Category Archives: Philosophy

WJST (predatory journal)

The “Walailak Journal of Science and Technology” (WJST) is a predatory Thai journal – zero impact, editorial board consist of local faculty, costs paid by local university – and is listed on the official Beall list. of predatory journals.

Really funny that the Walailak Journal (“attack best defense”) even publishes about predatory publishers…

I hoped that the journal will give up my name but unfortunately they are now even publishing a new Walailak Proceedings series, giving rise to an Elsevier name conflict.

 

 

Mobbing in der Wissenschaft

Die MPG räumt auf, neue Details aus einer Umfrage und einem Interview mit Martin Stratmann.

In den letzten 12 Monaten haben rund 10 Prozent der Befragten nach eigener Einschätzung Erfahrung mit Mobbing am Arbeitsplatz gemacht. Im Vergleich mit bisherigen internationalen Studien ist dies ein durchschnittlicher Wert. Erfahrungen mit sexueller Diskriminierung haben im gleichen Zeitraum 3,9 Prozent aller Befragten mindestens gelegentlich gemacht, was im internationalen Vergleich eher unterdurchschnittlich ist. So gibt beispielsweise ein aktueller Bericht der US-amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering and Medicine diesbezüglich einen Wert von 20 Prozent an.

Hört sich ziemlich harmlos an. Aber es geht hier nur um die letzten 12 Monate. Und Mobbing ist auch nicht eine harmlose Stichelei, sondern oft ein schwerwiegender Angriff bis hin zu Karriereende und Suizid. Da passen die Interviewaussagen nicht.

Jedem Einzelfall wird nachgegangen, einige haben sich als substanzlos erwiesen. Auch bei den anderen gab es keine dramatischen Konsequenzen. Die Fälle sind im Großen und Ganzen bislang unter meiner Aufmerksamkeitsschwelle erledigt worden.

Im übrigen hat auch Nature heute das Thema aufgegriffen.

Anti-Flynn Effekt

spektrum.de schon im Januar

Seit Beginn der Messungen schneiden Menschen immer besser in den IQ-Tests ab. Über eine lange Zeit lag dieser Zuwachs in vielen Industrienationen relativ stabil bei rund 0,3 Punkten pro Jahr … Neuere Datensätze zeigen, dass der Zuwachs mancherorts allmählich abflaut. In manchen Ländern konnten Forscher sogar eine Abnahme der Intelligenzwerte feststellen; man spricht bereits von einem »Anti-Flynn-Effekt« … Der Chemnitzer Psychologe Heiner Rindermann erkundigte sich bei 75 Intelligenzforschern, welche Ursachen diese für ein mögliches Ende oder eine Umkehr des Flynn-Effekts vermuten. Die Ergebnisse der Umfrage machen stutzig. Beliebtester Erklärungsversuch: Weniger intelligente Eltern würden mehr Kinder in die Welt setzen als intelligente. Änderungen im Genpool würden dann dafür sorgen, dass die kognitive Leistungsfähigkeit in der Bevölkerung immer weiter abflaut. Dieses Konzept ist auch als Dysgenik bekannt, eine zunehmende Verbreitung von vermeintlich unvorteilhaften Genen also. Neu ist die Idee nicht; schon der österreichische Zoologe Konrad Lorenz (1903-1989) warnte 1943 vor einer »Verhausschweinung des Menschen«.

Konrad Lorenz hat einiges an rassistischen Kommentaren abgelassen und war nicht umsonst im rassenpolitischen Amt der NSDAP. Das wirkliche Problem? IQ-Tests messen nicht die Intelligenz, sondern nur Testleistungen die vage etwas mit Intelligenz zu tun haben. So wird das räumliche Vorstellungsvermögen der Deutschen immer schlechter während Vokabeltests eher besser ausfallen.

Den Fuss vom Gas

Ein lesenswertes Interview in der ZEIT mit Frank Trentmann “Die Herrschaft der Dinge“. Können wir mit Optimierungen im Alltag zu einem guten Leben gelangen?  Der Historiker Frank Trentmann sagt: Wir sollten endlich aufhören, unserem Ich hinterherzujagen.

