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Klimakrise und Hyernomie Theorie

Anomie, der Zustand bisher fehlender oder schwacher Normen, ging in die Anomietheorie von Robert Merton ein als der Widerspruch zwischen Ziel zB Konsum und Realität etwa aufgrund fehlender Finanzen. Darauf kann individuell auf verschiedene Arten reagiert werden (gekürzt) nach  Wikipedia)

  1. Konformität: Hoher Konsum, Mittel vorhanden, Rationalisierung
  2. Innovation: Konsumwunsch, Mittel fehlen, Kriminalität
  3. Ritualismus: Konsum reduziert, damit die legalen Mittel reichen, Vernunfthandlung
  4. Rückzug: Konsum und legale Mittel werden für sich abgelehnt, eigene Isolation
  5. Rebellion: Konsum und legale Mittel werden für alle abgelehnt, Krieg

In der Klimakrise kommen plötzlich hohe Normen auf uns zu – ich würde es Hypernomie nennen – von denen Reto Knutti sagt (1,2)

Wenn sich alle so verhalten wie Sie, werden wir die Klimaziele verfehlen», sagt Knutti. «Es geht mir nicht darum, zu moralisieren. Wir befinden uns alle in diesen Widersprüchen. Wenn ich in der Wissenschaft auf dieser Ebene arbeiten will, ist es unumgänglich, dass ich hin und wieder zu Kongressen fliege. Aber dennoch: Was bis 2050 gefordert ist, ist null CO2. Das heisst nicht: ein bisschen sparen. Null bedeutet null. Den Verbrennungs­motor gibt es dann nicht mehr. Fliegen gibt es nicht mehr, ausser es gelingt uns, synthetisches Kerosin als Alternative auf den Markt zu bringen oder CO2zu sequestrieren. Eine Ölheizung gibt es nicht mehr. Wir werden unser Leben umstellen müssen.

Ich vermute auch unter Hypernomie Bedingungen bleiben die Reaktionen gleich

  1. einige AfD Mitglieder
  2. einige DAX Unternehmen
  3. hoffentlich die Mehrheit
  4. einige Religionen
  5. einige XR

Globaler Diskurs? Ein Nirvana-Fehlschluss

Das Ärzteblatt gestern über eine BMBF Veranstaltung zu den Crispr Cas Zwillingen

Dabrock warnte vor einem Schwarz-Weiß-Denken bei ethischen Fragestellungen zur Keim­bahnveränderung. Es sei vielmehr ein globaler Diskurs erforderlich, an dem nicht nur die wissenschaftliche Gemeinde beteiligt ist – der letztlich gegebenenfalls in globale Regelungen münde.

Was soll man dazu sagen? Zu einer Rhetorik,  die feststellt daß alle anderen “Schwarz-Weiss” denken? Globaler Diskurs ist in dem Zusammenhang eine falsche Dichotomie, denn das Gegenteil von “Schwarz-Weiss” wäre ja “bunt”, eine möglichst vielfältige Alternative.

Nach mittlerweile vier Vorträgen zu dem Thema glaube ich mitterweile, dass die meisten Menschen nicht mal den Unterschied zwischen somatischer und Keimbahntherapie verstehen. Und dass die Welt im Augenblick ganz andere Probleme hat.

Den Diskurs in die globale Sphäre vertagen, sagt jemand, der selbst nicht mal auf Emails antwortet? “Globaler Diskurs” sieht nach einem klassischen Beispiel für einen Nirvana Fehlschluss aus.

Den Nirvana-Fehlschluss, auch Trugschluss der perfekten Lösung, begeht, wer etwas Wirkliches oder Realisierbares mit einem unrealisierbaren modellhaften Ideal vergleicht und auf dieser Basis – ohne die Realitätsferne des Ideals zu berücksichtigen – ein Urteil fällt oder eine Entscheidung trifft.

Denn wer kann denn schon – staatliche Ethiker mal ausgenommen – zu Ethikmeetings in die USA, nach London oder Hongkong fliegen? Und wer entscheidet auf diesen Meetings? Gewählte Volksvertreter?

Und selbst bei diesen Meetings gibt es völlig unterschiedliche Vorstellungen. Das WHO Komittee will ein Register schaffen so Nature gestern. Eine zweite Kommission von US National Academy of Science und British Royal Society wohl eher nicht, genaues weiss man nicht. Globaler Diskurs hinter verschlossenen Türen.

Braucht Wissenschaft Kommunikation?

