Tirschenreuth ist auch in der aktuellen 7.(?) Welle wieder bayrischer Rekordmeister mit einer 7 Tages Inzidenz von ĂŒber 1800, wobei die Dunkelziffer wohl dreimal so hoch liegt. Continue reading Tirschenreuth IV: Fortsetzung
Tirschenreuth ist auch in der aktuellen 7.(?) Welle wieder bayrischer Rekordmeister mit einer 7 Tages Inzidenz von ĂŒber 1800, wobei die Dunkelziffer wohl dreimal so hoch liegt. Continue reading Tirschenreuth IV: Fortsetzung
Seit gestern ist der RKI Bericht nun online verfĂŒgbar, Luisa Hommerich (ZEIT), Thomas Scharnagl (Frankenpost) und Maximilian Gerl / Matthias KoÌpf (SZ) haben bereits Kommentare dazu veröffentlicht.
Die Aussage von Ex-Landrat Lippert “dass unsere MaĂnahmen gegriffen haben, zeigt auch der RuÌckgang der Coronazahlen, zeitweise auf Null” ist nicht so ganz nachvollziehbar. Aber schauen wir uns an, was es an Neuigkeiten zu der FrĂŒhphase gibt. Bisher wussten wir, dass



Nun zum RKI Bericht “April-Juni 2020” von Regina Selb, Michael Brandl und Sybille Rehmet. S.10 Abbildung 4 enthĂ€lt dabei bisher nicht bekannte Daten

Der Bericht sagt dazu
Zehn FĂ€lle (9%) besuchten das Starkbierfest am 7.3.2020 in Mitterteich, 12 FĂ€lle (11%) machten einen Skiurlaub in Italien oder Ăsterreich im Februar oder MĂ€rz und 14 FĂ€lle (13%) waren zu Gast beim Zoigl in Mitterteich zwischen dem 3.3. und 7.3.2020. 12 (11%) der FĂ€lle waren zum Zeitpunkt der erneuten Befragung zu möglichen Expositionen (12.-14.05.2020) bereits verstorben … Von den 98 erneut befragten Fallen hatten 33 mindestens eine dieser drei Expositionen. Ein Zusammenspiel dieser drei Faktoren zu einem Zeitpunkt, als noch kein einziger Fall aus dem Landkreis gemeldet war, scheint wahrscheinlich als Ursache fĂŒr die rasante Ausbreitung des neuen Coronavirus in der Stadt Mitterteich.
Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Aussage des Gesundheitsamtes gegenĂŒber der ZEIT Journalistin
DarĂŒber habe das Gesundheitsamt keine Informationen, sagt Grillmeier. Ein Sprecher ergĂ€nzt per E-Mail: “Ob sich auf dem Fest eine bereits mit Covid-19 infizierte Person aufgehalten hat, ist bisher mehr oder weniger eine Vermutung.”
Das Gesundheitsamt weiss also angeblich von keinem einzigen Fall. Das heisst nichts anderes aks dass eine meldepflichtige Erkrankung von den Ărzten nicht gemeldet wurde oder dass das Gesundheitsamt die Meldung erstmal verschwiegen hat. Wie auch immer, Wochen spĂ€ter wurde die Meldung weiter gegeben. Der Bericht sagt das auch verklausuliert
Jedoch gibt es Hinweise darauf, dass zwischen Symptombeginn und Nachweis des SARS-CoV-2 Virus in Tirschenreuth mehr Zeit verging als in den Vergleichsregionen.
Man sieht auf den ersten Blick, wie das Intervall zwischen Erkrankung und Meldung immer lĂ€nger wird, am Ende sind es ĂŒber 6 Wochen! Die RKI ExpertInnen meinen, dass der hohe Anteil der FĂ€lle aus der Gemeinde Mitterteich am Ausbruchsgeschehen im Landkreis mit der Exposition in Mitterteich zusammenhĂ€ngen.
