Peter Dabrock bevorzugt Apple Produkte, sogar am Handgelenk. Es ist ja auch praktisch, immer informiert zu sein.
Dass bei der Gelegenheit dann auch andere informiert werden, worüber man selbst informiert ist, nun das liegt in der Natur der Sache, aber wir haben ja den perfekten Datenschutz, so sein Credo.
Wir wollen ja die Vorteile, so jedenfalls seine Aussage nach einem Besuch des Silicon Valley, von dem er mit leuchtenden Augen in Tutzing im November 2018 berichtet hat.
Die Diskussion war kurz, aber ich habe mich dann doch noch zu Wort gemeldet:
… Mit ein paar Tagen Abstand ist mir doch etwas mulmig mit einigen Ihrer Thesen … Es ist illusorisch, dass man den Daten „output“ kontrollieren kann, allenfalls den Daten „input“.
Der Hackerangriff auf den Bundestag oder auf das Kreiskrankenhaus Fürstenfeldbruck (das gerade tagelang stillgelegt war) – so recht Ahnung hat ja niemand mehr von Computern und Netzwerken.
Datenvermeidung ist im übrigen nicht meine fixe Idee, sondern steht im BDSG … Es sollte nun nicht das übliche Totschlag Argument sein, aber die Deutschen haben ihre eigene Geschichte. Es ist nicht mal ein Menschenleben her, da wissen schon viele nicht mehr, dass der Holocaust mit einer Stricknadel begann.
Und das ist auch der Grund warum die Deutschen auch nicht immer mit machen, selbst bei Aktionen, die an sich sinnvoll wären … Ich sehe da auch kein besonderes Misstrauen in Deutschland, sondern eine vernünftige Nutzen / Schaden Abwägung. Ein Frage des Kontextes oder Framings wie Sie gesagt haben.
Und was passiert mit Ihren ganzen Daten wenn sich auf einmal sich das Blatt in der Politik wendet, die Rechten wieder die Überhand gewinnen, die PiS in Polen, die AfD in Deutschland, die Fidesz in Ungarn, die Lega in Italien?
Oder wenn direkt vor Ihrer Haustür ein Beamter mit dem bayrischen Polizeiaufgabengesetz in der Hand steht und eine “drohende Gefahr“ wittert?
Schon wieder sind Firmen mit den besten Rechenzentren der Welt nicht in der Lage, die Datensicherheit zu garantieren, z. B. Facebook
Facebook soll sensible Nutzerdaten an ausgewählte Werbekunden weitergegeben haben, darunter Netflix, Tinder und Airbnb. Dies berichtet die Washington Post auf Grundlage eines mehr als 200-seitigen Ermittlungsberichts aus Großbritannien.
oder Amazon
Amazon hat einem Kunden in Deutschland, der Auskunft über die von ihm gespeicherten Daten haben wollte, 1700 Sprachdateien zugeschickt. Allerdings besitzt dieser Kunde überhaupt keinen Sprachassistenten, die Dateien stammten von einer ganz anderen Person.
oder Adobe.
Das waren alles nur die “Versehen”.
Dabei geht die Strategie weltweit zur totalen Überwachung, nicht nur in China, sondern auch in den USA und Frankreich.
CLV, das steht für “customer lifetime value”, zu Deutsch: “Kundenlebenszeitwert” – ein neues machtvolles Marketinginstrument, das Unternehmen in den Vereinigten Staaten so elektrisiert wie es Verbraucherschützer alarmiert, denn einen ähnlich groß angelegten Angriff auf die Privatsphäre von Millionen Flug-, Telefon-, Einzelhandels- und sonstigen Kunden dürfte es selbst in der US-Wirtschaftsgeschichte mit ihren dauernden Datenskandalen bisher nicht gegeben haben. Immer mehr Firmen lassen anhand Dutzender, Hunderter, gar Tausender persönlichen Daten berechnen, wie viel ihnen ein einzelner Käufer über sein gesamtes “Kundenleben” wohl in Dollar und Cent einbringen wird.
Trotzdem legt Dabrock nochmal nach auf evangelisch.de am 7.2.2019
Der Ethikratsvorsitzende fügte hinzu, dass der Oxforder Philosoph Luciano Floridi eine treffende Charakterisierung der aktuellen Epoche mit dem Begriff “Onlife” gefunden habe. Dieser mache deutlich, dass man in der heutigen Zeit gar nicht mehr zwischen online und offline unterscheiden könne. Offline sei inzwischen nichts anderes als ein avantgardistischer Lebensstil.
