Category Archives: Philosophy

Limits of science

It’s definitely not anti-science to think about limits of science. Yes, there are limits as our brain is limited in physical capacity, processing speed but also in understanding complex relationships. The WSJ had a warning earlier this year about treating science as ideology written by Sue Desmond-Hellmann, the current CEO of the Bill & Melinda Gates Foundation.

Skepticism is the lifeblood of scientific progress. By constantly asking whether there is a different answer, a better approach or an alternative view, scientists drive improvements and innovations that ultimately benefit everyone. It is not “antiscience” to be skeptical—it’s definitively pro-science… Valuing beliefs over science manifests itself as cynicism at best, denialism at worst. Scientists talk about skepticism to assert that nothing should be accepted or rejected without considerable evidence …. What is undeniable is that the scientific breakthroughs in which we invest, …, help people around the world survive and thrive. How many more people benefit—and how quickly—will depend in part on public confidence in science. We can rebuild that confidence by uniting around the qualities of the scientific method. As the name suggests, the scientific method is not a belief system, it is a practice. We would all benefit from more practice.

Das war gestern: Der Ethikrat zu Genome Editing

Joachim Müller-Jung in der FAZ über die Stellungnahme des Ethikrates

Die „erwartbaren Manipulationen an der biologischen Hardware des Menschen“, sagte Dabrock, könne man jetzt nicht mehr allein der Wissenschaftsgemeinde überlassen, man müsse „selbst agieren“. Gewollt, getan. Das Ergebnis ist eine auf 230 Seiten ausbuchstabierte „praktische Handreichung“, deren zentrales Ergebnis – nach Buyx die Innovation des Rats – ein ethisches Flussdiagramm ist: ein „Entscheidungsbaum“, mit dem abzuklären wäre, wann und wann nicht ein Keimbahneingriff im Einzelfall möglich sein soll. Früher hätte jeder einzelne der sieben „ethischen Orientierungsmaßstäbe“ – Menschenwürde, Lebens- und Integritätsschutz, Freiheit, Natürlichkeit, Schädigungsvermeidung und Wohltätigkeit, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung – ausgereicht, Keimbahneingriffe (auch den an möglicherweise todbringenden Genen) grundsätzlich zu verhindern. Aber das war gestern.

Mittlerweile treiben 9 von 10 Frauen Kinder mit Down-Syndrom ab statt ohne sich mit Therapieversuchen abzugebenMenschenwürde, Integritätsschutz, Solidarität?

Hohe Ideale, aber wenn es die technischen Möglichkeiten gibt, dann interessiert sich bestimmt kein Paar, was sich der Ethikrat an Entscheidungsbaum ausgedacht hat. Es ist in der Tat viel Mühe, ein Kind mit Down Syndrom aufzuziehen. Carina Kühne, die selbst Down Syndrom hat, sagt aber

Für mich wäre es viel besser, wenn es den Test gar nicht gäbe. Es ist traurig, dass neun von zehn Föten abgetrieben werden. Ich wäre auch gegen eine Fruchtwasseruntersuchung. Wenn ich wirklich ein Kind mit Behinderung bekommen würde, würde ich es annehmen und liebhaben. Wenn es irgendwann gar keine Menschen mit Down-Syndrom gibt, wäre das für die Gesellschaft sehr schade.

Wenn nun in der Öffentlichkeit die neue Stellungnahme  des Ethikrates so ankommt, dass “Keimbahneingriffe derzeit zu risikoreich, aber ethisch nicht grundsätzlich auszuschließen” sind, dann ist der Umbau der solidarischen Gesellschaft damit weiter im Gang.

Jetzt also ein “Flussdiagramm” mit dem finalen Outcome, dass Keimbahneingriffe zulässig sind?

Quelle: https://www.ethikrat.org/fileadmin/Publikationen/Stellungnahmen/deutsch/entscheidungsbaum-keimbahneingriff.pdf

Das Diagramm ist  (ungewöhnlicherweise) horizontal orientiert. Steht das auch symbolisch dafür, wie oberflächlich der Inhalt ist?

Selbst wenn man sich überhaupt auf eine solche Sicht einlässt – die Konsequenzen K6.1 … K6.3 “Keimbahneingriffe sind zulässig” bleiben generell schwer unterscheidbar.