Die Pensionäre, Manager, Millionäre hingegen hatten Muße. Zeit zu haben war Teil des gehobenen sozialen Status. Wer einen hohen sozialen Status hatte, gab damit an, dass er im Sommer für acht Wochen in seine Villa nach Baden-Baden oder an die Côte d’Azur fuhr. Heute ist es genau andersherum: Einen hohen Status haben jene Menschen, die ständig unterwegs und beschäftigt sind.

Und die Optimierung des Alltags in der Wissenschaft? Früher war es das Privileg von Wissenschaft, Zeit zu haben, zu lesen, nachzudenken, Schlüsse zu ziehen, Ideen zu skizzieren. Heute gibt es das nicht mehr, nur noch Emails, Benchmarks, Impact, Fly-in und Fly-out, Meetings, Skype, Hype und PR q.e.d.

Against DNA patenting

I remember a long struggle against gene DNA patenting in the 1990ies around the Venter case while Science magazine has now an update.

Patents balance providing incentives to take the financial risks necessary to convert an invention into useful products with the benefits of sharing information to drive other useful inventions. Since the advent of DNA sequencing and gene identification methods, patenting human genes has been controversial. A notable example involves patents for the genes BRCA1 and BRCA2, variations in which modulate risks for breast and ovarian cancer. These patents supported increased costs and hence, limited accessibility, for diagnostic tests for cancer patients and their families. In 2013, the U.S. Supreme Court ruled that these patents were invalid (Association for Molecular Pathology v. Myriad Genetics).

I still think that there is way to much money spent on rather trivial discoveries of natural products where purification doesn’t justify a patent. So maybe only now the existing law is being revised.

Scientific misconduct deserves more attention and better research committees

Misconduct is ever increasing with the increasing science industry. The spectrum of misconduct is large – as I explained some years ago with an extended version of the N-S-C Diagram. Unfortunately, protection of whistleblowers as well as quality of university investigations remain low (or are even suppressed for various reasons). This is also the view of a new Nature editorial “What Universities could learn from one of the biggest science’s fraud”

university investigations into research misconduct are often inadequate, opaque and poorly conducted. They challenge the idea that institutions can police themselves on research integrity and propose that there should be independent organizations to evaluate allegations of research fraud should.

I agree.

Too many research-misconduct investigations turn out to be inadequate or flawed, says Gunsalus, who had a hand in creating a 26-point checklist that university officials can use to guide probes into research misconduct, which Grey’s team used to rate the investigations.

The 2018 JAMA links to the checklist while the rights seems to be with the National Center for Professional & Research Ethics that has many more resources.

We don’t need Social Media in Science

Madonna eventually reached the same conclusion – we don’t need any Facebook and Instagram. Neither ResearchGate, LinkedIn and Academia.edu. Concentrating on your work gives you more satisfaction.

Madonna has about 14 million followers on Instagram, so the American singer knows first-hand how powerful the photo-sharing social network is for “influencing.” But now she’s speaking out against Instagram and the darker side of using it.
“You get caught up in comparing yourself to others,” the 60-year-old star tells The Sun in a new interview. “I think Instagram is made to make you feel bad.”
She says it’s especially hard for artists to develop their art and as people under the Instagram microscope.
“I was lucky enough to have a life as an artist before the phone and Instagram and social media because I did have that time to develop as an artist and a human without feeling the pressure of judgment of other people or comparing myself to other people,” Madonna states, adding that social media culture “runs people’s lives” and makes it harder for artists to “stick to your guns and be who you are.”