Ausser dem Oberstaatsanwalt in Weiden Opf. hatte bisher daran auch niemand ernsthaft Zweifel.

Das RKI will aber (S.11) die Ausbreitung nicht primĂ€r auf das Starkbierfest zurĂŒckfĂŒhren. Ich frage mich, worauf dann? Etwa auf die Zoigl Wirtschaft, die mit wenigen Tischen vom 3.-7.3 geöffnet hatte? Einer einzelnen Wirtschaft kann man kaum viele FĂ€lle zuordnen, solange man nicht auch die Besucherzahlen in anderen Restaurants oder in den Gottesdiensten untersucht hat. Der RKI Bericht hat also wohl nicht nur eine der Hauptinfektionsquellen ĂŒbersehen, es wichtet auch die Zoigl Wirtschaft zu stark im VerhĂ€ltnis zu den 1200 Personen, die am 7.3. beim Singen, Tanzen und Trinken beim Starkbierfest in der Mehrzweckhalle den Virus verbreitet haben. Das Starkbierfest passt sehr viel besser zum Zeitverlauf als die Zoigl Wirtschaft, da eine Woche darauf die meisten FĂ€lle gemeldet wurden.

So steht dann auch auf S.14 des Berichtes
Die deutliche ĂberproportionalitĂ€t der Falle in der Gemeinde Mitterteich an der Gesamtfallzahl im Landkreis zu Beginn des Ausbruchs deutet darauf hin, dass die beiden Biertraditionen dort als Katalysator des Geschehens dienten.
Oder auf S.19
Der hohe Anteil an positiven SARS-CoV-2 Befunden trotz der ĂŒberproportional hohen Anzahl an Testungen im Landkreis Tirschenreuth deutet auf ein groĂes Ausbruchsgeschehen hin.
Dem ZEIT Artikel stimme ich damit in der Wertung zu
Die Studie wirft neue Fragen zum Krisenmanagement im Landkreis auf. Denn anders als nach anderen bekannten Superspreading-Ereignissen in Deutschland stellte das oÌrtliche Gesundheitsamt die Festbesucherinnen und -besucher von Mitterteich nicht systematisch unter QuarantaÌne, nachdem das Amt von den Infektionen im Zusammenhang mit dem Fest erfuhr. Das Fest wurde auch nicht als Ansteckungsherd kommuniziert. “Man kann ja nicht 1.200 Festbesucher unter QuarantaÌne stellen oder die alle testen lassen”, begruÌndete Landrat Roland Grillmeier das Vorgehen gegenuÌber der ZEIT. Andere Landkreise taten jedoch genau das: Der Landkreis Heinsberg schickte etwa nach einer Karnevalsfeier im Februar immerhin rund 300 Besucher in QuarantaÌne.
Dr. med. Peter Deinlein. Geboren 1976 in Bayreuth, aufgewachsen in Kemnath, Wehrdienst in Feldkirchen, Studium in Erlangen ab 1997, 2005 promoviert.
Die Doktorarbeit ist auf Mikrofiche verfĂŒgbar, was man in der Vergangenheit oft machte, um bei belanglosen “Titelarbeiten” das Papier einzusparen. Die Zusammenfassung ist in einer deutschen Zeitschrift erschienen, geschĂ€tzter Zeitaufwand damals 4-6 Wochen, heute ca . 1-2 Wochen. Leider basiert die Veröffentlichung auf einem Zirkelschluss, denn wenn eine Hochrisikogruppe ĂŒber LymphgefaÌĂeinbruch eines Tumors definiert wird und dann gezeigt wird, dass es just in dieser Gruppe mehr Metastasen gibt, dann ist das doch irgendwie trivial.