Natürlich muss Wissenschaft Ergebnisse kommunizieren, vor allem wenn Forschung staatlich gefördert ist. Schon immer wurden Ergebnisse veröffentlicht oder auf Kongressen vorgetragen.
Die Frage ist lediglich, ob jeder alles verstehen kann? Ich bin da skeptisch. Auszug aus dem DHV Newsletter von gestern:

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat angekündigt, dass die Wissenschaftskommunikation einen größeren Stellenwert bei der Vergabe von Forschungsmitteln einnehmen soll. In einem Gastbeitrag für die “Zeit” stellt Karliczek das Ziel eines Grundsatzpapiers ihres Ministeriums vor, nach dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler “in ihren Projekten die Kommunikation von Anfang an mitdenken und Ressourcen dafür einplanen” sollten. Es sei an der Zeit, “konkrete Anreize für mehr Kommunikation im Forschungsalltag zu geben”. Die Ministerin kündigte an, dass es eine Plattform zur Evaluation der Wissenschaftskommunikation geben solle. Zudem werde sie eine Denkwerkstatt “#FactoryWisskomm” ins Leben rufen, die Selbstverpflichtungen der Wissenschaft erarbeiten solle. Wissenschaftskommunikation solle “endlich zur Chefsache in den Wissenschaftseinrichtungen” werden, so die Ministern weiter.

Wen interessiert schon der Forschungsalltag? Wir brauchen valide Ergebnisse und zwar dringend in vielen Bereichen. Mit begrenzten Ressourcen wäre es sinnvoller, das Geld in Personal und Ausstattung zu stecken. PR Abteilungen gibt es genügend, was fehlt sind mehr Postgraduierten Studiengänge zu Wissenschaftsjournalismus und damit zu Wissenschaftsredaktionen, die nicht auf jede PR und jede Stimmung hereinfallen, wie an dem berühmten “6000 Tote”-Beispiel zu sehen war wo auch das Fact Checking versagt hat.

Ansonsten sind wir auf dem besten Weg, dass bald 80% in den Overhead gehen wenn wir auch noch die “Kommunikation von Anfang an mitdenken” sollen. Die EU macht es vor mit unzähligen Auflagen zu Timesheets, A1 Formularen, Equality, Ethik, SMEs, GDPR, Communication, Progamm Management …
Fakt ist doch, dass es viel zu viele prekäre Arbeitsplätze in der Wissenschaft gibt.

Daher ist es auch kein Wunder dass der Vorschlag auf geteilte Meinung stösst. Gibt im übrigen auch empirische Untersuchungen dazu, schon vor mehr als 10 Jahren (Small 2007)

This study aims at exploring and explaining scientists’ responses to calls for increased dialogue and engagement with the public on the social and ethical implications of scientific research. Findings are presented from interviews with scientists regarding their views on the democratization of sci- ence and on the impacts of the increasing commercialization of science. Scientists supported the democratization of science but were divided on the extent of the public’s role.

Can you buy impact?

Yes you can. Only recently I came across an incredible example how a university has been pushing the own “impact”. It is the astonishing story of the King Abdulaziz University ( detected by Bits of DNA ) and goes back to an earlier Science article

In 2011 Yudhijit Bhattacharjee published an article in Science titled “Saudi Universities Offer Cash in Exchange for Academic Prestige” that describes how KAU is targeting highly cited professors for adjunct faculty positions.

Looks like the professional football league. If you do have a lot of money you can pay for whatever player you need for your club. There is, however, a big difference: As a player you have to show up on tht football field, as a scientist you just have to drop your name somewhere.

Wie mit Wissenschaftsleugnern umgehen?

Hier eine Reihe von Link Tipps (eine Zusammenfassung aus der Scientists for Future Mailing Liste mit eigenen Ergänzungen).

Fakten zählen leider hier wenig, dennoch die Sache ist nicht ganz hoffnungslos wenn man sich die Quellen ansieht, das ganze im Rollenspiel durchgeht, am besten einen Knopf im Ohr hat mit Supportern im Publikum.

Organized ! Scepticism !! 2019 !!!

Here is the original 1942 text (“The Normative Structure of Science”) with an excerpt the 4th norm as found at panarchy.org/merton/science.html

As we have seen in the preceding chapter, organized skepticism is variously interrelated with the other elements of the scientific ethos. It is both a methodological and an institutional mandate. The temporary suspension of judgment and the detached scrutiny of beliefs in terms of empirical and logical criteria have periodically involved science in conflict with other institutions. Science which asks questions of fact, including potentialities, concerning every aspect of nature and society may come into conflict with other attitudes toward these same data which have been crystallized and often ritualized by other institutions. The scientific investigator does not preserve the cleavage between the sacred and the profane, between that which requires uncritical respect and that which can be objectively analyzed.

