? Sind Kinder weniger ansteckend als bei sonstigen Viruserkrankungen?

Gibt es Near Field Tracing Apps ohne massive Datenschutzprobleme?

Kann man die Gesundheitsämter mit besserer Software ausrüsten?

Kann man die Zeit für den Crispr Schnelltest unter 40 Minuten drücken?

Gibt es eine Hintergrund-Immunität durch verwandte Corona Viren?

Gibt es Kreuzreaktionen, die zu schwererem Verlauf führen?

Gibt es genetische Varianten oder altersabhängige Genmethylierung von ACE2, TMPRSS2 oder Cathepsin L oder diversen Interleukinen, die den klinischen Verlauf negativ beeinflussen?

Wie ist die Kinetik von SarsCoV2 und ACE2 Rezeptorbindung?

Ist rekombinantes lösliches ACE2 ein therapeutisches Prinzip? Wirken TMPRSS2 Hemmer?

Was löst die neurologischen Symptome wie Guillain-Barré und Anosmie aus? Warum ist der pO2 oft so niedrig ohne Atemnot?

Was bedingt den Übergang von L und H Typ der Pneumonie?

Gibt es eine lokale pulmonale Hypertonie und Rechts-Links Shunt zB durch Angiotensinogen II Freisetzung?

Warum ist Heparin so gefährlich?

Was ist besser, Tot- oder Lebendimpfstoff?

DNA, RNA oder Protein basierter Impfstoff?

Wie begegnet man am besten fake news?

Corona and vitamin D – astroturf

Vitamin D is a remedy for everything, at least for some people. Right now, there are now already 44 papers that describe an association to corona infection. I have read only a few of them – 100% astroturf.

Media query 18/4/2020 at the new NIH interface https://icite.od.nih.gov/covid19/search/#search:searchId=5e9a955c690d75486c676e67