Wo die am Ende angesprochene “eigene, noch nicht publizierten Studie” wohl blieb? Hat sie sein Doktorvater Michael Vieth ohne ihn verwertet? Oder war sie schlicht zu uninteressant? Es eine Statistik ĂŒber 218 koloraktale Karzinome, die in Bayreuth 1987-2000 diagnostiziert wurden. Die bevorzugte Darstellung sind schraffierte! 3-D! Balkendiagramme (Abbildungen 12-23). Wie das nicht kategorisierte Alter oder die nicht kategorisierte Karzinomgrösse auf Lymphknotenmetastasen im Chiquadrat Test ausgewertet wurde (S.45) bleibt schleierhaft, ebenso die grenzwertig positiven Ergebnisse der multivariaten Analyse (ohne Geschlecht im Modell, ohne Ă SchĂ€tzer, nur das Intervall ist angegeben). Nirgendwo findet sich auch die AUC, die Arbeit hĂ€tte vielleicht doch jemand Korrektur lesen sollen.
Leider stimmt in der Veröffentlichung dann aber der erste Eintrag in der Tabelle des “Pathologen” nicht, Christie et al 1984 hatte 83 FĂ€lle, nicht wie angegeben 101. Bei Morson 1984 stimmen zwar die 60 FĂ€lle, aber nicht die 0 bei den Metastasen. Coverlizza 1989 hatte 8 statt 5 Metastasen. Völlig unklar ist auch, warum die Tabellen in Dissertation und Veröffentlichung nicht ĂŒbereinstimmen? Nun ja, vergessen wir die Art von “Dissertationen”.

Auf das Studium folgt eine kurze Weiterbildung in einem kleinen Krankenhaus, ein Jahr chirurgische Praxis und Ăbernahme der Praxis seines Vaters. Neben den ĂŒblichen Landfreundschaften (Feuerwehr, Tennisclub), GeschĂ€ftstĂŒchtigkeit (Raiffeisenbank, Architekturwettbewerb, weitere Praxis) und ĂŒblicher FunktionĂ€rslaufbahn (Bayrischer HausĂ€rzteverband, Bezirksdelegierter Oberpfalz) ist nicht viel online heraus zu finden.
Die Beziehungen zur Politik sind gut, sogar sehr gut, der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert kommt Mitte Juni 2019 in seine Praxis. Dr. Deinlein nutzt die Gelegenheit, eine Professur fĂŒr Allgemeinmedizin zu fordern
Es ist … fuÌr die gesamte Oberpfalz bedauerlich, dass die UniversitaÌt Regensburg als einzige Hochschule mit medizinischer FakultaÌt in ganz Bayern noch keinen Lehrstuhl fuÌr Allgemeinmedizin hat oder plant. DaruÌber hinaus muÌssen wir aber auch in unserem Landkreis aktiver werden und jungen Medizinern in unseren Kliniken und Praxen eine hervorragende Aus- und Weiterbildung bieten, um diese so fuÌr unsere Region zu begeistern.
Dann kommt Corona. Und alles geht schief. Damit wĂ€hrend der aktuellen Lage auch die ambulante Arztversorgung im aktuellen Katastrophenfall sichergestellt ist, wurde in Bayern ab dem 27.3. von den LandrĂ€ten sogenannte “VersorgungsĂ€rzte” eingesetzt. VersorgungsĂ€rzte sollen die Ă€rztliche Versorgung sicherstellen, SchutzausrĂŒstung zuteilen, Testzentren einrichten, Schwerpunktpraxen einrichten und die Politik beraten. Und Landrat Lippert wĂ€hlt Deinlein. Der/die LokalreporterIn stellt dann auch gleich die richtige Frage, ob Deinlein die öffentliche Kritik an der EinfĂŒhrung des Versorgungsarztes verstehen kann, die ja eine Entmachtung der kassenĂ€rztlichen Vereinigung und des Gesundheitsamtes bedeutet?
