Um das Versagen von EbM in der Corona Krise zu erklären, hier nun doch noch ein zweiter Teil mit den offenen Fragen zumal der erste Teil schon fast tausendmal geklickt wurde.
Gute Wissenschaft stellt Fragen, gibt aber nicht immer Antworten.

Es geht hier, um es nochmal zu sagen, nicht um den allgemeinen Evidenzbegriff (“die unbezweifelbar erkennbare oder unmittelbare mit Wahrheitsanspruch auftretende Einsicht”), sondern um die spezielle Umdefinition bei der individuelle ärztliche Expertise mit externer Wahrscheinlichkeit aus systematischer Forschung kombiniert wird. Es geht EbM dabei allerdings nicht primär um die klinische Expertise, sondern um Recherche in der medizinischen Literatur, der kritischen Bewertung der Validität sowie dem EbM eigenen Klassifikationssystem zur Anwendung im konkreten Fall.
I
EbM individualisiert damit den komplizierten Prozess der Translation von “Bench to Bedside” auf Ebene des Arztes der EbM Kriterien anwendet. Ist das wirklich sinnvoll oder Ăźberlässt man Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie nicht besser Experten, LehrbĂźchern oder Fachgesellschaften?
II
EbM steigt extrem spät in die Translation ein – quasi als Trittbrettfahrer vorhandener Studienergebnisse ohne je an der experimentellen oder der klinischen Studienphase beteiligt zu sein. Ist es wirklich sinnvoll, die klinische Anwendung des Wissens so sehr von der Entstehung des Wissens zu trennen?
III
FĂźr wieviel Prozent der klinisch relevanten Fragen es eigentlich randomisierte, doppelblinde Studien? 10%?
IV
Wieviel Medikamente hätte die Medizin eigentlich zur Verfßgung wenn nur EbM compliant entwickelt und verordnet worden wäre? 10%
V
FĂźr was will EbM eigentlich in der Corona Pandemie randomisieren? FĂźr Ăbertragungswege? Genetik? Viruslast? Masken? Abstände?
VI
Ich hoffe, die EbM Community sortiert sich in den nächsten Jahren neu und kommuniziert die Grenzen ihrer Methode.