Wissenschaftsbetrug und soziale Akzeptanz

Mag sein, daß es immer mehr Wissenschaftsbetrug gibt. Es kann aber auch sein, daß nur das Bewusstsein geschärft ist. Es würde mich jedenfalls nicht wundern, daß der erhöhte Leistungsdruck statt zu weiteren Höchstleistungen zu noch mehr Betrug führt.
Aus einem ganz anderen Gebiet kommt nun eine Erklärung, warum es mit der Moral bei uns doch nicht so weit her ist.

Steuerhinterziehung gilt vielen in Deutschland als Kavaliersdelikt … „Die Steuerpflicht ist keine Norm, die man verinnerlicht hätte. Man trifft erst im Erwachsenenalter auf sie“, sagt Carsten Ullrich … Erstens lässt sich eine Norm wie diese relativ angstfrei missachten … Zweitens ist eine solche Norm, die sich nur intellektuell nachvollziehen lässt, „schwer zu verstehen“ … In den neunziger Jahren ordnete ein soziologisches Standardwerk noch 18 Prozent der Bevölkerung dem Milieu der „Konventionalisten“ zu, denen Pflicht und Akzeptanz am wichtigsten sind.

Die wissenschaftlichen Normen des exakten Messens und des vourteilsfreien Berichtes kann man nicht angstfrei missachten. Bei aufgeflogenem Betrug ist das Karriereende sicher.
Aber es stimmt natürlich, daß wissenschaftliche Redlichkeit eine relativ spät erfahrbare Norm ist, die sich nur intellektuell nachvollziehen lässt.
Der DHV will Wissenschaftsbetrug strafbar machen während Milos Vec in der FAZ davon nicht recht überzeugt ist und auf die Probleme einer strafrechtlichen Verfolgung hinweist.