Ich verstehe, dass jede Körperschaft das Heft des Handelns selbst in der Hand haben möchte. Doch das Krisenmanagement der Bayerischen Staatsregierung ist absolut richtig und die einzelnen BeschlĂŒsse hĂ€tten keinen Tag spĂ€ter kommen dĂŒrfen. Die kritische Lage, in der sich unser Landkreis jetzt befindet, kann man nicht zentral steuern. Sie muss tĂ€glich vor Ort neu bewertet werden. Es liegen zu viele bĂŒrokratische HĂŒrden zwischen Berlin und Tirschenreuth und selbst der Weg von MĂŒnchen nach Tirschenreuth ist lang … Das persönliche GesprĂ€ch und der “kurze Dienstweg” sind unsere StĂ€rke … Ich habe den Kollegen die Entscheidung abgenommen und fĂŒr den gesamten Landkreis sieben regionale Sprecher festgelegt.
Das ist nun die zweite bemerkenswerte Tatsache, dass hier ein Arzt ohne besonderer Ausbildung in Infektionskrankheiten oder Epidemiologie weitreichende Entscheidungen trifft. Leider hat dann Tirschenreuth die meisten TodesfÀlle in Deutschland. Deinlein ist damit auch der Arzt, der es in die ZEIT Reportage von Luisa Hommerich schafft.
Der Versorgungsarzt von Tirschenreuth moÌchte nicht, dass aus dem einstuÌndigen Telefonat mit ihm zitiert wird. Nach dem GespraÌch schickt er eine E-Mail an einen Verteiler mit AÌrzten aus dem Landkreis: Er droht allen, die die ZEIT bei der Spurensuche unterstuÌtzen, sie der AÌrztekammer zu melden. Diese Fragen sollten “intern aufgearbeitet und geklaÌrt werden”. Es bringe nichts, solche Angelegenheiten nach auĂen zu tragen - “aber so dumm sind die OberpfaÌlzer nicht, wir halten zusammen und klaÌren intern auf “.
Seine Reaktion auf den ZEIT Artikel muss man zwei Mal lesen:
AuĂerdem habe Hommerich ihn gebeten, ihre Nummer an Covid-Patienten weiterzureichen, um so an GespraÌchspartner zu kommen. “Ich hatte Bedenken, dass dies eventuell gegen die aÌrztliche Berufsordnung verstoĂen koÌnnte.” Deshalb habe er seine Kollegen darauf hingewiesen. Inzwischen habe er herausgefunden, dass es kein VerstoĂ ist, wenn man die Nummer einer Journalistin an Patienten weitergibt..
Ein VerstoĂ gegen die Berufsordnung? Der ehemalige Mitterteicher BĂŒrgermeister (wir kennen ihn von dem Starkbierfest) und jetzige Landrat Grillmeier, springt Deinlein bei, nicht ganz uneigennĂŒtzig:
Der Journalistin sei es um Schuldzuweisungen gegangen, sagt Grillmeier, der bis Mai BĂŒrgermeister in der besonders betroffenen Stadt Mitterteich gewesen war. Dabei lasse sich nicht sicher sagen, weshalb der Landstrich so hart getroffen wurde. “Auch dieser Artikel wiederholt doch nur bekannte Spekulationen.” Und die Frage, weshalb ein so hoher Anteil der positiv getesteten auch verstorben sei, könne der Beitrag gar nicht erklĂ€ren.
Lehrbuch der Rhetorik-Tricks: erst kommt die Unterstellung (sogenannte “moralische Argument”), dann stellt er sich dumm (“Argument aus Nichtwissen”) bevor dann endlich das Strohmann-Argument folgt (“angeblich hohe IFR”).
Wie die Arbeit von Deinlein einzuschĂ€tzen ist, steht auch auf S.23 des RKI Berichtes, wie Mitarbeiter des Heim 3 die Infektion einschleppen und damit die TodesfĂ€lle verursachen. S.19 des RKI Berichtes zeigt die chaotische Strategie des Versorgungsarztes, dem Schutzkleidung und Testmaterial ausgehen und nicht mal mehr in den Pflegeheimen getestet werden kann. DafĂŒr werden aber “Sonderarbeitsgenehmigungen fĂŒr symptomloses Personal” ohne Testergebnis ausgestellt.