  • K6.1. “monogen” ist technisch machbar, wird aber viele Enttäuschungen produzieren, denn es gibt viele monogene Anlagen, die nicht exprimiert und damit auch nicht korrigiert werden, aber mit variabler Penetranz in der nächsten Generation auftreten können.
  • K6.2. “polygen” ist technisch nicht im entferntesten vorstellbar, weil es keinen einzigen Tierversuch gibt, der je ein polygenes Risiko korrigiert hätte.
  • K6.3. “enhancement” ist technisch  machbar. Auch wenn nun die Erlaubnis zu Gendoping nicht gleichzusetzen ist mit der Abschaffung des Leistungssports (vgl Pechstein Sphärocytose oder Semenya Hypernadrogenämie) aber Olympia, Weltmeisterschaft und Tour de France sind dann sinnlos.
  • Die Übergangsbedingungen B1 und B2 sind mehr oder weniger identisch und damit lapidar, obwohl hier der meiste Sprengstoff vergraben liegt. Der komplette Block “Klinische Studien” in dem Diagramm ist zudem hochgradig redundant. Auch wenn das ganze mehr oder weniger den Zulassungszyklen der Pharmaentwicklung von präklinischen Forschung über Phase I -IV nachempfunden ist mit Tausenden von Teilnehmern, so geht es hier um Einzelfallentscheidungen, die sicher nicht der Logik der Medikamentenentwicklung folgt.
  • Es bleibt also lediglich der Bereich Grundlagenforschung. Was soll aber hier das angeflickte “nur als letztes Mittel” bei der “Embryonenforschung”? Die entscheidende Frage ist doch im Vorfeld, ob man Keimbahntherapie will, denn Forschung zu Keimbahntherapie wird letzendlich immer Embryonenforschung sein.

Letzendlich ist das ganze Digramm sinnlos, weil es keine Klärung der wichtigen Fragen bringt. Flowdiagramme beschreiben auch im sonstigen Gebrauch etwas ganz anderes – Arbeitsabläufe, die auf Entscheidungskriterien basieren – etwa als Illustration eines Algorithmus.

Binärer Entscheidungsbaum zur Vorhersage, ob ein Apfelbaum Früchte tragen wird. Quelle Wikipedia, André Flöter

Im Flussdiagramm des Ethikrates steht aber an keiner einzigen Stelle ein Entscheidungskriterium, sondern immer nur die wiederkehrende Frage “Darf/soll man…?” Wenn nicht mal klar ist, ob man etwas darf, wie kann dann eine Frage mit einem Soll daraus werden?

Aber kommen wir nochmal auf das Anfangsbeispiel zurück und die Frage nach der Gerechtigkeit. Der Ethikrat geht in 68) darauf ein

Natürlich würde die Freigabe von Genome Editing die Beziehung von Menschen verändern, das “vermutlich” in dem Satz lässt sich problemlos streichen.

Strittig ist es auch nicht, ob die Veränderung negativ oder positiv sind – das hängt lediglich vom Standpunkt ab. Ist der Kapitalismus tendenziell negativ oder tendenziell positiv? Das hängt davon ab, ob man davon profitiert oder nur ausgebeutet wird. In einer gerechten Gesellschaft sollte niemand ausgebeutet werden. In einer gerechten Gesellschaft sollte aber auch niemand das Lebensrecht genommen werden.

An open letter to Dr. Hurlbut

Dear Dr Hurlbut,

given your previous involvement in the experiment of He Jiankui, I would like to make a proposal to you.

As a genetic epidemiologist, I have looked into the technical details of  Dr. He’s presentation in Hong Kong. I am deeply concerned about the two girls and and what the international community could do for the “CCR5 twins” but also for the “PCSK9 baby” that will be born in about 10 weeks.

As the official Chinese investigation report leaves a lot of open question, I suggest that an international commission including also scientists and medical doctors from abroad should examine these children. Very much in accordance to the International Atomic Energy Agency there should a multidisciplinary group be built that is allowed to do on-site visits. While I agree with many other ethicists and geneticists that the children and their parents should not be exposed to the public, I think a group of experts need to examine the children and resequence their genomes to offer them the best care available.

We are not sure if the twins are still alive as a Chinese magazine already wrote last December

Eugenics is a word many associate with America’s historical bans on interracial marriage, Nazi Germany’s quest for Aryan supremacy, and stolen Australian Aboriginal children. Its connection to China’s one-child policy is less obvious, but no less potent. Children were seen as valuable resources, and when only one child was permitted per family, there was tremendous pressure to secure the optimal outcome … “Deformed fetuses” are encouraged to be terminated in China because people who require extra care and function outside conventional norms are largely viewed as burdens on society and the family. In lower tier cities, disabled children are often hidden from view and afforded little dignity or opportunities for upward mobility. When people with disabilities are not being pitied as subhuman, those who manage to overcome societal judgment and obstacles are then trotted out as inspiration porn for able-bodied people. Many Chinese people struggle to see beyond someone’s disability. The Chinese word for “disabled” is made of up characters that mean “incomplete/broken” and “disease/suffering,” leaving little room for a fulfilling existence.

