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Alte Freunde, neue Feinde – Gegendarstellung

O-Ton: “In dieser ersten Studie, die wir gemacht hatten, hatten wir einen Stadt-Land Vergleich. Wir haben München verglichen und die Umgebung. Und wir haben gesehen, dass, äm, in dieser allerersten Studie, das stärkste Signal war, dass wenn einer mit Holz und Kohle heizt, aber nicht im Sinn eines Risikos, sondern im Sinn eines Schutzes. Und das haben wir nicht verstanden.”
Sprecher: “Schliesslich erwähnte ein Schularzt beiläufig, dass er noch nie ein Bauernkind mit Asthma gesehen habe und brachte sie damit auf die richtige Spur.”

Gegendarstellung

Es ist nicht die erste Studie die ich gemacht habe und es ist auch nicht die erste Studie von Frau von Mutius. Wenn hier dennoch die Asthma- und Allergiestudie 1989 gemeint ist, dann halte ich dazu fest

  1. Bei der Schuluntersuchung fiel uns als Team (Sabine Braun, Annette Fuger und mir) auf, dass es in den kleinen ländlichen Orten im Ostallgäu mit viel Bauernhöfen nur wenig positive Prickteste in den Schulen gab.
  2. Frau von Mutius war nur am Rand mit der Studie befasst. Organisation, Durchführung und Auswertung lag bei uns beziehungsweise den Kollegen am damaligen gsf Forschungszentrum (Peter Reitmeir, Andrea Wulff u.a.) während Frau von Mutius mit klinischer Tätigkeit, Facharzt Weiterbildung, Organisation der Studie in München und einer Dissertation über rheumatische Erkrankungen ausgelastet war.
  3. Der Zusammenhang mit der Heizung beruhte nicht auf einem Stadt-Land Vergleich, sondern war nur in Oberbayern zu sehen.
  4. Und natürlich haben wir auch erklärt, dass der (statistische Zusammenhang) mit der Heizung nur in den Orten auftrat, wo sehr viel Landwirtschaft war.
  5. Von einem Schutz zu reden ist übertrieben – es war lediglich eine negative Assoziation.
  6. Ich habe nie gesagt, dass ich noch kein Bauernkind mit Asthma und Allergien gesehen habe. Natürlich haben auch Kinder auf Bauernhöfen Asthma und Allergien.
  7. Mehr oder weniger zeitgleich zu unserer Beobachtung im Dezember 1989 in Bayern wurde die Beobachtung der Bauernhöfe auch aus der Schweiz berichtet (Gassen-Bachmann. Allergie und Umwelt. Allergologie 1989; 12:492-502).
  8. 30 Jahre später ist der Bauernhof Effekt nicht verstanden, auch wenn bisher eine Vielzahl von Erklärungen verbreitet wurden.
  9. Alternative Forschungsansätze (Healthy Worker Effect, Vitamin D Supplementierung, Wurmerkrankungen, etc.) wurden bisher komplett ignoriert und nur auf einen Ansatz (“Hygiene-Hypothese”) fokussiert-
  10. Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein einfacher Selektionsbias [1, 2]