Warum auch das Alzheimer Beispiel des Ethikrates verunglückt ist

Das folgende Zitat stammt von  S.171 der “Eingriffe in die Keimbahn 2019

Auch Fragen gesamtgesellschaftlicher Solidarität stellen sich hier. Die Kosten, die Personen mit einer demenziellen Erkrankung in fortgeschrittenem Alter verursachen, sind von der Solidargemeinschaft der Versicherten und Steuerpflichtigen zu tragen. Derzeit sind dies in Deutschland durchschnittlich circa 800 Euro mehr pro Person und Monat im Vergleich mit Menschen ohne eine solche Erkrankung. Die Solidargemeinschaft könnte ein Interesse daran haben, diese Kosten durch frühzeitige Prävention zu vermeiden, von der die Betroffenen zudem selbst profitieren würden.

Der Ethikrat diskutiert hier also tatsächlich die prophylaktischen Ausschaltung der ApoE4 Genvariante in der Keimbahn unter der Überschrift der Solidarität.  Allerdings geschieht dies nicht im Kontext der mitmenschlichen Solidarität, sondern im Kontext einer angeblichen finanziellen Belastung des Staates durch zusätzlichen Kosten. Mal abgesehen davon, dass die Rechnung falsch ist (weil man mit Demenz um die 5 Jahre früher stirbt), diskutiert der Ethikrat hier tatsächlich den ökonomischen Wert, den ein Mensch hat. Das bisschen Konjunktiv kann es kaum verschleiern, dass die “Nicht-Mehr-Solidargemeinschaft” ein Interesse haben “könnte”, ökonomisch wertlose Menschen zu vermeiden.
Und wie soll ein Mensch von seiner Nichtexistenz profitieren?

S.141

Aus der differenzierten Darstellung der Orientierungsmaßstäbe wird deutlich, dass die ethische Bewertung der verbrauchenden Forschung mit frühen menschlichen Embryonen in vitro von der vergleichenden Gewichtung der jeweils einschlägigen Prinzipien abhängt

Damit wird Eugenik wird wieder salonfähig mit solch neu “differenzierten Orientierungsmasstäben”.

Controlled perception by predictive processing

is probably a better title of a very interesting essay over at edge.org with 3 examples of a vibrating phone, a hollow mask and a melody.

In the perceptual domain, the idea, familiar I’m sure to everybody, is that our perceptual world is a construct that emerges at the intersection between sensory information and priors, which here act as top-down predictions about how the sensory information is likely to be. For example, I imagine that most people have experienced phantom phone vibrations, where you suddenly feel your phone is vibrating in your pocket. It turns out that it may not even be in your pocket. Even if it is in your pocket, maybe it’s not vibrating. …  It would work very much like, say, the hollow mask illusion: When people are shown a hollow face mask lit from behind, they see the concave side of the face as having a nose pointing outwards. … People were told that they would hear the faint onset of Bing Crosby singing White Christmas in a sound file that they were going to be played. They would listen to the sound file and a substantial number of participants detected the faint onset of Bing Crosby singing White Christmas, but in fact there was no faint onset of White Christmas. There was no Bing Crosby signal there at all.

which is close to distraction (or selective attention).

Nur für Professoren

Bei der Recherche zur modernen Eugenik habe ich auch einen Verweis auf eine chinesische Samenbank gefunden bei der nur Professoren zugelassen sind

China’s 1st Notables’ Sperm Bank Opens
A sperm bank, which only accepts donors with academic degrees equal to associate professor and above, became operational early this month, causing heated controversy.
The bank, known as the “Notables’ Sperm Bank”, is sponsored by the Family Planning Technical Guidance Agency of this capital of Sichuan Province, in southwest China.

So far, all the applicants for donations have asked for anonymity, Huang said. To avoid possible incest, one donor can only donate sperm a maximum of five times, while one donor’s sperm will be used by women who live in different regions, according to the bank manager.
Meanwhile, some local experts have opposed the idea of opening the sperm bank. Prof. Zhang Sizhong, a leading genetics researcher at Huaxi Medical University, says that from the viewpoint of genetics, the sperm of highly educated people may not be better than that of others.
Prof. Yu Pingzhe, who teaches philosophy at Sichuan University, questioned the ethics of the Notables’ Sperm Bank, insisting that both foolish and clever people have the right to live.