As a genetic community we owe something to these children as we collected all those genomic data and developed also the tools to modify a genome but we did not clearly voice our concerns of a germline based therapy. Based on a previous analysis I am sure that the two girls will have many more deficits than are currently known.

Knowing more about the details would be a further warning sign of doing such experiments.

Kind regards
MW

Kompromisse schliessen?

Aus einem alten FAZ Artikel

Manchmal erscheint ein Kompromiss als Ausdruck guten Willens, erhält oder ermöglicht Frieden und freundschaftliche Beziehungen. Dann wieder signalisiert ein Kompromiss ängstliches Einknicken und fehlendes Rückgrat, Korrumpierbarkeit und mangelnde Prinzipientreue. Ist der Kompromiss per se also gut oder schlecht? Margalits Antwort hat selbst Kompromisscharakter: Es kommt darauf an. Kompromisse sind unentbehrlich für das soziale Leben. Wenn es aber faule sind, können sie für ein Gemeinwesen tödlich sein. Was unterscheidet einen faulen Kompromiss von einem bloß schlechten, schlampigen oder schäbigen?

Dabei sieht Avishai Margalit in “On Compromise and Rotten Compromise” aber Grenzen

Wo Politik durch die ökonomische Brille betrachtet wird, lässt sich handeln und verhandeln. Um Absolutes aber feilscht man nicht.

Ansonsten geht es so aus wie bei der Challenger-Katastrophe, wo sich im Nachhinein herausstellte, dass Widerspruch in der NASA nicht gewünscht war.

Am 23. Januar, fünf Tage vor dem Challenger-Desaster, tauchte bei der Nasa ein nicht unterschriebenes Dokument des Marshall Space Flight Center auf, nach dem der Problemfall O-Ring abgeschlossen sei. Die Ringe verschwanden folglich aus dem Blickfeld und belasteten die Aufmerksamkeit der Raketentechniker vor dem “Challenger”-Start am 28. Januar 1986 nicht mehr. “Es ist ein Fehler im gesamten System”, schloß [der] Vorsitzende [der  Untersuchungskommission] Bill Rogers, “wenn ein einziger Brief und ein einzelner Mensch ein Problem ausräumen können, das über Jahre für Besorgnis gesorgt hat.” Huntsville-Boß Lucas hatte ein O-Ring-Problem ohnehin nicht gesehen. Obwohl ihm Ingenieure noch kurz vor dem “Challenger”-Start ihre Bedenken über die Dichtungsringe der Startrakete mitgeteilt hatten, gab er an das Kennedy Space Center nichts weiter. Von-Braun-Schüler Lucas ist keineswegs der einzige Schuldige. Die gerühmte Weltraumbehörde Nasa, so enthüllten die Recherchen der Rogers-Kommission, war teilweise ein schwach geführtes Unternehmen.

Scientists who change their life style

There are scientists who support climate campaigns but there are also scientists who change their life style.

Kim Cobb traveled to the Kiritimati coral reefs in the spring of 2016 and found, to her horror, an underwater graveyard.
A climate scientist at the Georgia Institute of Technology, Cobb was alarmed to see this precious research site in the Pacific Ocean in such visible distress. The reefs were mostly dead after months of being in abnormally warm ocean waters […]
And so, she underwent a “wholesale reorganization” of her life, she said, including biking to work, rarely flying, going vegetarian, investing in expensive residential rooftop solar panels, and getting involved in her community’s new transportation plans.

Auf Deutsch – die drei besten Links zu dem Thema
“Klimahysterie!”, “Klimapropaganda!” (NZZ)
“Meine Generation hat vollständig versagt” (Lesch)
“Das Schüler-Klimaquiz der AfD” (Spektrum)

Der Sinn von Wissenschaft

In einem alten brand eins Heft (5/2017) fand ich heute morgen einen kurzen Essay von Otfried Höffe zu der Frage “Was ist der Sinn des Menschen?”

