Staatliche Milchwerbung (2 von 2)

Als Alternative zu der staatlichen geförderten Milchwerbung (siehe Teil 1), lohnt es sich, das neue Review von Willett und Ludwig  anzusehen (NEJM 13.2.2020), das Milch ebenfalls auf Gesundheitseffekte untersucht. Der Artikel – von dem wohl bekanntesten Ernährungsepidemiologen der Welt verfasst – kommt zu ganz anderen Aussagen als die staatliche bayrische Milchwerbung.

Wachstum und Entwicklung. Um die Milchproduktion anzukurbeln wurden Tiere gezüchtet, die mehr anabole Hormone und vor allem höhere IGF-1 Spiegel haben. Dazu sind die Muttertiere meist schwanger und haben hohe Progesteron und Östrogenspiegel. In der Summe führt das übr die Milch bei Kindern zu einem vermehrten Grössenwachstum. Leider wird damit aber auch der mTOR Pathway aktiviert, der Zellteilung fördert und damit nicht nur Krebs, sondern auch Schenkelhalsfrakturen und Lungenembolien begünstigt.

Knochenbrüche. Auch wenn die Korrelation mit den Frakturen nicht unbedingt kausal sein muss, so ist der Zusammenhang von wenig Milchtrinken und wenig Frakturen doch gesichert.

Übergewicht. Hier gibt es keine belegten Zusammenhänge.

Blutdruck, Blutfett, KHK. Der relativ hohe Kaliumgehalt der Milch liess vermuten, dass damit der Blutdruck gesenkt werden kann. Leider konnte das nicht gezeigt werden, dagegen scheint Milchtrinken LDL zu erhöhen was seinerseits wieder ein Risikofaktor für die koronare Herzkrankheit ist. Allerdigs gibt es keinen nachgewiesenen Zusammenhang mit der Häufigkeit von Herzinfarkten oder Schlaganfällen.

Diabetes. Hier sieht es gemischt aus: mehr Antikörper bei Typ 1 Diabetes, weniger Typ2 Diabetes.

Krebs. Sollte man vielleicht wörtlich zitieren (siehe auch 1.) um keine Unklarheiten aufkommen zu lassen:

In international comparisons, consumption of dairy products is strongly correlated with rates of breast cancer, prostate cancer, and other cancers […] In prospective cohort studies, milk consumption is most consistently associated with a greater risk of prostate cancer, especially aggressive or fatal forms, but not with a greater risk of breast cancer. Total dairy intake has been associated with a greater risk of endometrial cancer, particularly among post- menopausal women who are not receiving hormone therapy, a finding possibly related to the sex-hormone content of dairy products. […] In contrast, in meta-analyses and pooled analyses of primary data, milk consumption was inversely associated with the risk of colorectal cancer, potentially owing to its high calcium content.

Der geringer Vorteil bei Darmkrebs, wird mit einem hohen Krebsrisiko  vieler anderer Organe erkauft.

Allergien. Auch hier am besten wörtliches Zitat:

Scattered reports suggest that milk consumption may exacerbate atopic tendencies, conferring a predisposition to asthma, eczema, and food allergies. Over a period of 10 years, infants with a family history of atopy who were randomly assigned to receive hydrolyzed protein formula had a lower risk of any allergic disease and of eczema than did infants who were randomly assigned to receive cow’s milk. […] Beyond childhood, cow’s milk may precipitate asthmatic exacerbations and related conditions.

Auch wenn ich nicht an den protektiven Effekt hydroysierter Formulanahrungen glaube, so würde es ohne Milch auch keine Milchallergie geben.

Wichtig ist ein weiterer Punkt, den die bayrische Milchwebrung komplett unterschlägt, 5-10x mal mehr Treibhausgase, Wasserverbrauch und Antibiotika Resistenzen.

The effects of dairy production, particularly industrial-scale production, on greenhouse gas production and climate change, water use and pollution, and antibiotic resistance are large — potentially 5 to 10 times greater per unit of protein than the effects from production of soy foods, other legumes, and most grains.

Kein Freispruch!