Heim 3 war dabei das erste betroffene Heim. Der erste COVID-19 Fall unter den Mitarbeitenden dieses Heimes wurde am 16. MĂ€rz getestet und am 19.3.2020 gemeldet. Symptombeginn war am 8.3.2020 … Auf Grund der milden respiratorischen Symptomatik arbeitete der Fall noch bis zum 16.3.2020 in der Einrichtung.
Nach dem RKI Bericht hat man die Patienten nicht mal mehr in die Klinik in Weiden gebracht, da sie bis zur KapazitÀtsgrenze belegt war (und hat nicht Bayern sogar Patienten aus Italien eingeflogen?)
Ein dubioser Möchtegernprofessor mit dubioser Promotion, dem das Testmaterial ausgeht. Ărzte, die eine meldepflichtige Krankheit nicht melden und eine Praxis, die ihre Patientinnen infiziert. Ein Landrat, der einBierfest nicht absagt und dann auch noch zur Datenherausgabe verklagt werden muss, ein ĂŒberfordertes Gesundheitsamt, dem auch mit zusĂ€tzlichem Personal nicht zu helfen ist wie vorgeschrieben zu melden, eine Klinik, in die nicht mehr eingewiesen werden kann, ein Staatsanwalt, der die Infektionskette leugnet, RKI Experten, die auch nicht die Quellen identifizieren – langsam wird klar “weshalb der Landstrich so hart getroffen wurde”.
Es gibt viele andere Kommunen in Bayern, die mit derselben Ausgangslage konfrontiert wurden. Es ist aber kein Zufall, daĂ in Tirschenreuth so viele Menschen gestorben sind.
Nachtrag 21.10.2022
Der geschĂ€ftstĂŒchtige Allgemeinarzt hat wieder zugeschlagen diesmal mit dem “Projekt: Die innovative Hausarztschmiede“.
Inzwischen ist der Förderbescheid des Bayerischen Gesundheitsministeriums eingetroffen. 50 Prozent der 240.000 Euro Kosten in den kommenden drei Jahren werden vom Freistaat getragen. Ziel der Hausarztschmiede ist es, die Ă€rztliche Grundversorgung sicherzustellen. Schon jetzt gĂ€be es zum Beispiel im östlichen Teil des Landkreises eine Unterversorgung bei den KinderĂ€rzten, so Dr. Deinlein. Beinahe 50 Prozent der Ărzte sind zudem ĂŒber 60 Jahre alt. In den kommenden sechs Monaten soll die Situation sondiert und eine Bestandsaufnahme durchgefĂŒhrt werden. AnschlieĂend geht es an die Umsetzung der Projekte. Arztpraxen sollen zum Beispiel Lehrpraxen werden. Die Gesundheitsökonomin Laura Ott soll dafĂŒr Studenten gewinnen.
und ja, Dr. med. Peter Deinlein macht jetzt auch Werbung fĂŒr Fahrrad Flickzeug.
"FĂŒr mich ist das Wheelie Wrench Pro ein gut durchdachtes, sehr kompaktes, leichtes Multitool fĂŒr sĂ€mtliche Abenteuer auf dem Gravelbike", sagt Peter nach seinem Test.
Alle Welt redet ĂŒber die Gangelt Studie, nicht zuletzt durch die mediale Begleitung. Tirschenreuth ist aber mit Abstand der wichtigste Hotspot in Deutschland. Luisa Hommerich hat in der ZEIT beschrieben, dass die Todesrate in Tirschenreuth die höchste im Bundesdurchschnitt war. Es ist im Augenblick schwer zu sagen, was wirklich in dem Landkreis Tirschenreuth passierte, solange man nicht die individuellen Kontaktdaten einsehen kann. Zitat aus der ZEIT
Und noch etwas ist seltsam: Es gab in Tirschenreuth nicht nur extrem viele Corona-Kranke - ganze elf Prozent von ihnen starben auch, obwohl die Todesrate im Bundesdurchschnitt bei nicht einmal fĂŒnf Prozent liegt.