As we have noted, this appears to be the source of revolts against the so-called intrusion of science into other spheres. Such resistance on the part of organized religion has become less significant as compared with that of economic and political groups. The opposition may exist quite apart from the introduction of specific scientific discoveries which appear to invalidate particular dogmas of church, economy, or state. It is rather a diffuse, frequently vague, apprehension that skepticism threatens the current distribution of power. Conflict becomes accentuated whenever science extends its research to new areas toward which there are institutionalized attitudes or whenever other institutions extend their control over science. In modern totalitarian society, anti-rationalism and the centralization of institutional control both serve to limit the scope provided for scientific activity.

Note also the footnote as the text was written in 1942 only. By 1948, the political leaders of Soviet Russia strengthened their emphasis on Russian nationalism and began to insist on the “national” character of science.
The Merton text contains perfect predictions of what is currently going on with the Scientists for Future movement – conflict becomes accentuated whenever science extends its research to new areas invalidating particular dogmas of church, economy, or state. If organized scepticism is an integral part of the scientific method (which I believe) conflicts are preordained.

Zur Neutralität von Wissenschaft

Peter André Alt in einem Gastbeitrag  für den Tagesspiegel

Wissenschaft produziere Erkenntnisse, keine Meinungen […] Und Universitäten obliege es primär, diese Erkenntnisse in Lehre und Forschung zu ermöglichen.
Es lässt sich nicht bestreiten, dass wissenschaftliche Einsichten gesellschaftliche Prozesse beeinflussen können. Ja, es ist auch denkbar, dass sie selbst zum Gegenstand von Meinungsstreitigkeiten werden – in den jeweiligen Disziplinen ebenso wie unter Laien. Aber es wäre fatal, wenn man Wissenschaft gleichsam programmatisch darauf ausrichtete, die Lebenswelt direkt zu lenken oder politische Debatten zu befeuern.
[…]  für ihre Fragestellungen, Methoden und Lösungsangebote ist nichts fataler als eine Funktionalisierung im Dienste sei es noch so ehrenwerter gesellschaftlicher Zwecke. Spätestens dann, wenn diese Zwecke nicht mehr ehrenwert sind, wird erkennbar, dass die Subordination der Wissenschaft unter politische Programme zu gefährlichen Konsequenzen führt.

Wer wird da nicht zustimmen wollen?

Performance management has long contributed to ill health in researchers

… which is the legend to a picture in Nature’s 13th Nov editorial accompanying their recent survey of 6,000 graduate students.

I’m concerned about the very competitive nature of early-career scientists. At some institutions people are very cut-throat rather than being supportive of colleagues.”

Only 44% are satisfied with the decision to pursue a PhD.

I wonder if these are the same 38% who expected an intellectual challenge (those students we are most interested in)?

The full dataset is online.

list.of.packages <- c("ggplot2", "openxlsx")
lapply(list.of.packages, require, character.only = TRUE)
tmp <- tempfile()
download.file("https://ndownloader.figshare.com/articles/10266299?private_link=74a5ea79d76ad66a8af8",tmp)
unzip(tmp,exdir="/Users/wjst/Desktop")
unlink(tmp)
phd <- read.xlsx("/Users/wjst/Desktop/Nature_PhD survey_Anon_v1.xlsx", sheet = "Cleaned data - anonymised", startRow = 1, colNames = TRUE, rowNames = FALSE, detectDates = TRUE, skipEmptyRows = TRUE, skipEmptyCols = FALSE, rows = c(1,3:6811), cols = NULL, check.names = FALSE)
# the word documentation has wrong variable names!
phd[phd$Q28=="No" & !is.na(phd$Q28),"Depressed"] <- c(0)
phd[phd$Q28=="Yes" & !is.na(phd$Q28),"Depressed"] <- c(1)
ggplot(data = phd) +
  geom_mosaic(aes(x = product(Q17, Q19.a) ), na.rm=TRUE, fill="blue")

Good to see that “intellectual challenge” and “high satisfaction” occupies the largest area. But who is getting ill?
(TBC)

Doktorarbeit zu kaufen gesucht

Mit immer mehr Hochschulabsolventen steigt auch der Betrug um die Promotionen, so Nature in der letzten Woche mit einem Beitrag von Tracey Betrag, der Autorin des “Academic Integrity Handbook“.

Stories of students paying others to do their work come from all around the world. In the 2015 MyMaser scandal in Australia, hundreds of students who were enrolled in more than a dozen universities paid a total o f at leas US$160,000 ‘service’ that provided ghost-written essays and responses to online tests. In 2018, YouTube stars on more than 250 channels received money for promoting a cheating service called EduBirdie. Similar companies have been uncovered in the United States and elsewhere.

Ihre Schätzung:  6% der Doktoranden betrügen. Und auch ein  weiteres Review ist  der Meinung, dass der Betrug inflationär zunimmt.