Wir wissen nun auch wieso. Der Tagesspiegel schreibt am 9. April 2019 über das besondere Verhältnis von Facebook und Dabrock
Für seinen Besuch in Berlin hat Mark Zuckerberg vergangene Woche die Gesprächspartner genau ausgewählt: Der Facebook-Chef traf am Montag unter anderem CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, den Grünen-Chef Robert Habeck, mit Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) gab es 45 Minuten. Und am Vormittag gleich eineinhalb Stunden für ein Gespräch mit Wissenschaftlern, darunter mit Peter Dabrock, dem Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates, der Regierung und Bundestag in ethischen Fragen berät. Doch nicht nur die Kanzlerin mit ihrem Kabinett und die Volksvertreter schätzen Dabrocks Rat – sondern auch Firmen wie Facebook. Seit Januar 2018 leitet Dabrock (55), Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen, den so genannten „Facebook-Gesprächskreis: Digitalität & Verantwortung“. Die Runde wurde auf Initiative von Facebook hin gegründet, „in enger Zusammenarbeit“ mit Dabrock als dem Vorsitzenden des Ethikrates, heißt es in einer Mitteilung von Facebook zur konstituierenden Sitzung.
Nachtrag 8.6.2026
Der Papst als Vordenker mit seiner neuen Enzyklika Magnifica Humanitas und eine Woche später hat der Epigone das Thema auch entdeckt
Die Künstliche Intelligenz stellt Grundannahmen zu Anthropologie, Recht und Theologie neu infrage. Der Theologe und Ethiker Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schreibt: „Wo KI als Heilsversprechen auftritt, ist Entzauberung geboten.“ Er fordert, die KI-Debatte auf das Thema Macht zu lenken.
Claude, warum ist das oberflächlich und warum ist die Fussnote nur noch gruslig?
1. Die Hauptthese ist nicht neu
“KI ist ein Machtverstärker, kein Gott” ist seit mindestens einem Jahrzehnt Konsens in der kritischen Techniksoziologie (Langdon Winner, Kate Crawford, Shoshana Zuboff). Dabrock recycelt diesen Gedanken, ohne ihn weiterzuentwickeln oder die bestehende Literatur zu verorten.2. Die Rhetorik widerspricht der eigenen Forderung
Der Aufsatz fordert “nüchternere, politischere” Analyse, operiert aber selbst mit theologischen Appellen (Bonhoeffer, Vorsehung, Erlösung) und wertgeladenen Schlagworten wie “freiheitsethische Kernfrage”. Das ist performativer Widerspruch.3. Keine einzige konkrete Empfehlung
Fragen wie “Welche Gegenmächte aufgebaut?” werden gestellt, aber nicht ansatzweise beantwortet. Der AI Act und der Digital Services Act werden pauschal als Lösung erwähnt, ohne Diskussion ihrer bekannten Durchsetzungsprobleme (fehlende Ressourcen der nationalen Marktüberwachungsbehörden, extraterritoriale Wirkungsgrenzen etc.).4. Die Fußnote ist problematisch
Dabrock gibt in der Fußnote an, den Text “mit Hilfe von ChatGPT redaktionell überarbeitet” zu haben, ohne anzugeben, in welchem Umfang. Das ist methodisch inkonsistent in einem Text, der Transparenz und Verantwortungszurechnung bei KI-Systemen einfordert. Wer hat was geschrieben? Die Fußnote verschleiert genau das, was der Text als ethisch zentral bezeichnet.5. Machtanalyse ohne Akteure
“Tech-Konzerne, Finanzmacht, Sicherheitsinteressen und Politik” bleiben abstrakt. Kein Name, keine Fallstudie, keine Zahl. Eine politökonomische Machtanalyse, die keine Akteure benennt, ist keine Machtanalyse.6. Die Bonhoeffer-Referenz ist dekorativ
Die Unterscheidung “Letztes/Vorletztes” wird eingeführt, aber dann nicht operationalisiert. Was wäre das “Vorletzte” bei KI-Regulierung konkret? Bleibt offen.
Kurz: der Aufsatz stellt die richtigen Fragen, aber gibt weder Antworten noch empirischen Gehalt, und widerlegt durch seine eigene Entstehungsweise die Glaubwürdigkeit der normativen Forderungen.