Schauen wir also nach der CFR in Deutschland nun auch noch den Zeitverlauf der CFR fĂŒr Tirschenreuth an.

Die CFR geht ab dem 1.4. in ein Plateau und steigt danach sogar wieder an. Die CFR ist dabei höher als im ĂŒbrigen Bayern, wohl durch eine hohe Zahl von asymptomatisch Infizierten, weniger eine ungĂŒnstigere Ăberlebensrate. Nach RKI Daten ist jedenfalls die Aussage fraglich, die der neue Landrat und ehemalige BĂŒrgermeister von Mitterteich gegenĂŒber der ZEIT gemacht hat, dass es zum damaligen Zeitpunkt (7.3.) noch keine Corona-FĂ€lle im Landkreis gab. Zehn FĂ€lle gab es definitiv schon laut RKI Datensatz, ich schĂ€tze es waren 20-30 FĂ€lle allein aus dem spĂ€teren Verlauf.
Die ersten Corona FĂ€lle im Landkreis Tirschenreuth aus dem RKI Datensatz passen dabei besser zu der ZEIT Darstellung. Allerdings wurden weder der 50jĂ€hrige “Brunner” noch der “Musiker” getestet, obwohl sie an dem Fest Symptome hatten. Zwei der bekannten 10 FĂ€lle sind mittlerweile verstorben.
Weltweit gab es am 7.3. aber bereits 35.000 FĂ€lle laut Worldometer, die ersten FĂ€lle in Deutschland waren sechs Wochen zuvor aufgetreten, sicher keine harmlose Situation um noch am 7.3. zu einer “Massen-Schluckimpfung” einzuladen.

Eigenartigerweise wurden die ersten ErkrankungsfÀlle des Landkreises alle erst nach dem Fest gemeldet. Der Landkreis hat 73.000 Einwohner, Mitterteich 7.000, die meisten der 1200 Teilnehmer kam aus dem Umland. Warum wurde der erste Fall im Landkreis 23 Tage lang nicht gemeldet? Und der zweite Fall auch erst 21 Tage spÀter? Eigenartig ist die zeitliche Reihung der Meldungen von FÀllen, die aber mehr oder weniger gleichzeitig aufgetreten sind. Die einschlÀgige Vorschrift dazu ist eigentlich klar
Die namentliche Meldung muss unverzĂŒglich erfolgen und dem zustĂ€ndigen Gesundheitsamt spĂ€testens 24 Stunden, nachdem der Meldende Kenntnis erlangt hat, vorliegen. Eine Meldung darf wegen einzelner fehlender Angaben nicht verzögert werden (vgl. § 9 Abs. 3 IfSG)….
Zum Vergleich ein anderer Zeitablauf: In MĂŒnchen traten am 24.1. die ersten Symptome auf, drei Tage spĂ€ter war die erste PCR positiv, ein Tag spĂ€ter wurde gemeldet und am 5.3. ist der Artikel im New England Medical Journal erschienen.
Leider kam es in dem Landkreis nach offiziellen RKI Daten auch zu einem Exzess an Erkrankungen bei Frauen, zuerst ein geringerer im letzten MÀrz Drittel, und dann ein zweiter in den ersten Aprilwochen, die beide sicherlich unabhÀngig von dem Starkbierfest waren und trotz Ausgangssperre ab 18.3. aufgetreten sind.