Mit der Spezies Mensch entstand an einer winzigen Stelle des Universums aus der Natur ein Wesen, das die Natur zugleich weit überragt: mit seiner Intelligenz, seinen sozialen, emotionalen und künstlerischen Begabungen und vor allem mit seiner Fähigkeit, sich selbst Ziele und Zwecke zu setzen und Mittel und Wege zu entwickeln, um diese schließlich zu erreichen.
Im Laufe seiner Geschichte bereichert der Mensch den Reichtum der Natur um eine ohne ihn unvorstellbare Fülle an Technik, Wissenschaft und Medizin, um Formen des Zusammenlebens, um Musik, Literatur und Kunst samt Architektur, um Recht, Gerechtigkeit und Solidarität, auch Religion.
Allerdings verfügt auch nur der Mensch über jenes Übermaß an Machtgier, Grausamkeit und Zerstörungskraft, die sowohl Mitmenschen als auch die Natur grenzenlos unterwirft und ausbeutet. Denn als ein Freiheitswesen ist der Mensch sowohl zum Guten als auch zum Bösen fähig. Weil der Mensch mit seinem Zerstörungspotenzial das eigene langfristige Wohl aufs Spiel setzt, muss diesem Wahnsinn Einhalt geboten werden.
Die Freiheit ist die herausragende Eigenschaft des Menschen. Die Vollendung der Freiheit ist die Moral. Sie verlangt, dass die eigene Person und die soziale Welt uneingeschränkt guten Gesetzen unterworfen und alle Kreativität in den Dienst von Gerechtigkeit und Humanität gestellt werden müssen.
Wofür also gibt es die Spezies Mensch? Sie existiert, damit die Natur sich in einem Wesen vollendet, das mehr als bloße Natur, nämlich ein Freiheitswesen ist. Das deshalb für sich selbst und die Mitmenschen, aber auch für die subhumane Natur Verantwortung Versagens zu verringern, braucht das Freiheitswesen Mensch Erziehung und für das Zusammenleben eine von Gerechtigkeit bestimmte Rechtsordnung.

Man braucht also keine schweren Bücher, 5 kurze Absätze reichen für einen Text, den  jeder unterschreiben kann.

Interessant in dem Zusammenhang auch die Gegenüberstellung zu der Apologetik Benedikts von dieser Woche in der das Gute und Böse genauso zentral ist. Der Glaube an Sinn ist auch für die Wissenschaft Antrieb, denn was sollte man mit sinnlosen Vorgängen anfangen?

…. Dann können wir sagen: Das erste grundlegende Geschenk, das uns der Glaube darbietet, besteht in der Gewißheit, daß Gott existiert. Eine Welt ohne Gott kann nur eine Welt ohne Sinn sein. Denn woher kommt dann alles, was ist? Jedenfalls hat es keinen geistigen Grund. Es ist irgendwie einfach da und hat dann weder irgendein Ziel noch irgendeinen Sinn. Es gibt dann keine Maßstäbe des Guten oder des Bösen. Dann kann sich nur durchsetzen, was stärker ist als das andere. Die Macht ist dann das einzige Prinzip. Wahrheit zählt nicht, es gibt sie eigentlich nicht. Nur wenn die Dinge einen geistigen Grund haben, gewollt und gedacht sind – nur wenn es einen Schöpfergott gibt, der gut ist und das Gute will – kann auch das Leben des Menschen Sinn haben.

Die Wahrheit

Hanna Arendt unterscheidet Tatsachenwahrheit und Vernunftwahrheit in ihrem Essay Wahrheit und Politik 1964

Wiewohl es im Politischen zumeist die Tatsachenwahrheiten sind, die auf dem Spiel stehen, ist der Konflikt zwischen Wahrheit und Politik zuerst an der Vernunftwahrheit ausgebrochen und entdeckt worden. In den Wissenschaften ist das Gegenteil der Wahrheit der Irrtum oder die Unwissenheit, in der Philosophie die Illusion oder die bloße Meinung.

Dazu letzte Woche auf feinschwarz Julian Müller

Die von Arendt getroffene Unterscheidung in Wahrheit(en) und bloße Meinung(en) im eingangs erwähnten Werk scheint mir heute noch genauso dienlich, wie ihre Ausdifferenzierung in verschiedene Formen der Wahrheit… Über Meinungen kann, darf, ja soll sogar gestritten werden, sie bilden letztlich den Raum des Politischen: nach Arendt also den Bereich des gemeinsamen Handelns bzw. der Gestaltung der für alle Beteiligten gemeinsamen Welt. Wahrheiten jedoch unterscheiden sich von diesen durch ihren Wahrheits- und Gültigkeitsanspruch: „Jede Wahrheit erhebt den Anspruch zwingender Gültigkeit […]“, eine erfolgende Diskussion und Zustimmung oder aber auch eine Verweigerung derselben kann diesen weder erhärten, noch erschüttern.
Dabei weiß Arendt selbstverständlich um einen notwendig gegebenen Interpretationsspielraum und um die Tatsache, dass die sogenannte „nackte Wahrheit“ immer auch eine Frage der Perspektive ist. Der Umstand, dass es Wahrheit immer nur in Relation gibt, kann jedoch nicht dazu dienen, „[…] die Unterschiede zwischen Tatsachen, Meinungen und Interpretationen einfach zu verwischen […]“, „Wahrheit in Relation“ bedeutet also mit anderen Worten keineswegs Relativismus.

