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Anti Diskriminierungs Fake

Die ZEIT berichtet von  einer Präsentation der Bundesbeauftragten für Antidiskriminierung, Ferda Ataman, bei der BPK  in Berlin

Viele Menschen in Deutschland glauben einer Studie zufolge an vermeintlich naturgegebene Unterschiede zwischen verschiedenen Ethnien und Kulturen. So stimmten zwei von drei Befragten der Aussage zu, dass bestimmte Kulturen “fortschrittlicher und besser” seien als andere, wie aus der Erhebung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hervorgeht. Knapp die Hälfte vertrat die Ansicht, dass gewisse Gruppen “von Natur aus fleißiger” seien als andere. 36 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass es unterschiedliche “Rassen” gäbe.

Um eine solche Studie machen zu können, muss man:frau minimale Voraussetzungen in Testtheorie mitbringen. Basale Kenntnisse der Kulturwissenschaft, Genetik, Medizin oder Pädagogik schaden auch nicht. Leider fehlt dies aber den Leitern dieser “Studie” (download hier).

Oversampling ohne transparente Gewichtung. Die Studie überrepräsentiert bestimmte Gruppen absichtlich durch eine Vorklassifikation nach Vor- und Nachnamen aus Melderegistern. Das ist legitim – aber die Gewichtung wurde im aktuellen Bericht erstmals an Mikrozensus-Daten angepasst, was die Autoren selbst einräumen führt dazu, dass frühere Berichte “in einzelnen Zahlen leicht abweichen”. Zeitreihenvergleiche sind damit methodisch fragwürdig.

Selbstauskunft als einzige Datenquelle. Alle Kernvariablen – Einstellungen, Diskriminierungserfahrungen, Institutionenvertrauen – beruhen auf subjektiver Selbstauskunft. Es gibt keine Kreuzvalidierung mit administrativen Daten, Experimenten (Audit-Studien) oder objektiven Indikatoren.

Zirkuläre Operationalisierung von “Rassismus”. Das Instrument misst u.a. die Zustimmung zur Aussage, bestimmte Kulturen seien “fortschrittlicher und besser” als andere (66 % Zustimmung), und wertet dies als rassistische Einstellung.  Eine derartig breite Definition schließt faktische Kulturvergleiche, zivilisationstheoretische Positionen und Alltagsurteile pauschal als “Rassismus” ein – das ist eine normative Vorentscheidung, keine empirische.

Konfundierung von Ursache und Wirkung. Der Bericht berichtet Korrelationen zwischen Diskriminierungserfahrungen und Institutionenvertrauen und formuliert daraus kausale Schlüsse (“gehen einher mit”, “führen zu”). Längsschnittdaten wären nötig, um Kausalrichtung zu bestimmen – das Panel ließe das zumindest ansatzweise zu, wird aber hauptsächlich im Querschnitt ausgewertet.

Selektiver Attrition-Bias. Die Gewichtung für Panel-Ausfälle erfolgt anhand von Merkmalen wie Selbstidentifikation und Einstellungen gegenüber verschiedenen Gruppen.  Wer aus dem Panel ausscheidet, weil er das Thema Rassismus als irrelevant empfindet, wird weggewichtet – das strukturiert die Ergebnisse in Richtung der Ausgangshypothese.

Institutionelle Interessenlage. Das NaDiRa ist beim Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) angesiedelt und wird vom Bundesministerium gefördert. Die Handlungsempfehlungen am Ende des Berichts sind das erklärte politische Ziel. Das ist kein Fehler per se, aber ein Faktor für die Interpretation.

Zusammenfassung. Die Studie ist kein Beleg für die Verbreitung von Rassismus in Deutschland, sondern eine Messung davon, wie viele Menschen bestimmten, normativ vordefinierten Aussagen zustimmen. Die Gleichsetzung von Zustimmungsraten mit “rassistischen Einstellungen” ist die Kernproblematik – sie folgt aus dem theoretischen Rahmen, nicht aus den Daten selbst.

“Garbabge in, Garbage out” – eine solche sensible Fragestellung in einem “online Tool” ohne vorherige ausführliche Validierung zu bearbeiten? Wo es so sehr auf Nuancen im Sprachgebrauch ankommt?

So ist nicht nur die PK sondern auch die Studie auch die Kernaussagen ein Musterbeispiel für politische Agenda aber nicht für eine validierte Aussage. Verständlicherweise kommt daher  vielfache Kritik-  Auszüge:

https://profile.zeit.de/2784058 … nicht jede Kultur ist gleich gut. Eine Kultur, in der es bspw. als normal gilt, dass junge Mädchen genitalverstümmelt, zwangsverheiratet und systematisch entrechtet werden, ist einer westlich liberalen Kultur moralisch unterlegen. Dasselbe gilt für kulturelle Prägungen, in denen Ehrengewalt, religiöser Fanatismus oder brutale Homosexuellenverfolgung als selbstverständlich gelten. Oder eine Kultur, die Massenmördern Märtyrerrenten zahlt und betont, wie ehrenvoll es sei, “Ungläubige” zu ermorden. Wer so tut, als dürfe man hier keine Wertung vornehmen, verwechselt Toleranz mit moralischer Beliebigkeit. Eine offene, rechtsstaatliche und freiheitliche Gesellschaft ist solchen Gesellschaftsmodellen überlegen, gerade weil sie individuelle Freiheit, körperliche Unversehrtheit und gleiche Rechte schützt, statt Unterdrückung als Tradition zu bemänteln.

https://profile.zeit.de/2965476 Damals gab es keine AfD und alles erschien aus heutiger Sicht gut. Ich werde das Gefühl nicht los, dass heute jeder vermeintliche Gutmensch fieberhaft unter jedem Stein einen Nazi sucht, um sich dann als der Bessere Bürger, sprich, auf der richtigen Seite der Brandmauer einsortieren zu können. Dieses platte und flache schwarz / weiß denken ist der Treibstoff der AfD

https://profile.zeit.de/2462818 Natürlich finde ich manche Kulturen besser als andere. Russland hat eine Kultur, die mehr von Machtdenken, Chauvinismus, und Gewalt geprägt ist, als andere. Ich halte Japan‘s Workoholic-Kultur und die Schönheitschirurgie-Obsession Korea‘s für problematisch. Ebenso Deutschland’s Bürokratie und technische Innovationsfeindlichkeit, Amerikanische Waffen-Kultur und Überheblichkeit, oder eine Kultur, die Genitalverstümmelung gut heißt. Aus diesem Mix an problematischen Aspekten verschiedener Kulturen ergibt sich zwangsläufig, dass manche Kulturen Aggregat dem Wohl der Menschheit zuträglicher (und damit „besser“) sind, als andere. Das anzuerkennen ist erst mal nicht rassistisch.

 

CC-BY-NC Science Surf , accessed 21.03.2026