Bayern hat beschlossen, das Verbot von Künstlicher Intelligenz bei Hochschulprüfungen zu verbieten. Sprachlich ein Meisterwerk, führt das inhaltlich zu der naheliegenden Frage: Wenn in der Prüfung ohnehin jedes Sprachmodell mitschreiben darf, warum prüfen wir dann überhaupt noch?
Kernkompetenz. Wir brauchen auch weiterhin Leistungsnachweise, um sicherzustellen, dass die Studierenden gelernt haben, die richtige KI mit dem richtigen Prompt zu bewegen. Wer den Bachelor besteht, hat bewiesen, dass er ein Sprachmodell unter Aufsicht bedienen kann, ohne dass es halluziniert. Eine Schlüsselqualifikation des 21. Jahrhunderts, und die gehört zertifiziert.
Klimaschutz. Solange Tausende Studierende gleichzeitig dieselbe Frage an dasselbe Rechenzentrum schicken, wissen wir wenigstens, wofür der Strom verbraucht wird. Ohne festen Prüfungstermin liefen die Grafikkarten ja völlig planlos heiß, so kann man die Antworten komplett aus dem Cache ziehen. Der synchronisierte Klausurtermin ist im Grunde angewandte Energiepolitik.
Und dann die soziale Funktion. Ohne Prüfungsangst wüssten ganze Studierendenjahrgänge nicht mehr, wofür sie um drei Uhr nachts wach liegen sollen. Man kann den Menschen nicht einfach die letzte verlässliche Quelle existenzieller Demut nehmen, die das Bildungssystem noch bereithält.
Die Verwaltung. Was würde bitte aus den Prüfungsämtern? Eine Verwaltung, die nichts mehr zu verwalten hat, ist eine Verwaltung, die über sich selbst nachdenken müsste. Dieses Risiko will wirklich niemand eingehen.
Endlich Fairness. Alle dürfen jetzt KI benutzen, also alle dieselbe Chance, sich auf dasselbe Modell zu verlassen, das bei allen denselben Fehler macht. Chancengleichheit war noch nie so leicht herzustellen. Für die Abschlussprüfung an der Musikhochschule erlaubt Bayern jetzt auch das Vorspielen von mp3 und an der Falckenberg Schule YouTube.
Ein kleines Fazit. Abschaffen geht also nicht. Wir behalten die Prüfung, nehmen ihr nur jeden verbliebenen Zweck und nennen das dann Hochschulinnovationsgesetz. Bayern, Vorreiter des digitalen Wandels.