Auf Deutsch heisst das dann auf wenig verschleiernd Beratung, Korrektur, Lektorat, Feedback, Weiterbildung – seit dem Urvater “Dr. Frank Grätz” (den es aber in der Form seit 2008 nicht mehr gibt), hat sich nicht viel geändert, ausser dass die Preise deutlich gestiegen sind.

Dilettiere mit uns.
Ist Promocode hier ein unfreiwilliges Wortspiel?
wir verfassen keine Plagiate, wir verfassen Falsifikate
Beachten Sie bitte, dass wenn Ihre Arbeit einen praktischen Teil, eine Auswertung (statistische oder qualitative), eine empirische Untersuchung oder einen Zugang zu spezifischen Programmen, Büchern oder Databasen (sic!) beinhalten muss, wenden Sie sich bitte erst an Support (sic!)
Ist das ein Schreibfehler? Scientia?

Bewusstseinsmodelle V

Interessant wäre es, sich dazu einmal die Nahhtod Forschung anzusehen, zumal es ganze Webseiten dazu gibt, wie die Near Death Experience Research Foundation. Hinter dem hochtrabenden Namen verbergen sich allerdings nur Erfahrungsberichte, die wenig objektivierbar sind. Es gibt – wie sollte es auch – keine prospektive Studie und schon gar keine Interventionsstudie.

Long hat mit den Büchern Evidence for the Afterlife und God and the Afterlife allerdings Bestseller geschrieben, so manipogo

Jeffrey Long legt jedem, der eine Nahtod-Erfahrung gemacht hat, 140 Fragen vor. Die Ergebnisse hat er aufgeschlüsselt. Da gibt es zum Beispiel 22 Nahtod-Erfahrung in Vollnarkose. Diese Leute berichteten von Bildern und Dialogen, die sie mitgekriegt hatten. Sollte es nicht geben. »Absolut unerklärlich«, sagt Doktor Long.

Aber das ist alles so eine Sache, vom einfachen Schwindel, bis zur Hypoxie des Gehirns oder dem implantierbaren Gedächtnis.


Nahtod ist eben nicht Tod.  Objektivierbare Verfahren sind jedenfalls gescheitert, so  “Militant Agnostic

In 1907 a Massachusetts physician named Duncan MacDougall tried to find out by weighing six dying patients before and after their death. He reported in the medical journal American Medicine that there was a 21-gram difference. Even though his measurements were crude and varying, and no one has been able to replicate his findings, it has nonetheless grown to urban legendary status.

How to recognize a predatory journal

There is a lot of  information out there, how to recognize a predatory journal (PJ), so there is no need to build an own list here. Just see the warning signs at instr.iastate.libguides.com/predatory/id or the 25 crits at tressacademic.com/identify-predatory-journals. PJs are big problem now, as they already entered Pubmed and even reputed journals can become a PJ over time. As a basic reference I would use the (outdated) Beall’s list and cross check with Thomson Reuters ISI listing. PJs do not behave like a normal journal – see also the 96 things publishers usually do.

The difference between science and humanities

Small pond science has some distinctions

  • Science writing is in journals, in humanities there are books
  • Science talks are less informal, humanities are reading a paper
  • Science research is more collaborative, humanities more solitarily
  • Science students get a small lab project within the frame of the institution, humanities students work on separate questions
  • Scientists need research programs, humanities can work without
  • A huge grant in the humanities is a small grant in the sciences
  • Academic job market is messed up in humanities, the job market for scientists is more robust
  • Scientists need good internet access while humanities need a library

How design choices shape research results

A new study examines the question how design choices shape research results: Justin F. Landy et al. Crowdsourcing hypothesis tests: Making transparent how design choices shape research results. Psychological Bulletin (in press)

The institutional background of most research is a research group that shares a hypothesis. The group hypothesis usually determines the methods. Methods and study design determine results. Due to this relationship there is a high risk even in replication studies that they just replicate systematic errors. It is therefore not unexpected that many scientific hypotheses only die with their proponents. To what extent are research results influenced by subjective decisions?

Fifteen research teams independently designed studies to answer five original research questions related to moral judgments, negotiations, and implicit cognition. Participants from two separate large samples (total N > 15,000) were then randomly assigned to complete one version of each study. Effect sizes varied dramatically across different sets of materials designed to test the same hypothesis: materials from different teams rendered statistically significant effects in opposite directions for four out of five hypotheses, with the narrowest range in estimates being d = -0.37 to +0.26. Meta-analysis and a Bayesian perspective on the results revealed overall support for two hypotheses, and a lack of support for three hypotheses. Overall, practically none of the variability in effect sizes was attributable to the skill of the research team in designing materials, while considerable variability was attributable to the hypothesis being tested.

So it is all about the hypothesis … something that we already know from the Genome Analysis Workshops.