
AI-Systeme, jedenfalls wie sie heute existieren, beruhen ausschlieĂlich auf historischen Daten und statistischen Mustern aus bereits vorhandenem Wissen. Sie können nicht wirklich verstehen oder originell urteilen, sondern nur bekannte Konzepte extrapolieren. Dadurch fehlt ihnen die FĂ€higkeit, bahnbrechende, noch nicht dokumentierte Ideen oder originelle wissenschaftliche Innovationen zu erkennen oder korrekt zu bewerten - was fĂŒr die Beurteilung von ForschungsantrĂ€gen oft zentral ist.
Fachlich versierte Gutachter*innen bringen Erfahrung, kontextuelles VerstÀndnis und Intuition in die Bewertung ein - QualitÀten, die KI-Modelle noch nicht besitzen. KI kann bei Routine-Checks oder formalen Aspekten helfen, aber sie kann nicht subtile wissenschaftliche OriginalitÀt, methodische Raffinesse oder neuartige DenkansÀtze zuverlÀssig bewerten. Definitiv nicht.
KI-Modelle lernen aus DatensĂ€tzen, die bereits menschliche Vorurteile und strukturelle Verzerrungen enthalten. Wenn solche Systeme zur Begutachtung eingesetzt werden, riskieren sie, historische Ungerechtigkeiten und systematische Biases zu reproduzieren - etwa gegenĂŒber bestimmten Fachrichtungen, Regionen oder Methoden - selbst wenn "Verantwortung bei den Gutachter*innen" verbleibt. Angeblich.
Bei der Eingabe von AntrĂ€gen oder vertraulichen wissenschaftlichen Daten in KI-Systeme besteht das Risiko, dass diese Informationen nicht vollstĂ€ndig kontrolliert oder gespeichert werden. Obwohl DFG-Richtlinien Vertraulichkeit fordern, bleibt die technische Umsetzung anspruchsvoll und juristisch heikel. Oder haben wir unbegrenzt Zeit fĂŒr das Review.
Auch wenn die DFG betont, dass die Verantwortung bei den gutachtenden Personen bleibt, besteht die Gefahr, dass Bewertende kognitiv auf KI-Ausgaben "verlassen" (sog. cognitive offloading). Das kann dazu fĂŒhren, dass Gutachter*innen ihr eigenes kritisches Denken weniger anwenden, wodurch die QualitĂ€t der Begutachtung insgesamt leidet.
Und nicht zuletzt – es gibt dokumentierte FĂ€lle, in denen Forschende versuchen, KI-gestĂŒtzte Reviewprozesse durch versteckte Prompt-Techniken gezielt zu beeinflussen - ein Risiko, das bei Einsatz von KI-Tools in Begutachtungen weiter zunehmen kann, wenn entsprechende Schutzmechanismen fehlen.
Zum GlĂŒck ganz anders das European Research Counsil mit den Richtlinien zu ihren ERC Grants.

Die Richtlinien basieren auf zwei Grundprinzipien: der Nicht-Ăbertragung der Bewertungsaufgabe und dem strengen Schutz der Vertraulichkeit. Die Gutachter tragen die volle Verantwortung fĂŒr die Beurteilung von AntrĂ€gen und das Verfassen von Gutachten. KI-Tools dĂŒrfen nicht verwendet werden, um AntrĂ€ge zusammenzufassen, ihren wissenschaftlichen Wert zu beurteilen oder GutachtenentwĂŒrfe zu erstellen. Das Hochladen von AntrĂ€gen oder Teilen davon in externe KI-Systeme ist untersagt, da dies vertrauliche Informationen an Dritte weitergeben wĂŒrde.
Bestimmte Nutzungsformen sind erlaubt. Gutachter dĂŒrfen KI-Tools verwenden, um die sprachliche QualitĂ€t ihrer Berichte zu verbessern oder allgemeine Informationen zu recherchieren, sofern dabei keine Antragsunterlagen oder personenbezogenen Daten geteilt werden und keine Beurteilung delegiert wird.