Profiziert

Diet Stellungnahme “Eingriffe in die menschliche Keimbahn” des deutschen Ethikrates 2019 hat auf S. 86 einen netten Schreibfehler, den das Redaktionsteam und alle 26 Autoren übersehen haben.

Seit der wissenschaftlich-industriellen Revolution ist „moderne“ Wissenschaft und Technik durch eine zweifache Komplikation ausgezeichnet: Die technikgestützte Handlung erfüllt zum einen als Mittel ihren Zweck nur noch mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, unter anderem deshalb, weil zwischen Ausgangssituation und Endzweck oft viele Vermittlungsstufen mit unübersehbaren Folgen liegen (Handeln unter Bedingungen der Unsicherheit).
Zum anderen gilt: Wer die Gefahren bei wissenschaftlich-technischen Prozessen trägt, profiziert nicht automatisch auch davon (Handeln unter Bedingungen der Ungleichheit der Betroffenen). Darüber hinaus stellt sich das Problem, dass manche Folgen eines Handelns – etwa aufgrund unüberschaubarer Wechselwirkungen mit anderen Handlungen oder Einflussfaktoren – gänzlich unabwägbar sein können (Handeln unter Bedingungen der Unabwägbarkeit der Folgen).

profiziert? Zuerst dachte ich an provoziert oder profiliert. Mit dem weiteren Verlauf ist aber dann doch eher profitiert gemeint. Vielleicht ist es aber ein Neologismus des Ethikrates der “für den allgemeinen Gebrauch eine sprachliche Neuprägung” erwägt? Dass man das Thema im Sinn von Lindner FDP den ProfiProfs überlassen soll?

Ein entschlossenes “Möglicherweise”: der Ethikrat zu Genome Editing

Wie andere verstehe nicht, warum der Ethikrat Grundsätzliches von sich geben will? Um die eigene Unsterblichkeit in der ansonsten säkularen Welt zu behaupten? Und warum suggeriert er einen Konsens, wo sich hier doch schier unüberwindbare Konflikte auftun?

Nachdem ich nun das ganze Dokument gelesen habe, frage ich mich

1) für wen spricht der Ethikrat eigentlich – für die Politiker/innen, die ihn berufen hat? Für die Wissenschaft, wo die meisten Mitglieder herkommen? Oder spricht doch jeder Rat nur für sich selbst bzw seine Peer Group – Medizin, Soziologie, Theologie, Jura? Dann ist er nicht so wichtig, wie er genommen wird, denn seine Meinung wechselt mit der wechselnden Zusammensetzung des Rates.

2) was Dokument eigentlich will? Ein Moratorium habe andere auch schon gefordert (zB Leopoldina & DFG bereits 2015) und das nicht nur früher, sondern auch deutlich eloquenter. In der eindeutigen Uneindeutigkeit des Ethikrates, alles aneinander reihen zu wollen, liegt die Stellungnahme auf der Linie des Nuffield Reports oder des US Academy Reports, bei denen sich He Jiankui das Passende herausgepickt hat.

Ich halte es da mehr mit Wolfgang Huber (bei dem ich 1979 in Marburg mein allererstes Seminar an der Alten Uni besucht habe). Er

… sprach sich dafür aus, die Bereiche der Pluralität von ethisch geprägten Lebensformen und einer allgemein geltenden Moral zu unterscheiden, sie jedoch nicht beziehungslos nebeneinanderzustellen. Mit einer Gleichgültigkeit gegenüber der Frage nach dem Guten verblasse auch die Frage nach den Motiven und Antrieben, die Menschen dazu veranlassen können, sich auch gegen Widerstände an solchen Regeln zu orientieren. Die bloße Kenntnis universaler Regeln reiche nicht aus. Man benötige auch die Bereitschaft, sich für sie einzusetzen. “Wer in einer pluralen Welt an gemeinsamen moralischen Normen interessiert ist, muss deshalb fragen, wie diese sich an unterschiedliche ethische Grundhaltungen zurückbinden lassen.” Notwendig sei, eine “Kultur der Verantwortung”…