Es wurde also nicht nur die Fallmeldung an das Gesundheitsamt versĂ€umt, es wurde auch noch eine GroĂveranstaltung erlaubt, die man zu dem Zeitpunkt nicht hĂ€tte erlauben dĂŒrfen. Und es wurde wohl in einer oder zwei Frauenarztpraxen gegen Infektionsschutzmassnahmen verstoĂen, ohne dass das bis heute bekannt wĂ€re.
Leider gibt es bisher in Deutschland kaum backward tracing wie in anderen LĂ€ndern. Was die drei RKI Experten herausgefunden haben, die ab dem 27.4. vor Ort waren, wird interessant sein. Der Bericht steht noch aus. Ich vermute, es gibt noch mehr GrĂŒnde, warum die Tirschenreuth so stark betroffen war. In Tirschenreuth lag im ĂŒbrigen eine Strafanzeige gegen unbekannt vor, allerdings sagt der Oberstaatsanwalt Gerd SchĂ€fer der lokalen Tageszeitung am 16.4.
“Die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit einer Infektion auf dem Starkbierfest in Mitterteich reicht nicht zur BegrĂŒndung dieses strafrechtlichen Vorwurfs einer fahrlĂ€ssigen Körperverletzung aus”, erklĂ€rt SchĂ€fer. Es gebe keine sicheren Erkenntnisse ĂŒber eine solche Infektion.”
Ob die VorfĂ€lle strafrechtlich relevant sind, sei dahingestellt, die BegrĂŒndung ist sicher falsch. Es gab mehrere infizierte Teilnehmer auf dem Fest und im Anschluss daran gab es den höchsten Anstieg an Infektionen in Bayern.
Mit der ĂŒblichen Ermittlungsmethoden (die auch sonst an Tatorten ĂŒblich sind) hĂ€tte man die Infektionskette zweifelsfrei nachweisen können und zwar in unter 24 Stunden. Auch hĂ€tte man alle Festteilnehmer am 8.3. oder 9.3. unter QuarantĂ€ne stellen können. Man hĂ€tte nur wollen mĂŒssen. Und nicht erst am 18.3. eine Ausgangssperre verhĂ€ngen dĂŒrfen als bereits 15 Patienten im Krankenhaus lagen.
Nachtrag 6.6.2020
Teil 1 von 4 BeitrÀgen zu CFR
Hier kommt ein Plot der Case Fatality Ratio nach BundeslĂ€ndern. Warum sinkt eigentlich die CFR, obwohl der Virus doch ĂŒberall gleich tödlich ist?

Am Anfang der Pandemie waren die bestĂ€tigten FĂ€lle selten, da nur begrenzt PCR Tests zur VerfĂŒgung standen, die CFR wird also massiv ĂŒberschĂ€tzt. Dann steigt die Zahl der durchgefĂŒhrten Tests, am Ende der Epidemie geht die CFR wieder herunter, da es auch keine SterbefĂ€lle mehr gibt.
In dem Verlauf zwischen dem 15.3. und 15.4. könnten allerdings auch “echte” Faktoren eine Rolle spielen, etwa eine Lernkurve in den Kliniken, dass Patienten besser behandelt werden. Es könnte aber auch ein positiver Effekt durch die Maske sein, dass zum Beispiel Infektionen mit geringeren Virusmengen weniger tödlich verlaufen. Oder als ein weiterer positiver Effekt, dass durch KontaktbeschrĂ€nkung weniger Gefahr durch Super Spreader droht.
Was davon stimmt, kann nur ĂŒber neue Studien herausgefunden werden. Der Zeitverlauf zeigt jedenfalls, dass man die CFR sinnvollerweise erst am Ende einer Pandemie bestimmt.
Schauen wir uns noch einen Plot der MortalitÀt in den Landkreisen an.

Am stĂ€rksten betroffen sind Baden-WĂŒrttemberg, Bayern und Nordrhein Westfalen, wobei bei den Landkreisen aber nicht Gangelt/Heinsberg sondern Mitterteich/Tirschenreuth den Spitzenplatz einnimmt.