Das Problem ist nur – zumindest in der Wissenschaft – weniger das Relationale oder die Perspektive, sondern die Unklarheit ob etwas wahr oder falsch ist, ob meine Meinung oder Deine Meinung stimmt.

Der Vorteil von Blogs

http://goncourt.net/Blog/article/6559/on-blogging

Das Bloggen gleicht inzwischen dem Schreiben auf einer alten Triumph Adler. Hemmungslose Lektorats- und Redaktionsfreiheit. Deadlinefreiheit. Leserfreiheit. Kein anderes Medium derart in der Lage, das Durcheinander, die Skizze, die Beobachtung und den Gedanken, die haltlose Assoziation und den hinfälligen Zusammenhang in ähnlicher Diskretion, ähnlicher Verantwortungslosigkeit, ähnlicher Willkür aneinanderzureihen. Das Fotografieren, genauso Augenblicksprotokoll wie Projektionsfläche für alles mögliche, das Notat, je kürzer desto interpretierbarer, der Name Goncourt, irgendwann im Fluge aufgeschnappt, dann mit Wörtern, Gesten, Blicken gefüllt, dann wieder entleert.

Do we need p-values?

Sander Greenland has some doubts: “Retire statistical significance”. I am here more with John Ioannides

Statistical significance sets a convenient obstacle to unfounded claims. In my view, removing the obstacle could promote bias. Irrefutable nonsense would rule.
More stringent thresholds of significance are needed for most fields, which currently assume statistical significance when P values are less than 0.05 […]
If rules are set before data collection and analysis, then statistical guidance that is based on appropriate thresholds is helpful.

With that, all has been said

Wir haben keine Fehlerkultur

so im LJ der Tipp 203 “Aus Fehlern wird man klug” von Claudia Kurreck, Ulrich Dirnagl, Ingo Przesdzing & Sebastian Major:

Irren ist menschlich, und wer arbeitet macht auch Fehler – dies gilt nicht zuletzt auch für Biowissenschaftler. Fehler zu begehen, muss nicht negativ sein wenn wir bereit sind aus ihnen zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Auseinandersetzung mit Fehlern hat schon in einigen Branchen, wie zum Beispiel in der Luftfahrt und Kerntechnik, zu beachtlichen Fortschritten geführt und diese deutlich sicherer gemacht. In einem komplexen Umfeld, wie der experimentellen Grundlagenforschung, treten täglich eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Fehlern auf. Diese können die Qualität unserer Arbeit negativ beeinflussen, Materialien sowie Arbeitszeit verschwenden und Personen gefährden. Erstaunlicherweise hat bisher niemand der Fehlervermeidung in der biomedizinischen Forschung Aufmerksamkeit geschenkt.

Dazu letzten Monat in bester Ioannides Tradition: Ben Goldacre, der es sogar in die ZEIT geschafft hat:

We identified five high-impact journals endorsing Consolidated Standards of Reporting Trials (CONSORT) (New England Journal of Medicine, The Lancet, Journal of the American Medical Association, British Medical Journal, and Annals of Internal Medicine) and assessed all trials over a six-week period to identify every correctly and incorrectly reported outcome, comparing published reports against published protocols or registry entries, using CONSORT as the gold standard. A correction letter describing all discrepancies was submitted to the journal for all misreported trials, and detailed coding sheets were shared publicly. The proportion of letters published and delay to publication were assessed over 12 months of follow-up. Correspondence received from journals and authors was documented and themes were extracted.

JAMA und NEJM bringen es nicht mal fertig, Korrekturen zu publizieren. Nicht viel anders ist es bei Nature Genetics.

Great literature: The Ioannides letter to Sackett

Evidence-based medicine has been hijacked: a report to David Sackett

But often I wonder: what monsters have we generated through selection of the fittest! We are cheering people to learn how to absorb money, how to get the best PR to inflate their work, how to become more bombastic and least self-critical. These are our science heroes of the 21st century.